Heinrich Auspitz

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Heinrich Auspitz

Carl Heinrich Auspitz[1] (* 2. September 1835 in Nikolsburg (Mikulov); † 23. Mai 1886 in Wien)[2] war ein österreichischer Dermatologe.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Auspitz kam als Sohn des Wundarztes Moritz Auspitz (1803–1880) in Mähren zur Welt, sein jüngerer Bruder war Leopold Auspitz (* 5. Dezember 1838; † 23. Februar 1907), k.k. Generalmajor und Schriftsteller. Im Jahre 1840 trat der Vater eine Stelle am jüdischen Hospital in Wien an, um seinen Söhnen eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Er war in Nikolsburg Patron der Chirurgie, nun machte er neben der Arbeit seine Matura, um den Doktor zu erwerben und nach 1848 die Stelle des Primar-Chirurgen zu übernehmen.

Heinrich machte sein Abitur, studierte in Wien Medizin und wurde 1858 promoviert. Unter seinen Lehrern war der Dermatologe Ferdinand von Hebra, mit dessen Sohn Hans er eng befreundet war. 1863 wurde Auspitz an der Universität Wien für Dermatologie und Syphilidologie habilitiert. Ab 1864 arbeitete Auspitz am Histologischen Institut von Carl Wedl.

Am 16. Juli 1865 schloss er die Ehe mit der begabtesten Schülerin Smetanas, Auguste Kolářova (* 19. März 1844 in Prag; † 23. Dezember 1878), welche als Pianistin und Komponistin unter dem Namen Auguste Auspitz-Kolár bekannt wurde.[3]

Zusammen mit Filip Josef Pick (1834–1910), Ordinarius in Prag, gründete er im Jahre 1869 die erste deutschsprachige Zeitschrift für Dermatologie, das Archiv für Dermatologie und Syphilis. Seine Studie „Zur Abhängigkeit von Epidermis und Korium“ erschien 1870, trotzdem bekam er keine Anstellung an einer Klinik. Darauf hin eröffnete er zusammen mit Kollegen die Allgemeine Poliklinik Wien mit verschiedenen Fachabteilungen, deren Direktor er 1872 wurde. Als außerordentlicher Professor ab 1875 führte er im Folgejahr die Kürettage und die Chemochirurgie in der Therapie von Hauterkrankungen ein. 1882 wurde er zum Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina gewählt. Im Jahr 1884 wurde er ordentlicher Professor und Direktor der zweiten Abteilung für Syphilis im Allgemeinen Krankenhaus in Wien. Als er 1886 an einem Herzleiden starb, hatte er auch seinen Sohn Hans (* um 1875; † Januar 1879) überlebt. Er wurde am 25. Mai 1886 auf dem Wiener Zentralfriedhof in der Familiengrabstätte 16/E/3/12 bestattet.[4]

Heinrich Auspitz Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihm zu Ehren vergibt die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) den "Heinrich Auspitz Preis". Er wird seit 2005 jährlich vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert.[5]
Die Preisträger seit Einführung des Heinrich-Auspitz-Preises sind[6]:
2020: Dr. Johanna Strobl und Izabella Borek
2019: Dominik Klaver und Vijay Kumar Patra
2018: Dr. Stanislava Tzaneva und Pablo Augusto Vieyra Garcia
2017: Patricia Freire und Nitesh Shirsath
2016: Dr. Stefan Blunder und Dr. Johannes Griss
2015: Dr. Elisabeth Glitzner und Dr. Tamara Kopp
2014 Dr. Marie-Charlotte Brüggen
2013: Dr. Partick Brunner und Dr. Katharina Grabmeier-Pfistershammer
2012: Dr. Stephan N. Wagner
2011 Dr. Ahmad Jalili, Wien
2010: Univ.Prof. Dr. Peter Wolf
2009 Dr.Christopher Schuster
2009 Dr.Sandrine Dubrac
2008 Dr. Hans Skvara
2007 Dr. Georg Stary
2006 Dr. Patrizia Stoitzner
2005 Dr. Dieter Maurer

Auspitz-Phänomen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtiges diagnostisches Phänomen der Psoriasis vulgaris. Nach Abkratzen der parakeratotischen Hornschicht und Eröffnung der dicht unter der verdünnten Epidermis liegenden Kapillaren ist eine punktförmige Blutung zu beobachten, als "Zeichen des blutigen Taues" oder auch "Auspitz-Phänomen" bekannt. Diese Erscheinung wurde bereits 1867 durch Ferdinand von Hebra in seinem "Atlas der Hautkrankheiten" beschrieben. Da Auspitz dieses diagnostische Merkmal als solches bekannt machte, wird es heute mit seinem Namen in Verbindung gebracht.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Smallpox pamphlets (= Indiana State Board of Health, Louisiana). 1842.
  • Über die mechanische Behandlung von Hautkrankheiten.
  • Über die Zellen-Infiltrationen der Lederhaut bei Lupus, Syphilis und Scrofulose. Carl Ueberreuter, 1864.
  • Die Lehren vom syphilitischen Contagium und ihre thatsächliche Begründung. Wilhelm Braumüller, Wien 1866. (Reprint: BiblioBazaar 2010, ISBN 978-1-145-86598-3)
  • mit Seymour Basch: Untersuchungen zur Anatomie des Blatternprozesses. G. Reimer, 186x
  • Die Seife und ihre Wirkung auf die gesunde und kranke Haut. Teudler, 1867.
  • Ueber die Resorption ungelöster Stoffe bei Säugethieren. Ueberreuter, 1871.
  • Über venöse Stauung in der Haut. Wilhelm Braumüller, Wien 1874.
  • Die Bubonen der Leistengegend. Zwei Vorlesungen gehalten an der allgemeinen Poliklinik in Wien im Oktober 1873 (= Wiener Klinik. Ausgabe 12). 1875.
  • Zur Pathologie der syphilitischen Initial-Sclerose. 1877.
  • Über Lupus syphiliticus und scrophulosus. 1878.
  • Über die Excision der syphilitischen Initial-Sclerose. Wilhelm Braumüller, Wien 1878.
  • System der Hautkrankheiten. Wilhelm Braumüller, Wien 1881.
  • System der Hautkrankheiten. 14. Band, zweite Hälfte, Wilhelm Braumüller, Wien 1881.
  • Wien's sanitäre Verhältnisse und Einrichtungen: Festgabe an die Mitglieder der IX. Versammlung des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege und der III. Versammlung des Vereins für Gesundheitstechnik in Wien September 1881. L.W. Seidel & Sohn, 1881.
  • Zur Therapie der Hautkrankheiten: Über die Applikation von Arzneistoffen auf die Haut in dünnen, fest haftenden Schichten. 1883.
  • Franz von Rinecker in Würzburg. 1883.
  • Handbuch der Hautkrankheiten. F.C.W. Vogel, Leipzig 1883.
  • Handbuch der Hautkrankheiten. F.C.W. Vogel, Leipzig 1884.
  • Adrien Doyon (Übersetzung): Traite de Pathologie et de Therapeutique Generales des Maladies de la Peau. Paris 1887.
  • Archiv für Dermatologie und Syphilis. Zweiter Jahrgang, Prag 1870.
  • Archiv für Dermatologie und Syphilis. Reprint BiblioBazaar 2010, ISBN 978-1-147-62844-9.
  • Archiv für Dermatologie und Syphilis. Reprint BiblioBazaar 2010, ISBN 978-1-147-63657-4.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Moritz Benedikt: Aus meinem Leben. Erinnerungen und Erörterungen. Verlagsbuchhandlung Carl Konegen (Ernst Stülpnagel), Wien 1906, OCLC 476459687.
  • Ludwig Eisenberg, Richard Croner: Das geistige Wien. Künstler- und Schriftsteller-Lexikon. Zweiter Band, C. Daberkow´s Verlag, Wien 1893, OCLC 163022727, S. 585.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Willi Ule, Hermann Knoblauch: Geschichte der Kaiserlichen Leopoldinisch-Carolinischen deutschen Akademie der Naturforscher. Druck Blochmann und Sohn, Dresden/ Halle 1889, S. 217.
  2. The Jewish Encyclopedia. Volume II: Apocrypha–Benash. Funk and Wagnalls Company, New York/ London 1912, S. 317.
  3. MUGI Musik und Gender im Internet (Memento des Originals vom 17. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/mugi.hfmt-hamburg.de Hochschule für Musik und Theater Hamburg
  4. Friedhofsdatenbank
  5. Informationen zur Ausschreibung des Heinrich Auspitz Preis
  6. [1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Heinrich Auspitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien