Hector Rail

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Hector Rail AB
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Rechtsform Aktiebolag
Gründung 2004
Sitz Danderyd, Schweden
Leitung Mats Nyblom
Branche Eisenbahngütertransporte
Website www.hectorrail.com/

Hector Rail ist ein schwedisches Eisenbahnverkehrsunternehmen im Güterverkehr mit Sitz in Danderyd bei Stockholm. Haupteigentümer war ursprünglich die norwegische Reedereifamilie Høegh, die ihren Anteil im Jahr 2014 an EQT Infrastructure II verkaufte.[1] Seit 2016 gehört das britische Eisenbahnunternehmen GB Railfreight zur Hector Rail Gruppe.[2] Ein großer Teil des Betriebs findet von Hallsberg, südlich von Örebro aus statt.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft wurde 2004 gegründet. Die ersten Leistungen wurden zwischen Norwegen und Schweden gefahren. 2008 war Hectorrail das erste Unternehmen, das Züge durchgängig von Schweden bis Deutschland mit einer durchlaufenden Lokomotive bespannte.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HCTOR 161[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hector Rail 161.106-0

Im Dezember 2004 startete der erste Güterzug noch mit angemieteten Loks der schwedischen Reihe Rc. Die Firma hatte zu diesem Zeitpunkt bereits alle sechs ehemaligen norwegischen Erzbahnloks der Reihe El 15 gekauft. Es dauerte bis zum Sommer 2005, bis alle Loks in der nordschwedischen Hauptwerkstatt Notviken aufgearbeitet und an Hector ausgeliefert waren. Diese bekamen bei Hector Rail die Baureihenbezeichnung 161 (161.101–106).[3]

Die Lokomotiven sind in Schweden und Norwegen im Einsatz. 161.101–103 sind abgestellt.[4]

HCTOR 142[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 führte die Firma Testfahrten mit österreichischen Loks der Baureihen 1142 und 1012 durch. Zunächst wurden drei Loks der ÖBB-Reihe 1142 gekauft, eine weitere angemietet. Später kamen weitere sechs hinzu.

Insgesamt zwölf dieser Lokomotiven hat das Eisenbahnverkehrsunternehmen in seinem Bestand. Die Baureihenbezeichnung in Schweden ist HCTOR 142. Es handelt sich um die Lokomotiven 1142.661, 645, 660 (142.001–003), 1142.551, 558, 563, 588, 629, 650 (142.104–108, 110) und 1142.605, 657 und 590 (142.209, 211 und 212). 142.107 erlitt am 23. Juni 2011 einen Brandschaden.[5]

HCTOR 441[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2006 wurden zwei der ursprünglich für SBB Cargo bestimmten Loks der Schweizer Baureihe 474, Typ ES 64 F4, übernommen und als Reihe 441 (441.001–002)[6] bezeichnet. Dieser Loktyp ist in Deutschland als Baureihe 189 bekannt. Hector Rail besitzt damit als erstes Unternehmen in Schweden moderne E-Loks.

HCTOR 941[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Des Weiteren wurde 2006 eine dieselhydraulische Lokomotive des Typs MaK G2000-5 BB von Vossloh gekauft. Sie bekam die Baureihenbezeichnung 941 (941.001). Eine zweite Lok dieses Typs (941.102) kam im Februar 2008 dazu.[7]

HCTOR 241[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 2007 unterzeichnete Hector Rail einen Vertrag mit Bombardier über den Bau von zehn Elloks vom Typ TRAXX F140 AC für den Verkehr Schweden–Kontinent über Dänemark. Es sind Zweisystemloks, die in Dänemark, Deutschland, Schweden und Norwegen eingesetzt werden können. Sie entsprechen im Wesentlichen der deutschen Baureihe 185, bekamen bei Hector die Baureihenbezeichnung 241 und wurden bis 2009 geliefert. Die erste Lok ist Anfang August 2007 fertiggestellt worden und war die erste schwedische E-Lok, die in Dänemark im Rahmen ihrer Zulassungsfahrten mit eigener Kraft gefahren ist. 2011 wurden zwei weitere Lokomotiven geliefert, so dass zwölf Lokomotiven (241.001–012) im Einsatz sind.[8]

HCTOR 141[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2007 wurden die drei Loks der ÖBB-Reihe 1012 gekauft, die schon 2005/2006 getestet worden waren und die die Baureihenbezeichnung 141 (141.001–003) bekamen.[9]

HCTOR 242[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferner sind sieben Lokomotiven der Baureihe Siemens ES64U2 im Bestand der Gesellschaft, die die Betriebsnummern 242.502–504, 516, 517, 531 und 532 tragen. Diese wurden zwischen 2010 und 2013 von Mitsui Rail Capital Europe, der ehemaligen MRCE Dispolok übernommen.[10]

HCTOR 921[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zudem besitzt das Unternehmen drei Rangierloks, die von Kalmar Verkstad AB als Baureihe SJ Z70 für Statens Järnvägar gebaut wurden. Zwei von ihnen wurden von Green Cargo (GC 747 und 743) übernommen und alle unter der Baureihe 921 (921.001–003) im Baureihenschema einsortiert.[11]

HCTOR 841[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere sechs von Nydqvist och Holm gebaute Lokomotiven, ehemals Fahrzeuge der Baureihe SJ T43, waren unter der Baureihenbezeichnung 841 (841.001 bis 006) im Bestand der Gesellschaft. 841.001 ( SJ T43 216) kam 2009 direkt von SJ. 841.002–006 wurden im gleichen Jahr von Svensk Tågteknik AB übernommen (SST 228, 223, 225, 212 und 219). 841.001 ist nicht mehr im Dienst, sie wurde 2009 in Falköping abgestellt. 841.006 wurde als Ersatzteilspender bestimmt und stand 2011 in Vetlanda und 2012 in Hallsberg.[4]

841.002–004 sind mit Funkfernsteuerung ausgerüstet.[12]

HCTOR 143[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 erfolgte eine erneute Lokbeschaffung: die Gesellschaft übernahm acht Lokomotiven der Baureihe SJ Rc3 / SJ Rc3R von Statens Järnvägar, die den Bestand dieser Baureihe auflöste.[13] Diese Lokomotiven erhielten die Baureihenbezeichnung 143. Die Lokomotiven behielten die letzten drei Ziffern ihrer ehemaligen Staatsbahn-Betriebsnummer und erhielten Namen wie alle Lokomotiven der Gesellschaft: 143.039 „Berserk“, 143.046 „Prins August“, 143.048 „Saga“, 143.054 „Halfdan Snälle“, 143.059 „Fenrisulfven“, 143.060 „Jernsida“, 143.061 „Valkyrian“ und 143.064 „Bifrost“.

HCTOR 162[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hector Rail 162.001

Mit DB Schenker Rail (inzwischen DB Cargo) wurde im Januar 2016 ein Vertrag über den Verkauf von 15 Lokomotiven der DB-Baureihe 151 an die Gesellschaft geschlossen. Zehn Lokomotiven, die ehemaligen 151 013, 070, 027, 057, 133, 066, 134, 003, 128 und 063 setzt Hector Rail im Plandienst als 162.001–010 ein. Die anderen fünf sind zur Ersatzteilversorgung bestimmt.[14] Die Übergabe der Lokomotiven soll 2016 und 2017 erfolgen.[15]

HCTOR 243[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 bestellte Hector Rail fünf neue Vectron-Lokomotiven bei Siemens mit einer Option auf weitere 15. Nach der ersten Lokomotive, der 243.001, die 2016 geliefert wurde, folgen 2017 die 243.002 und die 243.103–116 und 2018 die 243.117–120. Die Lokomotiven werden in Schweden und Norwegen eingesetzt.[16][17] Im März 2017 wurde die Option der 15 weiteren Vectron-Lokomotiven eingelöst. Sie sollen ab dem Frühjahr 2018 ausgeliefert werden.[18]

Einsatzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2008 fährt Hector Rail mit seiner Reihe 241 durchgehende Güterzüge von Krefeld ins schwedische Norrköping mit fünf Zugpaaren wöchentlich.

Am 14. Dezember 2016 begann Hector Rail für Locomore den Zugbetrieb zwischen Berlin und Stuttgart mit Elektrolokomotiven des Typs Siemens ES64U2[19]. Aufgrund der Insolvenz von Locomore wurde der Betrieb im Mai 2017 eingestellt.

Baureihenkennzeichnung der Elektrolokomotiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dreiziffrige Baureihenbezeichnung hat bei den Elektrolokomotiven folgende Definition: die erste Ziffer gibt die Anzahl der Stromsysteme an, auf denen die Lok betrieben werden kann, die zweite Ziffer ist die Anzahl der Achsen und die dritte ist eine laufende Nummer.

Marktanteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 wurden 2,4 Millionen Zugkilometer gefahren.[20]

Der Marktanteil von Hector Rail am norwegischen SGV betrug 2011 etwa 6 %, es war damit das fünftgrößte norwegische SGV-Unternehmen.[21] In Schweden ist Hector Rail mit einem Marktanteil von 7 % das größte rein private im Güterverkehr tätige EVU.[22] Vor Hector Rail liegen die Green Cargo-Gruppe und MTAB (Transportgesellschaft der staatlichen Bergbaugesellschaft LKAB). In Dänemark strebt Hector Rail langfristig einen Marktanteil von 25 % an.[23]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Hörstel: Schwedisches Erfolgsmodell. In: eisenbahn-magazin. Nr. 9, 2015, ISSN 0342-1902, S. 42–46.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hector Rail – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Owners - Hector Rail. Abgerufen am 20. Mai 2017 (englisch).
  2. a b About - Hector Rail. Abgerufen am 20. Mai 2017 (englisch).
  3. Datenblatt HCTOR 161. hectorrail.com, abgerufen am 11. Februar 2017 (PDF, englisch).
  4. a b Hector Rail AB. Lokomotivübersicht. In: svenska-lok.se. Abgerufen am 11. Februar 2017 (schwedisch).
  5. Datenblatt HCTOR 142. hectorrail.com, abgerufen am 11. Februar 2017 (PDF, englisch).
  6. Datenblatt HCTOR 441. hectorrail.com, abgerufen am 11. Februar 2017 (PDF, englisch).
  7. Datenblatt HCTOR 941. hectorrail.com, abgerufen am 11. März 2017 (PDF, englisch).
  8. Datenblatt HCTOR 241. hectorrail.com, abgerufen am 11. Februar 2017 (PDF, englisch).
  9. Datenblatt HCTOR 141. hectorrail.com, abgerufen am 11. Februar 2017 (PDF, englisch).
  10. Datenblatt HCTOR 242. hectorrail.com, abgerufen am 11. Februar 2017 (PDF, englisch).
  11. Datenblatt HCTOR 921. hectorrail.com, abgerufen am 26. Januar 2016 (PDF, englisch).
  12. Datenblatt HCTOR 841. hectorrail.com, abgerufen am 11. Februar 2017 (PDF, englisch).
  13. Datenblatt HCTOR 143. hectorrail.com, abgerufen am 11. Februar 2017 (PDF, englisch).
  14. Datenblatt HCTOR 162. hectorrail.com, abgerufen am 11. Februar 2017 (PDF, englisch).
  15. Hector Rail purchases 10 six axle locos. hectorrail.com, 7. Januar 2016, abgerufen am 11. Februar 2017 (englisch).
  16. Datenblatt HCTOR 243. hectorrail.com, abgerufen am 11. Februar 2017 (PDF, englisch).
  17. Hector Rail is investing in five new Siemens Vectron locomotives with an option for 15 more locomotives. hectorrail.com, 20. Juli 2016, abgerufen am 17. September 2016 (englisch).
  18. Hector Rail bestellt 15 Vectron-Lokomotiven bei Siemens. siemens.com, 15. März 2017, abgerufen am 15. März 2017.
  19. Locomore Aktuelles. Locomore, 3. Juni 2016, abgerufen am 14. September 2016 (deutsch).
  20. eisenbahn-magazin 10/2008. S. 25
  21. Independent Regulators' Group - Rail: Annexes to the Annual Market Monitoring Report, February 2013, S. 10
  22. Inge Vierth: 15 years deregulated rail freight market – lessons from Sweden, Swedish National Road and Transport Research Institute, VTI, p. 6, European Transport Conference 2011
  23. Hector Rail: Renewal of contract with ScandFibre means 50 % growth, Pressemitteilung vom 22. Oktober 2010, abgerufen am 16. Dezember 2013