Heinrich-Heine-Denkmal (Düsseldorf)

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Das Heinrich-Heine-Denkmal auf dem Schwanenmarkt.

Das Heinrich-Heine-Monument am Südende der Parkanlage Schwanenmarkt zeigt den Dichter Heinrich Heine in Gestalt seiner zerstückelten und gespaltenen Totenmaske als physiognomische Vexier-Landschaft. Diese soll die Zerrissenheit Heinrich Heines zeigen, die dieser in seinen Reisebildern: „Die Bäder von Lucca“ (1829) beklagt. Zitat: „Ach, teurer Leser, wenn du über jene Zerrissenheit klagen willst, so beklage lieber, dass die Welt selbst mitten entzweigerissen ist.“[1] Das Denkmal wurde 1978 von Bert Gerresheim entworfen und 1981 als patinierte Bronzeplastik von Raimund Kittl fertiggestellt.[2]

Das Denkmal war wegen seiner unkonventionellen Darstellung anfangs sehr umstritten. Ein alternativer Entwurf von Arno Breker wurde von der Stadt Düsseldorf abgelehnt und befindet sich heute auf Norderney.

Geschichte der in Düsseldorf initiierten Heinrich-Heine-Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Loreley“ von Ernst Herter 1887[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen ersten Versuch zur Errichtung eines Heinrich-Heine-Denkmals in Düsseldorf unternahm 1887 ein Comité für die Errichtung eines Heine-Denkmals, dem auch die Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn, die den Dichter besonders innig verehrte, mit einer Zusage über 50.000 Mark beitrat. Eine Ausstellung von Entwürfen des Bildhauers Ernst Herter in der Düsseldorfer Kunsthalle hatte bereits stattgefunden und weitere Spenden aus der Bürgerschaft waren bereits gesammelt, als nach einer im Deutschen Reich und in Österreich geführten öffentlichen Debatte, die teilweise durch antisemitische und nationalistische Beiträge geprägt war, die Kaiserin und weitere Unterstützer sich 1888 aus dem Projekt zurückzogen und es wenig später scheiterte. Ernst Herters Entwurf zeigt die in dem Gedicht Die Lore-Ley von Heinrich Heine aus dem Jahr 1824 erwähnte Sagengestalt der Loreley. Das Loreley-Denkmal wurde 1899 im New Yorker Stadtteil Bronx verwirklicht.

„Lazarus“ von Louis Hasselriis 1892[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Scheitern des Düsseldorfer Heinrich-Heine-Denkmals ließ Kaiserin Elisabeth 1892 in ihrer Mittelmeerresidenz Achilleion auf Korfu für sich persönlich ein eigens angefertigtes Heinrich-Heine-Denkmal von Louis Hasselriis errichten, das einen leidenden und kränkelnden Heinrich Heine als Lazarus zeigt. Kaiser Wilhelm II., der nach der Ermordung Elisabeths von Österreich-Ungarn, die Villa auf Korfu erwarb, ließ das Heine-Denkmal Ostern 1908 entfernen. Nach Zwischenstationen in Hamburg 1908 und Altona 1927 wurde es schließlich auf Veranlassung der Künstlerin Olivia Bouchard, geb. Campe, im Botanischen Garten in Toulon aufgestellt.[2]

„Der aufstrebende Jüngling“ von Georg Kolbe 1932[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1926 riefen die Schriftsteller Herbert Eulenberg und Hanns Heinz Ewers zur Errichtung eines Heinrich-Heine-Standbildes auf, eine Forderung, der sich 1929 ein „Vorbereitender Ausschuß“, ein von Oberbürgermeister Robert Lehr getragener „Ortsausschuß“ und ein „Ehrenausschuß“ anschlossen.[3] Der so initiierte zweite Versuch zur Errichtung eines Heine-Denkmals nahm 1931 konkrete Formen an. In diesem Jahr schrieb die Stadt Düsseldorf einen Wettbewerb aus, den der Bildhauer Georg Kolbe 1932 mit der Bronzeplastik Der aufstrebende Jüngling gewann. Weitere Preise erhielten Arno Breker und Johannes Knubel für ihre Entwürfe. Aufgrund nationalsozialistischer Einflussnahme durfte Heine jedoch nicht durch das Objekt geehrt werden. Ohne entsprechende Widmung wurde es daher zunächst in einem Vestibül des Kunstmuseums im Ehrenhof aufgestellt. 1949 konnte das Standbild Aufsteigender Jüngling schließlich an dem ursprünglich geplanten Standort gegenüber dem Haupteingang des heutigen NRW-Forums im Ehrenhof auf einem Steinsockel aufgestellt werden. Erst im Jahre 2002 brachte man auf dem Sockel die Aufschrift „Heinrich Heine gewidmet“ an.

„Harmonie“ von Aristide Maillol 1953[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein zweites Düsseldorfer Heine-Denkmal wurde 1953 auf dem Napoleonsberg im Hofgarten enthüllt.[4] Das vom Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen gespendete Denkmal besteht aus dem Mädchentorso Harmonie des französischen Bildhauers Aristide Maillol.[5][6] Die Plastik steht auf einer Natursteinmauer. Darunter befinden sich Inschriften und ein Medaillon.

„Hockender Jüngling mit Buch“ von Arno Breker 1980[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einen weiteren Anlauf für ein Heinrich-Heine-Denkmal in Düsseldorf startete die 1979 gegründete Heinrich-Heine-Denkmal-Gesellschaft. Sie wollte zunächst einen im Jahre 1932 ausgezeichneten Entwurf Arno Brekers ausführen lassen. Breker schuf darauf im Jahre 1980 ein Modell eines sitzenden jungen Mannes mit einem Buch in der Hand. Brekers Plastik wurde danach in einem größeren Maßstab in Bronze gegossen.[7] Die Bronzefigur wurde jedoch von dem Kulturdezernenten Bernd Dieckmann abgelehnt, weil sie zu idealisierend und konventionell sei: „„Heine als idealisierte Gestalt auf einem Sockel, das wäre heute, 125 Jahre nach seinem Tod, nur ein um 125 Jahre verspätetes Denkmal, nicht mehr […]. Unsere Zeit verlangt, gerade wenn es um Heine geht, mehr als ein konventionelles Denkmal […]“.[8]

Theo Lücker nimmt jedoch an, dass der Kulturausschuss Breker aus politischen Gründen ablehnte: „Weil Breker wohl der erfolgreichste Bildhauer im Nazi-Regime war, galt er als politisch Vorbelasteter. Daher konnte sich der Kulturausschuß unserer Stadt nicht zu einer großherzigen Vergangenheitsbewältigung entschließen und entschied sich eben für diesen Entwurf von Gerresheim […].[8]

„Gespaltener Heine“ von Bert Gerresheim 1981[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aber auch die Arbeit von Gerresheim war nicht beliebt. So wurde nach Enthüllung der Plastik gleich ein Protesttransparent angebracht. Das Werk wurde als „Schrottplatz“,[8] „Schandmal“[8] sowie als „Lazarus-Gesicht mit seiner übertriebenen Judennase“[8] bezeichnet.

„Sinnender Heine“, nach Hugo Lederer 1926[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein viertes Düsseldorfer Heine-Denkmal steht seit 1994 auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität, vor dem Gebäude der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Es ist die vergrößerte Nachbildung eines Werkstattmodells[9] des Bildhauers Hugo Lederer für ein Heine-Denkmal, das der Senat der Hansestadt Hamburg 1911 bei ihm in Auftrag gegeben hatte, 1926 aufstellen und nach der Etablierung des Nazi-Regimes 1933 demontieren ließ. Im Jahre 1943 wurde Lederers Bronzebildwerk zusammen mit tausenden anderer Bronzegegenstände für die Rüstungsproduktion verschrottet und eingeschmolzen (siehe Heinrich-Heine-Denkmal, Hamburg).[10] Das Werkstattmodell gehörte ursprünglich dem Düsseldorfer Rechtsanwalt Friedrich Maase.

Heinrich-Heine-Büste (Walhalla) von Bert Gerresheim 2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der 1842 in Donaustauf errichteten Gedenkstätte Walhalla, die Heine als „marmorne Schädelstätte“ verspottet hatte, wurde als 130. Büste im Juli 2010 eine nach Heines Totenmaske gefertigte Marmorskulptur des Bildhauers Bert Gerresheim aufgestellt. Die Initiative hierzu war vom Freundeskreis Heinrich Heine unter Führung des Unternehmers Karl-Heinz Theisen ausgegangen.[11]

