Heidi Horten

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Heidi Goëss-Horten, geborene Jelinek, verwitwete Horten, geschiedene Charmat (* 13. Februar 1941 in Wien) ist eine österreichische „Kaufhaus-Erbin[1] und daraus Milliardärin, ist Mäzenin, Philanthropin und Kunstsammlerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heidi Jelinek, Tochter eines Wiener Graveurs,[2] damals Sekretärin von Beruf, lernte im Jahre 1959[3](nach anderen Quellen 1960[4] oder 1964[1]) in einer Bar in Velden am Wörther See den etwa 30 Jahre älteren deutschen Unternehmer und „Kaufhaus-König“[2] Helmut Horten (1909–1987) kennen, dessen damaliger Reichtum als „Reichsverteiler für Textilien“ im Jahr 1936 seinen Grundstock in der „Arisierung“ des Warenhaus Gebrüder Alsberg fand.[5] 1966 heirateten die beiden, Horten schenkte seiner Braut den Blauen Wittelsbacher, einen 35-Karat-Diamanten[3] aus dem Kronjuwelenschatz Bayerns. Als ihr Mann im November 1987 verstarb, erbte Heidi Horten das gesamte Vermögen zum damaligen Zeitpunkt im Wert von rund 1 Mrd. US-Dollar[3] aus dem noch zu Lebzeiten Helmut Hortens veräußerten Kaufhauskonzern.[5]

1994 heiratete die verwitwete Horten im Millionärsclub Lyford Cay auf den Bahamas den französischen Blumengroßhändler Jean-Marc Charmat und nahm dessen Name an. Als Horten angesprochen, habe sie in dieser Zeit „regelrecht allergisch“ reagiert. Wer sie dennoch so nannte, anstatt Charmat, der habe Gefahr gelaufen, von ihrem Rechtsanwalt belangt zu werden. Die Ehe zerbrach und wurde im Jahre 1998 wieder geschieden. Heidi Charmat nahm wieder den Namen Horten an und konnte mit der Scheidung ihr Vermögen vermehren. Danach hatte sie eine Liaison mit einem britischen Exbanker, der als Finanzberater des Medientycoons Robert Maxwell vermögend wurde.[5]

Ende Juni 2015 heiratete sie in dritter Ehe Karl „Kari“ Anton Goëss,[1] den sie bereits 20 Jahre kannte.[3]

Goëss-Horten, die die mediale Öffentlichkeit meidet und nur selten Interviews gibt, lebt in ihrer Schlossvilla am Kärntner Wörthersee.[2] Sie hat weitere Wohnsitze in Wien und auf den Bahamas. Zu ihren Nachbarn am Wörthersee zählen Familienzweige der Flicks, Porsches und Piëchs.[5]

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horten ist seit 1971 Vizepräsidentin des Stiftungsrates der Helmut Horten Stiftung,[6] die unter anderem mit Zuwendungen an medizinische Forschungseinrichtungen das Gesundheitswesen fördert. Sie gilt als passionierter Eishockey-Fan und ist Mäzenin sowie seit 2010 Ehrenpräsidentin des Klagenfurter Eishockeyvereins EC KAC.[7]

Vermögen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heidi Horten verkaufte im Jahr 2008 über Christie’s den ihr zur Hochzeit von Helmut Horten zum Geschenk gemachten (siehe oben) Blauen Wittelsbacher für 24 Millionen US-Dollar.[3] Im Jahr 2011 lag sie mit einem geschätzten Vermögen von 3,2 Mrd. Dollar auf Rang 358 der Forbes-Liste. Auf der Liste der reichsten Österreicher nahm sie damit Platz 4 ein,[8] im Jahr 2014 war sie mit 3,38 Mrd. Euro auf Platz 8 im Ranking der Zeitschrift trend.[9] 2015 wurde ihr Vermögen von Forbes auf 2,7 Mrd. Dollar geschätzt (Rang 690 der Forbes-Liste).[10] Im März 2017 wurde sie von Forbes mit 2,8 Mrd. Dollar (mehr als 3 Mrd. Anfang 2018) taxiert und rangierte auf Platz 717 der Forbes-Liste, in Österreich auf Platz 3,[3] aktuell (Februar 2018) als reichste Österreicherin.[2]

Kunstsammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Beratung ihrer Freundin und künstlerischen Vertrauten Agnes Husslein, frühere Chefin von Sotheby’s in Österreich, erweiterte Heidi Horten seit dem Tod ihres Mannes Helmut Horten im Jahr 1987 aus dem ererbten und vermehrten Vermögen im Laufe der folgenden Jahrzehnte die noch zu seinen Lebzeiten begonnene Kunstsammlung.[2] Daraus ist „eine der beeindruckendsten europäischen Privatsammlungen“, bestehend aus Werken aus rund 100 Jahren Kunstgeschichte, hervorgegangen.[11]

In der von Goëss-Horten zusammengetragenen Privatsammlung finden sich unter anderen Werke aus dem Fin de Siècle wie Gustav Klimts Kirche in Unterach und Egon Schieles Rote Wally, französische Impressionisten wie Edgar Degas und Pierre-Auguste Renoir, sowie Bilder der „Superstars“ des deutschen Expressionismus und von den Klassikern der Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst.[2]

Bei einer Auktion im Jahr 1996 in London gelang es der Kunstsammlerin Horten völlig anonym rund 30 Gemälde auf einen Schlag zu ersteigern. Darunter waren „Säulenheilige der Kunst“, wie Pablo Picasso oder Lucian Freud. Medial überschlagend wurde damals über die Identität des Käufers gemutmaßt, vom Drogenbaron bis zum Mafiaboss reichten allerlei Spekulationen: „Kunst-Shopping samt Name-Droping nennen es die einen, doch für Heidi Goëss-Horten ist es einfach bloß ihre Liebe zur Kunst, die sie durch ihr reiches Erbe verwirklichen kann.“[2]

Während Horten bisher nur im Verborgenen agierte, auch dann, wenn sie einzelne Bilder ihrer Sammlung an Museen verliehen hatte,[2] so wird erstmals im Jahr 2018, einem lang gehegten Wunsch der Sammlerin folgend, ein großer Teil ihrer Sammlung unter dem Titel WOW! The Heidi Horten Collection im Wiener Leopold Museum gezeigt. Der Öffentlichkeit werden damit über 150 Werke aus 100 Jahren Kunstgeschichte zugänglich gemacht.[11] Kuratiert wird die Ausstellung von Hortens künstlerischer Beraterin und Vertrauten Agnes Husslein. „Ein Kunst-Coup“ (ORF-Kulturmontag) sei damit Hans-Peter Wipplinger, dem Direktor des Leopold Museums, gelungen:[2]

„Die Heidi Horten-Collection im Wiener Leopoldmuseum: Phänomenal, fantastisch, fabelhaft noch viel mehr! „Wow“ – ein programmatischer Ausstellungstitel, denn bei diesem „Who-is-Who“ der Kunstgeschichte aus rund 100 Jahren bleibt einem der Mund offen, geht einem der Hut hoch und verfallen Museumsdirektoren gänzlich in Schnappatmung.“

ORF-Kulturmontag: Eine Star-Parade der Kunst[2]

Bilder (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle mit Abbildungen: Leopold Museum.[11]

Luxusyachten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horten ist Eignerin der Carinthia VII (1973). Das Schiff zählt mit einer Länge von 315 Fuß[3] (knapp 100 Meter) zu den zehn größten sowie zu den luxuriösesten Privatyachten der Welt.[7] Am Entwurf der viergeschossigen „Mega-Yacht“ soll Heidi Horten selbst beteiligt gewesen sein, Planung und Gestaltung seien aus ihrer Feder entstanden. Die Umsetzung erfolgte durch den Londoner Designer Tim Heywood.[5]

Das kleinere Schwesterschiff Carinthia VI, mit klassischem atlantikblauen Rumpf und schneeweißen Aufbauten wie die spätere Carinthia VII, beide gebaut bei der Lürssen-Werft in Bremen, wurde die „VI“ noch von Helmut Horten in Auftrag gegeben.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Heidi Horten traute sich wieder. In: kaernten.ORF.at, 2. Juli 2015, abgerufen 13. Februar 2018.
  2. a b c d e f g h i j Eine Star-Parade der Kunst. In: tv.ORF.at, Beitrag von Claudia Teissig in der Sendung Kulturmontag auf ORF 2, Ausgabe am 12. Februar 2018, abgerufen am 13. Februar 2018.
  3. a b c d e f g Heidi Horten. Profileintrag auf der Forbes-List, abgerufen am 13. Februar 2018.
  4. "Ich liebe jedes einzelne Bild". In: news.at. 11. Februar 2018, abgerufen am 19. März 2018.
  5. a b c d e f Heidi Horten: Weiblich, ledig, reich. In: manager magazin, 30. Jänner 2004, abgerufen am 17. Oktober 2011.
  6. Entscheidungsgremien: Stiftungsrat auf der Website der Helmut Horten Stiftung, abgerufen am 13. Februar 2018.
  7. a b Horten plädiert für Eishalle bei „Minimundus“. In: kaernten.ORF.at, 1. November 2010, abgerufen 13. Februar 2018.
  8. Forbes-Liste, abgerufen 2011 oder 2012 (damalige Direktlink nicht mehr erreichbar, abgerufen am 13. Februar 2018.)
  9. Wer in Österreich am reichsten ist. In: oesterreich.ORF.at,29. Juni 2014, abgerufen am 13. Februar 2018.
  10. APA: Mateschitz reichster Österreicher, Stronach gewinnt dazu. In: derStandard.at, 3. März 2015, abgerufen am 13. Februar 2018.
  11. a b c WOW! The Heidi Horten Collection. 16.02.2018 – 29.07.2018. Mit ausgewählten Abbildungen in: Website des Leopold Museum, ohne Datum, abgerufen am 13. Februar 2018.