Heinrich-Heine-Gymnasium (Bottrop)

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Heinrich-Heine-Gymnasium Bottrop
Heinrich-Heine-Gymnasium Bottrop Gebäude B (Vordergebäude).jpg
Schulform Gymnasium
Schulnummer 167708
Gründung 1906
Adresse

Gustav-Ohm-Straße 65
46236 Bottrop

Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 31′ 28″ N, 6° 54′ 47″ OKoordinaten: 51° 31′ 28″ N, 6° 54′ 47″ O
Schüler etwa 1000
Lehrkräfte etwa 80
Leitung Tobias Mattheis
Website hhg-bottrop.de

Das Heinrich-Heine-Gymnasium (kurz: HHG), bis 1971 Städtisches Jungengymnasium, ist das älteste von drei Gymnasien in Bottrop.

Jungengymnasium Bottrop (1910–1976) – heutiges Kulturzentrum August Everding

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den Vorläufer des Gymnasiums bildete eine 1869 gegründete kirchliche Rektoratsschule, die mehrmals ihren Standort wechselte und 1903 aus kirchlicher in gemeindliche Verantwortung überging.

1906 wurde die Rektoratsschule am Standort der Osterfelder Straße zum sogenannten Progymnasium ausgebaut, dessen erster Schulleiter Franz Groß wurde. 1908/09 errichtete der Borbecker Architekt Ludwig Becker (1876–1936) den Neubau des Jungengymnasiums an der Blumenstraße / Ecke Böckenhoffstraße, der 1910 eingeweiht wurde (das heutige Kulturzentrum August Everding).[1][2] Nach der ersten Abiturprüfung 1912 mit fünf männlichen Absolventen erfolgte die Anerkennung als vollwertiges Humanistisches Gymnasium, während am benachbarten Oberlyzeum Mädchen erst ab 1925 ein vollwertiges Abitur erreichen konnten. 1927 wurde die Schule um das Realgymnasium erweitert. Zeitgleich entstand ein Anbau mit Aula und Turnhalle.

Mit Beginn der NS-Zeit begannen auch am Jungengymnasium für jüdische Schüler Diskriminierungen und Repressalien. So heißt es in Augenzeugenberichten, dass 1933 alle jüdischen Schüler „sitzen blieben“, also nicht in die nächste Jahrgangsstufe versetzt wurden.[3] 1938 wurde das Gymnasium in eine Deutsche Oberschule umgewandelt, die in acht statt neun Jahren und mit einer sprachlichen und mathematischen Abteilung zum Abitur führte. Während des Zweiten Weltkriegs kam der Unterrichtsbetrieb zeitwillig zum Erliegen, verursacht durch Bombardierungen, Rekrutierungen von Lehrern und Schülern und Kinderlandverschickungen. 1944 legten nur zwei Schüler, 1945 sogar nur ein Schüler das Abitur ab. Insgesamt 94 Lehrer und Schüler fielen im Krieg, starben durch Kriegseinwirkungen oder gelten als vermisst.

Im Herbst 1945 begann der Rückbau der Deutschen Oberschule und der Aufbau eines humanistischen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasiums. Ab 1966/67 besuchten auch Mädchen die Schule, zuerst im Bereich des neugegründeten Gymnasiums in Aufbauform für Realschulabsolventen, dann auch an der gesamten Schule. 1971 lautete der offizielle Name Städtisches Gymnasium für Jungen und Mädchen. Im gleichen Jahr erfolgte der erste Spatenstich zum Neubau an der Gustav-Ohm-Straße auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei.

Seit 1976 werden dort alle Schüler unterrichtet. 1977 erhielt das Gymnasium den bis heute gültigen Namen Heinrich-Heine-Gymnasium.[4] Die Feier des 75-jährigen Bestehens wurde um ein Jahr auf 1982 verschoben, um dann auch die neuerbaute Aula (Architekt: Bernhard Küppers) nutzen zu können.

