Heiligungsbewegung

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Unter Heiligungsbewegung versteht man im weiteren Sinne eine christliche Erweckungsbewegung der Neuzeit. Sie legt starken Wert darauf, dass ihre Anhänger eine „wirkliche“ Bekehrung erlebt haben und sich in ihrem Leben nach den ethischen Geboten des Christentums richten und möglichst sündenfrei leben. Konkret fand das, je nach Zeitumständen, Ausdruck in Betonung von Evangelisation, Diakonie, Nächstenliebe, Abstinenz und praktischer Heiligung.

Wurzeln der Heiligungsbewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der ersten Heiligungsbewegungen war der Methodismus. Auch der erweckte bzw. Radikale Pietismus (Gottfried Arnold) ist dieser Richtung zuzuordnen. Weitere Kirchen, die zur Heiligungsbewegung gerechnet werden, sind die Heilsarmee, die Gemeinden Christi, die Kirche des Nazareners, die Gemeinde für Christus und in der Schweiz die Evangelische Gesellschaft des Kantons Bern. Besonderen Einfluss auf diese Entwicklungen hatten das Buch The higher Christian Life von William Edwin Boardman (1810–1886) sowie das Ehepaar Michael Baxter (1834–1910) und Elizabeth Baxter geb. Foster (1837–1926), die später das Seelsorge- und Krankenheim Beth-Shan in London übernahmen. Baxter gab auch die Zeitschrift The Christian Herald heraus. Franz Eugen Schlachter wohnte bei seiner Englandreise 1884 beim Ehepaar Baxter. Auch die Waliserin Jessie Penn-Lewis übte großen Einfluss auf die Heiligungsbewegung aus.

Prägende Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im engeren Sinne wird der Ausdruck Heiligungsbewegung für die dritte Welle der Heiligungsbewegung um 1874/75 in England, Deutschland und der Schweiz gebraucht. Es ist hier die Arbeit von Robert Pearsall Smith (1827–1898) und seiner Frau Hannah Whitall Smith (1832–1911) gemeint. Die Heiligungsbewegung trat in allen erweckten Kreisen des Pietismus, der protestantischen Kirchen und der Freikirchen in Erscheinung. Entscheidende Personen waren neben Robert Pearsall Smith Arnold Bovet, Andrew Murray, Carl Heinrich Rappard und Dora Rappard, Peter Samanns[1], aber auch Dwight Lyman Moody, Ira David Sankey, Anna von Wattenwyl, Dorothea Trudel und später Franz Eugen Schlachter. Um Samanns entstand im Rheinland zwischen 1883 und 1885 eine „eigenständige Heiligungsbewegung“.[2][1] Bekannt ist auch der Dichter Ernst Gebhardt, dessen Lied „Jesus errettet mich jetzt“ für die Heiligungsbewegung Symbolcharakter bekam. Auch der zum Kreis der „Offenen Brüder“ gehörige Waisenhausvater Georg Müller ist hier zu nennen, ferner der Gründer der China-Inland-Mission, Hudson Taylor, und in China Watchman Nee.

Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heiligungsbewegung im engeren Sinne wird von 1874 bis 1909 datiert. Das Gedankengut wirkt durch Neuauflagen von Erbauungsbüchern aus der Heiligungsbewegung nach.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stephan Holthaus: Heil – Heilung – Heiligung. Die Geschichte der deutschen Heiligungs- und Evangelisationsbewegung (1874-1909). Brunnen, Gießen 2005, ISBN 3-7655-9485-7.
  • Paul Fleisch: Die Heiligungsbewegung. Brunnen, Gießen 2003, ISBN 3-7655-9479-2 (Nachdruck).
  • Karl Heinz Voigt: Die Heiligungsbewegung zwischen Methodistischer Kirche und Landeskirchlicher Gemeinschaft. Brockhaus, Haan 1996, ISBN 3-417-29418-5.
  • Dieter Lange: Eine Bewegung bricht sich Bahn. Brunnen, Gießen 1990, ISBN 3-7655-9359-1.
  • Rudolf Dellsperger u. a.: Auf Dein Wort. Beiträge zur Geschichte und Theologie der Evangelischen Gesellschaft des Kantons Bern im 19. Jahrhundert. Berchtold Haller Verlag, Bern 1981, ISBN 3-85570-081-8.
  • Alfred Roth Quellen aus dem Heiligtum 1924, Neuauflage Freie Brüdergemeinde Albstadt 2007.
  • Auf dein Wort von Rudolfs Dellsperger, Markus Nägeli, Hansueli Ramser, Berchtold Haller Verlag, 1981.
  • Karl-Hermann Kauffmann: Franz Eugen Schlachter und die Heiligungsbewegung, Biographie unter Bezugnahme auf das geistliche Umfeld Schlachters und mit einer kurzen Geschichte der Schlachter Bibel, ausführliche Fassung mit 100 Abbildungen. Gedenkschrift zum Jubiläum "100 Jahre Schlachter-Bibel". Eigenverlag Freie Brüdergemeinde Albstadt 2005, Brosamen-Verlag 2014, ISBN 978-3-00-046811-7
  • Franz Eugen SchlachterEin Besuch in London, Broschüre, eine Zusammenfassung von drei Artikel aus „den Brosamen von des Herrn Tisch“, Freie Brüdergemeinde Albstadt, 2006.
  • Karl-Hermann Kauffmann: Franz Eugen Schlachter, ein Bibelübersetzer im Umfeld der Heiligungsbewegung, Verlag Johannis, Lahr, 2007, ISBN 978-3-501-01568-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b August Jung: Ein gescheiterter Heilungsevangelist: Kaufmann Peter Samanns aus Vluyn; eine Skizze zur Glaubensheilung in der Heiligungsbewegung. Monatshefte für evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes 51: 239–271 (2002)
  2. Bernd Brandl Die Neukirchener Mission. Ihre Geschichte als erste deutsche Glaubensmission. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn, 1998, S. 50.