Heimsheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Heimsheim
Heimsheim
Deutschlandkarte, Position der Stadt Heimsheim hervorgehoben
Koordinaten: 48° 48′ N, 8° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Enzkreis
Höhe: 403.4 m ü. NHN
Fläche: 14,3 km²
Einwohner: 5061 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 354 Einwohner je km²
Postleitzahl: 71296
Vorwahl: 07033
Kfz-Kennzeichen: PF
Gemeindeschlüssel: 08 2 36 025
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schlosshof 5
71296 Heimsheim
Webpräsenz: www.heimsheim.de
Bürgermeister: Jürgen Troll
Lage der Stadt Heimsheim im Enzkreis
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Über dieses Bild
Heimsheim
Graevenitzsches Schloss, heute als Rathaus genutzt
Altes Rathaus
Schleglerschloss
Stadtkirche

Heimsheim ist eine Stadt im Enzkreis in Baden-Württemberg, die sich etwa 15 Kilometer südöstlich der Kreisstadt Pforzheim inmitten des Heckengäus befindet. Im Stadtgebiet liegen außer dem namensgebenden Ort keine weiteren Ortschaften.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westlich von Heimsheim liegen die beiden Naturschutzgebiete Betzenbuckel und die Tiefenbronner Seewiesen. Das Stadtgebiet reicht nördlich bis an die A8. Durch das Gebiet selbst fließt der Kotzenbach, ein kleinerer Zufluss der Würm. Zu Heimsheim gehören zudem die Wüstungen Hofstadt und Weilerfeld.[2]

Die Nachbargemeinden sind Rutesheim, Renningen, Tiefenbronn, Mönsheim, Friolzheim, Weil der Stadt und Weissach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimsheim wurde erstmals im Jahre 965 urkundlich erwähnt, als dort Kaiser Otto der Große nach der Kaiserkrönung in Rom bei seiner Rückkehr nach Deutschland von König Otto II. und dem Erzbischof Wilhelm von Mainz – seinen beiden Söhnen – empfangen wurde. Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag der Ort im Herzogtum Franken.

In einer Urkunde des Klosters Bebenhausen aus dem Jahr 1295 sind die Heimsheimer Stadtrechte erstmals nachgewiesen.

Die Geschichte Heimsheims ist untrennbar mit der Geschichte des Schleglerbundes verbunden. Im 14. Jahrhundert schlossen sich Ritter zu verschiedenen Bünden zusammen, um ihre in ihren Augen ihnen zustehenden Rechte notfalls mit Gewalt durchzusetzen. Am Martinstag 1366 gründeten etliche Ritter aus der Region (Truchsess von Höfingen, Wolf von Steinegg, Georg von Enzberg u. a.) den Bund der „Martinsvögel“ und wollten gemeinsam die alten Rechte der Ritter gegen die aufkommende Vormacht des Hauses Württemberg und die der freien Städte verteidigen. Schon ein Jahr später versuchten sie Graf Eberhard III. in Wildbad zu überfallen. Dies misslang und damit begann eine 30-jährige Zeit der Unruhen, auch Schleglerkrieg genannt. Durch Sühnevertrag wurden die Martinsvögel in den 80er Jahren des 14. Jahrhunderts aufgelöst, die darin zusammengeschlossenen Ritter gründeten aber unter dem Namen der „Schlegler“ einen neuen Bund. Als Abzeichen trugen sie Schlegel (Abzeichen in der Form von Dreschflegeln). Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wendete sich das Blatt immer mehr zu Gunsten der Städte und Grafen, die durch Trutzbünde einander verpflichtet waren. Dennoch griffen die Schlegler immer wieder Städte an. In Heimsheim trafen sich 1395 die „Könige“ des Schleglerbundes, um zu beraten, wie man Graf Eberhard den Milden von Württemberg überfallen könnte. Dieser erfuhr von dem Plan und zog im September mit einem großen Heerhaufen vor die Stadt. Es gelang seinen Truppen, das Städtchen in Brand zu setzen. Der Überlieferung nach soll ein vor der Stadt an der Stadtmauer liegender Strohhaufen in Brand geschossen worden sein, dieser trug das Feuer in die Stadt, wo es in dem eng zusammen gebauten Städtchen reichlich Nahrung fand. Die Anführer der Schlegler wurden gefangen genommen, andere retteten sich durch Flucht. 1396 löste sich der Schleglerbund endgültig auf. Die Schlacht wurde von Ludwig Uhland in seinem Gedicht Drei Könige zu Heimsen in Versform gebracht.

