Heinrich-von-Kleist-Park

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Heinrich-von-Kleist-Park
Kleistpark
Coat of arms of Berlin.svg
Park in Berlin
Heinrich-von-Kleist-Park
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Schöneberg
Angelegt 1718
Neugestaltet 1801, um 1890, 1945, nach 1990
Umgebende Straßen
Pallasstraße (Nord), Potsdamer Straße (Ost), Grunewaldstraße (Süd), Elßholzstraße (West)
Bauwerke Bauten am Park
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr
Technische Daten
Parkfläche 57.000

Der Heinrich-von-Kleist-Park, meist kurz Kleistpark genannt, ist eine Grünanlage im Norden des Berliner Ortsteils Schöneberg (Bezirk Tempelhof-Schöneberg) zwischen Potsdamer und Elßholzstraße.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Hopfengarten zum Botanischen Garten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Schloss- und Apothekengarten beim Berliner Lustgarten wurde 1679 eine Bastion der neuen Festung gebaut. Als Ersatz ließ der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm beim Dorf Schöneberg den dortigen Hopfengarten durch Johann Sigismund Elsholtz in einen größeren Hof- und Küchengarten sowie einen landwirtschaftlichen Mustergarten umgestalten. Die spätere Grünanlage erhielt erstmals 1718 die Bezeichnung „Botanischer Garten“. Ab 1801 entstand hier ein 7,5 Hektar großer regulärer Botanischer Garten im heutigen Sinn.

Umgebungskarte Kleistpark

Bevor der heutige Botanische Garten im Ortsteil Lichterfelde entstand, befanden sich dieser Botanische Garten und das zugehörige Königlich Botanische Museum mehr als zweihundert Jahre am Standort des heutigen Kleistparks. Der Naturforscher und Dichter Adelbert von Chamisso war hier von 1819 bis 1839 Pflanzenaufseher. Die Hauptattraktion des Botanischen Gartens war ein 1858 in Glas-Stahl-Bauweise errichtetes 17 Meter hohes Palmenhaus. Auch ein Victoria-regia-Haus wurde errichtet.

Eine Teilfläche wird zur Radrennbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem dieser Teil Schönebergs nach Berlin eingemeindet wurde, verlegte man den Botanischen Garten 1899–1910 wegen Platzproblemen auf eine sechsmal größere Fläche der ehemaligen Domäne Dahlem. Auf einer Teilfläche des alten Standortes entstand die Radrennbahn Botanischer Garten. Auf dieser Bahn kam es am Einweihungstag (18. Juli 1909) zur Rennbahnkatastrophe von Berlin, bei der ein Schrittmacher-Motorrad ins Publikum schleuderte, explodierte, neun Menschen tötete und über 40 schwer verletzte. Kein anderes Unglück im deutschen Radsport forderte so viele Opfer. Die Radrennbahn wurde daraufhin abgerissen.

Danach war vorgesehen, das gesamte Schöneberger Areal zu bebauen.

Umgestaltung zu einer Parkanlage und Namensvergabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptweg

Aufgrund einer von Berliner Zeitungen gestarteten Initiative konnte etwa die halbe Fläche als Park erhalten bleiben und die Idee zur Benennung des Parks war geboren: Anlässlich des 100. Todestages von Heinrich von Kleist erhielt der Botanische Garten am 21. November 1911 den Namen Heinrich-von-Kleist-Park. Der Park wurde danach weiter umgestaltet, einmal vom Gartenarchitekten Albert Brodersen geplant und geleitet, zum anderen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Entwürfen von Georg Pniower. Letzter hatte 1945 von der amerikanischen Besatzungsmacht den Auftrag zur Umgestaltung bekommen, nachdem sein zehnjähriges Berufsverbot unter den Nationalsozialisten aufgehoben war. Eine seiner ersten Aufgaben war die Bergung von 42 Leichen, die auf dem Gelände des Kleistparks beigesetzt worden waren und die Überführung der sterblichen Überreste auf reguläre Friedhöfe. Schon Ende 1945, nach einem halben Jahr, konnte die Grünanlage fertiggestellt werden. Die sehr kurze Bauphase erreichte Pniower durch 500–550 ständige Bauarbeiter.[1] Nach der Fertigstellung war die Grünanlage für die Einwohner geschlossen, weil im benachbarten Gebäude des Kammergerichts der Alliierte Kontrollrat seinen Sitz nahm.

Briefmarke (1954) zur Viermächte-Konferenz 1954

Im Jahr 1954 tagte im Gebäude des Kontrollrats die Viermächte-Konferenz.

Erst nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der Kleistpark der Bevölkerung zugänglich gemacht.[1]

Ein Teil des vorhandenen Baumbestandes stammt aus dem Botanischen Garten. Die nunmehr auf 5,7 Hektar verkleinerte Anlage steht als Gartendenkmal unter Denkmalschutz.

Seit 2002 findet jährlich unter dem Motto Jazz an den Kolonnaden im Heinrich-von-Kleist-Park eine Konzertreihe (Musikfestival Berlin) statt; bereits zuvor gab es regelmäßig sommerliche Jazz-Frühschoppen.

Jenseits der Grunewaldstraße schließt sich seit dem Ende 2000 der Kurt-Hiller-Park an. Die kleine Grünfläche trägt den Namen des deutschen Schriftstellers und pazifistischen Publizisten Kurt Hiller, der laut Inschrift am Straßenschild mit dem Park als „Mitbegründer der homosexuellen Bürgerrechtsbewegung“ geehrt wird.

Bauten am Kleistpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königlich Botanisches Museum, Haus am Kleistpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haus am Kleistpark, ehemals Königlich Botanisches Museum
Ehemalige Staatliche Kunstschule, im 21. Jahrhundert Medienhaus der UdK

Das ehemalige Königlich Botanische Museum mit der Adresse Grunewaldstraße 6/7 an der Südseite des Parks entstand in den Jahren 1878–1880 nach Plänen der Architekten Fritz Zastrau (1837–1899), Eduard Haesecke und Hellweg erbaut. Die dort untergebrachten botanischen Sammlungen wurden 1906 nach Lichterfelde umgesiedelt, während das Museum als Sitz der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege in Preußen (in der Zeit des Nationalsozialismus in Reichsstelle für Naturschutz umbenannt) diente. Das Gebäude kann deshalb als „Keimzelle des deutschen Naturschutzes“ bezeichnet werden. Darüber hinaus befanden sich hier eine Abteilung der Reichsstelle für das Schulwesen und ab 1923 die Studiengemeinschaft für wissenschaftliche Heimatkunde. Im Januar 1944 zerstörte eine Bombe etwa ein Drittel des Gebäudes. Trotz mehrfacher Bemühungen um einen Wiederaufbau wurde es nach dem Zweiten Weltkrieg lediglich notdürftig instand gesetzt, der Nord-Ostflügel fehlt noch immer.

Nach dem Krieg diente das Haus der Hauptstelle für Erziehungs- und Schulwesen, von 1967 bis 1975 der Volkshochschule des damaligen Bezirks Schöneberg. In dem denkmalgeschützten Gebäude, das seither Haus am Kleistpark heißt, befinden sich seit 1967 das Kunstamt Tempelhof-Schöneberg, das die drei (zusammen etwa 300 m² großen) Herbarium-Säle des ehemaligen Botanischen Museums in der oberen Etage als kommunale Galerie nutzt, sowie die nach Leo Kestenberg benannte Musikschule.[2]

Kunstschule, Medienhaus der Universität der Künste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1920 im historistischen Stil als Staatliche Kunstschule für die gymnasiale Lehrerbildung erbaute Gebäude in der Grunewaldstraße 2–5, neben dem Haus am Kleistpark, diente bis 2000 als Fachbereich der Hochschule der Künste (HdK), seitdem ist es das Medienhaus der Universität der Künste (UdK).

Königskolonnaden, Preußisches Kammergericht, Volksgerichtshof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Königskolonnaden von 1780

Im Jahr 1910 wurden die 1780 von Carl von Gontard geplanten und von der Berliner Steinmetzfirma Zeidler & Wimmel aus Sandstein erbauten Königskolonnaden von der Königsbrücke am Alexanderplatz an den Parkzugang Potsdamer Straße versetzt. Die umgesetzten Kolonnaden waren für das von 1909 bis 1913 im historisierenden Neobarockstil, an der Stelle der ehemaligen Glashäuser des botanischen Gartens, errichtete Preußische Kammergericht an der Westgrenze des Parks vorgesehen.[3] In den späten 1990er Jahren mussten die Kolonnaden saniert werden.[4][5]

Hauptartikel: Kammergericht

Vom August 1944 bis Januar 1945 tagte im Kammergericht der Volksgerichtshof. In dieser Zeit fanden unter anderem die von Roland Freisler geleiteten Schauprozesse gegen die Beteiligten des militärischen Widerstandes vom Attentat des 20. Juli 1944 statt.[6] Ab 1945 war das Haus Sitz des Alliierten Kontrollrats, in ihm wurde 1971 das Viermächteabkommen unterzeichnet. Als letzte alliierte Einrichtung blieb bis 1990 die Luftsicherheitszentrale der Alliierten in dem Gebäude. Nach der Wiedervereinigung wurde es in deutsche Verwaltung zurückgegeben. Heute befindet sich dort das Berliner Kammergericht, der Verhandlungssaal kann von Gruppen nach Anmeldung besichtigt werden. Zugleich ist es seit 1992 Sitz des Berliner Verfassungsgerichtshofs und der Berliner Generalstaatsanwaltschaft.

Pallasseum und das Kathreiner-Hochhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick zum Kathreiner-Hochhaus
Hauptartikel: Pallasseum
Hauptartikel: Kathreiner-Haus

Das Pallasseum, im Volksmund „Sozialpalast“ genannt, ist eine 1976 errichtete Großwohnanlage an Stelle des 1973 abgerissenen Sportpalastes an der Pallasstraße.[7]

Kunst im und am Park[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rossebändiger aus dem Jahr 1842/1843 von Peter Jacob Clodt von Jürgensburg (bis 1950 auf der Terrasse des Stadtschlosses) mit einem Pendant in St. Petersburg

Die Figur Genius des Geistes im Heinrich-von-Kleist-Park ist eine von insgesamt drei erhaltenen Sockelfiguren (neben Klio und Allegorie der Wissenschaft) eines im Zweiten Weltkrieg zerstörten Denkmals von Friedrich Wilhelm III. von Albert Wolff, das ursprünglich in der Mitte des Berliner Lustgartens und ab 1934 an dessen Westseite stand.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ignaz Urban: Der Königlich Botanische Garten und das Botanische Museum zu Berlin in den Jahren 1878–1891. Zur Feier der Enthüllung der Eichler-Büste am 25. Oktober 1891. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1891 (=Sonderabdruck aus Engler’s Botanischen Jahrbüchern, 14. Band, Heft 4, Beiblatt Nr. 32).
  • Folkwin Wendland: Berlins Gärten und Parke von der Gründung der Stadt bis zum ausgehenden neunzehnten Jahrhundert. Das klassische Berlin. Propyläen, Berlin 1979, ISBN 3-549-06645-7, S. 186–196.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heinrich-von-Kleist-Park – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Heinrich-von-Kleist-Park. Portal „100 Jahre Landschaftsarchitektur“, Jahr 1945. Abgerufen am 22. März 2014.
  2. Haus am Kleistpark / Geschichte
  3. Königskolonnaden Bei: Denkmal-Netzwerk
  4. Birgitt Eltzel: Denkmal unter Planen. In: Berliner Zeitung, 28. Januar 2005.
  5. Stuckrestaurierung der Königskolonnaden
  6. Kammergericht Berlin – Geschichte des Gebäudes
  7. Pallasseum

Koordinaten: 52° 29′ 32″ N, 13° 21′ 31″ O