Heidenloch (Heidelberg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Heiligenberg mit Heidenloch 1645, von Matthäus Merian
Gebäude über dem Schacht

Das Heidenloch ist ein 55 Meter tiefer mittelalterlicher Schacht mit einem Durchmesser zwischen drei und vier Metern auf dem Heidelberger Heiligenberg.

Er befindet sich wenige Meter westlich des Aussichtsturms an der Straße zum Heiligenberg und wurde im Jahr 1936 zum ersten Mal eingehend von Mitarbeitern des Kurpfälzischen Museums erforscht. Diese Untersuchungen wurden erst im Jahr 1950 wieder aufgenommen.

Ausgrabungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heidenloch
Brunnenmantel vom Grund des Heidenlochs, ausgestellt im Kurpfälzischen Museum Heidelberg

Bei den Ausgrabungen wurden zunächst behauene Steine und Teile von Säulen gefunden, daneben eine Reihe metallener Gebrauchsgegenstände, die vom Kloster stammten, wie: Schlüssel, Hufeisen, Steigbügel und Messer. Diese Funde enden in einer Tiefe von 26 Metern.

Unterhalb von 26 Metern fand man nur Steine und Geröll, ein Hinweis darauf, dass diese Auffüllung aus der Zeit vor Aufgabe des Klosters stammen müssen, da keine Bauelemente mehr zu finden waren. Erst in 52 Metern Tiefe schien der Brunnen zu enden, doch stieß man hier auf eine abschließende Bodenplatte. Die Quader des Brunnenmantels zeigten eine Steinmetztechnik, die mit den Steinmetzarbeiten an der Ostseite des Speyerer Doms übereinstimmt. Vermutlich hat man lombardische Steinmetze aus Speyer angeworben, um den Brunnenschacht zu bauen. Dadurch wurde eine Datierung auf etwa 1100 n. Chr. möglich.

Als man die Abschlussplatte hob, zeigte sich darunter eine zweite Sohle, die aus vermutlich römischen Ziegellagen bestand. Diese Sohle könnte die Römer als die Erbauer des Brunnens vermuten lassen.

Beschreibungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graf von Zimmern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Graf von Zimmern beschreibt es folgendermaßen:

»In der Kirche auf dem Allerheiligen-Berg soll ein Loch ganz tief hinab ins Erdreich führen, da soll einmal eine Gans herabgelassen worden und beim Kloster Neuburg wieder herausgekommen sein. Dies tiefe Loch hat man später zugeschüttet.«

Johann R. Ampelander[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schweizer Pfarrer Johann R. Ampelander aus Bern beschreibt in seinem 1605 verfassten Epos Ein Lustig unnd Ernsthafft Poetisch Gastmal den Heidelberger Heiligenberg und behauptet, dass die Heiden früher in den Berg ein Loch gegraben hätten, worin der Satan gesessen hätte und seine falschen Weissagungen verkündet habe. Aber er räumt auch ein, dass das Loch vielleicht auch gegraben worden sei, um das Wasser aus dem Neckar auf die Bergspitze zu bringen.

Matthis Quad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Geograph Matthis Quad beschreibt das Heidenloch kurz nach 1600 als Brunnen und erzählt einige Geschichten, die sich um den Schacht ranken:

»Es war zu meiner Zeit so voll Holz und Steine von den Ruinen der Kirche, daß die Sicht nicht tiefer ging wie bemerkt. Es pflegten die Buben in der Schule oft zu fabulieren, wie einmal eine weiße Gans oben zum Loch hineingeworfen und dieselbe unten am Neckar wieder herausgekommen und ganz schwarz gewesen sei.«

Victor Hugo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der französische Dichter Victor Hugo schreibt über seinen Besuch um das Jahr 1840 als ihn ein nächtlicher Spaziergang über den Heiligenberg zum Heidenloch führte:

»Wie ich so über den Bergrücken ging, bemerkte ich, wenige Schritte von dem kaum erkennbaren Pfad entfernt, unter Dornengestrüpp eine Art Loch, zu dem ich mich begab. Es war eine ziemlich große, rechteckige Grube von zehn oder zwölf Fuß Tiefe und acht oder neun Fuß Breite, in die sich rötliche Brombeersträucher senkten, durch deren Gestrüpp einzelne Mondstrahlen drangen. Am Boden erkannte ich undeutlich ein Pflaster aus breiten Platten, auf denen Regenpfützen standen, und an den vier Wänden sah ich ein mächtiges Mauerwerk aus gewaltigen Steinen, das unter den Gräsern und dem Moos unförmlich und häßlich geworden war. Ich glaubte, auf dem Grund ein paar grobe Skulpturen inmitten von Trümmerwerk zu erblicken und unter diesen Ruinen einen dicken runden Block, der leicht ausgebaucht war und in der Mitte ein kleines quadratisches Loch hatte; es konnte ein keltischer Altar oder ein Kapitell aus dem 10. Jahrhundert sein. Allerdings gab es keine Treppe, um in die Grube hinabzusteigen.Und in diesem Augenblick höre ich, wie eine tiefe, schwache Stimme hinter mir das Wort ›Heidenloch‹ ausspricht. Obwohl ich nur wenig Deutsch kann, kenne ich dieses Wort. Ich drehe mich um. Niemand auf der Heidefläche; der Wind weht, und der Mond scheint. Nichts weiter.«

Martin Schemm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Autor Martin Schemm verfasste über das Heidenloch auf dem Heiligenberg einen fantastisch-mythologischen Roman, der die alten Legenden und Sagen um diesen Ort aufgreift und darüber hinaus einen neuen Mythos bereithält. Der Roman bietet viel Lokalkolorit und Informationen aus der Geschichte des Heiligenbergs und schildert in Aktenform vermeintliche Schrecknisse, in deren Zentrum das Heidenloch steht. Das Buch wurde in der Schriftenreihe des Stadtarchivs Heidelberg herausgegeben und im Jahr 2009 vom SWR als Hörspiel vertont.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang von Moers-Messmer, Schutzgemeinschaft Heiligenberg e. V. (Hrsg.): Der Heiligenberg bei Heidelberg. Ein Führer durch seine Geschichte und seine Ruinen. 1987.
  • Martin Schemm: Das Heidenloch. Ein fantastisch-mythologischer Roman. 3. Auflage, verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2004. ISBN 3-89735-165-X.

Koordinaten: 49° 25′ 10,2″ N, 8° 42′ 12,2″ O