Bis zur Reformation gehörte die Heimsheimer Pfarrei zum Landkapitel Weil der Stadt im Archidiakonat Trinitatis des Bistums Speyer.

In den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkriegs wurde Heimsheim 1945 bei einem Tieffliegerangriff fast völlig zerstört.

1951 und 1965 wurde die Episode um die Gefangennahme der Schleglerkönige und Zerstörung der Stadt bei den Schleglerspielen dargestellt. Nach einer langen Pause wurde im Jahr 2000 „Die Könige zu Heimsheim“ erneut aufgeführt. Im Sommer 2006 wurde das Thema in einem neuen Schauspiel „Die Verschwörung der Schlegler – Ritter zwischen Raub und Ruhm“ aufgeführt.

Das historische Schauspiel Die Stadt, der Graf und die Waldenser wurde 2014 durch die wiederkehrenden SchlossHOFspiele aufgeführt. Das Stück griff die Ansiedlung der Waldenser auf Heimsheimer Gemarkung im 18. Jahrhundert auf, als die Stadt Lehnsitz des Grafen von Graevenitz war. Kulisse waren das Schleglerschloss sowie das Graevenitz'sche Schloss zu Heimsheim. Damit einhergehend fand der Heimsheimer Barockmarkt statt, der eine Zeitgenössische Bewirtung und ein passendes Rahmenprogramm bot.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Heimsheim hat 14 Mitglieder. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis:[4]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
30
20
10
0
26,61 %
25,76 %
21,12 %
20,40 %
6,11 %
BfH
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
-0,15 %p
+5,65 %p
-1,85 %p
+0,28 %p
-3,92 %p
BfH
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer
FWV Freie Wählervereinigung 56,9 4 55,4 4
BfH Bürger für Heimsheim 25,76 3 55,4 3
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 21,12 3 22,97 3
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 20,40 3 20,12 3
UWV Unabhängige Wählervereinigung 6,11 1 10,03 1
gesamt 100,0 14 100,0 14
Wahlbeteiligung 53,6 % 56,0 %

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In grün zwei schräggekreuzte wachsende goldene Ähren.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die vier Gebäude Schleglerschloss, Graevenitzsches Schloss, Zehntscheuer und Stadtkirche bilden in ihrem Ensemble den Heimsheimer Schlosshof. Die Wahrzeichen Heimsheims sind schon aus großer Entfernung zu Heimsheim zu erkennen. Im Graevenitzschen Schloss ist das Rathaus untergebracht, während sich in der renovierten Zehntscheuer die Stadtbücherei befindet. Das alte Rathaus am Marktplatz ist der Sitz der örtliche Polizeidienststelle. Das Schleglerschloss – auch Schleglerkasten und Steinhaus genannt – ist heute ein Vereins- und Bürgerhaus, das während der Woche von den Vereinen, am Wochenende für private Feiern genutzt wird. Die Burg diente im Mittelalter dem Wohnen, der Verteidigung, der Repräsentation, der Verwaltung, der Rechtspflege und der Bevorratung. Trotz des Namens war sie jedoch nicht die Burg der Schlegler, sondern wurde von den Herren von Gemmingen errichtet.
    • 1811–1956: Nutzung als Fruchtkasten
    • 1933–1945: Belegung durch die Hitlerjugend
  • Am Ort gibt es drei alte Backhäuser, wobei eines davon auch das Waschhaus war. Das besondere an diesem ist die Obstdörre. Das Wasch- und Backhaus wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum „Denkmal des Monats Dezember 2005“ ernannt.
  • Das Hauptgebäude der Autobahnmeisterei Heimsheim, aus Kostengründen vor Jahren geschlossen, wurde 1941 erstellt und steht heute unter Denkmalschutz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrsinfrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimsheim ist durch die Anschlussstelle 46 Heimsheim Bundesautobahn 8 (PerlBad Reichenhall) gut an das überregionale Straßennetz, nicht nur in Deutschland, sondern auch nach Luxemburg und Österreich, angebunden. Die auf der Gemarkung verlaufende L 1180 führt über Rutesheim und Leonberg direkt zur Landeshauptstadt Stuttgart. Die weiteren Straßen führen nach Friolzheim (L 1180), Mönsheim (L 1134), Tiefenbronn (L 1175), nach Perouse und Hausen (Weil der Stadt) (L 1179) sowie nach Malmsheim (K 4567). Die L 1179 und L 1180 sind trotz des Status einer Landesstraße in einem sehr desolaten Zustand.

