Hebertshausen

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Wappen Deutschlandkarte
Hebertshausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hebertshausen hervorgehoben

Koordinaten: 48° 17′ N, 11° 28′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Dachau
Höhe: 489 m ü. NHN
Fläche: 29,57 km2
Einwohner: 5811 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 197 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 85241, 85764
Vorwahlen: 08131, 08133, 08139, 089
Kfz-Kennzeichen: DAH
Gemeindeschlüssel: 09 1 74 122
Gemeindegliederung: 14 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Weinberg 1
85241 Hebertshausen
Website: www.hebertshausen.de
Erster Bürgermeister: Richard Reischl (CSU)
Lage der Gemeinde Hebertshausen im Landkreis Dachau
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Über dieses Bild
Pfarrkirche St. Georg in Hebertshausen

Hebertshausen ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Dachau.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt am Hebertshauser Moos, einem Teil des Dachauer Mooses, im Übergang von der Münchner Schotterebene ins Donau-Isar-Hügelland. Die Gemeinde liegt knapp vier Kilometer nordöstlich von der Kreisstadt Dachau, links der Amper, in die dort die Würm von rechts kommend mündet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt 14 Gemeindeteile:[2][3]

Gemeindeteil Siedlungstyp Bevölkerung
Volkszählung
25. Mai 1987[4]
Bevölkerung
Melderegister
30. Juni 2011
Gemarkung/
frühere Gemeinde
Hebertshausen Pfarrdorf 1.665 2.338 Hebertshausen
Ampermoching Pfarrdorf 942 1223 Ampermoching
Deutenhofen Dorf 676 709 Hebertshausen
Gänsstall Einöde 6 5 Amperpettenbach
Goppertshofen Dorf 38 47 Prittlbach
Hackermoos Dorf 64 81 Ampermoching
Kaltmühle Weiler 19 20 Ampermoching
Lotzbach Weiler 37 48 Ampermoching
Oberweilbach Weiler 32 40 Unterweilbach
Prittlbach Kirchdorf 376 444 Prittlbach
Reipertshofen Weiler 29 30 Unterweilbach
Sulzrain Kirchdorf 55 66 Amperpettenbach
Unterweilbach Kirchdorf 166 268 Unterweilbach
Walpertshofen Weiler 23 12 Prittlbach
Hebertshausen Gemeinde 4.128 5.336 5 Gemarkungen

Die Einöden Hackenhof und Mooshäusl sind keine amtlich benannten Gemeindeteile.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptort kann auf eine über 1200-jährige Geschichte zurückblicken, eine erste urkundliche Erwähnung ist zwischen 783 und 789 zu datieren. Allerdings reicht die Frühgeschichte deutlich weiter zurück: Anfang November 2011 wurden im Zuge der Erschließungsarbeiten für das Neubaugebiet „Ampermoching Ost IV“ Reste einer keltischen Siedlung aus der Latènezeit (5.–1. Jahrhundert v. Chr.) entdeckt. In erster Linie handelt es sich um Pfostenabdrücke von mindestens drei Holzhäusern sowie einige zeittypische Keramikscherben. Den entdeckten Gebäudegrundrissen zufolge lässt sich die Fundstelle in das 3. oder 2. Jahrhundert v. Chr. datieren.[5][6]

