Heimenkirch

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Heimenkirch
Heimenkirch
Deutschlandkarte, Position des Marktes Heimenkirch hervorgehoben

Koordinaten: 47° 38′ N, 9° 54′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Lindau (Bodensee)
Höhe: 668 m ü. NHN
Fläche: 21,24 km2
Einwohner: 3581 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 169 Einwohner je km2
Postleitzahl: 88178
Vorwahlen: 08381, 07566, 08384, 08385
Kfz-Kennzeichen: LI
Gemeindeschlüssel: 09 7 76 114
Marktgliederung: 20 Gemeindeteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Lindauer Straße 2
88178 Heimenkirch
Website: www.heimenkirch.de
Erster Bürgermeister: Markus Reichart (Bündnis 90/Die Grünen)
Lage des Marktes Heimenkirch im Landkreis Lindau (Bodensee)
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Über dieses Bild
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Heimenkirch

Heimenkirch (westallgäuerisch Huimekirch) ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Lindau (Bodensee).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage und Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Westallgäu. Es gibt 20 amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

Die Einöden Buhmühle, Hammerschmiede und Ziegelstadel sind keine amtlich benannten Ortsteile.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hergatz Argenbühl
Opfenbach Nachbargemeinden Röthenbach (Allgäu)
Lindenberg im Allgäu

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Heimenkirch, Meckatz, Dreiheiligen und Kappen fanden sich Reste von römischen burgi, turmartigen Gebäuden, die zur Verstärkung der Grenzbefestigung zwischen den Kastellen im Abstand von etwa 1,5 bis 2 Kilometer mit einer fast quadratischen Grundfläche von 10 bis 12 Metern Seitenlänge errichtet worden waren. Die Mauern in Meckatz standen zu Anfang des 19. Jahrhunderts noch. Der Fund des Burgus in der Nähe von Dreiheiligen wurde beim Eisenbahnbau gemacht.[3]

Heimenkirch soll seinen Namen einem Germanenfürsten namens Heimo verdanken.

Der Markt Heimenkirch gehörte zunächst zu Vorderösterreich als ein Teil der Herrschaft Bregenz-Hohenegg. Seit den Friedensverträgen von Brünn und Preßburg 1805 gehört der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 1966 kam es an einem Bahnübergang zum Busunglück von Heimenkirch. Die eigentlich vom Schrankenwart zu schließenden Schranken blieben offen. Ein Güterzug erfasste hier einen Postbus und schleifte ihn mehrere Meter weiter. Dabei starben sieben Kinder. Der Bus wurde stark beschädigt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1970 2845
1987 3093
1991 3347
1995 3594
2000 3586
2005 3693
2010 3644
2015 3603
2016 3598

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3149 auf 3584 um 435 Einwohner bzw. um 13,8 %.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marktgemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahlen am 16. März 2014 und am 15. März 2020 führte zu folgender Sitzverteilung im Marktgemeinderat:

CSU SPD FW Grüne Gesamt
2014 6 1 7 2 16
2020 7 1 5 3 16

Bürgermeister ist seit Mai 2008 Markus Reichart[4] (Bündnis 90/Die Grünen). Bei der Kommunalwahl 2020 wurde er mit 63,5 Prozent der gültigen Stimmen erneut im Amt bestätigt. Sein Mitbewerber Wolfgang Starnberg (CSU) erhielt 36,5 %.

Gemeindefinanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2012 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 4.580.000 €, davon waren 2.414.000 € Gewerbesteuereinnahmen (netto).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Heimenkirch
Blasonierung: „In Blau auf grünem Schildfuß eine rotbedachte silberne Kirche in perspektivischer Ansicht mit drei schwarzen Fenstern an der Längst- und schwarzem Portal an der Stirnseite, mit hinter dem Langhaus seitlichem faltrautenbedachtem Glockenturm mit aufgesteckter silberner Turmkugel mit Kreuz, über dem Langhaus schwebend ein spitzer silberner Stulphut, die Hutkrone belegt mit einem schwarzen Schrägbalken und besteckt mit drei silbernen Reiherfedern.“[5]

Wappengeschichte: Die Kirche steht redend für den Ortsnamen. Der Stulphut war Helmzier im Wappen der Reichsritter von Sürgenstein (Syrgenstein). Veit Sürg von Sürgenstein besaß unter anderem Reichslehen sowie Lehen des Klosters St. Gallen und war kaiserlicher Küchenmeister. Um 1500 baute er seine Herrschaft aus und errichtete das Schloss. Die Herrschaft Sürgenstein (Syrgenstein) mit ehemaligem Schloss, dem Burgstall Tannefels und einige Höfen kam Anfang des 19. Jahrhunderts zur Gemeinde Heimenkirch. Die Adelsfamilie starb 1892 aus. Sie führte im Schild einen goldenen Adler im schwarzen Schrägbalken und je eine Laubkrone auf Stulp und Gupf des Hutes.[6] Dieses Wappen wird seit 1937 geführt, die Verleihung erfolgte durch den Reichstatthalter in Bayern.[7]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche St. Margareta
Katholische Pfarrkirche St. Margareta

mit vollständig erhaltener historistischer Ausstattung[8]

Paul-Bäck-Haus

Das denkmalgeschützte Paul-Bäck-Haus war Weinwirtschaft und Bäckerei, Nagelschmiede sowie Gesinde- und Handwerkerunterkunft. Das Baudenkmal gehört zu den ältesten Gebäuden des Ortes und prägt mit seiner charakteristischen Gestalt das Erscheinungsbild von Heimenkirch.

Gebäude: Ein kleines fast quadratisches, mit Holzschindeln verkleidetes Haus in Ortsmitte an einer platzartigen Erweiterung mit einem Brunnen (siehe Ortsplan) bestehend aus zwei Etagen, 5-achsig gegliedert, mit Dachgeschoss im schindelgedeckten, geschweiften Walmdach. Zwei Ziegelsteinschornsteine, die mit Aufsätzen aus kleinen Ziegelsteinhäuschen verziert sind. Der innere Grundriss ist praktisch unverändert. Auch die Wand- und Deckenverkleidungen, der Dielenbelag und der Steinboden im Hausgang des Erdgeschosses zeigen zum größten Teil noch den ursprünglichen Zustand.

Paul-Bäck-Haus

Geschichte: Das heute sichtbare Gebäude stammt aus dem 15. Jahrhundert und wurde 1633 zum ersten Mal in einer Heiratsurkunde erwähnt. Das mittelalterliche Lehen der Adelsfamilie der Humpis von Waltrams ging Ende des 17. Jahrhunderts auf die Familie Milz über, die es über 100 Jahre bewirtschaftete. Nach kurzem Zwischenbesitz gelangte das Anwesen durch verganten[9] an die als Bauern, Weinwirte und Bäcker tätige Familie Zwisler. Der nachfolgende Bäcker Schweinsberger übergab das Gut in einem Tauschgeschäft an den nebenan tätigen Brauereibesitzer Salomon Karg. Dieser verpachtete 1890 die Landwirtschaft mit Bäckerei und Weinstube an Colestin Paul, der darin 26 Jahre wirtschaftete und dessen Name in der heutigen Bezeichnung Paul-Bäck-Haus weiterlebt. Anschließend diente das Gebäude den Stallschweizern, Knechten und Mägden, die auf dem Gutshof der Familie Salomon Karg arbeiteten, als Wohnung.[10] Im Dachgeschoss befand sich lange Zeit eine sogenannte Störstube. Hier wohnten Handwerker, die ihre Arbeit direkt beim Kunden verrichteten und – wenn im Ort keine Arbeit mehr vorhanden war – in den nächsten weiterzogen.[11]

In der langen Geschichte des Hauses wurden etwa fünf größere Umbauten bzw. Erweiterungen vorgenommen: vom ursprünglichen kleineren hölzernen Blockhaus zum Steinhaus, dem westlichen Anbau, dem Einbau der beiden Kamine, der teilweisen Rokoko-Ausmalung und der großen Fundamentsanierung in den 1950er Jahren einschließlich der erst damals angebrachten Schindelverkleidung.

Restaurierung: Die Marktgemeinde erwarb das als Kleinod bezeichnete ortsbildprägende Gebäude im Winter 2005/2006 und restaurierte es mit Zuschüssen der Regierung von Schwaben, Städtebauförderung und Landesdenkmalamt in den Jahren 2009/2010 auf dem letzten Entwicklungsstand der Baugeschichte des Hauses. So blieb zum Beispiel die heute die Außenansicht bestimmende Allgäuer Schindelverkleidung erhalten. Der völlig zu erneuernde Dachstuhl bot die Gelegenheit, aus der ehemaligen Störstube im Dachgeschoss einen balkendurchzogenen, historischen Raum für kleinere Veranstaltungen wie Vorträge, Konzerte und auch Trauungen zu gestalten. Für die unveränderten Grundrisse der unteren beiden statisch gesicherten Geschosse erstellte eine Heimenkirchner Arbeitsgruppe ein Nutzungskonzept. Danach eignete sich das niedrige Erdgeschoss für wechselnde Märkte, etwa Oster- oder Weihnachtsmärkte. Im ersten Stock sollten Heimatstube und Musikraum ihren Platz finden. Um den neuzeitlichen Zugangsanforderungen zu entsprechen und gleichzeitig den gesamten Innenraum des Paul-Bäck-Hauses original erhalten und optimal nutzen zu können, entstand auf der Rückseite des historischen Gebäudes ein Glasanbau mit Treppe und Aufzug. Das restaurierte Haus wurde Anfang Oktober 2010 nach einem Richt- und Helferfest eingeweiht.

Schloss Syrgenstein
Schloss Syrgenstein

Nördlich von Heimenkirch befindet sich das einzige erhaltene Schloss des Landkreises Lindau, welches jedoch nicht besichtigt werden kann. In einer angrenzenden Waldung liegen ca. 15 Gehminuten vom Schloss entfernt die „englischen Gräber“. Hier wurden ehemalige Bewohner des Schlosses bestattet.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 gab es nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft sieben, im produzierenden Gewerbe 1456 und im Bereich Handel und Verkehr 31 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 131 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 1328. Im verarbeitenden Gewerbe gab es zwei und im Bauhauptgewerbe acht Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 80 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1428 ha, davon waren 29 ha Ackerfläche und 1399 ha Dauergrünfläche.

Ansässige Unternehmen:

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimenkirch hat seit Dezember 2010 wieder einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Buchloe–Lindau. Zwischen 1985 und 2010 hielten keine Züge, der Bahnhof war 1990 geschlossen worden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cunrat Segenschmid (unbekannt–1489), humanistischer Schriftsteller und Seelsorger in Heimenkirch; verfasste 1464 die Handschrift „Geschichte von Jason und Troja“.
  • Erwin Richard Keller (1937–2014), in Heimenkirch geborener Archäologe, Landeskonservator
  • Günter Bentele (* 1948), Kommunikations- und Medienwissenschaftler

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Heimenkirch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Heimenkirch in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 19. August 2019.
  3. Die Römer an Bodensee und Allgäu. S. 13–16, hier S. 14. In: Werner Dobras: Chronologie des Landkreises Lindau. Verlag W. Eppe, 1985. ISBN 3-89089-004-0
  4. Bürgermeister. Gemeinde Heimenkirch, abgerufen am 15. August 2020.
  5. Eintrag zum Wappen von Heimenkirch in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  6. Zitat Eintrag zum Wappen von Heimenkirch in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  7. Eintrag zum Wappen von Heimenkirch in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte m.w.N.
  8. Commons: Pfarrkirche St. Margareta (Heimenkirch) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  9. Vergantung bezeichnete nach dem Deutschen Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm in der alten Sprache eine öffentliche Versteigerung
  10. Informationen aus einem Zeitungsartikel im Westallgäuer Seit 370 Jahren prägender Teil des Ortes
  11. Die Stör bezeichnete nach dem Deutschen Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm die Arbeit eines Handwerkers (außerhalb seiner eigentlichen Werkstätte) im Kundenhaus. Der Ausdruck ist abgeleitet von 'Störung der Zunft', denn ein Handwerker, der solche Arbeit übernahm, verging sich gegen die Handwerksordnung, er störte sie, deshalb schon mhd. stœrære [1]