Heidenheim (Mittelfranken)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Heidenheim
Heidenheim (Mittelfranken)
Deutschlandkarte, Position des Marktes Heidenheim hervorgehoben

Koordinaten: 49° 1′ N, 10° 45′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Weißenburg-Gunzenhausen
Verwaltungs­gemeinschaft: Hahnenkamm
Höhe: 529 m ü. NHN
Fläche: 52,26 km2
Einwohner: 2548 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 49 Einwohner je km2
Postleitzahl: 91719
Vorwahl: 09833
Kfz-Kennzeichen: WUG, GUN
Gemeindeschlüssel: 09 5 77 140
Marktgliederung: 20 Gemeindeteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Ringstr. 12
91719 Heidenheim
Website: www.markt-heidenheim.de
Erste Bürgermeisterin: Susanne Feller (CSU/PWG)
Lage des Marktes Heidenheim im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
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Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt
Heidenheim am Hahnenkamm

Heidenheim (auch Heidenheim am Hahnenkamm) ist ein Markt im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Hahnenkamm.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Markt liegt im Westen des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen in der Region Westmittelfranken und befindet sich am Hahnenkamm, einem Höhenzug der Fränkischen Alb. Nahe dem Hauptort befindet sich der 656,4 Meter hohe Dürrenberg, die höchste Erhebung des Landkreises und zweithöchste Mittelfrankens. Weitere Erhebungen auf dem Gebiet der Marktgemeinde sind der Rechenberg, der Heidenheimer Buck, der Rote Berg, der Efferaberg und der Hungerberg. Das Gebiet ist sowohl von Wiesen und Feldern als auch von Wäldern geprägt. Auf dem Gebiet der Gemeinde liegen mehrere Quellen, darunter die der Rohrach, eines Nebenflusses der Wörnitz, der im Süden der Gemeinde durch den Hahnenkammsee fließt. Durch Heidenheim führen mehrere Staatsstraßen. Im Nordosten grenzt die Gemeinde an den Gelben Berg, im Südosten an den Berolzheimer Wald.

Die Nachbargemeinden sind:

Gnotzheim Dittenheim Meinheim
Westheim Nachbargemeinden Markt Berolzheim
Polsingen Treuchtlingen

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt 20 Gemeindeteile[2] (in Klammern ist der Siedlungstyp[3] angegeben):

Gemarkungen sind Degersheim, Hechlingen am See, Heidenheim und Hohentrüdingen.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Käsrinne

Auf dem Gemeindegebiet befinden sich sechs vom Bayerischen Landesamt für Umwelt ausgezeichnete Geotope:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das im Jahr 752 vom heiligen Wunibald gegründete Kloster Heidenheim war Wirkungsstätte der heiligen Walburga. Schirmvögte waren zunächst die Grafen von Truhendingen (Altentrüdingen), später die Herzöge von Bayern, dann die Burggrafen von Nürnberg (Hohenzollern). In der weiteren Folge gelangten Kloster und Siedlung zu den Markgrafen von Ansbach. Das Kloster wurde 1537 im Zuge der Reformation aufgelöst, Heidenheim ist bis heute evangelisch geprägt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde der Raum zur neuen Heimat zahlreicher Exulanten aus Österreich, die als Glaubensvertriebene dort Ansiedlungsmöglichkeiten fanden und die wirtschaftlichen und demographischen Kriegsfolgen überwinden halfen.[4] Heidenheim gehörte zum 1791 von Preußen erworbenen Fürstentum Ansbach und lag ab 1500 im Fränkischen Reichskreis. Als Teil Ansbachs fiel Heidenheim im Vertrag von Paris (Februar 1806) durch Tausch an das Königreich Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde. Schon 1808 wurde der Markt Heidenheim Sitz eines Landgerichts älterer Ordnung und war damit vergleichbar mit einer heutigen Kreisstadt. Der Landgerichtsbezirk Heidenheim gehörte zunächst zum Altmühlkreis, ab 1810 zum Oberdonaukreis und ab 1817 zum Rezatkreis, der 1838 in Mittelfranken umbenannt wurde. 1862 wurden die Landgerichte Heidenheim und Gunzenhausen zum Bezirksamt Gunzenhausen (ab 1939 Landkreis Gunzenhausen) zusammengefasst. Damit verlor Heidenheim wieder seinen Status als Bezirkshauptort und Sitz einer unteren staatlichen Verwaltungsbehörde.