Im Oktober 2018 fand ein Hobbyarchäologe in einem Feld in der Nähe des Gemeindeteils Sulzrain 98 Objekte, darunter 74 Bronzeteile, die das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege einem vierrädrigen Prunkwagen samt Pferdegeschirr aus der Bronzezeit um das Jahr 1200 v. Chr. zuordnete. Weitere Untersuchungen ergaben, dass der Wagen vom archäologischen Typus „Hart an der Alz“ gebrannt hatte. Dies deute darauf hin, dass es sich bei dem Gefährt um eine Grabbeigabe gehandelt habe.[7]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hofkammerpräsident Johann Mandl, dessen Familie seit dem 17. Jahrhundert in der Gegend begütert war, erwarb 1625 den Sitz Deutenhofen, der 1627 durch Kurfürst Maximilian I. zur geschlossenen Hofmark erhoben wurde. Im Jahre 1654 wurde noch das bisher landgerichtliche Dorf Hebertshausen in die Hofmark einbezogen. Die Freiherren von Mandl blieben bis zum Verkauf an die Grafen von Spreti im Jahr 1834 im Besitz des Deutenhofener Schlosses. Die Grafen von Spreti hatten bereits seit 1771 die Hofmark (seit 1820 Patrimonialgericht) Unterweilbach inne, die von etwa 1679 bis 1738 ebenfalls der Familie Mandl gehört hatte. Die Filialkirche Mariä Geburt in Unterweilbach birgt deshalb die Epitaphien von Graf Hieronymus von Spreti (1695–1772) und seiner Gattin Maria Caroline Charlotte von Spreti, geb. von Ingenheim (1704–1749), ehemalige Favoritin des Kurfürsten bzw. Kaisers Karl Albrecht von Bayern, mit dem zusammen sie auch einen Sohn hatte, der das Adelsgeschlecht der Grafen von Holnstein aus Bayern begründete.[8] Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern des Grafen Maximilian von Montgelas entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

19. bis 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gemeindegebiet in Prittlbach wurde 1915 die Königliche Pulver- und Munitionsfabrik Dachau („Pumpf“ genannt) angelegt. Bis 1848 war die Gemeinde allerdings eine Patrimonialgemeinde. 1971 wurde die Gemeinde Ampermoching nach Hebertshausen eingegliedert.

Gedenkstätte Schießplatz

SS-Schießplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Anfang September 1941 bis in das Folgejahr wurden auf dem damaligen SS-Schießplatz Hebertshausen (auf dem Gemeindegebiet Dachau) als Folge des Kommissarbefehls ca. 4000 sowjetische Kriegsgefangene[9] – hauptsächlich Offiziere, kommunistische Funktionäre und Juden – von der SS durch Hinrichtungs-Pelotone ermordet. Seit 2014 erinnert eine Gedenkstätte an dieses Verbrechen.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hebertshausen ist in den Traditionsbüchern von Kloster Freising als Heriperhteshusun ersturkundlich genannt. Er bedeutet ‚bei den Häusern des Heriperht‘.[10]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Einwohner
(1970)
Eingemeindungs-
datum
Bemerkungen
Ampermoching 787 01.07.1971[11]
Amperpettenbach 346 01.01.1972[11] Eingliederung von 75 der 346 Einwohner (Sulzrain und Gänsstall)
Umgliederung der übrigen Ortsteile nach Haimhausen
Prittlbach 396 01.05.1978[12]
Unterweilbach 191 01.07.1972[11]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 4193 auf 5701[13] um 1.508 Einwohner bzw. um 36 %.

Jahr 1961 1970 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2018 2020[14]
Einwohner 2958 3292 4493 4671 4800 5178 5356 5621 5879 5932

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 15. März 2020 führte bei einer Wahlbeteiligung von 66,73 % zu folgendem Ergebnis:

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
CSU 51,82 11
SPD 17,01 3
FBB* 31,07 6
Gesamt 100 % 20
* Freier BürgerBlock

Dem Gemeinderat gehört qua Amt auch der getrennt gewählte Erste Bürgermeister an. Dieser ist Richard Reischl[15] (CSU), der bei der Kommunalwahl 2020 erneut mit 89,74 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt wurde. Zweiter Bürgermeister ist Martin Gasteiger (FBB) und Dritter Bürgermeister ist Florian Zigldrum (CSU).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Hebertshausen
Blasonierung: „In Gold über blauem Wellenbalken ein blau gezungter schwarzer Steinbock.“[16]

Dieses Wappen wird seit 1984 geführt.

