Heinrich Hübsch

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Denkmal für Heinrich Hübsch von Karl Friedrich Moest
Eingangswerk Speyrer Dom
Kunsthalle Karlsruhe
Kirche in Bauschlott
Orangerie Karlsruhe
Trinkhalle Baden-Baden
Botanischer Garten Karlsruhe

Heinrich Hübsch (* 9. Februar 1795 in Weinheim; † 3. April 1863 in Karlsruhe) war Architekt und großherzoglicher Baudirektor in Karlsruhe.

Lebenslauf[Bearbeiten]

Heinrich Hübsch wuchs in Weinheim an der Bergstraße als Sohn des fürstlich Thurn- und Taxischen Postverwalters Karl Samuel Hübsch auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Darmstadt, das damals unter der Leitung des Pädagogen I. G. Zimmermann stand, schrieb sich Heinrich Hübsch im Frühjahr 1813 an der Universität Heidelberg ein, wo er Philosophie und Mathematik studierte. Die wissenschaftliche Ausbildung befriedigte den Studenten nicht, vielmehr erwachte durch die Beschäftigung mit Werken von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schlegel sowie der altdeutschen Gemäldesammlung der Brüder Sulpiz Boisserée und Melchior Boisserée (1786–1851) sein Interesse an der Kunst.

Nach dem Eintritt in die Bauschule Friedrich Weinbrenners in Karlsruhe 1815 musste Hübsch zunächst seine eigenen künstlerischen Ambitionen zurückstellen. 1817 unternahm er eine Reise nach Italien, wo er während seines dreijährigen Aufenthalts vorzugsweise in Rom, dem Zentrum des deutschen Kunstlebens, lebte. Hübsch studierte die antike Architektur und gab nach einer Reise im Jahr 1819 nach Athen und Konstantinopel (mit Joseph Thürmer und Franz Heger[1]) 1822 in Heidelberg zwei Werke über griechische Architektur heraus. Wichtiger für seine Entwicklung war jedoch der Umgang mit den in Rom lebenden Künstlern.

Hübsch lernte in Rom auch die frühchristlichen Basiliken kennen, in denen er Vorbilder für sein eigenes Schaffen erkannte. Auch die Gotik Ober- und Mittelitaliens, die ihm auf der Hinreise im Vergleich mit der deutschen Gotik unvollkommen erschienen war, gewann für ihn auf der Heimkehr entscheidende Bedeutung.

1820 legte Hübsch bei Friedrich Weinbrenner die Staatsprüfung ab und kehrte, weil sich in Karlsruhe kein geeignetes Tätigkeitsfeld für ihn fand, 1822 zur Vollendung seiner Studien nach Rom zurück. Auf Empfehlung des Historikers Johann Friedrich Böhmer erhielt er im Frühjahr 1824 eine Anstellung als Lehrer an der Gewerbeschule des neu gegründeten Städelschen Instituts in Frankfurt, 1827 wechselte er, nachdem er sich als Architekt der evangelischen Hauptkirche in Barmen (1825–1829) und des Waisenhauses in Frankfurt (1826–1829) einen Namen gemacht hatte, in den badischen Staatsdienst. 1832 wurde Hübsch die Leitung der Karlsruher Bauschule übertragen, wo er bis 1854 lehrte. Diese Bauschule, die seit 1800 als private Institution von Weinbrenner geleitet worden war, war seit 1825 Bestandteil der neu gegründeten Polytechnischen Schule Karlsruhe, aus der später die Universität Karlsruhe bzw. das heutige Karlsruher Institut für Technologie hervorging. Als Weinbrenners Nachfolger in der Leitung der badischen Baudirektion war er bis zu seinem Tod 1863 der führende Architekt des Großherzogtums Baden.

Während seiner Lehrtätigkeit folgten vier weitere Reisen nach Rom: 1838, im Herbst 1849, als er zum Katholizismus übertrat, 1853/54 und 1859/60.[2]

Werke[Bearbeiten]

Zu den Hauptwerken von Heinrich Hübsch zählen folgende Bauwerke

Auch die Turmnadel des Konstanzer Münsters (1851–1853) entstand unter Hübschs Genehmigung, es ist jedoch nicht bekannt, ob er auch den Entwurf dazu lieferte. Ebenfalls von ihm stammte der Entwurf des Westbau des Speyerer Domes (1848–1853).

Im Jahr 1829 wurde der Grundstein für die Ludwigskirche Freiburg gelegt, die als Kirche des Klosters Tennenbach im Mittelalter in romanischem Stil erbaut worden war. Hübsch plante die Kirche in Freiburg, die von 1829 bis 1839 gebaut wurde, in „freiem Stil“ nach seinen Vorstellungen um. Insgesamt baute er 30 Kirchen für beide Konfessionen im badischen Raum und bildete so den Übergang von Klassizismus zum Historismus in dieser Region, er bevorzugte dabei den Rundbogenstil frühchristlicher Basiliken.[3]

Architekturtheoretiker[Bearbeiten]

In seiner architekturtheoretischen Schrift „In welchem Style sollen wir bauen?“ rechnet er 1828 mit der klassizistischen Baukunst des frühen 19. Jahrhunderts ab. Als Hübsch die Frage „In welchem Style sollen wir bauen?“ stellte, war er sich seiner Antwort sicher. Der moderne Rundbogenstil, der sein Programm darstellte, ließ kaum eine freie Wahl zwischen gleichwertigen Alternativen. Trotzdem fasst seine Frage das Problem eindeutig in Worte, das mit dem 19. Jahrhundert erstmals in der Kunstgeschichte auftrat. In dem Augenblick, da die Frage gestellt wurde, erhielt sie einen immer weiteren Inhalt, und es wurde immer schwieriger sie eindeutig zu beantworten. Die Epoche des Historismus, der den Klassizismus des frühen 19. Jahrhunderts als kalt und dürftig erachtete, machte Anleihen bei allen Epochen der abendländischen Kunst und bediente sich, um so älter das Jahrhundert wurde, einer immer üppigeren Formensprache.

Denkmal[Bearbeiten]

Für den Schlossgarten in Karlsruhe schuf der Bildhauer Karl Friedrich Moest ein Denkmal des Architekten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Coenen: Heinrich Hübsch und seine Kirchenbauten in Altschweier und Bühlertal. In: Bühler Heimatgeschichte. Nr. 11 (1997), S. 47–53.
  • Ulrich Maximilian Schumann: Heinrich Hübsch. Ein Wegweiser zu seinen Bauten in der Technologieregion Karlsruhe. 2013, 94 S. Bad Saulgau, ISBN 978-3-944258-02-7
  • Arthur Valdenaire: Heinrich Hübsch – Eine Studie zur Baukunst der Romantik. Karlsruhe 1926.
  • Gernot Vilmar: Hübsch, Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 723 f. (Digitalisat).
  • Rudolf Wiegmann: Bemerkungen über die Schrift „In welchem Style sollen wir bauen?“ von Heinrich Hübsch. In: Kunstblatt. 10, 1829, S. 173–174, 177-179 und 181-183.
  • Alfred Woltmann: Hübsch, Heinrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 13, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 273–275.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hyacinth Holland: Thürmer, Joseph. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 38, Duncker & Humblot, Leipzig 1894, S. 221 f.
  2. Friedrich Noack: Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters. Berlin/ Leipzig 1927, Band 1, S. 491.
  3. Streit um die Kirche spaltet den Ort, Badische Zeitung, 28. Dezember 2009

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Heinrich Hübsch – Quellen und Volltexte
 Commons: Heinrich Hübsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien