Heinrich Hauser (Schriftsteller)

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Heinrich Hauser (* 27. August 1901 in Berlin; † 25. März 1955 in Dießen am Ammersee) war ein deutscher Schriftsteller, Seemann, Weltenbummler, Farmer und Fotograf.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Hauser war Sohn eines Arztes und wuchs auf im damaligen Großherzogtum Sachsen-Weimar (vorrangig in Weimar). Mit einem vorfristigen Reifezeugnis trat er 1918 als Kadett ein in die Marineschule Mürwik in Flensburg-Mürwik. Dort war er Augenzeuge der Revolutionsereignisse. Zum Schein schloss er sich kurzfristig den revolutionären Matrosen an. Zurück in Thüringen, wurde er Mitglied des Freikorps Maercker, das zunächst zum Schutz der Nationalversammlung nach Weimar kam. In Halle, Magdeburg und Braunschweig war er beteiligt am Bürgerkrieg der Freikorps gegen die Kämpfer des Arbeiter- und Soldatenrats. Als Ingenieurs-Volontär arbeitete er anschließend in einem Hüttenwerk in Ruhrort. Wegen Folgeschäden nach einem Arbeitsunfall musste Hauser das Ingenieursstudium abbrechen. Er schloss sich einer Torpedobootflottille an und erlebte Ausläufer des Kapp-Putsches, mit dem er sympathisierte. Von 1920 bis 1922 arbeitete Hauser in unterschiedlichen Bereichen, er wurde Schmuggler und studierte einige Semester Medizin. Anschließend war er kurzzeitig als Arbeiter am Hochofen der Rheinischen Stahlwerke. In den Jahren 1923–1930 war Heinrich Hauser als (Leicht-)Matrose auf Handelsschiffen und nahm dort an Fahrten in alle Kontinente teil.[1]

Als Matrose hatte Hauser Beziehungen zu Männern wie Frauen. Zeitweise war er eng befreundet mit Hans Jürgen von der Wense. Er war fünfmal verheiratet, u. a. mit zwei jüdischen Frauen, denen er zur Flucht aus Deutschland verhalf. Er hatte zwei Kinder. Seiner Ehe mit Anna Luise, geb. Block, gesch. Duisberg (1896–1982), einer Tochter Josef Blocks, entstammte die Tochter Helene.

1925 wurde Heinrich Hauser Mitarbeiter der Frankfurter Zeitung. Hauser schrieb zahlreiche Essays, Reisereportagen und Romane. Besonders beschäftigte ihn das Verhältnis von Mensch und Technik, Stadt und Land. Er gilt als Vertreter der Neuen Sachlichkeit und war als begabter Erzähler vor allem in den dreißiger Jahren beim Publikum erfolgreich. Für seinen zweiten Roman Brackwasser bekam er 1928 den Gerhart-Hauptmann-Preis für Literatur. Im selben Jahr entstand auf einer 6000 Kilometer langen Autofahrt durch das Ruhrgebiet seine Fotoreportage Schwarzes Revier.

Nach 1933 sympathisierte Hauser bis 1939 mit dem Nationalsozialismus, in dem er seine eigenen nationalistischen und rassistischen Überzeugungen verwirklicht glaubte. Vom S. Fischer Verlag verlangte er kurz nach der „Machtergreifung“, seinem Buch „Ein Mann lernt fliegen“ eine Widmung an den hochdekorierten Jagdflieger und nationalsozialistischen Reichsluftfahrtminister Hermann Göring voranzustellen.[2] Er wanderte 1939 in die USA aus, veröffentlicht aber noch bis zur Papierrationierung 1941 in Deutschland.

Kurz vor der Kapitulation Deutschlands veröffentlichte er in den USA unter dem Titel The German Talks Back einen zu diesem Zeitpunkt Aufsehen erregenden Versuch, das „wahre Deutschland“ abzugrenzen vom nationalsozialistischen Staat.

Im Jahr 1948 kehrte Heinrich Hauser nach Deutschland zurück und wurde für wenige Monate Chefredakteur der gerade von Henri Nannen gegründeten Zeitschrift Stern.

In seinem postum erschienenen Science-Fiction-Roman Gigant Hirn, der im Jahr 1975 in den USA spielt, wird eine Maschine gebaut, die schlicht „Hirn“ genannt wird und das gesamte militärische und zivile Leben steuern soll. Die Intelligenz des „Hirns“ verselbständigt sich aber, es wird zur Bedrohung, weil es sein eigenes Überleben sichern und ein Reich auf der Herrschaft von Maschinen gründen will. Dem Wissenschaftler Semper Fidelis Lee gelingt es schließlich, die Katastrophe zu verhindern.

Heinrich Hauser und Opel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauser ist bekannt für seine Beschäftigung mit der Adam Opel AG sowohl vor dem Krieg als in der Zeit des Wirtschaftswunders. In drei eigenständigen Werken sowie weiteren Reportagen und Buchkapiteln beschreibt Hauser die Automobilproduktion in Rüsselsheim und bei den Zulieferern. 1936 erschien Am Laufenden Band als Reportage über die seit 1929 in amerikanischem Besitz (General Motors) befindliche und nach dortigem Muster aufgebaute Automobilproduktion bei Opel. Opel, ein deutsches Tor zur Welt, die Festschrift zum 100. Geburtstag von Adam Opel und zum 75-jährigen Bestehen des Opel-Werks, erschien 1939. Im darauf folgenden Jahr veröffentlichte er das Werk Im Kraftfeld von Rüsselsheim (1940). Darin schildert er die deutsche Automobilindustrie in ihrer Vorkriegsblüte. In Unser Schicksal - Die Deutsche Industrie aus dem Jahr 1952 widmet er ein Kapitel Opel nach dem Wiederaufbau. Seit Mitte des zurückliegenden Jahrzehnts erlebt Hauser eine Renaissance in der Rezeption, die teilweise der Krise bei Opel und dem Mutterkonzern GM geschuldet war und einige Publikationen über das Werk sowie Neuveröffentlichungen von Werken Hausers nach sich zog.[3]

Sonderausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2010/2011: Schwarzes Revier. Fotografien von Heinrich Hauser, Ruhr Museum Essen (27. September 2010 bis 4. September 2011)

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das zwanzigste Jahr (1925) – sein Romanerstling
  • Brackwasser (1928; Neuausgabe 1957)
  • Friede mit Maschinen (1928)
  • Schwarzes Revier (S. Fischer, Berlin 1930; Veränderte Neuausgabe 2001) – eine Ruhrgebietsreportage
  • Sieben Jahre meines Lebens (1918–1925). In: Uhu, 7. Jahrgang, Heft 1, Oktober 1930, Ullstein Berlin (= 1. Artikel der Artikelserie Die Wirrnisse unserer Zeit in Lebensläufen).
  • Die letzten Segelschiffe (1930) – Reisebericht über eine Fahrt auf dem Segelschiff Pamir
  • Donner überm Meer (1931) – Roman
    • Neuausgabe 2001. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Walter Delabar, Weidle Verlag, Bonn 2001 ISBN 978-3-931135-58-4
  • Feldwege nach Chicago (S. Fischer, Berlin 1931) – Bericht über eine USA-Reise
  • Wetter im Osten (1932) - Reisebericht, Ostpreussen
  • Noch nicht (1932) – Erzählerische Fragmente
  • Ein Mann lernt fliegen (1933) – über den Erwerb des Flugscheins
  • Kampf. Geschichte einer Jugend (1934) – Autobiografie
  • Fahrten und Abenteuer im Wohnwagen (1935; Neuausgabe 2004) – Reisebericht aus Deutschland
  • Männer an Bord (1936) - Erzählungen
  • Am laufenden Band (1936) – Reportage über die Automobilfertigung bei Opel (1. Teil der Opel-Reihe)
  • Die Flucht des Ingenieurs (1937) – Novelle
  • Notre Dame von den Wogen (1937) – Schifffahrts-Roman
  • Opel, ein deutsches Tor zur Welt (1937) – Festschrift zum 100. Geburtstag von Adam Opel und zum 75-jährigen Bestehen des Opel-Werks (2. Teil der Opel-Reihe)
  • Süd-Ost-Europa ist erwacht (1938) – Reisebericht
  • Australien. Der menschenscheue Kontinent (1939) – Sachbuch
  • Battle Against Time (New York 1939, Charles Scribner's Sons) - How long can Hitler last?
  • Im Kraftfeld von Rüsselsheim (1940) – Bericht über die deutsche Automobil-Zulieferindustrie (3. Teil der Opel-Reihe)[4]
  • Kanada (1940) – Reisebericht mit zahlreichen Photos
  • Time Was. Death of a Junker Reynal & Hithcock, New York 1942
  • The German Talks Back (New York 1945, Henry Holt) – (Vorwort Hans Morgenthau)
  • Meine Farm am Mississippi (1950)
  • Bevor dies Stahlherz schlägt. (1951) – Bericht über den Motorenbau bei Opel
  • Tochter Europas - Düsseldorf. (1951) - zusammen mit Alfred Tritschler
  • Dein Haus hat Räder. (1952) – Bericht über den Karosseriebau bei Opel
  • Die letzten Segelschiffe. Rowohlt, Hamburg 1952 (rororo 56) - Schiff, Mannschaft, Meer und Horizont
  • Unser Schicksal – Die deutsche Industrie. (1952) – Bericht über die dt. Industrie in der Nachkriegszeit
  • Gigant Hirn (1958) – Science-Fiction-Roman
  • Bremsen, Halten, Aussteigen, Photographieren. (Düsseldorf 2002) -Fotografien aus dem Ruhrgebiet, Louisiana und Paris
  • Ruhrgebiet 1928. Photographien von Heinrich Hauser (2010) – ein Wochenkalender für 2011
  • Zwischen zwei Welten (2012) - Roman. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Stefan Weidle, Weidle Verlag, Bonn, ISBN 978-3-938803-45-5

Dokumentarfilme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Man of Aran (Fragment, 1928. Produktion Heinrich Hauser und Liam O’Flaherty)[5]
  • Windjammer und Janmaaten. Die letzten Segelschiffe (D 1930), Dokumentarfilm, s/w, Stummfilm[6]
  • Weltstadt in Flegeljahren. Ein Bericht über Chicago (1931, Kamera und Regie).[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uwe Schultz: Hauser, Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 117 f. (Digitalisat).
  • Grith Graebner: „Dem Leben unter die Haut kriechen.“ Heinrich Hauser. Leben und Werk. Eine kritisch-biographische Werk-Bibliographie. Shaker Verlag, Aachen 2001, ISBN 3-8265-9406-1.
  • Stephan Porombka: Heinrich Hausers Roman „Gigant Hirn“. In: Hypertext. Zur Kritik eines digitalen Mythos. (Diss.) Fink, München 2001, S. 257–274, ISBN 3-7705-3573-1.
  • Mirjam Schubert: Kommunikationsstrukturen in den Romanen Heinrich Hausers (1901–1955). Universität Hamburg, Hamburg 2005 (zugl. Mag.-Arbeit, Univ. Hamburg 2005).
  • Tim Kangro: Die Welt, vom Steuerrad gesehen. Heinrich Hauser – Fiktion, Autobiografie und Reportage zwischen Neuer Sachlichkeit und Seefahrtsromantik. In: Kritische Ausgabe. Nr. 20 ISSN 1617-1357.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieser Absatz vorrangig nach: Heinrich Hauser: Kampf. Geschichte einer Jugend (Jena 1934)
  2. http://www.weidle-verlag.de/original/hauser.htm
  3. Heinz Dieter Kittsteiner: Das Kraftfeld von Rüsselsheim / Opel als Erzieher: Die Industriereportagen des Heinrich Hauser. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Oktober 2004, Seite 34
  4. Rezension siehe Will Vesper
  5. Grith Graebner: Heinrich Hauser (Aachen 2001, Seite 175)
  6. Filmblatt.de: FilmDokument 13
  7. http://newfilmkritik.de/archiv/2003-11/weltstadt-in-flegeljahren-ein-bericht-uber-chicago/