Havraníky

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Havraníky
Wappen von Havraníky
Havraníky (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 920 ha
Geographische Lage: 48° 49′ N, 16° 1′ OKoordinaten: 48° 48′ 52″ N, 16° 0′ 51″ O
Höhe: 288 m n.m.
Einwohner: 347 (1. Jan. 2018)[1]
Postleitzahl: 669 02
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Jaroslava Šalomounová (Stand: 2008)
Adresse: Havraníky 133
66902 Znojmo 2
Gemeindenummer: 594024
Website: www.havraniky.cz

Havraníky (deutsch Kaidling) ist eine Gemeinde im Okres Znojmo (Bezirk Znaim), Jihomoravský kraj (Region Südmähren) in der Tschechischen Republik. Sie befindet sich etwa sechs Kilometer südwestlich der Stadt Znojmo (Znaim), unweit der südlichen Grenze Tschechiens zu Österreich.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen Westen befindet sich der als Devět mlýnů (Neunmühlen) bezeichnete Abschnitt des Thayatales mit dem Mäander am Šobes. Der Ort selbst ist als ein Längsangerdorf angelegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage des Ortes und die bis 1945 gesprochene „ui“- Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern weisen auf eine Besiedlung durch bayrische deutsche Stämme hin, wie sie, um 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[2] Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde Havraníky im Jahre 1269. In der Urkunde wurde vom Abt des Klosters Bruck dem Ort das Zehent für die Weinberge erlassen. 5 Jahre später wurde diese Urkunde von Bischof Bruno von Olmütz bestätigt. Der Weinbau war in Kaidling schon immer mit viel Eifer betrieben worden, was sich in den nächsten Jahrhunderten auch nicht änderte.[3] 1314 gelangt ein Otto von Gaya in den Besitz des Gutes Kaidling. Im späteren 14. Jahrhundert kam zuerst ein Teil des Ortes und kurze Zeit später der gesamte Ort unter die Herrschaft der Propstei Pöltenberg. Noch vorhandene Mauerreste belegen, dass der Ort befestigt und durch zwei Tore abgeschlossen war. Während des Dreißigjährigen Krieges verlor der Ort durch Plünderungen und Krankheiten 70 Bewohner, so dass 27 Häuser leer standen. In den Jahren 1734 und 1830 wüteten Großbrände in Kaidling. 1822 visitiert Ordenssekretär Carl Postl (Charles Sealsfield) das Wirtshaus und die Schule. Im Jahre 1832 brach die Cholera im Ort aus und forderte 42 Opfer.

Im Laufe der Jahre änderte sich die Schreibweise des Ortes mehrmals. So schrieb man im 13. Jahrhundert Kovernich, 1397 Chovernik, 1513 Khayrnik, 1524 Kahydlink und schließlich ab 1672 Kaidling. Ab dem 14. Jahrhundert gehörte der Ort zur Propstei der Kreuzherren mit dem roten Stern auf dem Pöltenberg.

Nach dem Ersten Weltkrieg und den Vertrag von Saint-Germain[4] wurde der Ort, der im Jahre 1910 zu 99 % von Deutschsüdmährern bewohnt war, zu einem Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik. In der Zwischenkriegszeit kam es durch Neuernennung von Beamten zu einem vermehrten Zuzug von Personen tschechischer Nationalität. Im Jahre 1931 wurde die Freiwillige Feuerwehr Kaidling gegründet. Nach dem Münchner Abkommen, 1938, gehörte Südmähren und somit Kaidling zum Reichsgau Niederdonau.[5]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8. Mai 1945), der 46 Opfer forderte, kam die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. Nach dem Abzug der Sowjets nahmen ortsfremde, tschechische „Hausverwalter“ die Häuser der deutschen Ortsbewohner in Besitz. Um den folgenden Exzessen und Drangsalierungen zu entgehen, flüchteten viele der Deutschsüdmährer über die nahe Grenze nach Österreich oder wurden hinüber getrieben. Die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges nahmen am 2. August 1945 im Potsdamer Kommuniqués, Artikel XIII konkret zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer“ der „deutschen Bevölkerungsteile“, die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0. Die „offizielle“ Zwangsaussiedlung der letzten 82 deutschen Bürger erfolgte am 27. August und 18. September 1945 nach Deutschland. An den Vertreibungsfolgen starben fünf Personen. Fünf Personen verblieben im Ort. Laut dem Beneš-Dekret 108 wurde das Vermögen der deutschen Einwohner sowie das öffentliche und kirchliche deutsche Eigentum konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt. Es erfolgte keine Abgeltung.

Die in Österreich befindlichen Ortsbewohner wurden bis auf 31 %, in Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen des Potsdamer Abkommens, nach Deutschland weiter transferiert.[6] Anschließend wurde der Ort durch Einwohner aus der Mährischen Walachei neu besiedelt.

Matriken führt der Ort seit dem Jahre 1637. Alle Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken bis zum Jahre 1949 befinden sich im Landesarchiv Brünn.[7]

Wappen und Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das älteste erhaltene Siegel stammt aus dem 17. Jahrhundert. Es zeigt das Propsteiwahrzeichen mit dem Stern, welches von vier weiteren Sternchen umgeben ist. Weiters zeigt es ist ein Rebstock mit Trauben beseitet von einem Rebmesser. Nach dem Auflösen der Klöster unter Kaiser Joseph II. benutzte die Ortschaft ein Siegel mit einem zweiblättrigen Rebstück samt Weintrauben.[8]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 652 622 25 5
1890 695 690 3 2
1900 711 707 3 1
1910 759 754 2 3
1921 673 604 49 20
1930 621 557 37 27

[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Leonhard (anstelle einer Kapelle, die 1752 abgetragen wurde) (erbaut 1771, erneuert 1815/16)
  • Floriani-Säule (1. Hälfte 18. Jahrhundert)
  • Johann-von-Nepomuk-Säule (1760)
  • Marienkapelle
  • Kriegerdenkmal (1922)

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reiches Brauchtum bestimmte den Jahresablauf der 1945/46 vertriebenen, deutschen Ortsbewohner:

  • Der Kirtag fand am zweiten Sonntag nach Maria Geburt (8. September) statt.[5]

Sagen aus dem Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter den deutschen Ortsbewohnern gab es eine Vielzahl von Mythen:

  • Thayana als verführerisches Mädchen
  • Felsenreste der sagenhaften Thayana[10]

Quellen und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Südmährische Bibliothek Geislingen/Steige
  • Hubert Kiesling: Erinnerungen an die Heimatgemeinde Kaidling 2001, Südmährische Bibliothek Geislingen/Steige
  • Hubert Kiesling: Chronik der Heimatgemeinde Kaidling, Südmährische Bibliothek Geislingen/Steige
  • Detlef Brandes: Der Weg zur Vertreibung 1938-1945. Pläne und Entscheidungen zum „Transfer“ der Deutschen aus Polen und der Tschechoslowakei, München 2001, ISBN 3-486-56520-6
  • Georg Dehio, Karl Ginhart: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler in der Ostmark. Anton Schroll & Co, Kaidling 1941, S. 269.
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941, Generalvikariat Nikolsburg, Kaidling S. 75
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren, Kaidling, s. 14, C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden , Kaidling, s. 102f, Josef Knee, Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X
  • Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 302 (Kaidling).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Havraníky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  2. Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren,1837, s. 473
  4. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  5. a b Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z, 2009
  6. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 302 (Kaidling).
  7. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 10. März 2011.
  8. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band II. S. 132
  9. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  10. Zuckriegl:Im Märchenland der Thayana, 2000, Eigenverlag, S. 79f