Heinrich Kümmel

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Fischerknabe, 1840
Hannover, Waterlooplatz: General-von-Alten-Denkmal

Heinrich August Georg Kümmel (* 2. Februar 1810 in Hannover; † 31. Dezember 1855 in Rom) war ein deutscher Bildhauer des Spätklassizismus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Kümmel wurde in Hannover in der Aegidien-Vorstadt nahe dem Aegidientorplatz geboren. Sein Vater war Hofofensetzermeister.

Bis zu seinem 15. Lebensjahr besuchte Heinrich Kümmel das Lyzeum in Hannover, seine erste künstlerische Ausbildung erhielt er danach bei dem Bildhauer August Hengst.[1] An sich wollte oder sollte er bei Johann Heinrich Ramberg Zeichenunterricht erhalten, dieser hatte aber schon zu viele Schüler.

Die Ausbildung bei Hengst war für den jungen Kümmel nicht ausreichend, so ging er 1828 – also mit gerade 18 Jahren nach Berlin, wo er seine Ausbildung bei den Brüdern Carl und Ludwig Wilhelm Wichmann fortsetzte. Beide Künstler hatten bei Gottfried Schadow studiert und in Rom und Paris gearbeitet.

Schon die Aufzählung seiner Lehrer zeigt, dass er von Anfang an klassizistisch beeinflusst war und selbst auch so arbeitete. Ein Erstlingswerk von ihm war 1832/33 das ‚Relief des Barmherzigen Samariters‘.[2] Es war über der Eingangstür des ‚städtischen Krankenhauses zu Linden‘ angebracht. An Stelle dieses Krankenhauses ist nach dem Zweiten Weltkrieg dort die Hautklinik entstanden. Das Relief befindet sich seitdem an der Gartenseite.

Der barmherzige Samariter als Relief

Dieses Relief hatte er nach einer flüchtigen Skizze seines späteren Lehrers in Rom Bertel Thorvaldsen geschaffen – es war ihm so gut gelungen, dass Thorvaldsen, als er einige Jahre später durch Hannover kam, gesagt haben soll: „Wahrhaftig, Kümmel hat’s besser gemacht, als ich’s gezeichnet habe!“[3]

Nach dem Studium in Berlin setzte er seine Studien in Rom bei dem dänischen Bildhauer Bertel Thorwaldsen fort. Seit 1836 hatte Kümmel dort ein eigenes Atelier und war mit August Kestner, dem hannoverschen Gesandten beim Vatikan, befreundet. Dieser war der Sohn von Charlotte Kestner (Werthers „Lotte“). Von Kümmel stammt eine Marmorbüste Kestners (1845).[4] Und Kestner, der neben seinen politischen Pflichten ein großer Mäzen, Kunstkenner und auch selbst Amateurkünstler war, hat auch Kümmel porträtiert. Die Freundschaft zu Kümmel ging sogar so weit, dass er ihm Geld zur Verfügung stellte, damit dieser beispielsweise eine Skulptur in Marmor ausführen konnte.[5] Es gelang Kestner dann auch, mit dem russischen Kronprinzen einen Käufer für diese Skulptur, den sogenannten Ballonschläger zu finden.[6]

Vorübergehend nach Hannover zurückgekehrt, gründete er 1842 mit August Hengst, Wilhelm Kretschmer und Justus Molthan den Hannoverschen Künstlerverein. Kestner verschaffte Kümmel auch den Auftrag für das Bronzestandbild des „Siegers von Waterloo“ General Carl von Alten (1764−1840). Wie aus einem Brief Kestners hervorgeht, hat Kümmel 1845 begonnen, daran zu arbeiten. [7] 1849 wurde es vor dem Königlichen Archiv am Waterlooplatz in Hannover aufgestellt[8]. Heinrich Kümmels Grabstätte befindet sich auf dem Protestantischen Friedhof an der Cestius-Pyramide in Rom, auf dem auch August Kestner und Goethes Sohn August beigesetzt sind.

