Hege

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Dieser Artikel beschreibt die Hege in der Jägersprache, für weitere Erklärungen siehe Hege (Begriffsklärung)

Als Hege[1] werden im Jagdrecht Maßnahmen zusammengefasst, die die Lebensgrundlage von Wild betreffen. Die Hege ist demnach ein Grundelement des Selbstverständnisses der Jäger, der sogenannten „Waidgerechtigkeit“. Nach § 1 Abs. 2 BJagdG verpflichtet das Hegegebot die Jäger, der Artenvielfalt des Wildes nicht zu schaden.[2] Diese Pflicht zur Hege erstreckt sich nicht nur auf solche Wildarten, die durch die Jagd- und Schonzeitregeln erfasst werden, sondern auch auf Wild, das permanent gemäß § 2 BJagdG nicht bejagt werden darf. Die Jäger als Jagdpächter sind regional in Hegegemeinschaften zusammengeschlossen.

Der Hegebegriff wird oft metaphorisch in diversen Redensarten gebraucht.

Wesentliche Maßnahmen und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach § 1 Abs. 2 Bundesjagdgesetz hat die Hege zum Ziel die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepaßten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen. Beeinträchtigungen der ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung, insbesondere durch Wildschäden sollen durch Hegemaßnahmen gering gehalten werden.

Weitere Maßnahmen sind Wildfütterung, sofern nicht in den Landesjagdgesetzen der Bundesländer unterschiedlich gesetzlich eingeschränkt oder verboten und das Einrichten sogenannter Äsungsflächen sowie von Ruhezonen und Deckung für das Wild wovon dann alle Wildtiere profitieren. Dazu müssen in landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen Flächen auf Kosten der Jäger aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausgelöst und dem Hegeziel entsprechend angepasst werden.

Die Bejagung ist gesetzlich geregelt und soll der ökologischen Kontrolle der Population dienen. Inwiefern die Jagd ein geeignetes Mittel dazu ist, ist Gegenstand einer Kontroverse. Diese Jagdvorschriften beinhalten die Verordnung von Schonzeiten ebenso wie die Erstellung und Kontrolle der Abschusspläne sowie die Einschränkung der Fütterung von Wild auf sogenannte Notzeiten.

Historische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff der Hege findet sich ab dem Mittelalter: Dabei wird die Hege in sogenannten „Bannforsten“ ausgeübt. Sie dient demnach einerseits dem Schutz der Individuen vor einer Überjagung durch Schonung von trächtigen und brütenden Wildtieren. Andererseits dient sie der Verbesserung der Jagdmöglichkeiten in den königlichen „Bannforsten“ zu denen etwa der Sachsenspiegel den Harz zählt.

Die Hege war Bestandteil der Waidgerechtigkeit. Mit dem Wegfall der landesherrlichen Jagdhoheit durch die Revolution 1848 wurde das Recht der Jagdausübung an das Eigentum an Grund und Boden gebunden. Damit fiel das Jagdrecht einer breiten Schicht der Bevölkerung zu. Diese hatte im Gegensatz zum Adel keine kulturelle Praxis der Waidgerechtigkeit, also eine damit verbundene Selbstbeschränkung und Fürsorgepflicht für das Wild entwickeln können. Infolgedessen wurden viele Wildtierarten durch die Jagd ausgerottet.

Aus der Maxime, die Wildtierbestände zu regenerieren, entstanden in der Folge neue Jagdgesetze. Zudem kam ein Wandel im kulturellen Verständnis von Natur, welches sich um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert herausbildete, das auch anderen Arten als nur den sogenannten „Nutzwildtieren“ Maßnahmen der Hege zugestand. Etwa zeitgleich entstand auch die Trophäenjagd. Wurde vorher vorwiegend zum Zweck der Fleisch­gewinnung und zum Schutz vor sogenannten Raubtieren gejagt, so wurde nunmehr vor allem für die städtische Jagdgesellschaft die „kapitale Trophäe“ Ziel der Jagd, also körperliche Symbole wie Geweihe oder Pfoten. Bis heute wird bei den Geweihträgern ein kapitales Geweih als entscheidendes Merkmal für den Selektionsabschuss gehalten. Die Schonzeitenregelung bei männlichem Rotwild folgt noch immer dem Jahreskreislauf der Geweihbildung.

Mit der Verbreitung von neuen Tierarten, wie z. B. Waschbär und Marderhund seit dem 20. Jahrhundert umfasst der Hegebegriff auch Schutzmaßnahmen für bodenständige Tierarten, etwa um einer Verdrängung durch diese Zuwanderer vorzugreifen. Das verstärkte Auftreten von Tierseuchen, vor allem Tollwut und Schweinepest beeinflussen seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Hegemaßnahmen.

Die Einbürgerung und Verbreitung von Tierarten wie Damwild oder Waschbär zeigt die früher übliche Zielrichtung der Hege auf die Fleisch- und Pelz­nutzung. Die zunehmende Ausrichtung der Hege auf den Schutz der Art bei Berücksichtigung der weiteren Nutzungsansprüche an die Kulturlandschaft sind eine Entwicklung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. So war die Fütterung des Wildes in Notzeiten als Hegemaßnahme eine Selbstverständlichkeit, die heute in den meisten Bundesländern eingeschränkt bis verboten ist.

Die heutige Fassung des Bundesjagdgesetzes mit seinen Regelungen zu Schonzeit (§ 22 Abs. 1 BJagdG) und der Verpflichtung zur Hege (§ 1 Abs. 1 Satz 2 BJagdG) basiert auf dem Reichsjagdgesetz von 1934. Das Reichsjagdgesetz von 1934 hat einen direkten Vorläufer in einer Preußischen Verordnung[3] über die Jagd, die bereits wichtige Aspekte des Reichsjagdgesetzes vorwegnahm, maßgeblich von Ulrich Scherping verfasst wurde und von einem jagenden, preußischen Ministerpräsidenten, Otto Braun (SPD), erlassen wurde.

Die auch aus dem Verständnis für den Tierschutz betriebenen Novellierungen des Bundesjagdgesetzes bis heute stehen in der Problematik zwischen Vorstellungen des organisierten Naturschutzes und denen des Jagdschutzes.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Haseder S. 329
  2. Das Jagdrecht in Baden-Württemberg, Kohlhammer Verlag, 2003.
  3. Preußischen Verordnung zum Jagdrecht, abgerufen 23. April 2016
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