Heeresgruppe Nord

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Die Heeresgruppe Nord war ein Großverband des Heeres der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges. Sie war Oberkommando jeweils wechselnder Armeen sowie zahlreicher Spezialtruppen.

Werdegang[Bearbeiten]

Die Heeresgruppe Nord wurde am 2. September 1939 durch Umbildung aus dem Armeeoberkommando 2 aufgestellt. Nach Beendigung des Polenfeldzuges wurde sie in den Westen verlegt und am 10. Oktober 1939 in Heeresgruppe B umbenannt.

Am 22. April 1941 wurde die Heeresgruppe Nord durch Umbenennung des Stabes der Heeresgruppe C in Ostpreußen neu aktiviert. Am 22. Juni zu Beginn des Angriffes auf die Sowjetunion (Operation Barbarossa) war die Heeresgruppe Nord unter Oberbefehl des GFM Wilhelm von Leeb mit der 18. Armee (GenOb. Georg von Küchler) am linken, der Panzergruppe 4 (GenOb. Erich Hoepner) im Zentrum und der 16. Armee (GenOb. Ernst Busch) am rechten Flügel, mit 26 Infanterie-, drei Panzer- und drei motorisierten Divisionen über die Memel zum Angriff nach Osten angetreten. Auf der gegnerischen Seite kämpften im Verband der sowjetischen Nordwestfront (Armeegeneral F. I. Kusnezow) die 8. Armee (Generalmajor P. P. Sobjennikow) und 11. Armee (Generalleutnant W. I. Morosow), als Reserve fungierte dahinter die 27. Armee (Generalmajor N. E. Bersarin).

Erstes Operationsziel der HG Nord war das Erreichen der Düna zwischen Jakobstadt und Dünaburg durch die Panzerverbände des Generals Hoepner. Schon am 23. Juni kam es bei Tauroggen – Schaulen zu schweren Panzerkämpfen, welche das deutsche XXXXI mot. Armeekorps (General Georg-Hans Reinhardt) mehrere Tage aufhielt, während weiter südlich das LVI. mot. Armeekorps (General Erich von Manstein) zügig auf Jakobstadt voran kam. Am 28.6. konnte das an der Ostseeküste eigenständig operierende XXVI. Armeekorps die Hafenstadt Libau und bis 1. Juli auch Riga als neue Marinestützpunkte gewinnen. Während die 8. Sowjetarmee die Küstenlinie zäh verteidigte, wurden die sowjetische 11. und 27. Armee schnell zum Rückzug über die Düna gezwungen.

Bis Mitte Juli erreichte die Panzergruppe 4 den Peipussee und warf die 8. Sowjetarmee bei Narwa zurück, bereits am 10. August erfolgte, ohne Abwarten der nachrückenden Infanteriekorps der 18. Armee, der erste Angriff auf Leningrad, der nicht zum Erfolg führte. Gegenangriffe der aus der Reserve herangeführten sowjetischen 27. Armee stoppen den Angriff der 16. Armee am Südflügel der Heeresgruppe im Raum Tschudowo. Bis Ende August konnte die 18. Armee die estnische Hauptstadt Tallinn erobern und konnte darauf den Panzerverbänden folgend im September an der Belagerung Leningrads (Leningrader Blockade) teilnehmen. Nachdem die finnische Armee unter Marschall Mannerheim nach Erreichen ihrer alten Grenze ihren Vormarsch an der karelischen Landenge einstellte, fiel der von Hitler erwartete Angriff auf Leningrad von Norden her aus. Leningrads Abwehr, ab September 1941 von Armeegeneral G. K. Schukow selbst organisiert erwies sich für die Wehrmacht auch folgend als zu stark. Hitler begnügte sich mit der Belagerung, welche der Zivilbevölkerung aber weiterhin fürchterliche Verluste durch Hunger brachte, die Stadt hielt aber bis zur eigenen Gegenoffensive Anfang 1944 erfolgreich stand. Ende November 1941 versuchte das deutsche XXXXI. mot. Armeekorps durch den Vorstoß auf Tichwin, die letzte offene Verbindung Leningrads über den Ladogasee nach Osten abzuschneiden. Die Sowjets warfen zur Verteidigung der dortigen Wolchow-Front (Armeegeneral K. A. Merezkow) drei neue Armeen (8., 42. und 55. Armee) an den bedrohten Abschnitt und brachten den deutschen Angriff endgültig zum erliegen.

