Georgsorden (Bayern)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Historische Darstellung der Ordensinsignien um 1840 (oben Ordensstern, darunter das Kreuz mit Vorder- und Rückseite)
Kurfürst Carl Theodor im Ordensgewand eines Großmeisters des St. Georg-Ordens, Anonymus nach einem Gemälde von Anton Hickel, Stadtmuseum Landeshauptstadt Düsseldorf

Der Hausritterorden vom Heiligen Georg (kurz: Georgsorden) war als bayerischer Ritterorden wohl der bekannteste unter allen 13 Ritterorden, die nach dem Heiligen Georg benannt worden waren. Er existiert als Hausorden des Hauses Wittelsbach bis heute.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Orden wurde während der Kreuzzüge im 12. Jahrhundert gegründet. Im Jahr 1494 wurde er vom römisch-deutschen König Maximilian I. erneuert, nachdem er wieder eingegangen war, vom Kurfürsten Karl Albrecht, dem späteren Kaiser Karl VII., am 24. April 1729 abermals wiederhergestellt und von Papst Benedikt XIII. bestätigt. Der Papst verlieh ihm alle Privilegien des Deutschen Ordens, die Ritter mussten sich in ihrem Gelöbnis zur Verteidigung der Unbefleckten Empfängnis Mariens verpflichten. Nach dem Erlöschen der bayerischen Kurlinie im Jahr 1778 wurde der Orden von Kurfürst Karl Theodor als pfalzbayrischer Orden anerkannt. Maximilian I. Joseph erhob den Georgsorden zum zweiten Orden Bayerns und König Ludwig I. versah ihn am 25. Februar 1827 mit umfassenden Statuten. Schließlich wurde der Ritterorden unter König Ludwig II. am 17. April 1871 im Geist seiner Zeit reorganisiert, indem als Zweck des Ordens an die Stelle der „Verteidigung des christkatholischen Glaubens“ die Ausübung der Werke der Barmherzigkeit gesetzt wurden.[1]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Orden hatte zwei „Zungen“, die deutsche und die fremde. An der Spitze des Ordens standen der Großmeister (König), der erste Großprior (Kronprinz), der zweite Großprior (nächster königlicher Prinz) und ein Ordenskanzler. Die Inhaber waren Kapitulargroßkomture, Großkomture ad honores, Kapitularkomture, Komture ad honores und Ritter. Drei Großkomture ernannte der König (de grâce), drei rückten (de justice) vor. Der Ordenskandidat musste eine Ahnenprobe von acht väterlichen und acht mütterlichen adeligen Ahnen nachweisen und mindestens 25 Jahre alt sein.

Außerdem besaß der Orden eine geistliche ritterbürtige Klasse. Höchster Ordensgeistlicher war der Ordenspropst. Das Amt war ab 1733 verbunden mit der Stiftspropstei St. Wolfgang am Burgholz. Dieser Propst bekleidete als oberster Geistlicher der Ordensgesellschaft eine angesehene Ehrenstellung am kurfürstlichen Hof und war infuliert, das heißt, er besaß ehrenhalber das Recht, eine bischöfliche Mitra zu tragen. Von 1774 bis 1789 hatte dieses Amt Joseph Ferdinand Guidobald von Spaur inne, der 1780 Titularbischof von Abila in Palaestina wurde und 1789 zum Münchner Hofbischof avancierte. Letzter Ordenspropst vor der Säkularisation war ab 1789 Graf Damian Hugo Philipp von Lehrbach (1738–1815), der schon bei der Ordensversammlung vom 23. April 1782, eine Druck erschienene Festpredigt, in Anwesenheit von Papst Pius VI. gehalten hatte, welcher als in München weilender Gast daran teilnahm.[2][3]

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie im Königreich Bayern konnte sich der Orden durch seinen Charakter als Hausorden bis heute als karitative Vereinigung erhalten. Großmeister ist stets der Chef des Hauses Wittelsbach, Prinzen des Königlichen Hauses werden im Rang von Großprioren aufgenommen. Derzeitiger Großmeister ist Herzog Franz von Bayern, Ordenskanzler Fürst Alois Konstantin zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg.

Ordensdekoration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ordensinsignien

Das Ordenszeichen ist ein achtspitziges goldenes Kreuz mit kleinen Kugeln auf den Kreuzspitzen. Auf der Vorderseite ist auf himmelblauem Grund im Medaillon das Bildnis der auf einem Mond stehenden Jungfrau Maria zu sehen. In den Kreuzwinkeln die Buchstaben V. I. B. I. („virgini immaculatae Bavaria immaculata“). Rückseitig die Darstellung des Heiligen Georgs von einem Lorbeerkranz umschlossen, sowie die Buchstaben I. V. P. F. („justus ut palma fiorebit“).

Himmelblaues, am Rand weißes und dunkelblau eingefasstes Band, das durch einen Löwenkopf den Orden hält. Die Großkomture tragen das Band von der rechten zur linken Körperseite und auf der Brust den himmelblauen, achtspitzigen, silbern eingefassten Stern mit bayrischen Wecken in den Winkeln, in dessen Mitte ein silberner Schild mit rotem Kreuz, die Komture das Kreuz am Hals und den Stern, die Ritter das Kreuz im Knopfloch. An den Ordensfesten (24. April und 8. Dezember) tragen die Ordensmitglieder eine besondere Ordenstracht und das Kreuz an goldener Kette.

Die Zeremoniekleidung bestand aus einem hellblauen Samttalar mit weißer Seiden- und Hermelinausfütterung. Weiße atlasseidene Beinkleider, seidene weiße Strümpfe und ebensolche Schuhe mit Rosetten vervollständigten die Kleidung.

Staatswappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großes Wappen des Königreichs Bayern mit den Collanen der vier höchsten Orden

Der Georgsorden war einer der vier königlich bayerischen Orden, die im Staatswappen abgebildet waren.

Verleihungszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1806 bis 1918[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ordensklasse Verleihungen
Großprior 14
Großkomtur 92
Komtur 82
Ritter 288
St. Georgs-Medaille 75

1918 bis 1986[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ordensklasse Verleihungen
Großprior 7
Großkomtur 59
Komtur 76
Ritter 145

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arnhard Graf Klenau: Orden in Deutschland und Österreich, Band II, Graf Klenau Verlags GmbH, Offenbach 2008, ISBN 3-937064-13-3, S.92-101
  • Geschichte des königlich bayrischen Hausritterordens vom heiligen Georg. München 1871.
  • Georg Baumgartner, Lorenz Seelig: Der königliche-Bayerische Hausritterorden vom Heiligen Georg 1729–1979. Katalog der Ausstellung in der Residenz München vom 21. April bis 24. Juni 1979. Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München 1979.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Georgsorden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Webseite Historisches Lexikon Bayerns
  2. Digitalscan der Ordensfest-Predigt vor Papst Pius VI., 1782
  3. Joseph Schwind: Damian Hugo Philipp Graf von und zu Lehrbach (1738–1815) der Wohltäter der Speyerer Domkirche, Speyer, Jäger’sche Buchdruckerei, 1915, S. 33