Heike Drechsler

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Heike Drechsler Leichtathletik
Heike Drechsler

Heike Drechsler (2015)

Voller Name Heike Gabriela Drechsler
Nation Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR, DeutschlandDeutschland Deutschland
Geburtstag 16. Dezember 1964
Geburtsort Gera
Größe 180 cm
Gewicht 68 kg
Karriere
Disziplin Sprint, Weitsprung, Siebenkampf
Bestleistung 10,91 s (100 m)
21,71 s (200 m)
7,48 m (Weitsprung)
Verein SC Motor Jena, TuS Jena
Status zurückgetreten
Medaillenspiegel
Olympische Spiele 2 × Gold 1 × Silber 2 × Bronze
Weltmeisterschaften 2 × Gold 2 × Silber 2 × Bronze
Europameisterschaften 5 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
Hallen-WM 2 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
Hallen-EM 4 × Gold 1 × Silber 1 × Bronze
Weltcup 3 × Gold 0 × Silber 0 × Bronze
Europacup 1 × Gold 0 × Silber 0 × Bronze
Olympische Ringe Olympische Spiele
0Silber0 Seoul 1988 Weitsprung
0Bronze0 Seoul 1988 100 m
0Bronze0 Seoul 1988 200 m
0Gold0 Barcelona 1992 Weitsprung
0Gold0 Sydney 2000 Weitsprung
 Weltmeisterschaften
0Gold0 Helsinki 1983 Weitsprung
0Silber0 Rom 1987 100 Meter
0Bronze0 Rom 1987 Weitsprung
0Silber0 Tokio 1991 Weitsprung
0Bronze0 Tokio 1991 4×100 m
0Gold0 Stuttgart 1993 Weitsprung
Logo der EAA Europameisterschaften
0Gold0 Stuttgart 1986 200 m
0Gold0 Stuttgart 1986 Weitsprung
0Gold0 Split 1990 Weitsprung
0Silber0 Split 1990 200 m
0Gold0 Helsinki 1994 Weitsprung
0Gold0 Budapest 1998 Weitsprung
 Hallenweltmeisterschaften
0Gold0 Indianapolis 1987 Weitsprung
0Gold0 Indianapolis 1987 200 m
0Silber0 Sevilla 1991 Weitsprung
Logo der EAA Halleneuropameisterschaften
0Bronze0 Athen 1985 Weitsprung
0Gold0 Madrid 1986 Weitsprung
0Gold0 Liévin 1987 Weitsprung
0Gold0 Budapest 1988 Weitsprung
0Gold0 Paris 1994 Weitsprung
0Silber0 Gent 2000 Weitsprung
Weltcup
0Gold0 Canberra 1985 Weitsprung
0Gold0 Havanna 1992 Weitsprung
0Gold0 Johannesburg 1998 Weitsprung
Europacup
0Gold0 Bremen 2001 Weitsprung
 
Heike Daute bei einem Sportfest in Jena, 1984

Heike Gabriela Drechsler (geb. Daute; * 16. Dezember 1964 in Gera) ist eine ehemalige deutsche Leichtathletin, die 1992 und 2000 Olympiasiegerin im Weitsprung wurde.

Sportliche Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1974 begann sie im Trainingszentrum der BSG Wismut Gera mit der Leichtathletik und wechselte 1977 zum SC Motor Jena. 1983 in Helsinki wurde sie erstmals Weltmeisterin im Weitsprung. Die damals 18-Jährige wurde damit die bis heute jüngste Weitsprungweltmeisterin und in der DDR zur gefeierten Sportlerin. Von 1986 bis 1998 holte sie bei den Leichtathletik-Europameisterschaften jedes Mal die Goldmedaille im Weitsprung.

Daneben hatte sie auch Erfolge im Sprint. So gewann sie bei den Europameisterschaften 1986 Gold im 200-Meter-Lauf, bei den Weltmeisterschaften 1987 Silber über 100 m, bei den Olympischen Spielen 1988 Bronze über 100 und 200 Meter und bei den Europameisterschaften 1990 Silber über 200 Meter.

Bei den Olympischen Spielen 1992 wurde sie erstmals Weitsprung-Olympiasiegerin, und holte im Jahr darauf bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart ein weiteres Mal Gold. Ihr zweites olympisches Gold gewann sie 2000 in Sydney.

