Heeresgruppe Süd

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Die Heeresgruppe Süd war ein Großverband des Heeres der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges. Sie war Oberkommando jeweils wechselnder Armeen sowie zahlreicher Spezialtruppen.

Allgemein[Bearbeiten]

Die Heeresgruppe Süd wurde am 24. August 1939 für den Angriff auf Polen durch die Umbildung des Armee-Oberkommandos 12 aufgestellt. Sie griff unter der Führung von Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt ab dem 1. September 1939 mit der Masse der gepanzerten und schnellen Divisionen des Heeres aus Schlesien (8. Armee in Niederschlesien, 10. Armee - hier Schwerpunkt - in Oberschlesien), Mähren und der Slowakei (14. Armee) heraus Südpolen an. Nach erfolgreichem Durchbruch der 10. Armee auf Warschau wurden die aus Westpolen zurückflutenden polnischen Truppen in der Schlacht an der Bzura durch die 8. Armee zerschlagen. Während die 10. Armee anschließend bei Warschau Verbindung mit der von Norden angreifenden Heeresgruppe Nord herstellte, griff die 14. Armee durch Südpolen hindurch auf Lemberg und Lublin an. Nach Abschluss des Polenfeldzuges wurde das Heeresgruppenkommando an die Westfront verlegt und in „Heeresgruppe A“ umbenannt.

Die Heeresgruppe Süd wurde am 22. Juni 1941, dem Tag des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion („Unternehmen Barbarossa“) durch Umbenennung der Heeresgruppe A neu aufgestellt. Sie griff hierbei aus ihren Bereitstellungsräumen vom südlichen Polen über die Slowakei, Ungarn und Rumänien die sowjetische Südwest- und Südfront an. Ihre strategischen Ziele waren der Vorstoß zum Dnepr und die Eroberung Kiews sowie der weitere Vormarsch ins Donezbecken. In zwei großen Kesselschlachten bei Uman und Kiew zwischen Juli und September 1941 wurden mehrere sowjetische Armeen aufgerieben. Nach der Einnahme Odessas im Oktober drangen Teile der Heeresgruppe auf die Krim vor und begannen mit der Belagerung Sewastopols, während anderen Teilen die Einnahme von Charkow und zeitweilig die von Rostow am Don gelang. Der Rückzug aus Rostow im Dezember 1941 führte zur Ablösung Rundstedts durch Generalfeldmarschall Walter von Reichenau, der nach seinem Tod im Januar durch Generalfeldmarschall Fedor von Bock ersetzt wurde. Im Winter 1941/42 besetzte die Heeresgruppe Defensivstellungen entlang der Flüsse Mius und Donez. In Vorbereitung auf die deutsche Sommeroffensive 1942 („Fall Blau“) wurde die HGr Süd im Juli 1942 in die Heeresgruppen A und B aufgeteilt.

Anfang 1943 wurden nach dem Untergang der 6. Armee in Stalingrad die Heeresgruppen B und Don (ehemals 11. Armee) als Heeresgruppe Süd' unter dem Befehl von Generalfeldmarschall Erich von Manstein zusammengefasst. Zu ihr gehörten im Frühjahr 1943 die 1. und 4. Panzerarmee, sowie die neuaufgestellte 6. und 8. Armee.

Südukraine Dez. 1943

Die Heeresgruppe Süd trug von Anfang 1943 bis Frühjahr 1944 die Hauptlast der Kämpfe an der Ostfront. Nachdem die Front durch den Gegenangriff von Mansteins (Rochade der 1. Panzerarmee vom Kaukasus in die Ukraine) im Februar/März 1943 stabilisiert worden war, ging die Initiative nach dem gescheiterten Unternehmen Zitadelle bei Kursk im Juli 1943 endgültig an die Rote Armee verloren. Im September musste das Industriegebiet im Donezbecken geräumt werden, im November 1943 scheiterte der Versuch, die Dnepr-Linie zu halten (s. „Panther-Stellung“). Bis April 1944 kämpfte sich die Heeresgruppe unter schweren Verlusten, die u.a. durch die Dnepr-Karpaten-Operation entstanden, jedoch insgesamt intakt nach Galizien zurück. Am 1. April 1944 wurde sie in „Heeresgruppe Nordukraine“ umbenannt.

Im September 1944 wurde die Heeresgruppe Südukraine in Ostungarn in Heeresgruppe Süd umbenannt. Bis März 1945 kämpfte sie in Westungarn und zog sich bei Ende des Zweiten Weltkrieges nach Österreich zurück, wo sie am 2. April 1945 in „Heeresgruppe Ostmark“ umbenannt wurde.