Nach seinem Tod wurde der gesamte Nachlass auf Wunsch des Verstorbenen dem Museum für Kunst und Wissenschaft (dem heutigen Niedersächsischen Landesmuseum) in Hannover geschenkt. Darunter befand sich neben vielen kleinen Arbeiten in Gips und Ton auch die Amor und Psyche Gruppe. Da das Museum nicht in der Lage war, die Kosten für den Transport von Rom nach Hannover zu tragen, übernahm das der damalige hannoversche König[9]

Amor und Psyche

In Hannover erinnert die Heinrich-Kümmel-Straße hinter der Nord/LB an den Bildhauer. Er wuchs in einer Zeit auf, als es am Aegidientorplatz noch den Stadtgraben, Gärten, Schilderhäuschen, Torwache und Torschreiber gab. Helmut Plath hat in seinem Bildband „Hannover im Bild der Jahrhunderte“ einige „oft erzählte hannoversche Anekdoten“ festgehalten, die sich um den Namen der Familie Kümmel rankten[10]. Kümmel war nicht nur ein Gewürz, sondern vor allem ein daraus hergestellter, im 19. Jahrhundert verbreiteter und gesüßter Likör.

„Der Vater, so sagte man, habe einige Kinder im zartesten Alter verloren. Der Tod des einen Sohnes sei von dem Pfarrherrn von St. Ägidien mit den Worten abgekündigt worden: 'Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, schon wieder einen kleinen Kümmel zu sich zu nehmen.' Von dem Sohn erzählt man, er habe mit seinem Namen, dieses Mal jedoch freiwillig, ein ähnliches Spiel getrieben, als er ihn als Künstlersignatur auf die Wasserflasche des Barmherzigen Samariters schrieb.“

Die Wasserpumpe neben der Torwache auf dem alten Aegidientorplatz, die auf einem Ölbild von Georg Wein von 1854 zu sehen ist, wurde im Volksmund „Kümmelbrunnen“ genannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nekrolog in Deutsches Kunstblatt 7, 1856, S. 111ff.
  • J. H. Müller: Kümmel, Heinrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 17, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 368.
  • Helmut Zimmermann: Hannoversche Gräber auf dem Protestantischen Friedhof in Rom. In: Hannoversche Geschichtsblätter. N.F. Bd. 9, 1955, S. 131–162, hier S. 145-148.
  • Bildwerke aus drei Jahrhunderten in Hannover. Kunstverein Hannover, Hannover 1957, S. 86–89 (von Kümmel die Bildwerke: Denkmal des Generals Graf von Alten, Bronze, und Die Erziehung des Bacchus, Marmor)
  • Helmut Eichhorn: Der Thorvaldsen-Schüler Heinrich Kümmel aus Hannover. Dissertation Göttingen 1967
  • Harald Tesan: Thorvaldsen und seine Bildhauerschule in Rom. Böhlau, Köln 1998, ISBN 3-412-14197-6
  • Hugo Thielen: Kümmel, Heinrich. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen (Hrsg.): Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 215.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heinrich Kümmel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hugo Thielen in: Stadtlexikon Hannover, S. 285.
  2. Helmut Eichhorn: Der Thorvaldsen-Schüler Heinrich Kümmel aus Hannover. Dissertation Göttingen 1967, S. 13ff.
  3. Helmut Eichhorn: Der Thorvaldsen-Schüler Heinrich Kümmel aus Hannover. Dissertation Göttingen 1967, S. 14.
  4. Auf den Spuren von August Kestner. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, 6. März bis 20. Juli 2003, Kestner-Museum Hannover. Kestner-Museum, Hannover 2003, ISBN 3-924029-33-4, S. 11.
  5. Hermann Kestner-Köchlin (Hrsg.): Briefwechsel zwischen August Kestner und seiner Schwester Charlotte. Straßburg 1904, S. 222f.
  6. Hermann Kestner-Köchlin (Hrsg.): Briefwechsel zwischen August Kestner und seiner Schwester Charlotte. Straßburg 1904, S. 236.
  7. Helmut Eichhorn: Der Thorvaldsen-Schüler Heinrich Kümmel aus Hannover. Dissertation Göttingen 1967, S. 76.
  8. Adelheidis von Rohr: Das Standbild des Generals Graf Carl von Alten in Hannover. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 22, 1983, S. 149–162.
  9. F. Schnell: Das Museum für Kunst und Wissenschaft in Hannover. Hannover 1858, S. 28.
  10. Helmut Plath: Hannover im Bild der Jahrhunderte. Madsack, Hannover 1959, S. 24–25; siehe auch Helmut Zimmermann: Ein Zug durchs Leinetal. Pomp & Sobkowiak, Essen 1987, ISBN 3-922693-20-2, S. 32–33.