Neben dem Weitsprung und den Sprintstrecken betrieb Heike Drechsler auch erfolgreich den Siebenkampf. 1994 erreichte sie beim Décastar im französischen Talence ihre Bestmarke und zugleich eine Weltjahresbestleistung von 6741 Punkten (13,34/-0,3 - 1,84 - 13,58 - 22,84/-1,1 - 6,95/1,0 - 40,64 - 2:11,53). Dies war ihr erster offizieller Mehrkampf nach 13 Jahren. 1981 hatte sie bei ihrem letzten Siebenkampf davor einen Junioren-Weltrekord mit 5891 Punkten aufgestellt.

1986 war sie DDR-Sportlerin des Jahres und 2000 Sportlerin des Jahres in Deutschland. Die polnische Presseagentur PAP wählte sie 1986 zu Europas Sportlerin des Jahres, den gleichen Titel erhielt sie von der Vereinigung der europäischen Sportjournalisten (UEPS). 1998 wurde sie mit dem Bambi ausgezeichnet. Zahlreiche Webseiten behaupten, dass Heike Drechsler 1999 zur Leichtathletin des Jahrhunderts gewählt worden sei; dies ist jedoch nicht ganz korrekt: Sie war zwar in der engeren Auswahl,[1] gewählt wurde aber Fanny Blankers-Koen.[2] Von den Lesern und den Experten der nationalen Fachzeitschrift Leichtathletik wurde sie zur Welt-Leichtathletin des Jahrhunderts ernannt und vom renommierten Magazin Track & Field zur Weitspringerin des Jahrhunderts gewählt.

Heike Drechslers Ziel war ursprünglich, ihre Karriere mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2004 in Athen zu beenden, doch nach Formproblemen in der Qualifikation zog sie ihre Teilnahme zurück. Am 12. September 2004 trat sie ein letztes Mal beim ISTAF in Berlin an und wurde vor über 60.000 Zuschauern vom aktiven Sport verabschiedet. Am 6. Mai 2005 wurde das feierliche Ende ihrer Karriere in Gera begangen. Dabei wurde sie zur Ehrenbürgerin der Stadt ernannt. Zurzeit ist sie Sportexpertin für Leichtathletik beim Sportsender Eurosport. Während der Weltmeisterschaften 2005 in Helsinki wurde Heike Drechsler mit einem Fair-Play-Preis geehrt.

Heike Drechsler startete bis 1990 für den SC Motor Jena, von 1991 bis 1994 für den TuS Jena, 1995 und 1996 für den LAC Chemnitz, 1997 und 1998 für den Erfurter LAC, 1999 und 2000 für ABC Ludwigshafen und ab 2001 für den Karlsruher SC. Ihre Trainer waren Peter Hein, Erich Drechsler (1934–2015) und Alain Blondel. In ihrer aktiven Zeit wog sie 70 kg bei einer Größe von 1,81 m.

2014 fand sie als erste deutsche Leichtathletin neben Marita Koch Aufnahme in die IAAF Hall of Fame.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heike Drechsler wurde geboren als Heike Gabriela Daute und wuchs mit drei Geschwistern auf. Als Kind wurde sie Halbwaise, weil ihr Vater tödlich verunglückte. Nach dem erfolgreichen Abitur absolvierte sie eine Lehre als Feinmechanikerin (Optik) und studierte Pädagogik. Im Jahr 1986 wurde sie, wie viele andere Leistungsträger, FDJ-Abgeordnete in der Volkskammer. Sie gehörte dem DDR-Parlament bis 1990 an.

Als IM Jump war Drechsler für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) tätig.[3][4]

1984 heiratete sie den damaligen Sportstudenten und Fußball-Ersatztorhüter des FC Carl Zeiss Jena, Andreas Drechsler. Für ihren 1989 geborenen[5] Sohn bekam Heike Drechsler 1997 nach der Scheidung das Sorgerecht zugesprochen. Von 1995 bis 2007 war sie mit dem ehemaligen französischen Zehnkämpfer Alain Blondel liiert.[6]

Der Name Spix, den sie selbst als Geburtsnamen angibt, stammt von einem Ehepaar aus Aachen, mit dem sie seit dem Ende der DDR bekannt ist. Heike Drechsler wurde von ihnen 1999 adoptiert. Im Februar 2016 nahm Drechsler mit anderen ehemaligen Weltklassesportlern an der Show "Ewige Helden" des Fernsehsenders VOX teil.[7] Ende Februar 2016 hatte Drechsler eine Episodenrolle bei In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte.

Zurzeit lebt sie in Karlsruhe und Aachen. Sie ist bei einer Krankenkasse im Gesundheitsmanagement beschäftigt und hält Vorträge über Prävention, Motivation und Life-Work-Balance.[5]

Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitsprung:

1992 gelang Heike Drechsler im italienischen Sestriere mit 7,63 m eine Fabelweite, welche jedoch durch etwas zu viel Rückenwind (2,1 m/s - erlaubt 2,0 m/s) begünstigt wurde.

200-Meter-Lauf:

Siebenkampf:

  • 1981: 5891 Punkte (Junioren)
  • 1994: 6741 Punkte (Talence)

Doping in der DDR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1991 konnten die Dopinggegner Brigitte Berendonk und Werner Franke mehrere Dissertationen und Habilitationsschriften ehemaliger DDR-Dopingforscher in der Militärmedizinischen Akademie Bad Saarow (MMA) sicherstellen. Anhand der Arbeiten ließ sich die staatlich organisierte Dopingpraxis vieler bekannter DDR-Leistungssportler, darunter auch Heike Drechsler, rekonstruieren. Den Angaben zufolge bekam Heike Drechsler von 1982 bis 1984 hohe Dosen Oral-Turinabol zuzüglich mehrerer Testosteronester-Injektionen im Rahmen des Überbrückungsdopings vor Wettkämpfen.[8] Einen Prozess gegen Brigitte Berendonk, die sie der Lüge bezichtigte, verlor Drechsler 1993.[9] Im Fall Drechsler liegen weiterhin vollständige Jahresdosierungspläne und Diagramme zur Entwicklung der Wettkampfleistung in Abhängigkeit von der Dosierungshöhe vor.[10][11]

Auftritte in Film und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heike Drechsler und Monika Zilliken: Fit mit Kids  −  Bewegungsspaß für die ganze Familie, Südwest Vlg./ Verlagsgruppe Random House GmbH, München 2010, ISBN 978-3-517-08590-6

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heike Drechsler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Century’s top athletes on shortlist. IOL, archiviert vom Original am 17. Mai 2007, abgerufen am 24. November 2014 (englisch).
  2. Awards. International Athletic Foundation, archiviert vom Original am 16. Juli 2004, abgerufen am 24. November 2014 (englisch).
  3. Drechsler: Springverbot für „IM Jump“. In: Focus. 27. September 1993, archiviert vom Original am 24. November 2014, abgerufen am 24. November 2014 (Ausgabe 39/1993).
  4. Vgl. Uwe Müller/Grit Hartmann: Vorwärts und vergessen! Kader, Spitzel und Komplizen - Das gefährliche Erbe der SED-Diktatur, Berlin 2009, S. 215.
  5. a b Hinweis in: Interview in Welt am Sonntag vom 14. Dezember 2014, S. 32
  6. Zur Person Heike Drechsler. In: nachrichten.at. Archiviert vom Original am 24. November 2014, abgerufen am 24. November 2014.
  7. VOX: Ewige Helden: Kandidaten (abgerufen am 4. März 2016)
  8. Brigitte Berendonk: Doping-Dokumente - Von der Forschung zum Betrug. Springer-Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-540-53742-2, S. 125, Tabelle 7
  9. Vgl. Uwe Müller/Grit Hartman: Vorwärts und vergessen! Kader, Spitzel und Komplizen - Das gefährliche Erbe der SED-Diktatur, Berlin 2009, S. 215.
  10. Brigitte Berendonk: Doping-Dokumente - Von der Forschung zum Betrug. Springer-Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-540-53742-2, S. 122, Abb. 6
  11. Brigitte Berendonk: Doping-Dokumente - Von der Forschung zum Betrug. Springer-Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-540-53742-2, S. 133, Abb. 11