Heidewitzka, Herr Kapitän

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Müllemer-Böötche-Denkmal am Karl-Berbuer-Platz in Köln

Heidewitzka, Herr Kapitän ist ein 1936 von Karl Berbuer geschriebenes Karnevalslied.[1]

Entstehungsgeschichte und Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Müllemer Böötche“ am Anlegeplatz (1905)

Das Karnevalslied entstand 1936 während der Zeit des Nationalsozialismus und ist in kölscher Sprache verfasst. Es hat einen eingängigen Refrain und wird im rheinischen Karneval bis heute gesungen. Der Text beschreibt die alljährliche Schiffstour einer Männergesellschaft von Köln rheinaufwärts nach Königswinter zum Drachenfels, was nahezu zwangsläufig mit dem Genuss größerer Mengen Alkohol verbunden wird. Der Refrain erinnert gleichzeitig an die Rheinfähre zwischen dem rechtsrheinisch gelegenen Köln-Mülheim und den linksrheinischen Stadtteilen. Tatsächlich gab es eine Fährverbindung, bis 1888 eine erste Schiffsbrücke den Fährbetrieb überflüssig machte. 1929 ersetzte dann die heutige Mülheimer Brücke die alte Schiffsbrücke; dennoch besteht alternativ noch ein Fährbetrieb zu Ausflugszwecken. Zu Ehren von Berbuer und in Erinnerung an das Lied wurde in Köln am Karl-Berbuer-Platz das Müllemer-Böötche-Denkmal errichtet.[2]

Refrain:

Heidewitzka, Herr Kapitän
Mem Müllemer Böötche fahre mer su jän,
mer kann su schön em Dunkle schunkele
wenn üvver uns de Stääne funkele
Heidewitzka, Herr Kapitän
Mem Müllemer Böötche fahre mer su jän.

Standarddeutsche Übersetzung:

Heidewitzka, Herr Kapitän!
Mit dem Mülheimer Bötchen fahren wir so gerne,
man kann so schön im Dunklen schunkeln
wenn über uns die Sterne funkeln.
Heidewitzka, Herr Kapitän!
Mit dem Mülheimer Bötchen fahren wir so gerne.

Über die Herkunft und die Bedeutung des Wortes Heidewitzka gibt es verschiedene Interpretationsversuche. Sicher ist, dass es sich nicht um einen kölschen Ausdruck handelt. Manfred Becker-Huberti sowie Patricia Heberer vermuteten, dass es eine Verballhornung des Hitler-Grußes sei.[3][4] Das Wort wird heute im Deutschen als Ausdruck für „auf geht’s!“ oder „schnell“ verwendet, was die Behauptung stützen würde, dass es sich um eine onomatopoetische Interjektion handele, die so viel bedeute wie „Hei! Wie der Blitz“. Immerhin fährt das Boot laut Text „met hundert Knöddele“ (mit hundert Knoten = 185 km/h).

Niederländische Fassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annähernd zeitgleich mit der deutschen Fassung des Liedes entstand in den 1930er Jahren eine niederländische Textfassung zur selben Melodie, die von dem Schlagersänger Willy Derby aufgenommen wurde und in den Niederlanden ähnliche Popularität wie die kölsche Fassung in Deutschland erreichte. Der Ausruf „Heidewitzka“ ist in der niederländischen Fassung identisch, der restliche Text bezieht sich aber humoristisch auf den damals schnell wachsenden Automobilverkehr.[5]

Zeitweilige Verwendung als Ersatz für die fehlende Nationalhymne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Lied bei einem Besuch Bundeskanzler Konrad Adenauers in Chicago gespielt, da die Bundesrepublik zu diesem Zeitpunkt noch keine Nationalhymne hatte.[6][7][8] Adenauer war peinlich berührt und erkannte, dass die Bundesrepublik eine Nationalhymne brauchte. Am 18. April 1950 forderte Adenauer in einer Rede im Berliner Titania-Palast die Zuhörer auf, die dritte Strophe des Deutschlandliedes zu singen, die im Mai 1952 die offizielle Nationalhymne der Bundesrepublik wurde.[7]

Coverversionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Lied wurde mindestens sechs Mal gecovert, darunter noch 1936 von Jupp Schmitz, Will Glahé (1938) und von Willy Millowitsch.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Berbuer – Heidewitzka, Herr Kapitän. Abgerufen am 12. April 2013.
  2. Heidewitzka an der Severinstraße. (PDF; 276 kB) Abgerufen am 14. April 2013.
  3. Einmischungen in die Geschichte des Rheinlandes: Heidewitzka. Abgerufen am 13. April 2013.
  4. Patricia Heberer: Children During the Holocaust. AltaMira Press, ISBN 0-7591-1984-8, S. 255.
  5. Liederendatenbank. Abgerufen am 16. Februar 2016.
  6. Karin Seethaler: Deutschland sucht die Superhymne. einestages, spiegel online
  7. a b Heidewitzka, Herr Kapitän – Adenauers Hymnen-Handstreich. Abgerufen am 13. April 2013.
  8. Trizonesien-Lied sorgte 1949 für Aufregung. Abgerufen am 13. April 2013.
  9. Willy Millowitsch – Heidewitzka, Herr Kapitän. Abgerufen am 12. April 2013.