Haustein

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Haustein (Begriffsklärung) aufgeführt.
Die größeren Steine der Tempel von Göbekli Tepe gehören zu den ältesten bekannten Hausteinen der Weltarchitektur. Die Außenmauern bestehen hingegen aus Bruchsteinen.

Als Haustein wird allgemeinsprachlich ein Naturstein bezeichnet, der von Steinmetzen handwerklich bearbeitet und in Bauwerken eingebaut wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sakralbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Beginn der Sesshaftigkeit (um 10000 v. Chr.) gab es überhaupt keine Steinbauten; erst bei den repräsentativen religiösen Bauten der Frühzeit im Bereich des Fruchtbaren Halbmondes (z. B. Göbekli Tepe) wurden einige der verwendeten Steine behauen und geglättet. In der Tempelarchitektur Ägyptens, Griechenlands und Roms wurde diese Technik immer weiter verfeinert und erlebte in der Tempelarchitektur Indiens und Südostasiens sowie in der Kathedralarchitektur der europäischen Spätromanik, Gotik und Renaissance neue Höhepunkte, wenngleich auch hier oft nur die sichtbaren Seiten der Mauern mit exakt behauenen Steinen verkleidet wurden, wohingegen das Füllmaterial aus Bruchsteinen und Bauschutt bestand.

Wohnbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Kulturstufe der Jäger und Sammler lebten die Menschen lebten unter Felsvorsprüngen (abris) oder in kleinen Hütten aus Ästen und Zweigen mit Abdeckungen aus Blättern, Schilf und Gras. Deutlich später entstanden feste Bauten aus Zweigen mit Lehmbewurf oder Fachwerkkonstruktionen. Nur ganz allmählich entwickelte sich auch in der Wohnarchitektur eine Steinbauweise, bei der die zum Bauen verwendeten Fundsteine einfach aufeinander gelegt und mit etwas Erde abgedichtet und stabilisiert wurden; diese Technik hat sich je nach Region und Bauzweck bis in die Gegenwart hinein gehalten (siehe z. B. die Agadire in Marokko). Insgesamt gesehen dauerte es bei Palast- und Wohnbauten deutlich länger bis sich eine Architektur aus exakt geformten Steinen (Lehmziegel bzw. Mauerziegel) durchsetzte.

Wehrbauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Wehr- und Festungsbauten (Burgen, Stadtmauern etc.) hielt sich die Bruchsteinbauweise noch bis ins ausgehende Mittelalter, wenngleich die Ecksteine von Torbauten oder Bergfrieden zumeist exakt behauen wurden. Die Mauern wurden in vielen Fällen mit Hausteinen verkleidet.

Werkzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bronzeplastik (ca. 12 cm hoch).
Der Steinmetz bezeichnet den großen Steinblock, der ihm als Unterlage dient, als „Haustein“. Laien bezeichnen dagegen den oben aufliegenden Werkstein als Haustein, besonders nach der Fertigstellung und am Ort der endgültigen Verwendung.

Zum Bearbeiten und Glätten der ersten Hausteine wurden ursprünglich andere (meist härtere) Steine verwendet; selbst Kupfer- und Bronzeäxte waren für diesen Zweck eher ungeeignet. Erst das Aufkommen von Eisenwerkzeugen ermöglichte eine bessere Bearbeitung von Kalk- und Sandsteinen, später auch von Granit- und Basaltsteinen.

Haubank[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinmetze selbst bezeichnen mit dem Begriff „Haustein“ etwas anderes: Bei ihnen ist ein Haustein eine steinerne Haubank. Das ist ein Rohblock aus Naturstein, auf dem sie ihre Werksteine zum Bearbeiten auflegen (Steinmetzen sagen „aufbänken“). Für diesen Zweck wird ein Naturstein ausgewählt, der aufgrund von Fehlern nicht mehr als Werkstein verwendet wird. Die steinerne Bearbeitungsunterlage wird meist einige Zentimeter in den Boden eingelassen, damit sie einen sicheren Stand gewährleistet. Auf einer Haubank wird ein Werkstück so hoch gebänkt, dass ein Steinmetz die flache Hand auflegen kann. Der Arm wird dabei ausgestreckt und nicht gekrümmt. Zum Höhenausgleich können sog. Bankhölzer untergelegt werden.[1] Beim handwerklichen Bearbeiten eines Rohsteins zu einem Werkstein mit ebenen Flächen wird nach dem Bänken der tiefste Punkt der herzustellenden Fläche ermittelt und der erste Randschlag unter Einsatz von Fäustel und Eisen (Werkzeuge) gezogen. Es werden mittlerweile aber auch handgestützte Drucklufthämmer benutzt. Allerdings werden heutzutage ebene Flächen, außer in der denkmalpflegerischen Steinrestaurierung, zumeist unter Einsatz von Steinsägen hergestellt.

Als Haubänke werden auch hölzerne oder geschweißte Metallböcke (bzw. -gestelle) als Bearbeitungsunterlage verwendet. Die Maße der Hausteine bzw. Haubänke sind durchaus unterschiedlich, jedoch meist etwa 50 bis 70 cm hoch, 50 cm lang und 50 cm breit.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richard Thiele: Steinmetzarbeiten in der Architektur. S. 26/27. Fachbuchverlag Leipzig 1957