In den 1980er Jahren – zu Zeiten des Kalten Kriegs sowie von Glasnost und Perestroika – war das Erlernen von Russisch ab Jahrgangsstufe 9 sehr beliebt. Von 1983 bis Anfang der 1990er Jahre fanden regelmäßig Fahrten nach Moskau und Leningrad (heutiges St. Petersburg) statt, danach ebbte das Interesse ab. 2007 fand erstmals ein Zentralabitur für ganz Nordrhein-Westfalen statt. Zur gleichen Zeit lief die Umstellung vom neunjährigen Gymnasium zu G8.[5] 2013 machten zwei Jahrgänge Abitur, einer nach 13 Schuljahren (G9), und einer, der nur zwölf Jahre (G8) absolviert hatte. Die Rückkehr zum traditionellen Abitur nach Jahrgangsstufe 13 wurde mit den Fünftklässlern des Schuljahres 2018/19 eingeläutet.[6] Für das Schuljahr 2023/2024 ist die Schule als Bündelungsgymnasium ausgewiesen.[7]

In den letzten Jahren erfolgte eine Sanierung der Gebäude aus den 1970er Jahren. Die vorherige graue Waschbeton-Fassade wurde im Zuge der energetischen Sanierung (Architekt: Strelzig + Klump Bottrop) durch eine helle blau-graue Optik ersetzt. Auch die Dreifach-Turnhalle wurde 2016 grundlegend saniert.[8]

Seit 2022 wird wegen des erhöhten Platzbedarfs des G9 für knapp 3,1 Millionen Euro ein zweigeschossiges Erweiterungsgebäude errichtet.[9]

Profil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Jahrgangsstufe 5 gibt es in den Bereichen Sprache, MINT und Musik Möglichkeiten zur Schwerpunktwahl.

  • Im sprachlichen Bereich kann in der Jahrgangsstufe 5 neben Englisch der Schwerpunkt LateinPlus gewählt werden (anfangs fünf Stunden Latein plus drei Stunden Englisch). Weitere, spätere an der Schule angebotene Fremdsprachen sind Französisch, Italienisch und Spanisch.
  • Im MINT-Bereich der Jahrgangsstufe 5 – 7 werden die naturwissenschaftlichen Fächer (Mathematik, Informatik, Biologie, Physik, Chemie) als Kombination mit unterschiedlichen Schwerpunkten je Halbjahr im Umfang von zwei zusätzlichen Wochenstunden unterrichtet, so dass hier selbständiges Arbeiten und Experimentieren einen höheren Stellenwert als im Regelunterricht haben.
  • Im musischen Schwerpunkt der Erprobungsstufe kann der Orchesterkurs gewählt werden, der drei Stunden umfasst und den regulären Musikunterricht ersetzt. An der Schule gibt es weitere musikalische Angebote wie das Symphonische Vororchester und das Symphonie-Orchester sowie Kooperationen mit der Städtischen Musikschule.
  • Im künstlerischen Bereich kann in Klasse 8/9 der Differenzierungsbereich „Kunst/Geschichte“ gewählt werden, in der Oberstufe werden Grund- und Leistungskurse für Kunst angeboten.[10]

Digitalisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 2018 werden Klassen der Jahrgangsstufe 5 mit Tablets ausgestattet, durch die das selbstorganisierte Lernen sowie die Medienkompetenz gestärkt werden sollen.[11]

Schüleraustausch und Fahrten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Klassenfahrten in Klasse 5, 10 und Oberstufe fährt die Jahrgangsstufe 7 zum Skifahren, meistens nach Meransen/Südtirol. Schon seit den 1960er Jahren findet an der Schule regelmäßig ein Frankreich-Austausch statt. Partnerschulen sind das Lycée „Sacré-Coeur“ in der Bottroper Partnerstadt Tourcoing und das nicht weit entfernte Collège Privé „Sainte-Marie“ in Beaucamps-Ligny. Ein weiterer Austausch wird mit einer Schule im italienischen Ivrea gepflegt.[12]

Seit 2019 besteht eine Schulpartnerschaft mit der Fengtai No.2 Middle School in Peking. Der für 2020 geplante erste Schüleraustausch musste wegen der COVID-19-Pandemie entfallen.[13]

Weitere Angebote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt an der Schule eine Nachmittags- und Hausaufgabenbetreuung sowie eine Mensa mit Mittagsgerichten und Snacks.

Die Schulbibliothek dient der Leseförderung und der Informationsbeschaffung für Referate oder Facharbeiten.

Aula des HHG Bottrop. Architekt Bernhard Küppers

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulleiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1906–1913 Franz Groß (* 1865; † 1913)
  • 1914–1927 Anton Kleffner (* 1861; † 1947)
  • 1927–1936 Friedrich Leonard, beurlaubt seit 1935 (* 1884; † 1958)
  • 1936–1947 Hans Klingelhöfer (1942 Einberufung in den Krieg, nach Rückkehr 1947 wieder – lediglich für zwei Monate – Schulleiter, dann Wechsel an das Mädchengymnasium Bottrop)
  • 1942–1947 wechselnde kommissarische Schulleitungen während des Kriegs, ab 1945 Joseph Engberding und Josef Heckmann
  • 1948–1964 Heinrich Schimmöller (* 1898; † 1981)
  • 1964–1987 Bruno Volmer (* 1922; † 2009)
  • 1987–2002 Roland Trottenburg (* 1937; † 2022)[14]
  • 2002–2014 Martin Welling
  • 2014–2016 Mark Pietrek
  • Seit 2016 Tobias Mattheis

Ehemalige Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Förderverein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1967 gibt es einen Förderverein. Er unterstützt die Schule finanziell bei der Organisation von Fahrten und Exkursionen, dem Erwerb von Literatur für die Schulbibliothek oder von Computerausstattung.[17]

Jahresberichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Progymnasium i. E. Bottrop: Jahresbericht über das Schuljahr …. Bottrop 1.1906/07 – 3.1908/09. (Digitalisat)
  • Gymnasium i. E. mit Ersatzunterricht zu Bottrop i. W.: Jahresbericht über das Schuljahr …. Bottrop 4.1909/10 – 1921/22. (Digitalisat Schuljahr 1909 – 1911). (Digitalisat Schuljahr 1914/15).
  • Städtisches Gymnasium und Realprogymnasium zu Bottrop i. W.: Bericht über das Schuljahr …. Bottrop 1924(1925) – 1926(1927), ZDB-ID 2018027-5.
  • Städtisches Gymnasium und Realgymnasium i. E. zu Bottrop: Bericht über das Schuljahr …. Bottrop 1927(1928) – 1929(1930), ZDB-ID 2487322-6.
  • Städtisches Gymnasium und Realgymnasium zu Bottrop: Bericht über das Schuljahr …. Bottrop 1930(1931) – 1933(1934), ZDB-ID 2487318-4.
  • Städtisches Gymnasium und Realgymnasium zu Bottrop: Jahresbericht. Bottrop 1934/35, ZDB-ID 2514396-7.
  • Städtisches Gymnasium und Realgymnasium zu Bottrop: Bericht über das Schuljahr …. Bottrop 1935/36 – 1936/37, ZDB-ID 2514405-4.
  • Oberschule für Jungen, Städt. Gymnasium und Realgymnasium in Umwandlung zu Bottrop: Bericht über das Schuljahr …. Bottrop 1937/38 – 1939/40, ZDB-ID 2514421-2.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Eckart: Schule in Bottrop – von der Elementarschule zur Hochschule. Akadpress, Essen 2014, ISBN 978-3-939413-45-5.
  • Günter Landsberg (Hrsg.): 100 Jahre Heinrich-Heine-Gymnasium – Städtisches Jungengymnasium Bottrop. Bottrop 2006.
  • Michael Thelen (Hrsg.): 75 Jahre Schule im Wandel – Heinrich-Heine-Gymnasium Bottrop. Bottrop 1982, OCLC 174345748.
  • Joseph Engberding, Friedrich Leonard, Josef Heckmann, Heinrich Schimmöller: Geschichte des Gymnasiums Bottrop. In: Heinrich Schimmöller (Hrsg.): Schola jubilans. Festschrift zum fünfzigjährigen Bestehen des Jungengymnasiums Bottrop 1906–1956. Postberg, Bottrop 1956, OCLC 1071176159, S. 15–78 (hhg-bottrop.de [PDF]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Körner: Der Architekt Ludwig Becker. In: Borbecker Beiträge. Band 9, Nr. 2. Essen-Borbeck 1993, S. 3–10 (khv-borbeck.de [PDF]).
  2. Zur Geschichte der Schule. In: Gymnasium i. E. mit Ersatzunterricht zu Bottrop i. W. (Hrsg.): Jahresbericht: über das Schuljahr … Band 5. Postberg, Bottrop 1910, S. 10 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 18. August 2021]).
  3. Zvi Givon (Hermann Kleinberger): Erinnerungen. In: Manfred Lück (Hrsg.): Juden in Bottrop (= Historische Gesellschaft Bottrop [Hrsg.]: Beiträge zur Bottroper Geschichte. Nr. 20). Band 2. Postberg Druck, Bottrop 1993, DNB 942672518, S. 187.
  4. Karl Eckart: Schule in Bottrop. Akadpress, Essen 2014, ISBN 978-3-939413-45-5, S. 56–58, 418 f.
  5. Heinz-Jürgen Kamp: Kurze Chronik des H. H. G. Bottrop, vormals Städtisches Jungengymnasium. In: Günter Landsberg (Hrsg.): 100 Jahre Heinrich-Heine-Gymnasium – Städtisches Jungengymnasium Bottrop. Bottrop 2006, S. 24–37 (hhg-bottrop.de [PDF]).
  6. Ute Hildebrand-Schute: Für G9 muss angebaut werden. HHG Bottrop, 2. Juni 2018, abgerufen am 14. März 2021.
  7. Übersichtsliste Bündelungsgymnasien. (PDF) Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, 1. August 2022, abgerufen am 4. September 2022.
  8. Andrea Kleemann: Sanierung der HHG-Turnhalle. In: hhg-bottrop.de. HHG Bottrop, 12. Juli 2016, abgerufen am 14. März 2021.
  9. Norbert Jänicke: Stadt investiert in Schulneubauten. In: hhg-bottrop.de. 22. März 2022, abgerufen am 12. Juli 2022.
  10. Tobias Mattheis (Hrsg.): Heinrich-Heine-Gymnasium Bottrop – Das sind WIR. Info für Viertklässler. Bottrop 2020, S. 8–13 (hhg-bottrop.de [PDF]).
  11. Digitalisierung. Heinrich-Heine-Gymnasium Bottrop, abgerufen am 1. Juni 2022.
  12. Tobias Mattheis (Hrsg.): Heinrich-Heine-Gymnasium Bottrop – Das sind WIR. Info für Viertklässler. Bottrop 2020, S. 16 (hhg-bottrop.de [PDF]).
  13. Tobias Mattheis: Schulpartnerschaft mit der Fengtai No.2 Middle School. Heinrich-Heine-Gymnasium Bottrop, 26. September 2019, abgerufen am 12. März 2021.
  14. Wir trauern um unseren ehemaligen Schulleiter. Heinrich-Heine-Gymnasium Bottrop, 17. Januar 2022, abgerufen am 24. Januar 2022 (deutsch).
  15. Friedrich Reichenstein: Yedioth Hayom – Ich und meine Zeitung. Reichenstein, Tel Aviv 2007, OCLC 315994946.
  16. Iris Wischermann, Rainer Hürter: Für eine Schule im Leben – Jürgen Thebrath, stellvertretender Chefredakteur des WDR erinnert sich an seine Bottroper Gymnasialzeit. In: WAZ Bottrop. Essen 16. Mai 2006 (hhg-bottrop.de [PDF]).
  17. Projekte des Fördervereins. HHG Förderverein, abgerufen am 12. März 2021.