Heinrich Gustav Beck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Heinrich Gustav von Beck

Heinrich Gustav Beck, ab 1918 von Beck (* 11. April 1854 in Gera; † 9. Januar 1933 in Dresden) war ein deutscher Jurist, Freiberger, später Chemnitzer Oberbürgermeister, sächsischer Kultusminister und von 1914 bis 1918 Vorsitzender des sächsischen Gesamtministeriums.

Ausbildung und kommunale Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beck besuchte das Gymnasium in Gera, studierte dann in Heidelberg, Leipzig und Berlin Jura, absolvierte den preußischen juristischen Vorbereitungsdienst und erwarb den Doktortitel. 1881 heiratete er Luise, geb. Rebenstorff. 1874 wurde er Mitglied der Burschenschaft Frankonia Heidelberg.[1]

Beck schlug eine Karriere in der sächsischen Kommunalverwaltung ein und wurde Ratsassessor in Dresden. Danach war er von 1890 bis 1895 in Frankenberg und von 1895 bis 1896 in Freiberg Bürgermeister. Seine Erfolge und seine politische Haltung ermöglichten ihm eine schnelle Karriere: Am 17. September 1896 wurde er zum Chemnitzer Oberbürgermeister gewählt. Ab 1895 war Beck durch seine kommunalen Ämter von Amts wegen Mitglied der I. Kammer (Oberhaus) des Sächsischen Landtags. Er gehörte zur konservativen Richtung und beteiligte sich lebhaft an den Landtagsverhandlungen. Er zeichnete sich in diesem Sinne besonders in den Diskussionen um eine Änderung des Volksschulgesetzes aus.

In seiner Amtszeit von 1896 bis 1907 als Oberbürgermeister erlebte Chemnitz einen bedeutenden Aufschwung. Die Stadt entwickelte sich weiter (heute Oberzentrum). Militärbehörden, eine neue Kreishauptmannschaft und eine Oberpostdirektion erhielten dort ihren Sitz. Vororte wie Gablenz, Kappel und Bernsdorf wurden eingemeindet, so dass Fläche und Bevölkerung der Stadt stark wuchsen. Unter Beck fiel die Entscheidung für die Errichtung von drei das städtische Antlitz besonders prägenden Gebäuden: der Bau des Neuen Rathauses, des König-Albert-Museums und des Opernhauses.

Beck wurden am 27. Dezember 1907 die Ehrenbürgerrechte der Stadt Chemnitz verliehen. Ihm zu Ehren wurde die Kastanienstraße, in der er in verschiedenen Häusern gewohnt hatte, in Heinrich-Beck-Straße umbenannt. Die Straße, die sich auf dem Kaßberg befindet, trug ab 1964 den Namen von Johannes R. Becher, erhielt aber am 20. Dezember 1990 ihren alten Namen zurück.

Kultusminister und Vorsitzender im Gesamtministerium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verdienste erwarb sich Beck u. a. bei der Entwicklung des örtlichen Schul- und Fortbildungswesens. Am 15. Januar 1908 wurde er zum Staatsminister und Vorstand des Ministeriums des Kultus und Öffentlichen Unterrichts berufen und schied aus dem Landtag aus. Zu seinen Verdiensten gehört u. a. die Verabschiedung des sächsischen Mädchenschulgesetzes von 1910. Die Technische Hochschule Dresden verlieh ihm 1914 die Ehrendoktorwürde.[2]

Am 21. Mai 1914 wurde Beck zusätzlich zum Vorsitzenden des sächsischen Gesamtministeriums berufen und nahm damit faktisch die Stellung eines Ministerpräsidenten ein. Im Herbst 1918 zeichnete sich ab, dass sich das konservative Ministerium nicht halten konnte. Beck trat am 24. Oktober 1918 als Kultusminister und am Folgetag auch als Vorsitzender des Gesamtministeriums zurück. Ihm wurde in diesem Zusammenhang als letztem sächsischen Untertan der erbliche Adel verliehen. Beck verlebte seinen Ruhestand in Dresden und Meißen, wo er für das Hochstift Meißen wirkte, zu dessen Domherrn, Dechanten und Dompropst er noch durch den König ernannt worden war.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 1: A–E. Winter, Heidelberg 1996, ISBN 3-8253-0339-X, S. 68.
  2. Ehrenpromovenden der TH/TU Dresden

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 75. Geburtstag des Kultusministers a. D. D. Dr. v. Beck, in: Sächsische Dorf- und Elbgaupresse 1929, Nr. 84, Bl. 2.
  • Beck, Heinrich Gustav, in: Deutsches Zeitgenossenlexikon. Biographisches Handbuch deutscher Männer und Frauen der Gegenwart, hrsg. von Franz Neubert, Leipzig 1905, S. 428.
  • Beck, Heinrich Gustav, in: Wer ist’s? Unsere Zeitgenossen. Zeitgenossenlexikon enthaltend Biographien nebst Bibliographien. Angaben über Herkunft, Familie, Lebenslauf, Werke, Lieblingsbeschäftigungen, Parteiangehörigkeit, Mitgliedschaft bei Gesellschaften, Adresse. Andere Mitteilungen von allgemeinem Interesse, zusammengestellt und herausgegeben von Herrmann A. L. Degener, 3. Ausgabe, vollkommen neu bearb. und wesentl. erw., Leipzig 1908.
  • Dr. jur. Heinrich Gustav Beck, in: Kalender f. d. sächsischen Staatsbeamten, Dresden 1909, S. 5, mit 1 Bildn.
  • Minister a. D. Dr. v. Beck 75 Jahre, in: Dresdner Nachrichten 73 (1929), Nr. 167.
  • Schleinitz: Staatsminister Dr. Beck. Mit Abb., in: Sachsen-Post 3 (1908/09), Nr. 135, S. 1 f.
  • Staatsminister Dr. Beck, in: Der Fortschritt. Nachrichtenblatt des Mittelstandsvereins im Königreich Sachsen 1 (1907/08), S. 220.
  • Von André bis Zöllner. 125 Biografien zur Chemnitzer Geschichte (Publikation des Stadtarchives Chemnitz; Heft 2), Chemnitz 1998, ISBN 3-930846-13-6.
  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 1: A–E. Winter, Heidelberg 1996, ISBN 3-8253-0339-X, S. 68.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]