Hebräische Universität Jerusalem

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האוניברסיטה העברית בירושלים
Hebräische Universität Jerusalem
Logo
Gründung 1918
Trägerschaft staatlich
Ort Jerusalem, Israel
Präsident Menachem Ben-Sasson[1]
Studenten 22.000
Mitarbeiter 1.200
Website www.huji.ac.il
Campus auf dem Skopusberg
Eröffnungsfeier auf dem Skopusberg (1925)
Bau der Universitätsklinik (1934)
Synagoge auf dem Campusgelände – Campus Givat Ram
Theater auf dem Skopusberg
Hecht Synagoge auf dem Skopusberg

Die Hebräische Universität von Jerusalem (hebräisch האוניברסיטה העברית בירושלים, ha'universita ha'ivrit biruschalayim; arabisch الجامعة العبرية في القدس) ist die bedeutendste Universität Israels mit weltweitem Ruf. Seit dem Jahr 2009 ist Menachem Ben-Sasson Präsident der Hochschule.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung einer Universität in Israel war von Anfang an Teil der zionistischen Vision. Bereits in der Kattowitzer Konferenz von 1884 gab es dazu Vorschläge und 1897 beim ersten Zionistischen Kongress in Basel wurde diese Idee unter Mitwirkung von Hermann Schapira weiter verfolgt. Die Idee, eine Universität in Jerusalem zu gründen, wurde dann auch 1902 in einem Flugblatt von Chaim Weizmann, Martin Buber und Berthold Feiwel propagiert. Auch der jüdische Physiker deutscher Herkunft Albert Einstein zählte zu den Befürwortern. Er vererbte seine Schriften und seinen Besitz der Universität. Das Baugrundstück am Skopusberg wurde von russischen Zionisten erworben. Einige Teile des Skopusberges, auf denen die Universität steht, wurden von Raghib an-Naschaschibi verkauft. Der ursprüngliche Plan für die Universitätsgebäude stammt von Sir Patrick Geddes, von ihnen wurde aber nur die Nationalbibliothek, das heutige Jura-Fakultätsgebäude ausgeführt.

Am 24. Juli 1918[2] wurde der Grundstein für die Universität gelegt. Die Feier wurde von General Allenby und Chaim Weizmann besucht, welcher Hauptredner war. Im Mandatsgebiet Palästina gab es jedoch auch Widerspruch gegen das Projekt, da einige zionistische Aktivisten eher eine agrarische Durchsiedlung des Landes für nötig hielten.[3] Die Universität wurde am 1. April 1925 mit den drei Fakultäten Mikrobiologie, Chemie und Jüdische Studien eröffnet. Bei der Eröffnungszeremonie sprachen Lord Balfour, Chaim Weizmann, Abraham Isaak Kook, Herbert Samuel und Chaim Nachman Bialik. Gründungsmitglied, seit 1925 Kanzler sowie von 1935 bis 1948 erster Präsident war Judah Leon Magnes. In ihren Anfangsjahren war die Universität eine Forschungseinrichtung, der formelle Lehrbetrieb begann erst 1928.

In den 1930er Jahren bot die Universität vielen jüdischen Wissenschaftlern, die aus Europa vor den Nationalsozialisten fliehen mussten, eine neue Wirkungsstätte. Unter ihnen Hans Jakob Polotsky, der die linguistische Abteilung der Universität gründete, Ladislaus Farkas, der 1935 die Abteilung für Physikalische Chemie gründete, Bernhard Zondek Professor für Gynekologie, Chanoch Albeck, Professor und später Leiter der Talmud-Fakultät sowie Martin Buber.

Während des Israelischen Unabhängigkeitskrieges 1948/1949 wurde der Skopusberg vom Rest des israelischen Jerusalem abgeschnitten und bildete eine israelische Exklave. Die Lehr- und Lerntätigkeit in der Universität musste verlagert werden. Dazu wurden der Givat Ram-Campus und der En Kerem-Campus im westlichen Jerusalem errichtet. Erst 1967, nachdem die israelischen Streitkräfte im Sechstagekrieg Ostjerusalem besetzt hatten, wurde der Campus auf dem Skopusberg wieder eröffnet und erweitert und ist heute das Zentrum der Universität. Zur Universität gehört auch die agrarwissenschaftliche Fakultät in Rechovot.

Lehrangebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hebräische Universität umfasst nahezu alle Gebiete der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Sie hat sieben Fakultäten, 14 Fachbereiche und rund 90 Forschungsinstitute. Die Fakultäten umfassen Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Agrarwissenschaften, Medizin, Zahnmedizin und Jura. Zu den Fachbereichen gehören u. a. Erziehungswissenschaften, Sozialarbeit, Krankenpflege, Pharmazie, Tiermedizin und Ernährungswissenschaften.

Seit der Gründung der Universität wurden mehr als 95.000 Absolventen ihre Diplome überreicht. Zur Zeit studieren etwa 20.000 Studenten an der Hebräischen Universität. Weitere 10.000 nehmen an Zusatzstudien und Ergänzungsprogrammen teil.

Die Uni verteilt sich eigentlich auf 4 Standorte (Campus):

Skopusberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Campus auf dem Skopusberg

Auf dem nach Plänen Richard Kauffmanns, Ossip Klarweins und Heinz Raus angelegten Skopusberg-Campus (Hebr.: Har HaTzofim הר הצופים) im Ostteil von Jerusalem befinden sich die Fakultäten für Humanwissenschaften, Jura und Betriebswirtschaft sowie die Rothberg International School, das 1978 gestiftete International Frank Sinatra Student Center, das Harry S. Truman Research Institute for the Advancement of Peace, das Mandelinstitut für Judaistik (Jewish Studies) und die neue School of Public Policy (Politikwissenschaften). Auf dem Gelände des Mount Skopus befindet sich ferner die 1981 errichtete Hecht Synagoge.

Givat Ram (Edmond Safra)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Givat Ram campus

Der Givat-Ram-Campus, der nach Edmond Safra benannt wurde, beherbergt die naturwissenschaftlichen Institute. Außerdem befindet sich dort die National- und Universitätsbibliothek des Staates Israel, die etwa fünf Millionen Bände umfasst. Sie stellt die weltweit größte Sammlung hebräischer Bücher dar. Zu der Bibliothek gehören die monumentalen Glasfenster von Mordechai Ardon.

En Kerem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In En Kerem ist der Campus zugleich das Gelände des Hadassah En Kerem Hospitals (Hadassah-Klinik für Medizin, Zahnmedizin und die Molekularbiologie).

Rehovot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Rehovot befinden sich die Tiermedizinische und die Landwirtschaftliche Fakultät (Agrarwissenschaften).

Bekannte Professoren (alphabetisch)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Studenten (alphabetisch)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freunde der Universität Jerusalem in Deutschland e. V.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorstand:[4]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2014 unterzeichneten 343 britische Universitätsprofessoren und -lektoren (darunter Patrick Bateson von der University of Cambridge, Ted Honderich vom University College London, Tom Kibble vom Imperial College London und Richard Sennett von der London School of Economics) nach dem Vorbild des Boykotts gegen Südafrika unter dem Apartheidregime einen Aufruf für einen akademischen Boykott israelischer Hochschulen, da diese an israelischen Verstößen gegen internationales Recht beteiligt seien. Als Beispiel für diese Beteiligung wird die Hebräische Universität Jerusalem hervorgehoben, die „bei ihrer Expansion in besetztes palästinensisches Gebiet an der Beschlagnahme von palästinensischem Land beteiligt“ sei, und „ein Teil der Unterkünfte für die Studierenden der Universität befinden sich in einer illegalen israelischen Siedlung“ (French Hill) im besetzten Ostjerusalem.[5]

Auf einen ähnlichen Boykottaufruf der British Association of University Teachers hatte die Hebräische Universität 2005 mit einer gemeinsamen Erklärung mit der al-Quds-Universität reagiert. Die von den beiden damaligen Präsidenten Menachem Magidor und Sari Nusseibeh unterzeichnete Erklärung ruft zur akademischen Kooperation auf und bekräftigt die Fortsetzung der Kooperation zwischen den beiden Jerusalemer Universitäten im Sinne einer friedlichen Lösung des Nahostkonfliktes.[6]

Der Boykottbewegung wurde in der Vergangenheit u. a. von der Anti-Defamation League und dem Simon Wiesenthal Center Antisemitismus vorgeworfen, weil sie nur israelische Institutionen angreife, während anderswo tatsächlichem oder vermeintlichem Bruch des Völkerrechts (etwa durch China in Tibet) nicht mit ähnlichen Kampagnen begegnet werde.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David N. Myers: Hebräische Universität, in: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK). Band 3, Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, S. 14–18

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hebräische Universität Jerusalem – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b  Hebräische Universität Jerusalem (Hrsg.): Menahem Ben-Sasson. (HTML, abgerufen am 9. Juli 2012).
  2. Mordecai Naor: Eretz Israel, Könemann, Köln, 1998, ISBN 3-89508-594-4, Seite 82
  3. Tom Segev : Es war einmal ein Palästina – Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels, 4. Auflage, München, 2005, S. 220f
  4. FHUJ
  5. Britische Wissenschaftler boykottieren israelische Institutionen, n-tv, 27. Oktober 2015;
    Peter Walker, Ian Black: UK academics boycott universities in Israel to fight for Palestinians’ rights, The Guardian, 27. Oktober 2015;
    A Commitment by UK Scholars to Human Rights in Palestine, commitment4p.com (Webseite des Boykott-Aufrufes);
    Uri Yacobi Keller, Shir Hever (Hrsg.): The Economy of the Occupation. Beit Sahour / Jerusalem: Alternative Information Center, 2009; S. 19, 37–38;
    Hebrew University expansionist plans (Memento vom 22. Mai 2012 im Internet Archive), Applied Research Institute Jerusalem, 7. Dezember 2004.
  6. Joint Hebrew University – Al-Quds University Statement on Academic Cooperation Signed in London, Hebräische Universität, 19. Mai 2005.
  7. Simon Wiesenthal Center Report: BDS 'a Thinly-Veiled, Anti-Israel and Anti-Semitic „Poison Pill“'. The Algemeiner. 19. März 2013;
    Fishman, Joel S. „The BDS Message Of Anti-Zionism, Anti-Semitism, And Incitement To Discrimination“. Israel Affairs 18.3 (2012): 412–425.;
    Hallward, Maia Carter, and Patrick Shaver. „'War By Other Means’ Or Nonviolent Resistance? Examining The Discourses Surrounding Berkeley’s Divestment Bill“. Peace & Change 37.3 (2012): 389–412.;
    „The Wrong Way To Fight BDS“. The Jewish Daily Forward. 21. Februar 2013.

Koordinaten: 31° 48′ N, 35° 15′ O