Der Ortsname wurde in den 1970er Jahren von der einheimischen Bevölkerung etwa „Hoirna“ gesprochen, heute „Hanna“.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung von Heidenheim (Mittelfranken) von 1840 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle

Am 1. Juli 1972 wurde im Rahmen der bayrischen Gemeindegebietsreform die Gemeinde Degersheim eingegliedert.[5] Am 1. Mai 1978 kamen Hechlingen und Hohentrüdingen hinzu.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1840 1900 1925 1950 1961 1970 1987
Einwohner 3314 2808 2623 3148 2597 2404 2538
Jahr 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2017
Einwohner 2849 2978 2735 2536 2364 2607 2529

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marktgemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat von Heidenheim setzt sich aus 14 Mitgliedern zusammen; zusätzlich gehört ihm der direkt gewählte Bürgermeister an. Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Stimmenanteile bzw. Sitzverteilungen:

Liste 2020[7] 2014[8]
% Sitze Sitze
CSU-PWG/Freie Wähler Heidenheimer Liste 22,5 3 6
Die Zukunft 10,8 3
Bürger für Bürger 10,4 1 2
Freie Wählergemeinschaft Hechlingen am See 22,1 3 2
Liste Degersheim/Rohrach 10,8 2 1
Wählergemeinschaft Hohentrüdingen 13,5 2 2
Bürgerblock 1
Gesamt 100 14 14

Erste Bürgermeisterin ist Susanne Feller.[9]

Gemeindefinanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2009 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 1.801.000 Euro, davon waren (netto) 737.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Heidenheim (Mittelfranken)
Blasonierung: „In Silber ein blau gekleideter, bärtiger Heidenrumpf mit blauer Zipfelmütze über silbernem Turban“[10]

Dieses Wappen wird seit dem 16. Jahrhundert geführt.

Wappenbegründung: Heidenheim wird erstmals 752 erwähnt, als die beiden Brüder Wunibald und Willibald, der erste Bischof von Eichstätt, das Benediktinerkloster Heidanheim gegründet hatten. Neben dem Kloster entstand der gleichnamige Ort, der seit dem 14. Jahrhundert als Markt bezeichnet wird und unter der Landeshoheit der Grafen von Truhendingen stand. Nach deren Aussterben kam der Ort um 1400 an die Burggrafen von Nürnberg und späteren Markgrafen. Sie hatten seit 1537 die Ortsherrschaft inne und lösten im gleichen Jahr das Kloster auf. Aus dem Jahr 1556 ist der Abdruck eines Siegels überliefert mit dem für den nicht mehr verstandenen Ortsnamen redenden Heiden (Türken). Der Ortsname leitet sich von einem Personennamen ab und bedeutet „zum Heim eines Heido“. Gleiches Bild steht auch im Wappen der württembergischen Stadt Heidenheim. Zur Unterscheidung wies die Umschrift auf die brandenburgische Herrschaft hin. In einer farbigen Abbildung von 1601 sind als Farben Rot und Silber belegt. Seit dem 19. Jahrhundert steht das Siegelbild in einem Schild, die Farben legte Otto Hupp fest.
Münster St. Wunibald

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Münster St. Wunibald früher

Das romanische Münster St. Wunibald ist eine dreischiffige Pfeilerbasilika aus dem 12. Jahrhundert. Sie wurde auf den Grundmauern eines älteren Gotteshauses errichtet und besitzt einen großen gotischen Chor. Die ehemalige Klosterkirche des Benediktinerklosters Heidenheim dient heute der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Heidenheim als Pfarrkirche.

Die moderne katholische Pfarrkirche St. Walburga wurde von dem Münchener Architekten Alexander von Branca in den Jahren 1975 bis 1977 am Westrand des Marktes auf einem kleinen Höhenzug erbaut. Durch das Gotteshaus bleiben die Elemente der kirchlichen Tradition von Heidenheim lebendig. Zugleich begegnen dem modernen Menschen Leitideen benediktinischer Spiritualität, neu gestaltet und in der Sprache eines modernen Sakralbaus.

Die Synagoge wurde 1853 an der Stelle einer 1851 abgebrannten älteren Synagoge von Eduard Bürklein errichtet und im November 1938 niedergebrannt. Der Bau wurde später als Lagerhaus genutzt und in den 1980er Jahren abgebrochen und durch ein Bankgebäude ersetzt.

Bodendenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windpark Hahnenkamm bei Degersheim. Gesehen aus der Entfernung von 15 km von einer Anhöhe bei Oettingen

Im Jahre 1998 gab es nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft sechs, im produzierenden Gewerbe 72 und im Bereich Handel und Verkehr 74 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren es 165 Personen. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 868. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keinen, im Bauhauptgewerbe vier Betriebe. Im Jahr 2007 bestanden 92 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von mindestens zwei Hektar, die insgesamt 2329 Hektar bewirtschafteten; davon waren 1438 Hektar Ackerfläche und 891 Hektar Dauergrünfläche.

