Heinrich Northe

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Heinrich Northe (* 17. Juli 1908 in Halberstadt; † 29. Mai 1985 in Bonn) war ein deutscher Diplomat in der Zeit des Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik.

Leben[Bearbeiten]

Diplomat bis 1945 und Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Der Sohn eines Kaufmanns für Wolle und einer Britin verbrachte seine Kindheit sowohl in Deutschland als auch in Chile und begann nach dem Abitur 1927 ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Philipps-Universität Marburg. 1927 wurde er Mitglied des Corps Teutonia Marburg.[1] Neben dem Ersten Staatsexamen legte er 1931 auch seine Promotion zum Doktor der Rechte an der Philipps-Universität Marburg mit einer Dissertation zum Thema „Sind die Reichsminister Reichsbeamte?“.

Nach einem anschließenden Dolmetscher-Examen für die chinesische Sprache trat er in den Auswärtigen Dienst ein und war von 1933 bis 1935 erst Mitarbeiter an der Botschaft in der Sowjetunion und dann an der Gesandtschaft in Bulgarien tätig. Am 1. März 1935 war er der NSDAP beigetreten. Nach Beendigung der Attachéausbildung war er zunächst im Juli 1935 Erster Sekretär der Auslandsvertretungen in Mexiko. In dieser Funktion war er zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus mit der Organisation der in Mexiko lebenden Deutschen befasst. wobei er diese auch für Propaganda-Zwecke nutzte und auf die bestehende Wirtschafts-, Schul- und Sozialstruktur der deutschen Kolonie zurückgriff.[2][3][4] Unter den Deutschen in Mexiko waren seit 1933 auch viele Juden und Sozialisten, da Mexiko ein wichtiges Zufluchtsland für vertriebene und geflohene Deutsche war.

Danach war er nacheinander an den Auslandsvertretungen in Nanjing, Tianjin und Chongqing tätig und soll 1940 als Legationsrat die Schwiegertochter eines deutschen Diplomaten wegen „antinazistischer Äußerungen“ beim Pekinger Ortsgruppenleiter der NSDAP denunziert haben.[5] Im Anschluss war er von 1941 bis 1945 als Gesandtschaftsrat Zweiter Klasse Mitglied der Wirtschaftsabteilung bei der Waffenstillstandskommission in Saigon war.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges studierte Northe zwischen 1945 und 1950 Medizin und legte nicht nur das Medizinische Staatsexamen ab, sondern promovierte abermals und zwar am 25. Oktober 1950 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zum Doktor der Medizin mit einer Dissertation zum Thema Experimenteller Beitrag zur Trinkwasserentseuchung durch das Präparat „Micropur“ der Katadyn-GmbH. Nach seiner darauf folgenden Approbation war er zwischen 1950 und 1951 Assistenzarzt für Chirurgie am Universitätsklinikum Freiburg sowie an der Medizinischen Poliklinik Bonn.

Diplomat in der Bundesrepublik und Aufstieg zum Botschafter[Bearbeiten]

Über seine Entnazifizierung ist nichts bekannt. 1951 trat Northe erneut in den wiedergeschaffenen Auswärtigen Dienst ein und war zunächst zwischen 1952 und 1955 als Botschaftsrat und Geschäftsträger ad interim Leiter der Botschaft in Japan. Später stieg er zum Ministerialdirigenten im Auswärtigen Amt auf. Zwischen September 1961 und 1967 war er Botschafter in Peru.[6] Während dieser Zeit war er im Mai 1963 zusammen mit dem peruanischen Außenminister Luis Alvarado Garrido und dem Luftfahrtminister Generalleutnant Salvador Noya Ferré Unterzeichner des Deutsch-Peruanischen Luftverkehrsabkommens.[7]

Kurz vor Ende dieser Tätigkeit war er als Nachfolger von Franz Krapf als Leiter der für alle Ost-West-Fragen zuständigen Politischen Abteilung II im Auswärtigen Amt im Gespräch. Diese Funktion übernahm allerdings der bisherige Botschafter in Indonesien, Luitpold Werz, während er selbst von 1967 bis 1969 Ständiger Vertreter beim Europarat in Straßburg wurde.[8][9]

Daraufhin war Northe als Sonderbotschafter für Osteuropa im Auswärtigen Amt tätig. Als solcher bereitete er im Rahmen der Neuen Ostpolitik von Bundeskanzler Willy Brandt im Frühjahr 1971 Verhandlungen mit der Tschechoslowakei vor.[10] Er führte auch Gespräche mit der US-Regierung über Mitspracherechte Europas zu Kommunikationssatelliten.[11]

Im Oktober 1972 gehörte er zu den Initiatoren der Anglo-German Foundation.[12]

Er erhielt 1932 die Preußische Rettungsmedaille.

Literatur[Bearbeiten]

  • Maria Keipert (Red.): Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Herausgegeben vom Auswärtigen Amt, Historischer Dienst. Band 3: Gerhard Keiper, Martin Kröger: L–R. Schöningh, Paderborn u. a. 2008, ISBN 978-3-506-71842-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1996, 171, 1232
  2. María Emilia Paz Salinas: Strategy, security, and spies. Mexico and the U.S. as Allies in World War II. Pennsylvania State University Press, University Park, Pa. 1997, ISBN 0-271-01665-5, S. 27 (Digitalisat)
  3. Monica A. Rankin: ¡México, la patria! Propaganda and production during World War II. University of Nebraska Press, Lincoln, Neb. 2010, ISBN 978-0-8032-2455-1, S. 19 (Digitalisat)
  4. Eine Schatzkiste in schlechten Händen. In: Die Zeit. Nr. 10/1974
  5. Klaus Jetz: Alte Kameraden. Nazi-Diplomaten in Bonner Diensten. 2003
  6. Northe&stemming=false&field=all#highlightedTerm Besetzung deutscher Auslandsvertretungen (Kabinettsprotokolle, 27. September 1961)
  7. Deutsch-Peruanisches Luftverkehrsabkommen vom 18. Mai 1963
  8. Auswärtiges Amt. Ringen im Proporz. In: Der Spiegel. Nr. 7/1966
  9. Luitpold Werz. In: Der Spiegel. Nr. 16/1966
  10. Prag-Verhandlungen. Go slow. In: Der Spiegel. Nr. 16/1971
  11. Raumfahrt / Intelsat. Glänzender Stern. In: Der Spiegel. Nr. 11/1970
  12. Ray Cunningham: The Anglo-German Foundation 1973–2009 (PDF; 253 kB)