„Buch Heine“ von Bert Gerresheim 2012[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein fünftes Düsseldorfer Heine-Denkmal wurde im Oktober 2012 aufgestellt, ebenfalls auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität, vor dem Roy-Lichtenstein-Saal. Es ist ein Geschenk des Düsseldorfer Immobilienmaklers Lutz Aengevelt und sollte nach dem Willen seines Spenders eigentlich das Standbild vor der Universitätsbibliothek ersetzen.[12] Die etwa vier Meter hohe, begehbare Bronze-Plastik stammt aus der Werkstatt des Bildhauers Bert Gerresheim und stellt ein aufgeklapptes Buch dar, mit einem Jugend- und einem Altersporträt auf den Buchdeckeln und einem ausgeschnittenen Profil Heines auf einem Blatt. Ein weiteres Blatt trägt Zitate aus Heines Werk. Das Buch steht auf einer Schere, ein symbolischer Verweis auf die Zensur, unter der der Schriftsteller litt. Eine weitere Zutat ist eine Narrenschelle, die auf Marchese Christophoro di Gumpelinos Romeo-und-Julia-Zitat „Weh mir, ich Narr des Glücks!“ in Heines Werk Reisebilder III – Die Bäder von Lucca und mit dieser Figur auf die Platen-Affäre hinweist.[10][13][14]

Weitere Ehrungen Heinrich Heines in Düsseldorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlagen und Einrichtungen, die heute über die fünf Denkmäler hinaus der Erinnerung an Heinrich Heine in seinem Geburtsort dienen, sind das Heine-Haus, die Heinrich-Heine-Allee, die Heinrich-Heine-Universität, deren Heinrich-Heine-Gastprofessur, das Heinrich-Heine-Institut, die Heinrich-Heine-Gesellschaft und der Heinrich-Heine-Preis.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heine-Almanach als Protest gegen die Düsseldorfer Denkmalverweigerung. Koch, Nürnberg 1893 Digitalisat
  • Simone Pohlandt: Auseinandersetzung und Provokation. Die Heinrich-Heine-Denkmäler von Bert Gerresheim. Grupello, Düsseldorf 2016, ISBN 978-3-89978-242-4.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich Heine: „Die Bäder von Lucca“ (1829) in „Reisebilder“. Projekt Gutenberg - DE, abgerufen am 16. Januar 2015.
  2. a b Dietrich Schubert: "Lazarusgesicht" als Fragemal - angesichts des Heinrich-Heine-Denkmals von 1981 in Düsseldorf. Mattenklott, Gert (Hrsg.): "Deutsche Nationaldenkmale 1790 - 1990", Seite: 76-99, 1993, abgerufen am 16. Januar 2015 (PDF).
  3. Rolf Purpar: Kunststadt Düsseldorf. Objekte und Denkmäler im Stadtbild. Grupello Verlag, Düsseldorf 1996, ISBN 3-89978-044-2, S. 12 (PDF)
  4. Stadtarchiv Landeshauptstadt Düsseldorf: Zeitleiste 1930 bis 1960 (mit Abbildung), abgerufen am 1. Oktober 2012.
  5. Online-Portal der Landeshauptstadt Düsseldorf: Auf den Spuren von Heinrich Heine (1), abgerufen am 1. Oktober 2012.
  6. Online-Portal der Landeshauptstadt Düsseldorf: Heine in Düsseldorf, abgerufen am 1. Oktober 2012.
  7. Dagmar Matten-Gohdes: Heine ist gut. Ein Heine-Lesebuch. Beltz und Gelberg, Weinheim 1997, S. 192.
  8. a b c d e Das Heinrich-Heine-Denkmal. Ein Zerrbild unserer Zeit? In: Theo Lücker: Düsseldorf – rund um die Karlstadt. Verlag Goethe-Buchhandlung Düsseldorf, Düsseldorf 1990, S. 168.
  9. Die historischen Heine-Bozzetti von Hugo Lederer. Abgerufen am 4. Mai 2017 (pdf).
  10. a b In Bronze gegossen: Das „Buch Heine“. Magazin der Heinrich-Heine-Universität 2012, Ausgabe 4, Seite 26-30, 2012, abgerufen am 15. Januar 2015.
  11. Eckhard Fuhr: Jetzt steht auch Heinrich Heine in der Walhalla. auf: welt.de, 29. Juli 2012, abgerufen am 30. November 2012.
  12. Markus Wittkowski: Harry Heine neu gedeutet. Mit drei Tonnen Bronze mitten ins Herz der Studierenden der Heinrich-Heine-Universität: Denkmal von Bert Gerresheim. In: Das Tor 2014 Heft 1, Seite 17. Düsseldorfer Jonges, 26. Januar 2014, abgerufen am 19. Dezember 2015. (PDF; 4,2 MB)
  13. Philipp Holstein: Neues Heinrich-Heine-Denkmal für Düsseldorf. auf: rp-online.de, 27. Oktober 2012, abgerufen am 27. Oktober 2012.
  14. Heinrich Heine: Die Bäder von Lucca. Auszug aus Heinrich Heine: Reisebilder III – Die Bäder von Lucca. auf: matoni.de, abgerufen am 27. Oktober 2012.

Koordinaten: 51° 13′ 10″ N, 6° 46′ 24″ O