Oberbefehlshaber[Bearbeiten]

Datum Oberbefehlshaber
1. September bis 26. Oktober 1939
22. Juni bis 3. Dezember 1941
Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt
1. Dezember 1941 bis 12. Januar 1942 Generalfeldmarschall Walter von Reichenau
12. Januar bis 9. Juli 1942 Generalfeldmarschall Fedor von Bock
12. Februar 1943 bis 30. März 1944 Generalfeldmarschall Erich von Manstein
23. September bis 28. Dezember 1944 Generaloberst Johannes Frießner
28. Dezember 1944 bis 6. April 1945 General der Infanterie Otto Wöhler
7. April 1945 bis Umbenennung Generaloberst Lothar Rendulic

Unterstellte Großverbände[Bearbeiten]

Datum Unterstellte Einheiten
September 1939 8. Armee, 10. Armee, 14. Armee
Oktober 1939 Grenz-Abschnitt Nord, Mitte und Süd
Juni 1941 6. Armee, Panzergruppe 1, 17. Armee, 11. Armee
Februar 1942 2. Armee, 6. Armee, Armeegruppe v. Kleist, 11. Armee
Juni 1942 2. Armee, 6. Armee, 1. Panzerarmee, 17. Armee, Gruppe v. Wietersheim, 11. Armee
Juli 1942 Armeegruppe v. Weichs, 6. Armee, 1. Panzerarmee, 17. Armee, Gruppe v. Wietersheim, 11. Armee
März 1943 Armeeabteilung Kempf, 4. Panzerarmee, 1. Panzerarmee, Armeeabteilung Hollidt
April 1943 Armeeabteilung Kempf, 6. Armee, 1. Panzerarmee, 4. Panzerarmee
Juli 1943 Armee-Abteilung Kempf, 6. Armee, 8. Armee, 1. Panzerarmee
September 1943 4. Panzerarmee, 8. Armee, 1. Panzerarmee, 6. Armee
Oktober 1943 4. Panzerarmee, 8. Armee, 1. Panzerarmee
November 1943 4. Panzerarmee, 8. Armee, 1. Panzerarmee, Wehrmachts-Befehlshaber Ukraine
Januar 1944 4. Panzerarmee, 8. Armee, 6. Armee, 1. Panzerarmee, Wehrmachts-Befehlshaber Ukraine
Februar 1944 4. Panzerarmee, 1. Panzerarmee, 8. Armee, 6. Armee
Oktober 1944 Armeegruppe Wöhler, 6. Armee, 3. Ungarische Armee
November 1944 Armeegruppe Wöhler, Armeegruppe Fretter-Pico, 2. Ungarische Armee
Dezember 1944 Armeegruppe Wöhler, 6. Armee, 3. Ungarische Armee
Januar 1945 Armeegruppe Balck, 8. Armee, 2. Panzerarmee
April 1945 8. Armee, 6. Panzerarmee, 6. Armee, 2. Panzerarmee

Gliederung[Bearbeiten]

Heeresgruppen-Truppen

  • Heeresgruppen-Nachrichten-Regiment 570 (1. und 2. Aufstellung)
  • Heeresgruppen-Nachrichten-Regiment 558 (3. Aufstellung)
  • Heeresgruppen-Nachrichten-Regiment 530 (4. Aufstellung)

ARLZ-Maßnahmen[Bearbeiten]

Am 11. September 1943 erließ von Manstein einen Befehl über die Durchsetzung von so genannten ARLZ-Maßnahmen.[1] Diese Maßnahmen resultierten aus einer Weisung des Wirtschaftsstabs Ost vom 21. Februar 1943, die Maßnahmen zur Auflockerung, Räumung, Lähmung und Zerstörung bei der Räumung besetzter Gebiete beinhaltete, die von der Wehrmacht bei ihrem Abzug durchzuführen seien.

In dem Befehl weist Manstein darauf hin, dass die Bevölkerung häufig nicht freiwillig sich mit der Truppe zurückzieht, so dass große Mengen an Arbeitskräften, Vieh und Lebensmitteln in die Hände des Feindes fallen würden. In Ergänzung schon erlassener Befehle wies er nochmals auf nachfolgende Punkte hin:

  • Die landwirtschaftliche Bevölkerung ist mit allen Mitteln zu veranlassen, mit Pferden und Großvieh nach Westen abzuwandern. Bei einer Weigerung sollen Vieh und Pferde weggetrieben werden, das Vieh sei zur Truppenverpflegung zu verwerten oder zu erschießen.
  • Die wehrfähigen Männer sollten geschlossen gesammelt und abtransportiert werden, weil diese sonst von den Russen sofort in das Heer aufgenommen würden. Sie sollten möglichst in Betriebsgemeinschaften abtransportiert werden, mit der Angabe, an den Dnjepr verlegt zu werden.
  • Der Abtransport der Wehrfähigen soll vor dem Beginn der Zerstörungen erfolgen, wobei diese ihre Angehörigen mitnehmen könnten.
  • Die Vernichtung aller Wirtschaftsgüter ist mit allen Mitteln durchzuführen, soweit sie nicht abtransportiert werden können.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Helma Kaden (Hrsg.): Dokumente des Verbrechens: Aus Akten des Dritten Reiches 1933–1945. Band 1, Dietz, Berlin 1993. ISBN 3-320-01799-3.