Im Juli 1942 gelang es der 18. Armee die in die deutschen Linien eingebrochene sowjetische 2. Stoßarmee (GenLt. A. A. Wlassow) in einer Kesselschlacht vollständig zu zerschlagen, doch die Sowjets konnte ihre Ausfälle immer durch Reservetruppen wieder ausgleichen und sogar verstärken. Nach der Eroberung der Halbinsel Krim wurde die freigewordene 11. Armee zur Heeresgruppe verlegt, ihre Verbände kamen gerade recht um die sowjetischen Gegenoffensiven am Wolchow und bei Luga abzufangen.

1943 war ein Jahr von schweren Stellungskämpfen, aber ohne große Änderung der Frontlage. Erst als Ende Juni 1944 die Heeresgruppe Mitte (GFM Busch) zwischen WitebskOrschaMogilew vor der sowjetischen Sommeroffensive (Operation Bagration) zusammenbrach kam es wider zu Bewegungen. Der Südflügel der Heeresgruppe Nord im Raum Polozk war jetzt ungeschützt, die dort stehende 16. Armee (Gen. der Inf. Paul Laux) musste sich entlang der Düna nach Riga zurückziehen. Durch die Gegenoffensive der Leningrader Front (Armeegeneral L. A. Goworow) im Januar 1944 war auch die 18. Armee nach Narwa zurückgedrängt worden, im Juli erfolgte über Riga der allgemeine Rückzug der 16. und 18. Armee nach Kurland, wo sie von der sowjetischen 1. 2. und 3. Baltischen Front abgeschnitten wurden und im Kessel von Kurland noch bis Kriegsende ihre Stellungen halten konnten.

Am 25. Januar 1945 wurde die Heeresgruppe Nord lagebedingt in Heeresgruppe Kurland umbenannt. Am 27. Januar wurde in Ostpreußen die bisherige Heeresgruppe Mitte in die Heeresgruppe Nord umbenannt, den Oberbefehl erhielt Generaloberst Lothar Rendulic. Diese Formation enthielt anfangs die 3. Panzerarmee, die 2. und 4. Armee. Nachdem die Stoßkeile der 2. Weissrussische Front (Marschall K. K. Rokossowski) Ende Januar 1945 diese neue Heeresgruppe Nord abermals spaltete, kämpfte sich der Rest der 4. Armee (Gen. der Inf. Friedrich-Wilhelm Müller) auf Königsberg zurück und wurde im Raum des Heiligenbeiler Kessels im März aufgerieben. Die Verbände der 2. Armee (General der Panzertruppe Dietrich von Saucken) kämpften sich derweil nach Danzig und auf die Halbinsel Hela zurück, wo sich das Armeeoberkommando Ostpreußen etablierte, deren Truppen sich noch bis Mai 1945 halten konnten.

Am 2. April 1945 wurde die Heeresgruppe Nord (seit 13. März unter GenOb. Walter Weiss) endgültig aufgelöst, ihr Stab bildete danach das Armeeoberkommando 12 (AOK 12), welches sich an der Elbe im Raum Magdeburg – Potsdam etablierte. Der Stab der freigewordenen 3. Panzerarmee wurde für neue Formationen an der Oder im Raum Stettin verwendet und der Heeresgruppe Weichsel (Generaloberst Gotthard Heinrici) als nördlicher Flügel unterstellt.

Oberbefehlshaber[Bearbeiten]

Gliederung der Heeresgruppe[Bearbeiten]

Heeresgruppen-Truppen
  • Heeresgruppen-Nachrichten-Regiment 537
  • Heeresgruppen-Nachrichten-Regiment 639 (2. Aufstellung)
  • Heeresgruppen-Nachrichten-Regiment 537
Unterstellte Einheiten
Datum unterstellte Armeen
1939
September 1939 3. Armee, 4. Armee
1941–1945
Juni 1941 16. Armee, 18. Armee, Panzergruppe 4
Oktober 1941 16. Armee, 18. Armee
September 1942 11. Armee, 16. Armee, 18. Armee
Dezember 1942 16. Armee, 18. Armee
März 1944 Armee-Abteilung Narwa, 16. Armee, 18. Armee
September 1944 16. Armee, Armee-Abteilung Grasser, 18. Armee
November 1944 16. Armee, Armee-Abteilung Kleffel, 18. Armee
Dezember 1944 16. Armee, 18. Armee
Januar 1945 Umbenennung der Heeresgruppe Mitte in Heeresgruppe Nord
Februar 1945 Armee-Abteilung Samland, 4. Armee

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]