Echte Betonie

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Echte Betonie
Echte Betonie (Betonica officinalis)

Echte Betonie (Betonica officinalis)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Betonien (Betonica)
Art: Echte Betonie
Wissenschaftlicher Name
Betonica officinalis
L.

Die Echte Betonie (Betonica officinalis), auch Heil-Ziest, Flohblume, Pfaffenblume, Zahnkraut oder Zehrkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Betonien (Betonica) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Echte Betonie ist eine sehr variable Art (Sammelart), von der zahlreiche infraspezifische Taxa beschrieben wurden.[1]

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Die Echte Betonie ist eine ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von zumeist 30 bis 80 (20 bis 120) cm.[2] Als Hemikryptophyt bildet sie ein unterirdisches, knotiges Rhizom als Überdauerungsorgan aus. Der Stängel ist aufrecht, charakteristisch stumpf vierkantig und fast kahl oder trägt bis zu 1,5 mm lange, anliegende Haare (Indument).[1] Ein Teil der Laubblätter stehen in einer grundständigen Rosette; sie besitzen 4 bis 12 cm lange Blattstiele. Zwei bis drei Paare der Laubblätter sind kurz gestielt bis sitzend und kreuzgegenständig am Stängel angeordnet. Die einfachen Blattspreiten sind schmal eiförmig bis oval, gestielt (die unteren bis zu 15 cm lang) und am Grund herzförmig. Sie besitzen eine deutliche Zähnung, Netznervatur und eine vorwiegend unterseitige Behaarung.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Der Blütenstand ist aus zu locker stehenden Scheinähren zusammengesetzten Scheinquirlen besteht aus jeweils etwa zehn Blüten. Es sind fünf bis zehn sitzende, laubblattähnliche Tragblätter vorhanden.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind 5 bis 7 mm lang, behaart und in ihrem oberen Teil oft violett und besitzen unbedeutend hervorgehobene Nerven.[1] Der glockige, fünfzähnige Kelch ist zweilippig mit gezähnter ober- und Unterlippe. Die Unterlippe der Blumenkrone besitzt einen großen zweilappigen Zipfel und zwei kleine zahnförmige, oft fehlende Seitenzipfel. Die Oberlippe ist deutlich helmförmig, zur Spitze hin flacher werdend gewölbt. Die Kelchblattröhre ist etwa 5 mm lang. Die fünf Kronblätter sind 8 bis 15 mm lang und rosafarben, violett, rot bis dunkelrosa, selten weiß.

Die äußeren violett-braunen Staubblätter sind anfänglich parallel angeordnet und drehen sich spätestens zum Ende der Anthese nach außen. Durch diese Eigenschaft unterscheidet sich die Betonie von dem meisten Lippenblütlern, teilt diesen Merkmal aber mit Arten der Gattung Ziest. Der zweiblättrige Fruchtknoten trägt an jedem Fruchtblatt nur zwei Samenanlagen und zerfällt zu vier glatten, braunen und über 3 mm langen Teilfrüchten, die als Klausen bezeichnet werden.

Die Blütenformel stellt sich folgendermaßen dar: \downarrow K_{(5)} \; [C_{(5)} \; A_{4-2}] \; G_{\underline{(|2)}}

Die Blütezeit reicht von Juni bis September.

Rosafarbene Blüten an langen Scheinquirlen finden sich in der typischen Form der Steppen und warmer Laubwald-Standorte

Chemotaxonomische Charakteristik[Bearbeiten]

Betonica officinalis enthält Polyphenole wie Bitter- und Gerbstoffe, sowie vor allem Stachydrin, Betonicin, Turicin, Cholin und andere Alkaloide aus der Familie der Betaine. Der Gehalt an ätherischen Ölen ist gering. Diesem geringen Gehalt an ätherischen Ölen wird daher keine pharmakologische Wirkung zugesprochen. Im Bezug des aktuellen pharmazeutischen Kenntnisstandes zur Art ist die Bewertung der Inhaltsstoffe und ihre Wirkung auf den menschlichen Körper ausschlaggebend.

Die Gesamtheit der pharmazeutisch relevanten Pflanzeninhaltsstoffe sind dabei:

Ökologie[Bearbeiten]

Der Rostfarbige Dickkopffalter (Ochlodes sylvanus) nutzt Pflanzen wie den Heilziest als Sitzplatz zur Verteidigung seines Revieres. Dort kann er sich am Nektar des Heilziests stärken.

Die Blüten sind nektarführende, vormännliche Lippenblumen; sie werden durch Bienen (besonders Hummeln), Schmetterlinge und Schwebfliegen bestäubt; gegen Ende der Blütezeit ist auch spontane Selbstbestäubung möglich.[3] Samenausbreitung erfolgt als Windstreuer (auch Tierstreuer).[3] Wechseltrockene Streuwiesen mit der Echten Betonie sind Habitate des Heilziest-Dickkopffalters dessen Wirtspflanze die Echte Betonie ist.[4] Der Heilziest-Dickkopffalter ist in Deutschland nur von drei regionalen Vorkommen in Baden-Württemberg und Bayern bekannt.

Die Ausbreitung erfolgt Endochor, Epizoochor oder Anemochor.[1]

Vorkommen und Pflanzensoziologie[Bearbeiten]

Der Verwandtschaftskreis um die Echte Betonie (unter anderem Betonica alopecuros) entfaltet sich größtenteils in der höheren montanen Stufe der submeridionalen Gebirge vom westlichen Mittelmeergebiet bis zum Tienschan (Betonica betoniciflora) mit einem Zentrum im Kaukasus (Betonica longifolia, Betonica nivea).[5]

Die in verschiedene Rassen aufgegliederte Art Betonica officinalis besiedelt dabei als einzige ein ausgedehntes Areal in der Gemäßigten Zone, das vom Atlantik bis zum Ural reicht (noch in der Cyrenaika in Nordafrika). Einen Vorkommensschwerpunkt findet sie in lockeren Gehölzen und Halbtrockenrasen zusammen mit zahlreichen anderen lichtliebenden Pflanzen.[5] Die Arealdiagnose lautet dabei: (meridional/montan) – submediterran/(montan) - temperat (ozeanisch) in Europa und Westsibirien.[6]

In Europa reicht das geschlossene Verbreitungsgebiet bis 58° nördlicher Breite, weiter nördlich finden sich nur vereinzelte, unbeständige Vorkommen. Im Nordwesten ist sie dabei selten oder fehlt.

Die Betonie nimmt auf ihren Standorten eine breite ökologische Amplitude ein. Zerstreut kommt sie in Moorwiesen, mageren Bergwiesen und Heidegesellschaften vor. Sie bevorzugt feuchte, basenreiche oft kalkarme Böden an etwas wärmeren Standorten. Sie kommt außerdem in verschiedenartigen Waldtypen, Strauchgesellschaften und unterschiedlichen Degradationsstadien von Laubwäldern vor.[1]

In den Südostdinarischen Hochgebirgen des Durmitor- und Prokletije-Gebirges fand Radomir Lakušić den Heilziest als Charakterart der Gesellschaft Stachydi Festucetum pseudoxanthinae,[7] aus dem Verband Festucion albanicae der verbreitetsten südostdinarischen alpinen Pflanzenordnung Crepidetalia dinaricae die zur temperat westeurasisch verbreiteten pflanzensoziologischen Vegetationsklasse alpiner und subalpiner Blauried- und Nacktried-Kalkmagerrasen (Elyno-Seslerietea) gehört.[8]

Weiterhin tritt sie in Südosteuropa in xerothermen Orient-Hainbuchenwäldern an der ostadriatischen Mittelmeerküste auf, die oft zu Gebüschen degradiert sind.[9][10]

In montanen Kulturwiesen der Balkanhalbinsel ist sie in mäßig feuchten, nährstoffreichen Fettwiesen der Niederungen (Arrhenatherion),[1][11] wie in Trocken- und Halbtrockenrasen der Balkaneichen-Zone verbreitet.[12] Die letztgenannten Standorte der ostbalkanischen xerophilen Trockenrasen im pflanzensoziologischen Verband Chrysopogoni-Danthonion sind schon durch zahlreiche Steppenelemente gekennzeichnet. In Griechenland, Südbulgarien und Serbien ist die Betonie als stetiges Element der weitverbreiteten Balkaneichen-Zerreichenwälder zu betrachten.[13] Auch im Tataren-Ahorn-Flaumeichen Steppenwald der Donauniederung Ungarns, Bessarabiens und Bulgariens ist die Echte Betonie häufig.[14] Stetig ist sie zudem in wärmeliebenden Kiefernwäldern auf Serpentinit und Dolomit in Westserbien.[15]

Im feuchteren Gebirgsklima findet sich die Betonie in mitteleuropäischen Magerrasen der pflanzensoziologischen Assoziation Bromo-Plantaginetum auf basenreichen Substraten ein.[15]

Nach Ellenberg ist er eine Halblichtpflanze, intermediär-kontinental verbreitet, auf stickstoffarmen Standorten wachsend[16] und in Mitteleuropa[17] wie im nördlichen Südosteuropa[18] eine Verbandscharakterart der Pfeifengras-Streuwiesen (Molinion).

Systematik[Bearbeiten]

Betonica officinalis wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht.[19]

Betonica officinalis gehört aktuell zur Gattung Betonien (Betonica) und wurde von manchen Autoren der Gattung der Zieste (Stachys) zugeordnet.

Als Sammelart mit zahlreichen Unterarten und infraspezifischen Taxa mit stark differenzierten morphologischen Merkmalen,[1] war die genaue Beschreibung der Echten Betonie eine taxonomisch schwierige Angelegenheit. In einer Revision der europäischen Arten der Gattung Betonica durch Marianne Jeker bei Elias Landolt am Geobotanischen Institut, Stiftung Rübel, der Universität Zürich wurde im Jahre 1993 die Artengruppe der Echten Betonie an Vergleichsmaterial aus ganz Europa durch multi- und univariate statistische Analysen charakteristischer Merkmale (insbesondere Kelch und Kelchzähne, vegetative Organe, Behaarung, Form, Charakteristik und Größe der Oberlippe der Blumenkrone, Länge der Blütenröhre, sowie Phänologie) in die Arten Betonica officinalis s.str., Betonica haussknechtii, Betonica serotina und Betonica stricta aufgeteilt.[20] Diese bilden mit Betonica alopecuros s.l., Betonica scardica, Betonica hirsuta und Betonica grandiflora einen engen Verwandtschaftskreis, der sich auch durch Kreuzungsversuche bestätigen ließ. Auf phytochemischer Ebene zeigte sich die Gattung uniform, was von Jeker im Jahre 1993 auf eine erst kürzlich staatgefundene Radiation der Sippe zurückgeführt wird. Nach Untersuchungsergebnissen aus dem Jahre 1989 unterscheidet sich die Gattung Betonica phytochemisch dagegen deutlich von Stachys, was deren Ausgliederung daraus weiter bestätigt hat.[21]

Sie gliedert sich in folgende Unterarten, die teilweise unter dem Gattungsnamen Betonica noch keinen gültigen Namen auf Unterartebene besitzen:[22]

  • Betonica officinalis var. algeriensis (de Noé) Ball (Syn.: Stachys officinalis subsp. algeriensis (de Noé) Franco), ist auf der Iberischen Halbinsel und in Nordwestafrika verbreitet.[22]
  • Betonica officinalis subsp. haussknechtii Nyman (Syn.: Betonica haussknechtii (Nyman) Uechter ex Hausskn.,[23] Stachys officinalis subsp. haussknechtii (Nyman) Greuter & Burdet), kommt als weißblühende Unterart in Mittelgriechenland, Südost-Bulgarien und in der Türkei vor.[22]
  • Betonica officinalis L. subsp. officinalis (Syn.: Stachys officinalis (L.) Trev., Stachys betonica Benth., Stachys bulgarica (Degen & Nejceff) Hayek, Betonica glabriflora Borbás, Betonica peraucta Klokov, Betonica brachyodonta Klokov, Betonica fusca Klokov), kommt in Europa bis zum Kaukasus vor.[22]
  • Späte Betonie (Betonica officinalis var. serotina (Host) Nyman; Syn.: Stachys officinalis subsp. serotina (Host) Hayek, Betonica serotina Host), ist in Italien und im Nordwesten der Balkanhalbinsel verbreitet.[22] Hat rosafarbene Blüten mit deutlich schmäleren Blattsegmenten.[24]
  • Stachys officinalis subsp. skipetarum Jáv., ist ein Endemit Albaniens.[22]
  • Betonica officinalis subsp. velebitica (A.Kern.) Nyman (Syn.: Stachys officinalis subsp. velebitica (A.Kern.) Hayek, Betonica velebitica A.Kern.), kommt nur im Nordwesten der Balkanhalbinsel vor.[22]

