Heidelberger Frühling

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Das Internationale Musikfestival Heidelberger Frühling ist ein seit 1997 jährlich im März und April in Heidelberg stattfindendes klassisches Musikfestival. Neben den Produktionen des Festivals und dem Konzertbetrieb mit international etablierten Interpreten, Ensembles und Orchestern konzipiert und veranstaltet der als gemeinnützige GmbH organisierte Heidelberger Frühling ganzjährig weitere Konzertreihen, Projekte und Festivals und erreicht mit insgesamt über 120 Veranstaltungen rund 47.700 Besucher (2019[1]). Geschäftsführender Intendant ist seit 1997 Thorsten Schmidt.[2] Der Heidelberger Frühling gehört zur Festivalregion Rhein-Neckar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Heidelberger Frühling fand 1996 statt. Nach den ersten beiden Jahren beim Philharmonischen Orchester Heidelberg unter der Leitung seines Generalmusikdirektors Thomas Kalb wurde das Musikfestival unter seinem Geschäftsführenden Intendanten Thorsten Schmidt eigenständig. Im März 2006 wurde die Heidelberger Frühling gGmbH gegründet. 2010 wurde die Stiftung Heidelberger Frühling ins Leben gerufen (seit 2021 Musikstiftung Heidelberg) und 2021 feierte der Freundeskreis des Heidelberger Frühling e.V. sein 20-jähriges Bestehen. Die Festivaljahrgänge 2020[3] und 2021[4] mussten aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. 2022 feierte das Festival seinen 25. Geburtstag.

Am 15. Februar 2022 wurde bekannt, dass der Pianist Igor Levit ab der Saison 2022/23 als Co-Künstlerischer Leiter des Musikfestivals Heidelberger Frühling an die Seite von Intendant Thorsten Schmidt tritt.[5]

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationales Musikfestival Heidelberger Frühling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1997 finden jedes Jahr im März und April über vier Wochen rund 100 Konzerte und Veranstaltungen mit sowohl den internationalen Größen der klassischen Musikwelt als auch Nachwuchskünstlern statt, die durch diskursive Auseinandersetzung mit Musik über innovative, singuläre Programme, Formate und Projekte geprägt sind. Jede Festivalausgabe steht unter einem Leitthema: z. B. Dialoge (2005), Das Eigene und das Fremde (2007), Ach Europa (2010), Freiheit wagen (2015), Wie wollen wir leben? (2019) oder FESTspiel (2022).

2022 feierte das Festival nach zwei pandemiebedingt entfallenen Jahrgängen seinen 25. Geburtstag. In diesem Jahr wurde zusätzlich das Programm "re:start" mit Konzerten bei freiem Eintritt im gesamten Heidelberger Stadtgebiet aufgelegt, das über 10.000 Menschen erreichte[6].

Am 20. April 2022 wurde im Rahmen des Festivals das 2. Klavierkonzert des amerikanischen Komponisten William Bolcom durch Igor Levit und das Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Elim Chan in der Aula der Neuen Universität Heidelberg uraufgeführt. Der Kompositionsauftrag des Heidelberger Frühling wurde gefördert von Dietrich Götze.

Heidelberger Streichquartettfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2012 findet das Heidelberger Streichquartettfest immer für vier Tage Ende Januar statt. Es gilt als erstes seiner Art, das sich nur mit der Gattung Streichquartett beschäftigt. Seit 2005 hatte es sich im Rahmen des Musikfestivals Heidelberger Frühling etabliert. Eingeladen werden jedes Jahr vier bis sechs Streichquartette, wobei etablierte Quartette auf junge Newcomer treffen. Spielort für das Streichquartettfest ist die Alte Pädagogische Hochschule Heidelberg. Alle zwei Jahre wird zu Beginn des Festivals der Streichquartettwettbewerb der Irene Steels-Wilsing Stiftung ausgetragen.[7]

2022 widmete sich das Festival dem Streichquartettschaffen von Wolfgang Rihm, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feierte.[8]

Liedfestival Neuland.Lied[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2022 feiert das Liedfestival Neuland.Lied Premiere, das sich rund um die Gattung Lied dreht. Gäste der ersten Ausgabe sind u. a. Marlis Petersen, Christian Elsner, Eivind Buene oder Katharina Konradi.

Kammermusik Plus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2018 veranstaltet der Heidelberger Frühling die ganzjährige Abonnementreihe „Kammermusik Plus“ mit neun Konzerten mit verschiedenen Kammermusikbesetzungen von September bis Juni. Sie ist aus der Konzertreihe der Gesellschaft der Musik- und Kunstfreunde Heidelberg hervorgegangen, die 1945 gegründet und 2018 aufgelöst wurde[9]. Spielort ist die Aula der Alten Universität Heidelberg.

Heidelberg Music Conference[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2013 veranstaltet der Heidelberger Frühling eine zweitägige Fachtagung für die Konzert- und Festivalbranche. Die Heidelberg Music Conference widmet sich in jeder Ausgabe einem anderen Thema.

  • 2013: „Festivals 3.0 – eine Möglichkeit Zukunft zu gestalten?“, die Eröffnungskeynote hielt Gerard Mortier
  • 2014: „Neues schaffen statt Copy & Paste“, u. a. mit Architekt und ausgebildetem Musiker Daniel Libeskind
  • 2015: „Die Kunst ist frei – aber wie lange noch?“
  • 2018: „Der Kult des Besonderen – Wie eine Gesellschaft im Wandel das Verhältnis von Musikbetrieb und Publikum revolutioniert“
  • 2020 (hybrid): „Was jetzt?! Auf der Suche nach der Relevanz von morgen“ u. a. mit Folkert Uhde, Holger Noltze oder John Sloboda[10]

Akademie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2011 wurde die Festival Akademie als kreatives Zentrum des Heidelberger Frühling gegründet. Sie umfasste vier Bereiche: Lied (Künstlerischer Leiter: Thomas Hampson), Kammermusik (Künstlerischer Leiter: Igor Levit), Komposition (Nachfolge des Heidelberger Ateliers, Künstlerischer Leiter: Matthias Pintscher) und Musikjournalismus (Künstlerische Leiterin: Eleonore Büning). Mentoren aktueller und vergangener Akademiejahrgänge waren Barbara Bonney, Ian Bostridge, Brigitte Fassbaender, Graham Johnson, Thomas Quasthoff, Wolfram Rieger, Veronika Eberle, Ning Feng, Matan Porat, Thorleif Thedéen, Frederic Rzewski, Manuel Brug und Sophie Diesselhorst. Hinzu kamen zahlreiche Fachreferenten aus geisteswissenschaftlichen Disziplinen.

Die Lied Akademie hat sich unter der Künstlerischen Leitung von Thomas Hampson, der Heidelberg und dem Heidelberger Frühling seit der „Wunderhorn-Woche“ 2006 eng verbunden ist, inzwischen zu einem ganzjährigen Förderprogramm für junge Sänger und Pianisten entwickelt. Kooperationspartner ist der Pierre Boulez Saal Berlin, dessen Schubert-Woche jedes Jahr im Januar von Thomas Hampson mit Stipendiaten der Lied Akademie gestaltet wird.

Liedschwerpunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heidelberg gilt als Stadt des Liedes – nicht zuletzt durch Clemens Brentanos und Achim von Arnims Liedsammlung Des Knaben Wunderhorn. Deshalb macht es sich der Heidelberger Frühling zur Aufgabe, die Gattung des Kunstliedes wieder einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die Gründung des Internationalen Liedzentrums Heidelberg im Februar 2016 bündelt diese Aktivitäten.[11]

So waren in der Vergangenheit bereits fast alle großen Liedinterpreten in der Neckarstadt zu hören, unter anderem Annette Dasch, Jonas Kaufmann, Christine Schäfer, Christian Gerhaher, Christoph Prégardien, Thomas Hampson und viele andere.

Zu den Projekten des Liedzentrums gehört einer der renommiertesten Wettbewerbe für Liedgesang – Thomas Quasthoffs International Song Competition Das Lied, der seit 2009 alle zwei Jahre ausgetragen wird und seit 2017 in Heidelberg stattfindet.[12]

2021 wurde das Digitalprojekt "Lied Me!" mit neun Kurzfilmen veröffentlicht, das während des kulturellen Lockdown in der Corona-Pandemie 2020 entstanden ist. Regie führte Thomas Grube.