Durch die Stadt Heimsheim und die Firma Maxit wurde eine Querspange zwischen der L 1180 und der L 1175 errichtet, um den Schwerlastverkehr in Richtung Autobahn aus Heimsheim fernzuhalten. Mittlerweile wird diese Gemeindestraße auch zur Entlastung von Perouse genutzt, dort ist seit Mai 2006 der Durchgangsverkehr für LKW über 7,5 t gesperrt.

Öffentlicher Personen-Nahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heimsheim liegt am Rande des VPE und ist über die Buslinien 652/653 nach Leonberg an den VVS angebunden. Seit 1. September 2013 gehört Heimsheim neben der Zugehörigkeit zum VPE zusätzlich auch zum Gebiet des VVS.

Im Gebiet des VPE verbinden die Linien 652 und 653 Heimsheim mit Friolzheim, Wimsheim und Mönsheim. Zudem fährt die Linie 761 (vor dem 9. Dezember 2007: Linie 656) über Wurmberg nach Pforzheim.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der Anschlussstelle Heimsheim wurde neben dem Gewerbegebiet Schafwäsche das 15 ha große Gewerbegebiet Egelsee erstellt. In der Schafwäsche befindet sich unter anderem der Sitz des Printsystem Medienverlages, dessen Programm von Belletristik über Kinder-, Jugend- und Sachbücher bis hin zu regionalen Magazinen und Amtsblättern reicht.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Stadt Heimsheim wird das Amts- und Mitteilungsblatt „Heimsheim Aktuell“ herausgegeben. Darüber hinaus wird zeitgleich das „Heimsheimer Stadtjournal“ verteilt. Über die lokalen Ereignisse berichten die Pforzheimer Zeitung sowie die Stuttgarter Zeitung mit der Ausgabe der Leonberger Kreiszeitung.

Bekanntheit erlangte Heimsheim als Drehort der ARD-Fernsehserie Oh Gott, Herr Pfarrer.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mobilfunkturm Candelabra vor der JVA Heimsheim

Öffentliche Einrichtungen und Gebäude sind das Altenpflegeheim „Haus Heckengäu“ und das Feuerwehrhaus. Seit 2006 befindet sich die Stadtbücherei in der sanierten Zehntscheune direkt am Schlosshof. Ferner sind dort auch das Seniorenkaffee, die Volkshochschule und ein Internetangebot für Senioren untergebracht.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ludwig-Uhland-Schule, heute Grund-, Haupt- und Realschule geht in ihrer Tradition auf die bereits 1862 gegründete Realschule der Stadt zurück.

Heimsheim verfügt über drei Kindergärten und eine Kinderkrippe.

Sonstige Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordwestlich von Heimsheim, rund 500 Meter westlich der Autobahnauffahrt, gibt es ein modernes Gefängnis, die Justizvollzugsanstalt Heimsheim. Unmittelbar vor dem Gefängnis steht der Mobilfunkturm „Heimsheimer Candelabra“. Der Name rührt daher, dass dieser Turm wegen seiner drei Spitzen an die Form eines Kandelabers erinnert.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Monaten Juni, Juli und August finden das Feuerwehrfest (alle zwei Jahre), das Schleglerfest des Musikvereins Stadtkapelle Heimsheim sowie das Reitturnier des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Heimsheim statt. Alle fünf Jahre werden unter Mithilfe aller Vereine die SchlossHOFspiele (Freilichttheater mit Rahmenprogramm) veranstaltet. Als weiteres, regelmäßiges Event findet in den letzten beiden Wochen der Sommerferien in Baden-Württemberg die Stadtranderholung für Kinder statt, die von der Initiative für Kinder und Jugendliche e. V. organisiert wird.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heimsheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 556–557
  3. Schlosshofspiele auf kuratoriumheimsheim.de
  4. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Kommunalwahlergebnis 2014