HeidelbergCement

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
HeidelbergCement AG
Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0006047004
Gründung 1874
Sitz Heidelberg, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 60.424 (31. Dez. 2016)[2]
Umsatz 15.166 Mio EUR (2016)[2]
Branche Baustoffe
Website www.heidelbergcement.com

Firmensitz in Heidelberg

Die HeidelbergCement AG mit Sitz in Heidelberg ist ein börsennotierter Baustoffkonzern. Das Unternehmen ist weltweit die Nummer 1 bei Zuschlagstoffen, Nummer 2 bei Zement und Nummer 3 bei Transportbeton. Der Konzern ist in 60 Ländern tätig mit 60.000 Mitarbeitern und 3.000 Standorten.

HeidelbergCement betreibt 139 Zementwerke mit einer Produktionskapazität von 176,3 Mio t Zement pro Jahr, mehr als 1.500 Transportbetonwerke und über 600 Förderstätten für Zuschlagstoffe.[3] Im Jahr 2016 (2015) erzielte das Unternehmen bei einem Umsatz von 15,2 (13,5) Milliarden Euro einen Jahresüberschuss von 896 (983) Millionen Euro.[2]

Geschäftsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich Zement bietet HeidelbergCement Normalzemente, Sonderzemente beispielsweise für den Bau von Wasserbauwerken und Kläranlagen sowie Spezialbindemittel und Umwelttechnik für den Deponiebau und die Altlastensanierung an. Weitere Geschäftsfelder sind Zuschlagsstoffe wie Sand und Kies, Beton- und Kalkprodukte; das Geschäftsfeld Kalksandstein umfasst eine umfangreiche Produktpalette von Steinformaten und Zubehör.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betonwerk in Lindenberg (Barnim)

Die HeidelbergCement geht zurück auf die in Heidelberg gelegene Bergheimer Mühle, welche am 3. Januar 1873 in einem Konkursverfahren von dem aus Mosbach stammenden Bierbrauer Johann Philipp Schifferdecker erworben und zu einer Zementfabrik umgerüstet wurde.

1874 wurde das Unternehmen in der Rechtsform der offenen Handelsgesellschaft unter der Firma Portland-Cement-Werk Heidelberg, Schifferdecker & Söhne ins Handelsregister eingetragen, 1875 begann die Zementproduktion. 1889 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, damit begann eine Phase der starken Expansion unter anderem durch den Bau neuer Zementfabriken. 1901 fusioniert das Heidelberger Portland-Cement-Werk mit der Mannheimer Portland-Cement-Fabrik AG zur Portland-Cement-Fabrik Heidelberg und Mannheim AG. 1918 eröffnete man die Materialseilbahn Leimen–Nußloch, die das Werk mit dem benötigten Kalkstein versorgte. Bis 1938 wurden zahlreiche weitere Zementfabriken und Steinbrüche akquiriert (z. B. 1938 die Portland-Zement Blaubeuren Gebrüder Spohn AG) und das Unternehmen durch verschiedene Fusionen erweitert. Nun firmierte das Unternehmen unter Portland-Zementwerke Heidelberg Aktiengesellschaft. 1959 stieg das Unternehmen auch in die Transportbetonbranche ein. 1977 expandierte das Unternehmen nach Nordamerika und gründete dort Tochtergesellschaften. Ebenso wurden weitere Branchen des Baustoffhandels erschlossen (Baustoffchemie, Dämmsysteme). 1978 wurde das Unternehmen in Heidelberger Zement Aktiengesellschaft umbenannt.

1993 erfolgte der Erwerb von 42,4 % der belgischen S.A. Cimenteries CBR, die 1999 komplett übernommen wurde. In den 1990er Jahren wurde das Unternehmen zusehends internationalisiert, insbesondere durch Expansion nach Ostasien. Ebenfalls 1999 wurde der Baustoffhersteller Scancem in Schweden übernommen, wo das Unternehmen heute als Cementa firmiert. Ab 2001 wurde schrittweise der indonesische Zementhersteller Indocement unter Mithilfe der WestLB übernommen. 2002 wurde das Unternehmen in HeidelbergCement umbenannt.

Anfang 2005 übernahm Adolf Merckle die Kontrolle des Unternehmens und setzte Bernd Scheifele als Vorstandsvorsitzenden ein; nach Abschluss eines öffentlichen Übernahmeangebots im Juli 2005 hielten Spohn Cement und andere der Merckle Unternehmensgruppe zuzurechnende Aktionäre knapp 78 % der Anteile an HeidelbergCement.

Im Jahr 2005 übernahm HeidelbergCement 100 Prozent der Bukhtarma Cement Company (BCC) in Kasachstan.[4][5] Im Mai 2007 kündigte der Konzern die Übernahme des britischen Baustoffkonzerns Hanson für 9,5 Milliarden Pfund (14,0 Milliarden Euro) an, die bis dahin größte Übernahme im Baustoffsektor. Diese Übernahme wurde weitgehend durch Fremdkapital finanziert, aber auch durch die Platzierung des 35 prozentigen Anteils an dem französischen Zementhersteller Vicat im Juni 2007, wodurch ein Erlös von rund einer Milliarde Euro erzielt wurde, und dem Verkauf der Baustofftochter Maxit für 2,13 Milliarden Euro im August 2007 an den französischen Wettbewerber Saint-Gobain.

Im September 2009 gab das Unternehmen eine kombinierte Kapitalerhöhung und Aktienumplatzierung bekannt, die dazu beitragen sollte, die Verschuldung des Unternehmens (mit Nettofinanzverbindlichkeiten von 11,3 Milliarden Euro zum 30. Juni 2009) durch die Platzierung von 62,5 Millionen neuer Aktien abzubauen und auch deren Hauptaktionär, die Merckle-Gruppe, durch die Platzierung von 57,2 Millionen alter Aktien zu entschulden. Damit reduzierte Ludwig Merckle, Erbe von Adolf Merckle, seinen Anteil deutlich von 72,4 % auf unter 25 %.[6] HeidelbergCement wurde am 21. Juni 2010 in den DAX aufgenommen.[7]

Verwaltungsgebäude der HeidelbergCement in Tiflis (Georgien)

Im April 2013 wurde das Zementunternehmen CJSC Construction Materials mit Sitz in der russischen Republik Baschkortostan erworben.[8] Im Juli 2016 vollendete HeidelbergCement die im Vorjahr angekündigte Übernahme von 45 Prozent der italienischen Italcementi.[3][9]

HeidelbergCement inkl. Italcementi

Aktien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen gehört zu den führenden börsennotierten Gesellschaften der deutschen Nachkriegsgeschichte und wurde in den Deutschen Aktienindex (DAX) aufgenommen. Großaktionär ist die VEMOS 2 Beteiligungen GmbH (Zossen) mit rund 25,5 %.[10]

Zementkartell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Zementkartell

Im Jahr 2000 haben insgesamt 29 ehemalige Kunden eine Sammelklage vor Gericht eingereicht, vertreten durch die belgische Aktiengesellschaft Cartel Damage Claims (CDC) und verbunden mit einer Forderung von mindestens 113 Mio. Euro Schadenersatz für die angeblich überhöhten Preise. Laut der Klägerforderung sei ein Schaden von mehr als 150 Millionen Euro entstanden. CDC wirft dabei dem Marktführer HeidelbergCement sowie den Firmen Schwenk Zement, Lafarge, Dyckerhoff, Cemex und Holcim vor, zwischen 1993 und 2001 als Kartell das Preisniveau in Deutschland entscheidend bestimmt zu haben und somit auch die Baupreise künstlich auf einem hohen Niveau gehalten zu haben. 2004 wurde die HeidelbergCement AG als einer der Hauptakteure im damals vom Bundeskartellamt aufgedeckten sogenannten Zementkartell mit einer Geldbuße von 252 Mio. Euro belegt. Dagegen legte das Unternehmen Rechtsmittel ein. Das Oberlandesgericht Düsseldorf reduzierte 2009 die Buße auf 160 Millionen Euro. Der Bundesgerichtshof wies im April 2013 die Klage von HeidelbergCement gegen diese Kartellstrafe in letzter Instanz ab.[11]

Bereits im Jahr 2000 war das Unternehmen mit einer Geldstrafe von ca. 3,5 Mio. Euro belegt worden, weil es seit 1983 mit 41 europäischen Zementfirmen aus 14 EU-Ländern sowie der Schweiz und Norwegen den europäischen Zementmarkt aufgeteilt hatte und die Unternehmen sich gegenseitigen Verzicht auf die nationalen Marktgebiete erklärt hatten. Diese Vereinbarungen wurden nach Überzeugung des damaligen EU-Wettbewerbskommissars Karel Van Miert auch nach 1994 weiter geführt.

Öffentliche Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Indonesien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

HeidelbergCement ist über seine Tochterfirma Indocement maßgeblich am geplanten Bau einer umstrittenen Zementfabrik auf der indonesischen Insel Java beteiligt. Ziel ist die Erschließung des Kendeng-Gebirges gegen den Widerstand der dort lebenden Menschen. Neben der Zerstörung des komplexen ökologischen Systems habe der Bau auch die Marginalisierung der – teilweise indigen lebenden – Bewohner der Region zur Folge.[12] In der Region gibt es bereits Proteste von Einheimischen, die als "Sedulur Kendeng" bekannt sind, gegen das Abbauvorhaben des staatlichen Zementunternehmens PT Semen Indonesia im Kendeng-Gebirge. Aus diesem Grund haben sich im März 2017 50 Personen die Füße auf dem Platz vorm Präsidentenpalast in Jakarta einbetonieren lassen. Das ist das zweite Mal in 11 Monaten.[13]

Neben dem Protest gegen den Fabrikneubau von HeidelbergCement und dessen ökologische Folgen, als „falsch verstandene ‚Entwicklung‘ auf Kosten von Indigenen und Bauern“, appellierten die Aktivistinnen auch politisch an HeidelbergCement, wonach „ein deutsches Unternehmen (…) in keinem Land der Welt in Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen investieren (dürfe)“.[14]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2016 erklärte der Vorstandsvorsitzende Scheifele, die Politik von US-Präsident Donald Trump werde sich positiv auf die Geschäfte des Unternehmens auswirken. Insbesondere die von Trump geplante Mauer an der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko werde „nicht aus Holz gebaut, sondern aus Zement.“ Mit dem Mauerbau „wären wir in Texas und Arizona nicht schlecht bedient“, sagte Scheifele mit Blick auf die dortigen Zementwerke, die zum Unternehmen gehören. Die Äußerung löste Unverständnis und Protest aus. Obwohl Scheifele seine Aussage bekräftigte,[15] erklärte im Januar 2017 ein Unternehmenssprecher, die Äußerungen seien „ironisch gemeint“ gewesen und „aus dem Zusammenhang gerissen“ worden. Zugleich sagte der Sprecher, eine Beteiligung am Bau der Mauer sei nicht ausgeschlossen.[16]

Westjordanland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im von Israel besetzten Westjordanland beutet HeidelbergCement über seine hundertprozentige Tochter Hanson Israel nach Ansicht israelischer Anwälte völkerrechtswidrig den großen Steinbruch Nahal Raba aus. Nach Recherchen des ARD-Magazins „Panorama“ vom 2. September 2010 und des ARD Studios Tel Aviv wurden die abgebauten Bodenschätze nach Israel gebracht und kommen den Palästinensern nicht zugute.[17] Palästinenser aus dem Dorf az-Zawiya in unmittelbarer Nachbarschaft des Steinbruchs erheben Anspruch auf das Land. Die israelische Menschenrechtsorganisation Jesch Din forderte in einer Klage vor dem Obersten Israelischen Gerichtshof die zu HeidelbergCement gehörende Firma und andere israelische Betreiber von Steinbrüchen im besetzten Gebiet auf, den Abbau im Westjordanland einzustellen.[18] HeidelbergCement und seine Tochterfirma Hanson Israel wollten sich laut Panorama zu den Vorwürfen nicht äußern, setzen aber den Abbau bis auf Weiteres fort.[17] Die Klage der israelischen Menschenrechtsvereinigung wurde vom obersten Gerichtshof in Israel am 26. Dezember 2011 zurückgewiesen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: HeidelbergCement AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vorstand
  2. a b c Finanzdaten der HeidelbergCement AG, Abgerufen am 12. Juli 2017.
  3. a b HeidelbergCement schließt Erwerb von 45%-Anteil an Italcementi ab. In: www.heidelbergcement.com. Abgerufen am 7. Juli 2016.
  4. Übernahme von Bukhtarma Cement Company durch HeidelbergCement. Archiviert vom Original am 20. August 2013; abgerufen am 25. Februar 2015.
  5. http://www.heidelbergcement.com/kz/en/country/home.htm
  6. Stimmrechtsmitteilung vom 25. September 2009: 24,42 %
  7. H. Schwerdtfeger: Teure Einkäufe für Indexfonds. In: Wirtschaftswoche vom 21. Juni 2010.
  8. HeidelbergCement übernimmt Zementproduzent in Russland. In: SOLID, Wirtschaft und Technik am Bau vom 21. April 2013
  9. Ad hoc: HeidelbergCement AG erwirbt 45 % der Aktien an der Italcementi S.p.A. In: www.heidelbergcement.com vom 28. Juli 2015
  10. Unternehmensangaben der Deutschen Börse, abgerufen 14. Februar 2017
  11. HeidelbergCement muss 160 Millionen Kartellstrafe bezahlen, Artikel in SOLID, Wirtschaft und Technik am Bau vom 13. April 2013
  12. Warga Kendeng Tolak Pabrik Semen di Depan Kantor Kedutaan Jerman. In: Tempo.Co. 16. Mai 2016; abgerufen am 28. Juni 2016.
  13. Kendeng Against Cement. MR online, 27. März 2017; abgerufen am 2. Mai 2017 (englisch).
  14. News – Berlin: Solidarität mit Kendeng gegen HeidelbergCement. In: www.regenwald.org. Rettet den Regenwald e.V., 16. Juni 2016; abgerufen am 28. Juni 2016.
  15. Kristina Gnirke: Empörung über HeidelbergCement-Chef wegen Mauer-Spruch. In: spiegel.de. Der Spiegel, 10. November 2016; abgerufen am 28. Februar 2017.
  16. HeidelbergCement schließt Beteiligung an Mauerbau zu Mexiko nicht aus. wallstreet:online, 26. Januar 2017; abgerufen am 1. März 2017.
  17. a b Deutsches Investment: Raubbau im Palästinensergebiet, ARD-Magazin Panorama, 2. September 2010.
  18. Erklärung von Jesch Din beim Obersten Gerichtshof in Israel. (englisch).