Musikvermittlung von Jugendlichen für Jugendliche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Namen „Classic Scouts“ machen seit 2008 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren Gleichaltrige mit klassischer Musik vertraut und gestalten den Heidelberger Frühling mit. Im Oktober 2015 wurden die „Classic Scouts“ mit dem ECHO Klassik in der Kategorie Nachwuchsförderung ausgezeichnet.[13]

Musikpreis des Heidelberger Frühling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2013 gibt es den Musikpreis des Heidelberger Frühling.[14] Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert, gestiftet vom Gründungspartner des Heidelberger Frühling HeidelbergCement. Er wird an Kulturschaffende oder Kulturjournalisten vergeben, die sich substanziell und nachhaltig für die Vermittlung von klassischer Musik einsetzen. Bisherige Preisträger sind:

Spielstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptspielort der Veranstaltungen des Heidelberger Frühling ist das Kongresshaus Stadthalle Heidelberg aus der Gründerzeit, das derzeit saniert wird.[17] Weitere Spielstätten sind unter anderem die Aula der Alten Universität Heidelberg, die Alte Pädagogische Hochschule Heidelberg, das Dezernat 16 oder das Alte Hallenbad (Heidelberg). Als ungewöhnliche Konzertorte dienten dem Festival in der Vergangenheit das Atrium des Forschungs- und Entwicklungszentrums der Heidelberger Druckmaschinen AG, das Operon Auditorium Europäisches Laboratorium für Molekularbiologie, das Studio Villa Bosch, das Restaurant Stadtgarten, das Gesellschaftshaus der BASF SE Ludwigshafen, die Backstube der Bäckerei Mantei.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Heidelberg ist Gesellschafterin der Heidelberger Frühling gGmbH und stellt zusammen mit dem Land Baden-Württemberg über einen jährlichen Zuschuss ca. 25 % des Etats, die übrigen etwa 75 % erwirtschaftet der Heidelberger Frühling über Eigeneinnahmen (v. a. Einnahmen aus dem Ticketverkauf), Fundraising und Sponsoring.

Wesentliches Element des Fundraising ist der Freundeskreis des Heidelberger Frühlings e. V., der seit 2001 besteht und in dem sich mehr als 1000 Unternehmen und Privatpersonen zusammengeschlossen haben[18], um das Festival von Seiten der Heidelberger Wirtschaft und Bürgerschaft zu unterstützen.

Hauptförderer des Musikfestivals Heidelberger Frühling sind HeidelbergCement als Gründungspartner, die MLP AG, Octapharma und SAP SE.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Heidelberger Frühling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heidelberger Frühling 2019: 47.700 Besucher bei 141 Veranstaltungen. Abgerufen am 24. Mai 2022.
  2. Stipendiaten für „Heidelberger Frühling“ 2012 ausgewählt, musik-heute.de, abgerufen am 10. Dezember 2011.
  3. Kulturregion Rhein Neckar: Kulturmagazin Metropolregion Rhein Neckar | Archiv. Abgerufen am 24. Mai 2022.
  4. Musikfestival "Heidelberger Frühling" abgesagt. 5. März 2021, abgerufen am 24. Mai 2022 (deutsch).
  5. S. W. R. Aktuell, S. W. R. Aktuell: Igor Levit gestaltet künftig "Heidelberger Frühling". Abgerufen am 24. Mai 2022.
  6. News | 24. Apr. 2022 | Heidelberger Frühling ist erfolgreich zu Ende gegangen. Abgerufen am 24. Mai 2022.
  7. Willkommen bei der Irene Steels-Wilsing Stiftung. Abgerufen am 24. Mai 2022.
  8. Lotte Thaler: Rihms Streichquartette: Schreiben, zerknüllen, zerreißen, spielen. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 24. Mai 2022]).
  9. Kalliope | Verbundkatalog für Archiv- und archivähnliche Bestände und nationales Nachweisinstrument für Nachlässe und Autographen. Abgerufen am 24. Mai 2022.
  10. Heidelberg Music Conference. 19. Februar 2015, abgerufen am 24. Mai 2022 (deutsch).
  11. Internationales Liedzentrum Heidelberg: ( Archivlink (Memento des Originals vom 24. Juli 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.heidelberger-fruehling.de)
  12. Das Lied – International Song Competition: [1]
  13. Preis für Nachwuchsförderung (Memento des Originals vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.echoklassik.de, abgerufen am 28. November 2015.
  14. Musikpreis des Heidelberger Frühling. Abgerufen am 25. November 2018.
  15. Musikpreis des Heidelberger Frühling ([2]).
  16. "Heidelberger Frühling"-Musikpreis an Thomas Hampson. 24. September 2019, abgerufen am 14. Februar 2021 (deutsch).
  17. Sanierungskonzept. Abgerufen am 24. Mai 2022.
  18. Birgit Sommer: 1000 Mitglieder – Das große Ziel ist erreicht. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 4. April 2018, abgerufen am 25. November 2018.