Wappenbegründung: Die blaue Welle stellt den Verlauf des Flusses Amper dar, die durch das gesamte Gemeindegebiet fließt. Der Steinbock wurde 1985 zum offiziellen Wappen ernannt, da er in beiden Wappen der prägenden Adelsfamilien aus Hebertshausen, von Mandl in Deutenhofen und von Spreti in Unterweilbach vorhanden war.

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ungarn Ungarn: Hebertshausen hat seit 1994 mit Lókút (Rossbrunn; nördlich von Veszprém) eine Partnergemeinde. In Hebertshausen wohnen viele Lókúter Aussiedler.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Hebertshausen verläuft die Staatsstraße 2339 von Dachau kommend in Richtung Ampermoching, wo diese in die Kreisstraße DAH 4 übergeht.

Bahnverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Haltepunkt Hebertshausen an der Bahnstrecke München-Laim–Petershausen wird von der Linie S2 der S-Bahn München bedient. Parallel verläuft die Bahnstrecke München–Treuchtlingen durch den Ort.

Erdölförderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Gemeinde befindet sich ein Ölfeld (Erdölförderfeld Prittlbach), welches seit 1981 ausgebeutet wird. Die Förderleistung liegt bei ca. 10.000 Litern pro Tag.[17] Es handelt sich hierbei um eines der beiden einzigen Ölfelder in Bayern, die derzeit (2008) ausgebeutet werden.

Stromerzeugung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amper-Wasserkraftwerk in Hebertshausen

In Hebertshausen an der Amper liegt ein Wasserkraftwerk der Isar-Amper-Werke.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde hat zahlreiche Handwerks- aber auch Industriebetriebe, von denen die meisten in einem Gewerbegebiet an der Amper liegen. Zu den Industriebetrieben gehören:

  • Feinpappenwerk Gebr. Schuster
  • IWAT Industriewasser-Aufbereitungstechnik
  • Reischl Lebensmitteltechnik
  • S & W Spritzguss und Formenbau
  • Wörmann Anhängerbau

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herbertshausen hat folgende Schulen:

  • Grund- und Mittelschule Hebertshausen
  • Dr. Elisabeth-Bamberger-Förderschule

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • FF Hebertshausen
  • SpVgg Herbertshausen
  • Kath. Burschen- und Mädchenverein Hebertshausen
  • Obst- und Gartenbauverein Hebertshausen
  • Sportverein Ampermoching
  • Soldaten- und Reservistenkameradschaft Ampermoching/Hebertshausen
  • Verein zur Erhaltung der St.-Georg-Kirche

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hebertshausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-001 Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Hebertshausen in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 11. September 2019.
  3. Gemeinde Hebertshausen, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 18. Dezember 2021.
  4. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 74 (Digitalisat).
  5. sueddeutsche.de
  6. merkur-online.de
  7. Süddeutsche Zeitung: Hobbyarchäologe gräbt Sensation aus. Abgerufen am 7. Oktober 2019.
  8. Webseite zur Kirche Unterweilbach mit Fotos der Grabsteine
  9. Förderverein Dachau: „... über 4.000 gefangene Soldaten der sowjetischen Armee ...“
  10. Wolf-Armin von Reitzenstein: Lexikon bayerischer Ortsnamen: Herkunft und Bedeutung; Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz. C.H.Beck, München 2006, ISBN 3-406-55206-4, S. 111.
  11. a b c Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 443 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 571.
  13. https://www.statistik.bayern.de/mam/produkte/veroffentlichungen/statistische_berichte/a1210c_201800.pdf
  14. Zahlen, Daten, Fakten | Gemeinde Hebertshausen. Abgerufen am 23. September 2021.
  15. Bürgermeister. Gemeinde Hebertshausen, abgerufen am 15. August 2020.
  16. Eintrag zum Wappen von Hebertshausen in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  17. Stefan Schmid: Konjunkturspritze mit Nebenwirkung - Wie der Ölpreissturz die Wirtschaft beeinflusst. Deutschlandfunk Kultur, 14. April 2015, abgerufen am 17. Februar 2020 (deutsch).