Hegesippus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Hegesippus (* vor 130; † nach 180), auch Hegesipp oder Hegesippos, war ein frühchristlicher Kirchenschriftsteller, der in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts schrieb. Er gilt als erster Kirchenhistoriker nach Lukas, dem Verfasser der Apostelgeschichte.

Eusebius von Caesarea[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast alle erhaltenen Informationen über Hegesippus stammen von Eusebius von Caesarea, der sich in seiner Kirchengeschichte mehrfach auf ihn bezieht und einige Passagen aus Hegesipps Büchern zitiert. Vor Eusebius wird Hegesippus in der frühchristlichen Literatur nicht erwähnt. Es gibt aber Spekulationen, dass einige Angaben im Werk des Epiphanius von Salamis auf Hegesipps Informationen basieren könnten.

Eusebius zufolge war Hegesippus ein bekehrter Jude, der judenchristliche Schriften wie das Hebräerevangelium, aber auch mündliche jüdische Überlieferungen kannte und referierte. Er stammte möglicherweise aus Palästina. In der Forschung wird er als Verteidiger des Judenchristentums und Vertreter der Jakobustradition wahrgenommen, der die Stellung der vom Herrenbruder Jakobus repräsentierten urchristlichen Strömung unterstreicht und ein besonderes Interesse am Schicksal der Verwandten Jesu erkennen lässt.

Missionar und Lehrer der Orthodoxie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hegesippus unternahm zwischen 154 und 168 eine Forschungsreise über Korinth bis nach Rom, um sich über die „rechte Lehre“ (griech. „Orthodoxie“), den wahren christlichen Glauben zu vergewissern. Diesen sah er durch die neuen Häresien vor allem des Gnostizismus und Marcions bedroht. In Rom hielt er sich 20 Jahre lang auf und erforschte von dort aus die christliche Überlieferung von den Aposteln bis zu den Bischöfen der römischen Christengemeinde. Seine Ergebnisse legte er seit 174 in fünf Büchern Hypomnemata („Erinnerungen“, „Denkwürdigkeiten“) nieder. Der Titel stammt nach Meinung der heutigen Forschung wahrscheinlich nicht von ihm selbst. Die Bücher haben mittelalterlichen Bibliotheksverzeichnissen zufolge bis ins 17. Jahrhundert hinein existiert und sind seitdem verschollen.

Begründer der Sukzessionstheorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus den Zitaten Eusebs und anderer Kirchenväter kennt man jedoch ungefähr den Inhalt zumindest des fünften Bandes. Demnach setzte Hegesippus die Tradition der urchristlichen Missionspredigten in einfacher Sprache fort. Gegen die Häretiker berief er sich auf die wahren Lehren der Apostel, die ihm durch deren Nachfolger überliefert worden seien. Damit meinte er vor allem die Bischöfe der Gemeindegründungen, die sich dem Schülerkreis des Paulus von Tarsus zuordneten. Auf seiner Reise habe er viele Bischöfe getroffen und von allen das gleiche Evangelium gehört. Er versuchte also, die Gnosis mit der ununterbrochenen Kontinuität der bischöflichen Glaubensüberlieferung zu widerlegen.

Damit wurde Hegesippus zum Begründer der Idee der Apostolischen Sukzession. Eine Bischofsliste von Simon Petrus bis Anicetus, die er in Rom anfertigte, gilt als früheste derartige Liste, die andere Kirchenväter wie Eusebius und Irenäus von Lyon übernommen haben könnten. Dies wie auch der Inhalt der Liste ist jedoch in der Forschung stark umstritten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]