Neuere Untersuchungen mit molekulargenetischen Untersuchungsmethoden werden in diesem Artikel nicht berücksichtigt.[25] [26]

Etymologie[Bearbeiten]

Für die Art Betonica officinalis werden verschiedene deutsche Trivialnamen verwendet: Echte Betonie, Braune Betonie, Batunge, Zehrkraut, Heil-Ziest oder Flohblume. Eine Braune Betonie wurde von einer Weißen Betonie unterschieden. Die Weiße Betonie wurde als Schlüsselblume gedeutet. Der lateinische Artname Betonica lässt sich vom spanischen Volksstamm der Vettonier ableiten, welche die Pflanze nach Plinius zum ersten Mal als Arzneimittel eingesetzt haben.[27] Die volkstümlichen Namen leiten sich oft vom Namen Betonica ab. Althochdeutsch (700-1050) bathenia, pandonia, patönig, mittelhochdeutsch (1050-1350) betonick, bathonien und neuhochdeutsch (1650 bis Gegenwart) Batunge, Batenge.[28]

In den slawischen Ländern des Balkans bezieht sich der Volksname der Betonie auf ihre Wundheilkraft: ranilist (serb., kroat. Wundblatt), navadni čistec (slo. Wundheiler) oder ranjenik (Verletzter).[1] In den angelsächsischen Ländern wurde die Echte Betonie im Mittelalter "St. Antony's Tea" (Tee des Hl. Antonius) genannt.[29]

Kulturgeschichte[Bearbeiten]

Heilpflanze der Antike und des Mittelalters[Bearbeiten]

Seit der herausgehobenen Nennung der Echten Betonie als Heilpflanze in De Materia Medica durch Dioskurides hatte diese 1800 Jahre eine große historische Bedeutung als Phytopharmakon.[30]

„Das Kestron, welches auch Psychotrophon heisst, weil es in den kältesten Gegenden sich findet und welches die Römer Vettonica nennen, ist ein Kraut mit dünnem, vierkantigem Stengel von der Höhe einer Elle oder grösser. Die Blätter sind gross, weich, denen der Eiche ähnlich, am Rande eingeschnitten, wohlriechend, an der Wurzel aber größer.“

Dioskurides: De Matiera Medica. Viertes Buch, Kap. 1: [31]

Ihre weite Nutzung in der Antike und im Mittelalter ist durch die häufige Darstellung in klassischen Medizin- und Kräuterbüchern vielfach belegt.[32]

Im europäischen Mittelalter wird die Echte Betonie in den Pflanzenlisten der kaiserlichen Gärten Karls des Großen 812 erwähnt. Als geschätzte Heilpflanze hatte sie dadurch einen Stammplatz in jedem Kloster- und Apothekergarten oder wurde um Kirchen gepflanzt. Die Betonie hatte auch als Amulett-Kraut große Beliebtheit und wurde mit roter Wolle ums Handgelenk oder um den Hals getragen. Diese magische Applikation sollte unter anderen auch vor Hexerei schützen. Auch in der angelsächsischen Kultur hatte die Betonie neben dem Echten Eisenkraut die größte Wertschätzung als Schutzmittel gegen Hexerei.[33]

Diese hohe Stellung zeigt auch ein englisches Gedicht des 14. Jahrhunderts (ca. 1400. A treatise in rhyme on the virtues of herbs.), das stilistisch auf älteren lateinischen Vorbildern basierte, wo unter den 24 besungenen Kräutern die Echte Betonie an erster Stelle steht:

“Of erbs xxiiij I woll you tell by and by
Als I fond wryten in a boke at I in boroyng toke
Of a gret ladys preste of gret name she barest
At Betony I wol begyn at many vertuos het within.”

Im 20. Jahrhundert verschwand sie vermutlich durch die zu groß überlieferte Indikationsfülle aus dem Arzneischatz, wie der aktuellen Arzneipraxis.[34][35] Neue Untersuchungen belegen aber die Plausibilität überlieferter Indikationen aufgrund der tatsächlichen Inhaltsstoffe, für die nach aktuellen pharmazeutischen Wissen auch die überlieferte breite historische arzneiliche Nutzung belegbar ist.[36] Darunter fallen insbesondere Indikationen im Zusammenhang der Erkrankungen der Atemwege, des Magen-Darm-Traktes, der Harnwege sowie als Analgetikum bei Schmerzen.[32] In der Volksmedizin hat die Betonie aber nach wie vor ihren festen Platz behaupten können.

Betonie in „Kräuterbüchern“ – 1. bis 16. Jh. – Auswahl[Bearbeiten]

Betonie (Vettonica). Pseudo-Musa-Manuskript. Leiden 6. Jh.

Griechisch-Römische Antike[Bearbeiten]

Spätantike[Bearbeiten]

  • Pseudo-Musa. De herba vettonica liber. Der Text ist im 4. Jh. entstanden. Das älteste erhaltene Manuskript stammt aus dem 6. Jh. und wird in Leiden aufbewahrt.[40]

Die Abhandlung De herba vettonica liber ist eine Monographie über Betonica mit falscher Zuschreibung an Antonius Musa, den Leibarzt des römischen Kaisers Augustus. Sie wurde zusammen mit weiteren Abhandlungen in den Pseudo-Apuleius-Codices überliefert.

Arabisches Mittelalter[Bearbeiten]

Keine Erwähnung fand die Betonie in folgenden wichtigen Werken zur Drogenkunde der Arabischen Medizin des Mittelalters:

Das Kitāb al-jāmiʿ li-mufradāt al-adwiya wa al-aghdhiya - Große Zusammenstellung über die Kräfte der bekannten einfachen Heil- und Nahrungsmittel des Abu Muhammad ibn al-Baitar, 13. Jh. zitierte im Kapitel über die Betonie Dioskurides, Plinius und Galen, aber keine arabischen Autoren.[44] In arabischen Übersetzungen der Abhandlung De materia medica des Dioskurides wurde das Kapitel Kestron - Betonie überliefert.[45]

Lateinisches Mittelalter[Bearbeiten]

Kirchenslawisches Mittelalter 15. Jh.[Bearbeiten]

  • Medizinischer Kodex Hilandars wohl 15. Jh. Kapitelblatt 30b. Ein auf byzantinischen Traktaten sowie Übersetzungen lateinischer Kodizes der Schulen von Salerno und Montpellier basierender Kodex in kirchenslawischer Schrift serbischer Redaktion des Klosters Hilandar. Als Бѣтоника.[60]

Frühe Neuzeit – 16. Jh.[Bearbeiten]

Aroma- und Färberpflanze[Bearbeiten]

Angewandte Nutzungen fanden sich im Würzen von Wein und Guinness ale. Bei Plinius dem Älteren wurde erstmals die Kombination mit Wein beschrieben. John Gerard, ein Elisabethanischer Kräuterkundler, gab Rezepte zum Herstellen von Ale mit Kräutern, daneben der Echten Betonie heraus.[64] Solche Biere die mit Echter Betonie gebraut wurden, hatten auch einen medizinischen Hintergrund und wurden bis ins 18. Jahrhundert unter dem Namen Old Doctor Butler's Head vermarktet, einem Topos, der bis heute für einen historischen Londoner Pub erhalten ist.

In verschiedenen Redewendungen hat sich die kulturgeschichtliche Bedeutung der echten Betonie erhalten. In Italien sagt ein Sprichwort Vende la tunica en compra la Betonia, „Verkaufe deinen Mantel und kaufe Betonien“ weil im modernen Italienisch ein besonderer Mensch He piu virtù che Bettonica (Übersetzt: „Er hat so viele Talente wie die Betonie“), tituliert gesagt wird.

Getrocknetes Betonienblattpulver ein Bestandteil von Schnupftabak wie beispielsweise Rowley's British Herb Snuff, das einst ziemlich bekannt gegen Kopfschmerzen war.[65] In der Alpenregion wird getrocknetes Betonienblatt geraucht, es soll dabei aufbauende Funktion zeigen.[66]

In der Wollfärberei gaben getrocknete Echte Betonien den Textilien eine tiefe dunkle gelbe Farbe.[67] Unter den heutigen Nutzungen ist insbesondere die Bienenweide erhalten. Die Echte Betonie gehört zu den reichtragenden Bienenpflanzen, die reich beflogen wird.[1]

Historische Abbildungen[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Marianne Jeker: Taxonomische und phytochemische Untersuchungen in der Gattung Betonica L. (= Diss. ETH. Band 10312). Dissertation, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, Zürich 1993 Abstract. Digitalisat
  • Andreas Kleinsteuber: Lamiaceae, Labiatae. In:  Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 5: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Asteridae): Buddlejaceae bis Caprifoliaceae, Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8001-3342-3, 10. Betonica L. 1753, S. 179.
  • Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg, Würzburg 2011, Digitalisat
  • Ivo Horvat, Vjekoslav Glavač, Heinz Ellenberg: Vegetation Südosteuropas (= Geobotanica selecta. Band 4). Gustav Fischer, Stuttgart 1974, ISBN 3-437-30168-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Čedomil Šilić: Šumske zeljaste biljke (= Priroda Jugoslavije. Band 2.) Svjetlost, Sarajevo 1987, ISBN 86-01-00638-8, S. 144.
  2. Karel Dušek, Elena Dušková, Kateřina Smékalová: Variability of Morphological Characteristic and Content of Active Substances in Betonica officinalis L. in the Czech Republic. In: Agriculture (Poľnohospodárstvo). Band 55, Nr. 2, 2009, S. 102–110 (PDF-Datei).
  3. a b  Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen. Die Flora von Deutschland interaktiv. Sehen – Bestimmen – Wissen. Der Schlüssel zur Pflanzenwelt. CD-ROM, Version 2.0, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2004, ISBN 3-494-01368-3.
  4. Carcharodus flocciferus (Heilziest-Dickkopffalter) (Zeller, 1847)
  5. a b Hermann Meusel, Eckehart Jäger, Stephan Rauschert, Erich Weinert: Vergleichende Chorologie der zentraleuropäischen Flora. Band 2, Text, Gustav Fischer, Jena 1978, S. 105.
  6. Hermann Meusel, Eckehart Jäger, Stephan Rauschert, Erich Weinert: Vergleichende Chorologie der zentraleuropäischen Flora. Band 2, Text, Gustav Fischer, Jena 1978, S. 222.
  7. Radomir Lakušić 1970: Die Vegetation der Südöstlichen Dinariden. Vegetatio, Vol 21(4), 321-373
  8. Sulejman Redžić 2003: The Syntaxonomy and Syngenesis of the Elyno-Seslerietea Br. Bl. in the Balkan Peninsula. Annali di Botanica, 2003, 4, 53-74. S. 61 (PDF)
  9. Horvat, Glavač, Ellenberg 1974, S. 388
  10. Horvat, Glavač, Ellenberg 1974, S. 167
  11. Horvat, Glavač, Ellenberg 1974, S. 268
  12. Horvat, Glavač, Ellenberg 1974, S. 263
  13. Horvat, Glavač, Ellenberg 1974, S. 235
  14. Horvat, Glavač, Ellenberg 1974, S. 284
  15. a b Horvat, Glavač, Ellenberg 1974, S. 456
  16.  Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht (= UTB für Wissenschaft. Große Reihe. Band 8104). 5. stark veränderte und verbesserte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8252-8104-3.
  17.  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 808 (als Stachys officinalis).
  18. Horvat, Glavač, Ellenberg 1974, S. 402
  19. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 573, Digitalisat
  20. Marianne Jeker 1993: Taxonomische und phytochemische Untersuchungen in der Gattung Betonica L. PDF
  21. Marianne Jeker, Otto Sticher, İhsan Çaliş, Peter Rüedi 1989: Allobetonicoside and 6-O-Acetylmioporoside: Two new iridoid glycosides from Betonica officinalis L. Helvetica Chimica Acta, Volume 72, Issue 8, 1787–1791, 13 December 1989 doi:10.1002/hlca.19890720814
  22. a b c d e f g Rafael Govaerts u. a.: Word Checklist of Lamiaceae. Stachys. Royal Botanic Gardens, Kew, Internet-Veröffentlichung, abgerufen am 8. Februar 2014.
  23. Claus Baden: Stachys. In:  Arne Strid, Kit Tan (Hrsg.): Mountain Flora of Greece. Volume Two. Edinburgh University Press, Edinburgh 1991, ISBN 0-7486-0207-0, S. 99–100 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  24. http://www.biowin.at/all/Pflanzen/bilder/lamiales/lamiaceae/Betonica/Betonica%20officinalis%20serotina/Betonica%20officinalis%20serotina.htm
  25. Yasaman Salmaki, Shahin Zarre, Olof Ryding, Charlotte Lindqvist, Christian Bräuchler, Günther Heubl, Janet Barber, Mika Bendiksby: Molecular phylogeny of tribe Stachydeae (Lamiaceae subfamily Lamioideae). In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 69, Nr. 3, 2013, 535–551, doi:10.1016/j.ympev.2013.07.024.
  26.  Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 99 (Nachdruck von 1996, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  27. Plinius der Ältere. Naturalis historia. Buch XXV, § 84.
  28. Verhoeven 2011, S. 17
  29. The Cloisters - Mary's U.S. Botanical Garden
  30. Michael Verhoeven: Stachys officinalis - Eine große Arzneipflanze der traditionellen europäischen Medizin. Ihr historischer Stellenwert und ihre aktuelle Bewertung. Dissertation an der Julius-Maximilians Universität Würzburg. Würzburg 2011.
  31. Verhoeven 2011, S. 61
  32. a b Verhoeven 2011, S. 191
  33. Eleanour Sinclair Rohde: The Old English Herbals. (online).
  34. Verhoeven 2011, S. 35
  35. Verhoeven 2011, S. 193
  36. Verhoeven 2011, S. 185
  37. Julius Berendes. Des Pedanius Dioskurides Arzneimittellehre in 5 Büchern. Enke, Stuttgart 1902. Digitalisat. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  38. Druck Rom 1470. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  39. In: C. G. Kühn, Leipzig 1826, Band XII, S. 23. Digitalisat. Biusante
  40. Gabriel Humelberger. Ant. Mvsae. De herba vetonica … Zürich 1537. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  41. Druck. Opera. Basel 1536, S. 342–387. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  42. Druck in lateinischer Übersetzung. Johann Schott. Straßburg 1531. Digitalisat. Heinrich Heine Universität Düsseldorf
  43. Durch Andrea Alpago (1450-1521) überarbeitete Übersetzung von Gerhard von Cremona und Arnaldus de Villanova. Venedig 1555. Bayerische Staatsbibliothek
  44. Übersetzung. Joseph Sontheimer. Stuttgart Band II 1842. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  45. Krieger und Arzt mit der Pflanze Kestron (Abbildung recto; Text verso). Blatt aus einem Manuskript von De materia medica des Dioskurides, vermutlich Bagdad 1224
  46. Druck Venedig 1497. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  47. Ludwig Choulant. Macer floridus des virtutibus herbarum una cum Walafridi Strabonis … Carminibus … Leipzig 1832. Digitalisat Archive.org
  48. Ludwig Choulant. Macer floridus de virtutibus herbarum … Leipzig 1832. Digitalisat. Archive.org
  49. Druck Vendig 1497. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  50. Charles Victor Daremberg und Friedrich Anton Reuß (1810–1868). S. Hildegardis Abbatissae Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum Libri Novem. Migne, Paris 1855. Digitalisat Bayerische Staatsbibliothek
  51. Heidelberg. Cpg 620. Südwestdeutschland 15. Jh., alemannisch. Digitalisat. Ub Heidelberg
  52. Ausgabe. Franz Pfeiffer. Konrad von Megenberg. Buch der Natur. Stuttgart 1861, V / 12. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  53. Heidelberg. Cpg 666. Südwestdeutschland 1478. Digitalisat. Ub Heidelberg
  54. Druck. Augsburg 1481. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  55. München. Clm 5905. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  56. Druck Mainz 1584. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  57. Druck Mainz 1485. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  58. Druck Mainz 1491. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  59. Druck Straßburg 1500. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  60. Le code Medical de Chilandar, N. 517/Bd. 2. Übersetzung aus dem serbisch-slawonischen durch Ljubomir Kotarčić & Mladen Milivojević. Vaso Milincević (Hrsg.), Narodna Biblioteka Srbije, Belgrad 1989. Text ist als Faksimilie enthalten. Hier zu Betonica officinalis S. 114
  61. Druck Straßburg 1532. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  62. Druck Straßburg 1539. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  63. Druck Basel 1543. Digitalisat. Bayerische Staatsbibliothek
  64. http://zythophile.wordpress.com/page/2/
  65. William Thomas Fernie: Herbal Simples Approved for Modern Uses of Cure online.
  66. Andrea Lamprecht 2012: „Bergkrauttee und Maiwipferlsirup“ Die Nutzung und Bedeutung von Wildpflanzen in Regionen der steirischen Kalkalpen: eine ethnobotanische Untersuchung. Universität Wien, S. 54 PDF
  67. George Don 1838:A General History of the Dichlamydeous plants, London, S. 824 [1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Echte Betonie (Betonica officinalis) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien