Heinrich IV., Teil 2

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Heinrich IV. (Drama))
Wechseln zu: Navigation, Suche

Heinrich IV., Teil 2 ist ein Historiendrama von William Shakespeare. Das Stück entstand vermutlich im Jahre 1597 und erschien erstmals im Jahre 1600 in einer Quartoausgabe. Die Folioversion von 1623 enthält deutliche Veränderungen. Als Vorlage dienten Shakespeare vor allem Holinsheds Chronicles.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Teile von Heinrich IV. bilden die Mitte der Lancaster-Tetralogie. Stofflich und entstehungsgeschichtlich geht dem Drama Richard II. voran, gefolgt von dem Doppeldrama Heinrich IV., während Heinrich V. den Abschluss bildet. Der Historienzyklus behandelt die Kämpfe zwischen den Adelsfamilien York und Lancaster in dem geschichtlichen Zeitraum von 1398 bis 1422. Henry Bolingbroke, der spätere Heinrich IV., aus dem Hause Lancaster setzt den legitimen aber unfähigen König Richard II. ab, lässt ihn ermorden, besteigt an seiner Stelle den Thron und begründet die Lancaster-Dynastie, indem er seine Feinde mit allen Mitteln bekämpft und sein Sohn als Heinrich V. die Nachfolge antreten kann. Aus diesem Königshaus entwickelte sich die Tudor-Dynastie, deren Vertreterin Elisabeth I. zur Zeit Shakespeares Königin war. Der dritte Teil des Werkzyklus, Heinrich Iv, Teil 2, spielt in England in der Zeit von 1402 bis 1413. König Heinrich IV. ist bemüht, sein Königtum, das er durch Gewalt an sich gerissen hat, zu legitimieren. Dies wird durch die Eskapaden seines Sohnes Prinz Heinrich erschwert, der sich vom Hof fernhält und dafür mit dem melancholischen und hemmungslosen Ritter Sir John Falstaff durch die Wirtshäuser zieht. Als der Vater ihm ins Gewissen redet, besinnt sich Prinz Heinrich und bekämpft erfolgreich die Rebellen. Prinz John, der jüngere Sohn des Königs, bietet dem Erzbischof von York günstige Bedingungen bei Annahme eines Friedensschlusses, bricht aber den Eid und lässt die Aufständischen hinrichten. Heinrich IV. ist krank und bei seinem Tod wird der Kronprinz der neue König Heinrich V. Beim Krönungszug wird Falstaff von seinem jugendlichen Freund verstoßen und endet im Schuldgefängnis.

Literarische Vorlagen und kulturelle Bezüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Shakespeares wichtigste Quelle für Henry IV. war das von ihm für alle britischen Historien benutzte Geschichtswerk von Raphael Holinshed, die Chronicles of England, Scotland and Ireland, in der Fassung von 1587.

Textgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich IV, Teil 2. Titelseite des Quarto von 1600.

Der zweite Teil erschien 1600 in zwei Quartausgaben. Der Titel lautete: The Second Part of Henrie the fourth, continnuing to his death, and coronatian of Henrie the fift. With the humours of Sir John Fallstaffe, and swaggering Pistoll. (Der zweite Teil von Heinrich IV., fortgeführt bis zu seinem Tode und mit der Krönung von Heinrich V., mit den Späßen von Sir John Fallstaff und den Angebereien von Pistoll.) Die Folio-Ausgabe Comedies, Histories and Tragedies mit beiden Teilen folgte 1623 (herausgegeben von J. Heminge und H. Condell).

Aufführungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Erstaufführung erfolgte, in bearbeiteter Fassung, 1778 in Hamburg. Heute wird das Stück eher selten aufgeführt. Schon im frühen 17. Jahrhundert tendierten die Inszenierungen dazu, die beiden Teile in verkürzter Form zusammenzufassen und so die beiden Hauptfiguren Prinz Heinrich und Falstaff weiter zu betonen. Eine solche, auf 25 Szenen reduzierte Version, führte beispielsweise das Schauspielhaus Bochum im Jahre 2005 mit Katharina Thalbach in der Rolle des Falstaff auf. Bekannte Darsteller des Falstaff in Deutschland waren Heinrich George, Hermann Schomberg und Will Quadflieg.

Adaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orson Welles produzierte 1965 den Film Falstaff – Glocken um Mitternacht, der Collage aus den Werken der "Lancaster-Tetralogie" und "Merry Wives of Windsor" darstellt. Von Antonio Salieri stammt die Oper Falstaff ossia Le tre burle aus dem Jahr 1799. 1838 wurde in London die Oper Falstaff von Michael William Balfe uraufgeführt. Die bekannteste Adaption der Falstaff-Figur ist Giuseppe Verdi's Oper Falstaff, die 1893 in Mailand erstmals aufgeführt wurde und im Wesentlichen auf dem Stoff der Komödie "Merry Wives of Windsor" beruht.

Textausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englisch

  • A. R. Humphreys (Hrsg.): William Shakespeare: King Henry IV Part 2. The Arden Shakespeare. Second Series. London 2008, ISBN 978-1-904271-06-2
  • René Weis (Hrsg.): William Shakespeare: Henry IV, Part II. Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2008, ISBN 978-0-19-953713-6
  • Giorgio Melchiori (Hrsg.): William Shakespeare: The Second Part of King Henry IV. The New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2007, ISBN 978-0-521-68950-2

Deutsch

  • Frank Günther und Anne-Julia Zwierlein (Hrsg.) William Shakespeare: König Heinrich IV. Teil 2. King Henry IV. Part 2. Cadolzburg Ars vivendi, 2004, ISBN 978-3-89716-173-3
  • Holger Klein (Hrsg.): William Shakespeare: King Henry IV, Part 2. Heinrich IV., Teil 2. Reclam, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-15-019105-7

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lexika

  • Michael Dobson and Stanley Wells: The Oxford Companion to Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2001, ISBN 978-0-19-280614-7
  • F. E. Halliday: A Shakespeare Companion 1550–1950. Gerald Duckworth & Co. Ltd., London 1952.

Übersichtsdarstellungen

Einleitungen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]