Heeresfeldbahnlokomotive HF 210 E

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
HF 210 E
Aquarius C am 2. Oktober 2011 auf der Pressnitztalbahn
Aquarius C am 2. Oktober 2011 auf der Pressnitztalbahn
Anzahl: 1
Hersteller: Borsig
Achsformel: E n2
Spurweite: 600 / 750 / 760 mm
Länge über Kupplung: 12.170 mm
Länge: 10.848 mm
Höhe: 2.950 mm
Breite: 2.630 mm
Fester Radstand: 2.700 mm
Gesamtradstand: 3.720 mm
Radstand mit Tender: 8.565 mm
Kleinster bef. Halbmesser: 30 m
Leermasse: 22,7 t
Dienstmasse: 28,2 t
Dienstmasse mit Tender: 40,7 t
Reibungsmasse: 28,2 t
Radsatzfahrmasse: 5,64 t
Höchstgeschwindigkeit: 30 km/h
Indizierte Leistung: 240 PSi
Anfahrzugkraft: 53,4 kN / 67,0 kN
Treibraddurchmesser: 700 mm
Steuerungsart: Heusinger
Zylinderanzahl: 2
ND-Zylinderdurchmesser: 370 mm
Kolbenhub: 350 mm
Zylinderdruck: 13 bar
Kesselüberdruck: 13 bar
Rostfläche: 1,3 m²
Verdampfungsheizfläche: 60,5 m² (wasserberührt)
Tender: 2 T6
Antrieb: Kuppelstangen, Treibstange wirkt auf die 3. Achse
Lokbremse: Vakuum
Zugbremse: Vakuum, Druckluft
Zugheizung: Dampf

Die HF 210 E ist eine Nassdampf-Heeresfeldbahnlokomotive der Achsfolge „E“. Der Hersteller dieses Lokomotivtyps war die Firma Borsig.

Von Borsig wurde nur eine Lokomotive dieses Typs gebaut; dieses Fahrzeug befand sich bis 2009 im Eigentum der Sammlung Seidensticker und trägt seit den 80er Jahren den Namen AQUARIUS C. Seit Mai 2009 ist diese Dampflokomotive im Besitz der Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mbH und betriebsfähig bei der Rügenschen Kleinbahn in Putbus (Rügen) beheimatet.

1944 wurden noch fünf Lokomotiven von Henschel nachgebaut.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wehrmacht gab Ende der 1930er-Jahre verschiedene Prototypen von Feldbahnlokomotiven für den militärischen Einsatz in Auftrag. Eine davon war eine fünfachsige „Schwere Heeresfeldbahn-Dampflokomotive“ mit 750 mm Spurweite, die bei Borsig in Auftrag gegeben wurde. (Auch Krauss-Maffei, Orenstein & Koppel und Jung entwickelten fünfachsige Lokomotiven.) Am 10. August 1939 wurde die Maschine vom Werk unter der Fabriknummer 14806 abgeliefert, anschließend wurde sie durch das Waffenprüfamt 5 (WaPrüf 5) HF-Nr. 191 in Betrieb genommen. Sie war ursprünglich als Tenderlokomotive konzipiert und wurde nachträglich mit einem Schlepptender ausgestattet.

Vom Oktober 1942 bis März 1943 stand sie beim Eisenbahnbaubataillon 512 auf der 600 mm Schmalspur-Heeresfeldbahn Tuleblja Demjansk (Sowjetunion) im Einsatz. Die Möglichkeit der Umspurung war schon beim Bau vorgesehen gewesen. Im Januar/Februar 1945 wurde sie von Rehagen-Klausdorf mit Transport von Feldbahnmaterial nach Mittersill an der Pinzgauer Lokalbahn in Salzburg gebracht. Dort ist sie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu alliiertem Beutegut geworden.

Von 1945 bis zum Oktober 1957 wurde sie als Personenzuglok bei der Salzkammergut-Lokalbahn mit der Betriebsnummer 22 im Personenverkehr eingesetzt. Dazu wurde sie auf die geringfügig größere Spurweite von 760 mm umgespurt. Nach Einstellung der SKGLB wurde sie an die Zillertalbahn verkauft, dort wurde sie von 1958 bis 1972 hauptsächlich als Güterzug-Lokomotive mit der Betriebsnummer ZB 4 im Güterverkehr eingesetzt. Am 27. Oktober 1968 erhielt sie durch walisische Zillertalbahnfreunde den Namen CASTLE CAEREINION.

ZB 4 im EUROVAPOR-Einsatz auf der Bregenzerwaldbahn (1974)

Ab dem 8. April 1974 fuhr sie fünf Jahre für EUROVAPOR auf der ÖBB-Schmalspurstrecke der Bregenzerwaldbahn bis zu deren Stilllegung im Mai 1980. Am 22. Dezember 1980 wurde sie von der Zillertalbahn an den deutschen Industriellen Walter Seidensticker verkauft. Sie kam im März 1981 wieder in das Zillertal, wo sie in den beiden folgenden Jahren noch für Sonderzüge zur Verfügung stand.

1984 bis 1986 wurde sie in der Hauptwerkstatt der Teutoburger Wald-Eisenbahn in Lengerich überholt. Im April 1986 kam sie zur Jagsttalbahn Dörzbach–Möckmühl und war dort in Betrieb, bis sie Ende 1988 einen Schaden am Kessel erlitt. Von 1991 bis 1996 war sie ohne Tender im Deutschen Technikmuseum Berlin ausgestellt.

Nach einer Hauptuntersuchung 1996/1997 im Werk Görlitz-Schlauroth der Deutschen Bahn AG erfolgte im Mai 1997 die Inbetriebnahme bei der Rügenschen Kleinbahn. Im Juni 2005 lief die Kesselfrist ab. So stand die Lokomotive bis zum Ende 2007 in Putbus zur Reparatur abgestellt. Am 12. Dezember 2007 wurde sie mit einer Lastprobefahrt wieder in Betrieb genommen. [2]

Ab Mai 2009 gehörte die Lok der Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mbH in Jöhstadt, die sie weiterhin überwiegend auf der Insel Rügen im Sonderzugdienst einsetzte. Nach Ablauf der Kesselfrist (nach deutschem Recht) wurde die Lokomotive 2016 zum Verkauf ausgeschrieben. Im Herbst 2016 gab der Club 760, der bereits mehrere Originallokomotiven der SKGLB besitzt bekannt, die Lokomotive mit Unterstützung durch das Bundesland Salzburg zu erwerben und eventuell auf der Taurachbahn einzusetzen.

Nachbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Nachbau von fünf fast gleichartigen Lokomotiven fand erst 1944 bei Henschel in Kassel statt. Diese Lokomotiven kamen aber im Krieg nicht mehr zum Einsatz, sondern wurden später bei verschiedenen Bahnen eingesetzt. Zwei Lokomotiven fuhren bei der Jagsttalbahn als 151 und 152, eine Lokomotive kam zur Göttinger Kleinbahn als 12II.. Die 152 gehört 2015 zur Sammlung Seidensticker und ist in Ingolstadt hinterstellt. Ein von Krauss-Maffei im Jahr 1939 gebauter Prototyp verblieb nach dem Zweiten Weltkrieg in der Tschechoslowakei. Die Lokomotive lief bis 1962 bei der Werkbahn Králův Dvůr–Koněprusy.[3]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aquarius C verlässt Tender voran einen Bahnhof

Die Lokomotive verfügt über einen Außenrahmen. Um auch kleine Halbmesser befahren zu können, was auf Feldbahnstrecken von besonderer Wichtigkeit ist, sind die Endachsen nicht fest gelagert, sondern als Klien-Lindner-Hohlachsen ausgeführt, die sich im Einsatz gut bewährten. Als Tender wurde ein üblicher Heeresfeldbahntender 2 T6 verwendet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Ess: Unsere vier Dampfloks. Uhle und Kleimann, Lübbecke 1986, ISBN 3-922657-55-9.
  • Werner Schleritzko: Mythos Ischlerbahn - Band 3, Fahrzeuge-Museum-Perspektiven. Railway-Media-Group, Wien 2016, ISBN 978-3-902894-23-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heeresfeldbahn.de, abgerufen am 9. Februar 2015
  2. Aquarius C fährt wieder, abgerufen am 2. September 2008.
  3. Michal Martinek, Bohuslav Zeman, Radim Šnábl, Vlastimil Novotný: K.B.K. Malodráha Králův Dvůr - Beroun - Koněprusy 1897 - 1962; Stopou dějin našich traťi - 2; KHKD Nymburk, 1987

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: HF 210 E - AQUARIUS C – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien