Heilfasten

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Heilfasten (auch Medizinisches Fasten oder Fastentherapie) ist der freiwillige Verzicht auf feste Nahrungsmittel und Genussmittel für einen begrenzten Zeitraum (Fasten) zur Vorbeugung (Fasten für Gesunde) oder Behandlung von Krankheiten in Begleitung eines Arztes oder Fastenleiters. Zum Teil beruhen die dem Heilfasten zugeschriebenen Wirkungen auf nicht belegten medizinischen Annahmen. Gleichzeitig gibt es auch wissenschaftlich belegte positive Auswirkungen des Fastens. Die ärztliche Begleitung ist aufgrund von möglichen Nebenwirkungen sowie einer unter Umständen erforderlichen Anpassung der Dosis von Medikamenten notwendig.

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Klassifikation des Heilfastens kann nach dem Gesundheitszustand des Fastenden erfolgen: Als therapeutisches Fasten, präventives Fasten oder Fasten für Gesunde. Aber auch nach Art der Betreuung während des Heilfastens: Stationär, ambulant und mit Betreuung durch einen Arzt oder mit Betreuung durch einen Fastenleiter.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heilfasten geht auf den deutschen Arzt Otto Buchinger (1878 – 1966) zurück, der Heilfasten zur Prävention und Therapie empfahl und dem Heilfasten neben einer medizinischen Wirkung auch eine Wirkung auf psychosozialer und spiritueller Ebene zusprach. Er sprach auch von einer „Diät der Seele“.[1]

Medizinisches Fasten (Fastentherapie) hat in Europa eine lange Tradition. Es ist ein klar definierter therapeutischer Ansatz in speziellen Fastenkliniken oder klinischen Abteilungen für Naturheilverfahren. Im Jahr 2002 wurden erstmals Expertenrichtlinien zur Fastentherapie veröffentlicht, die 2013 in ihrer aktualisierten Fassung mündeten.[2][1]

Körperliche Vorgänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn dem Körper keine Nahrung zugeführt wird, verschiebt sich der Stoffwechsel über einige Tage in den Katabolismus. Blutdruck und Blutzuckerspiegel sinken. Zur Energiebereitstellung wird auf die Fettreserven zurückgegriffen. Muskeln werden abgebaut, um Proteine zu erhalten. Bei längerem Fasten stellt sich der Fettabbau um und es bilden sich Ketokörper wie Acetoacetat, Aceton und 3-Hydroxybutyrat. Dies kann zu einer Ketose führen und einem charakteristisch fruchtigen Ketongeruch im Atem. Bei längerem Fasten schüttet der Körper auch Endorphine aus.[3]

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das traditionelle Buchinger-Fasten beginnt am Tag vor der Fastenkur mit einer Reduktion der Energiezufuhr durch verringerte Nahrungsaufnahme. Genussmittelkonsum wie Koffein, Alkohol oder Nikotin wird ab dann unterlassen. Zu Beginn des ersten Fastentages erfolgt eine Darmspülung (z. B. durch Abführmittel).[1]

Während der Fastentage erfolgt eine tägliche Zufuhr von:

  • Gemüsebrühe (0,25 l)[1]
  • Obst- oder Gemüsesäften (0,25 l) (möglichst frisch gepresst)[1]
  • Honig (30 g)[1]
  • täglich mindestens 2,5 l Flüssigkeit durch Kräutertee oder Wasser[1]

Die maximale angestrebte Energiezufuhr im Rahmen des Heilfastens liegt bei 250 – 500 kcal pro Tag.[1] Bei länger anhaltenden Fastenkuren kann Buttermilch zugeführt werden.[1]

Beim traditionellen Heilfasten nach Buchinger beträgt die Fastendauer zwei bis vier Wochen. Kürzere Fastenzeiten sind aus individuellen oder medizinischen Gründen geläufig. Der Verein „Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung e.V.“ empfiehlt für eine Heilfastenkur eine Dauer sieben bis zehn Tagen plus einen Vorbereitungstag und danach drei Tage zur Normalisierung des Essverhaltens als Standard.[1]

Das traditionelle Fastenbrechen findet durch den Verzehr eines rohen oder gekochten Apfels sowie abends einer Kartoffelsuppe statt. Der Kostaufbau nach dem Fastenbrechen findet sukzessiv über mehrere Tage mit steigender Energiezufuhr statt.[1]

Für die Dauer des Fastens wird mäßige bis normale körperliche Aktivität empfohlen.[1]

Fastenärztin / Fastenarzt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1996 können Ärzte und Ärztinnen im Rahmen einer Schulung das durch den Verein „Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e. V.“ vergebene Zertifikat „Fastenärztin/Fastenarzt“ erwerben. Die Bezeichnung „Fastenärztin/Fastenarzt“ unterliegt keiner gesetzlichen oder standesrechtlichen Regelung (Weiterbildungsordnungen). Der Verein gibt an, eine mindestens einjährige Mitarbeit in einer der anerkannten Heilfastenkliniken, die mehrfache Fastenselbsterfahrung sowie die Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren seien Voraussetzung für den Erwerb.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heilfasten. In: dge.de. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Februar 2018, abgerufen am 26. Dezember 2022.
  • F. Wilhelmi de Toledo, A. Buchinger, H. Burggrabe, G. Hölz, C. Kuhn, E. Lischka, N. Lischka, H. Lützner, W. May, M. Ritzmann-Widderich, R. Stange, A. Wessel, M. Boschmann, E. Peper, A. Michalsen: Fasting therapy - an expert panel update of the 2002 consensus guidelines. In: Forschende Komplementarmedizin. Band 20, Nummer 6, 2013, S. 434–443, doi:10.1159/000357602, PMID 24434758

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m Heilfasten. In: dge.de. DGEinfo – Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Februar 2018, S. 18 – 25, abgerufen am 26. Dezember 2022.
  2. F. Wilhelmi de Toledo, A. Buchinger, H. Burggrabe, G. Hölz, C. Kuhn, E. Lischka, N. Lischka, H. Lützner, W. May, M. Ritzmann-Widderich, R. Stange, A. Wessel, M. Boschmann, E. Peper, A. Michalsen: Fasting therapy - an expert panel update of the 2002 consensus guidelines. In: Forschende Komplementarmedizin. Band 20, Nummer 6, 2013, S. 434–443, doi:10.1159/000357602, PMID 24434758.
  3. Françoise Wilhelmi de Toledo, Andreas Michalsen, Stefan Drinda, Audrey Bergouignan, Franziska Grundler: Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjects. In: PLOS ONE. Band 14, Nr. 1, 2. Januar 2019, ISSN 1932-6203, S. e0209353, doi:10.1371/journal.pone.0209353, PMID 30601864, PMC 6314618 (freier Volltext).
  4. Weiterbildungen stationäre und ambulante Fastentherapie & Diplom. In: aerztegesellschaft-heilfasten.de. Ärztegesellschaft Heilfasten & Ernährung e. V., 18. Mai 2021, abgerufen am 27. Dezember 2022.