Heinrich Oberreuter

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Heinrich Oberreuter

Heinrich Oberreuter (* 21. September 1942 in Breslau) ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Er ist Direktor des Instituts für Journalistenausbildung Passau.[1] Zuvor lehrte er als Professor an der Universität Passau und war von 1993 bis 2011 Direktor der Akademie für Politische Bildung in Tutzing [2].

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberreuter studierte Politikwissenschaft, Geschichte, Kommunikationswissenschaft und Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 1968 bis 1978 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geschwister-Scholl-Institut der Universität München, ab 1970 war er auch wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Bundestag. 1978 wechselte er als Professor an das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, 1980 bis 2010 hatte er einen Lehrstuhl für Politikwissenschaft an die Universität Passau inne. 1987 war Oberreuter Gastprofessor am Dartmouth College in Hanover, New Hampshire, USA.

Im Jahr 1991 wurde Oberreuter vom sächsischen Wissenschaftsminister zum Gründungsdekan für Geistes- und Sozialwissenschaften an die Technische Universität Dresden berufen. Er war dort Mitglied des Kuratoriums und kurzzeitig (2002/03) auch Direktor des Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung. Während seines zweijährigen Wirkens gelang es ihm, die dortige Philosophische Fakultät und die Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaft zu konstituieren. Es folgten Rufe an die Universitäten Eichstätt (Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft), Dresden und München.[3] Am 1. November 1993 wurde er Direktor der Akademie für Politische Bildung in Tutzing. Die Leitung dieser Einrichtung hatte er bis zum 31. Oktober 2011 inne.[4] Er ist weiterhin als 2. Vorsitzender des Förderkreises der Akademie aktiv.[5]

2002 erhielt Oberreuter einen Ruf an die LMU München. Er war aber nicht auf dem ordnungsgemäßen Weg auf die Berufungsliste gesetzt worden, und das Verwaltungsgericht erkannte auf einen Verstoß gegen die Hochschulautonomie.[6] Nach Verhandlungen nahm Oberreuter den Ruf nicht an.

2010 trat er als Professor in den Ruhestand.

Seit 2012 leitet er die achte Neuherausgabe des zuletzt 1985 editierten Staatslexikons der Görres-Gesellschaft. Die Arbeit soll vier Jahre dauern.

Mitgliedschaften und Ehrenämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darüber hinaus ist er zeitweilig Kommentator beim Bayerischen Rundfunk sowie regelmäßig Autor in mehreren Tages- und Wochenzeitungen.

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Oberreuter ist langjähriges Mitglied der CSU.[8] Er kandidierte im Jahre 1996 auf der Liste der CSU bei der Wahl zum Passauer Stadtrat.

Er wurde in den Wahlperioden 2003 bis 2008 [9] und 2008 bis 2013 [10] zum Vorsitzenden der Diätenkommission des Bayerischen Landtags gewählt.

Heinrich Oberreuter ist Mitherausgeber der Zeitschrift für Politik.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Parlament und Regierung. Ein Vergleich dreier Regierungssysteme (mit Emil Hübner), München 1977.
  • Notstand und Demokratie. Vom monarchischen Obrigkeits- zum demokratischen Rechtsstaat, München 1978 (zugleich Dissertation).
  • Übermacht der Medien. Erstickt die demokratische Kommunikation?, Zürich/Osnabrück 1982.
  • Parteien zwischen Nestwärme und Funktionskälte, Zürich/Osnabrück 1983.
  • Stimmungsdemokratie. Strömungen im politischen Bewußtsein, Zürich/Osnabrück 1987.
  • „Wendezeiten. Zeitgeschichte als Prägekraft politischer Kultur“, München 2010.

Herausgeberschaften:

  • Der Bundestag von innen gesehen. 24 Beiträge (mit Emil Hübner und Heinz Rausch), München 1969.
  • Parlamentarische Opposition – Ein internationaler Vergleich, Hamburg 1975.
  • Pluralismus. Grundlegung und Diskussion, Opladen 1980.
  • Machtverfall und Machtergreifung. Aufstieg und Herrschaft des Nationalsozialismus (mit Rudolf Lill), München 1983 (2. Aufl. 1986).
  • Parteien in der Bundesrepublik Deutschland (mit Alf Mintzel), München 1990 (2. Aufl. 1992).
  • „Parteiensystem am Wendepunkt? Wahlen in der Fernsehdemokratie“, Landsberg 1996.
  • „Ungewissheiten der Macht. Parteien – Wähler – Wahlentscheidung“, München 1998.
  • „Ein reiches Leben: Hans Maier. Reden zum 70. Geburtstag. Festveranstaltung am 21. Juni 2001 in der Akademie für Politische Bildung Tutzing“, München 2002.
  • „Diktaturen in Deutschland – Vergleichsaspekte. Strukturen, Institutionen und Verhaltensweisen“ (mit Günther Heydemann), Bundeszentrale für Politische Bildung, Schriftenreihe Band 398, 2003.
  • „Kristallisationskern politischer Bildung. Zur Geschichte der Akademie 1957 bis 2007“, München 2009.
  • „Am Ende der Gewissheiten. Wähler, Parteien und Koalitionen in Bewegung“, München 2011.
  • Weltpolitik im 21. Jahrhundert. Perspektiven zur neuen internationalen Staatenordnung. Festschrift für Jürgen Schwarz (mit Armin A. Steinkamm und Hanns-Frank Seller), Wiesbaden 2004.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Res publica semper reformanda. Wissenschaft und politische Bildung im Dienste des Gemeinwohls. Festschrift für Heinrich Oberreuter zum 65. Geburtstag, hrsg. von Werner J. Patzelt, Martin Sebaldt und Uwe Kranenpohl, Wiesbaden 2007 (mit Schriftenverzeichnis).
  • Helmuth Rücker: Prof. Oberreuter als Politologe mit klarem Blick sehr gefragt. In: Passauer Neue Presse vom 21. September 2007

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.institut-journalisten.de/_institut/vorstand.php
  2. http://web.apb-tutzing.de/apb/cms/index.php?id=3076
  3. http://www.institut-journalisten.de/_institut/vorstand.php
  4. „Unvermeidlich, unabhängig, unerreicht“: Prominente Festredner würdigen Arbeit des Akademiedirektors. Homepage der APB Tutzing [1]
  5. http://web.apb-tutzing.de/apb/cms/index.php?id=1151
  6. Tobias Moorstedt, Barbara Höfler: Rettet die Scholls! Die Tageszeitung, 26. November 2003, S. 14.
    Jörg Lau: Auf höheres Drängen. Die Zeit 46/2002
  7. Mitgliedseintrag von Heinrich Oberreuter bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, abgerufen am 6.11.17
  8. Artikel der Zeit vom 6. Januar 2010
  9. Pressemitteilung des Bayerischen Landtags vom 3. März 2004
  10. Pressemitteilung des Bayerischen Landtags vom 30. März 2009
  11. Pressemitteilung vom 26. Mai 2003: Verdienstvolle Bürger wurden mit Verfassungsmedaille geehrt (Memento vom 6. April 2010 im Internet Archive), abgerufen am 24. Januar 2010