Der 1996 angelegte Windpark Hahnenkamm bei Heidenheim-Degersheim besteht seit 2011 aus zwölf Windkraftanlagen.

Garnison[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab den 1970er Jahren war Heidenheim mit der neuerbauten Hahnenkamm-Kaserne Standort des Heeres der Bundeswehr. Die Kaserne lag mit dem zugehörigen Standortübungsplatz einige Kilometer außerhalb der Ortschaft auf einem Bergrücken und stellte einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor am Hahnenkamm dar. Zuletzt waren dort zwei Panzerbataillone PzBtl 303, PzBtl 304 und eine Panzerpionierkompanie stationiert. 2003 wurde die Kaserne im Zuge der Bundeswehrreform geschlossen, die Panzerbataillone aufgelöst, die Panzer Leopard 2A4 an Polen verkauft und die Panzerpionierkompanie nach Külsheim verlegt. Nachdem das Gelände einige Jahre brach lag, kaufte ein örtlicher Unternehmer das Areal und produziert dort nun Heizungsanlagen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2010 gab es drei Kindergärten mit insgesamt 150 Plätzen, die von 94 Kindern besucht wurden. Im Schuljahr 2009/2010 wurden in der Volksschule 325 Schüler von 22 Lehrkräften unterrichtet.

Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturfreibad Heidenheim

Am Sportplatz Heidenheim befindet sich ein Naturfreibad mit einem Kinderbecken, einem Kiosk, einer Liegewiese, einem Beach-Volleyball-Platz und einer Tischtennisanlage. Der Eintritt ist frei.[11]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Christoph Henzold Approbation
  • Wunibald (701–761), angelsächsischer Missionar und erster Abt von Heidenheim
  • Walburga (um 710–779), Äbtissin von Heidenheim
  • Hugeburc (*730 bis 740, † unbekannt), Nonne im Kloster Heidenheim, Verfasserin der Heiligenviten von Wunibald und Willibald von Eichstätt
  • Lorenz Christoph Mizler (1711–1778), philosophischer Gelehrter und Schriftsteller
  • Wolf Heidenheim (1757–1832), deutsch-jüdischer Gelehrter und Drucker
  • Johann Heinrich Keerl (1759–1810), Jurist und Schriftsteller
  • Johann Christoph Henzold (1787–1858) Landgerichtsarzt
  • Lazarus Bergmann (1799–1852) Gelehrter, Rabbiner und Unternehmer, Sohn des Heidenheimer Rabbiners Joseph Bergmann
  • Heinrich Volkmar Andreae (1817–1900), deutsch-schweizerischer Apotheker
  • Friedrich Lutz (1852–1918), Brauereibesitzer, Landwirt und Mitglied des Deutschen Reichstags
  • Moses Gutmann (1894–1961), Arzt und Allergologe, 1936 Emigration nach Palästina, Gründer der Israelischen Gesellschaft für Allergologie
  • Waldemar Klink (1894–1979), Chorleiter und Komponist
  • Hermann Greiner (1920–2014), Offizier der Luftwaffe im 2. Weltkrieg und der Bundesluftwaffe
  • Fritz Dietrich (* 1998), deutscher E-Sportler bei Alternate Attax

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Heidenheim (Mittelfranken) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genesis Online-Datenbank des Bayerischen Landesamtes für Statistik Tabelle 12411-001 Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Markt Heidenheim, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 3. Oktober 2021.
  3. Gemeinde Heidenheim in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 25. Dezember 2019.
  4. Gerhard Beck: Österreichische Exulanten in den Evang.-Luth. Dekanatsgebieten Oettingen und Heidenheim. Nürnberg 2002 (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 10). ISBN 3-929865-05-X.
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 477.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 731.
  7. Gemeinderatswahl Markt Heidenheim 15. März 2020, Amtliches Endergebnis. 27. März 2020, abgerufen am 22. November 2020.
  8. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung: Kommunalwahlen in Bayern am 16. März 2014. Abgerufen am 24. April 2016.
  9. Marktgemeinderat Heidenheim ab Mai 2020 bis April 2026. Gemeinde Heidenheim (Mittelfranken), abgerufen am 15. August 2020.
  10. Eintrag zum Wappen von Heidenheim (Mittelfranken) in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  11. Freibad Heidenheim (Abgerufen am 22. März 2016)