Heinrich Rendtorff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Heinrich Rendtorff (* 9. April 1888 in Westerland, Sylt; † 18. April 1960 in Kiel) war evangelisch-lutherischer Theologe und Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Rendtorff wurde nach dem Studium der Evangelischen Theologie in Tübingen, Halle (Saale) und Leipzig, Promotion (lic. theol., Leipzig 1912) und Kriegsdienst am 8. Dezember 1918 in Kiel als Pastor ordiniert. 1919 wurde er Pfarrer in Hamwarde-Worth bei Lauenburg/Elbe und 1921 hauptamtlicher Volksmissionar beim Landesverein für Innere Mission in Schleswig-Holstein in Rickling. 1924 wurde er Klosterprediger und Studiendirektor des Predigerseminars in Preetz und übernahm von 1926 bis 1930 die Professur für Praktische Theologie an der Theologischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität Kiel. 1925 war ihm in Rostock die theologische Ehrendoktorwürde verliehen worden.

Im Jahre 1930 wurde er zum Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs ernannt. Von 1931 bis 1933 war er außerdem Honorarprofessor und Universitätsprediger in Rostock. Als Anhänger der völkischen Strömung der Deutschen Christen begrüßte Rendtorff die Machtübernahme der Nationalsozialisten zunächst vorbehaltslos und beantragte mit folgender Begründung die Aufnahme in die NSDAP: „Ich will als deutscher Mann mich öffentlich zur NSDAP bekennen“.[1] Im Mai 1933 wurde er tatsächlich vorläufiges Mitglied der NSDAP, doch bereits im August 1933 wurde er aus der Partei „wegen parteischädigender Äußerungen“ ausgeschlossen, weil er Mitglied der Bekennenden Kirche geworden war.[2][3] Im Januar 1934 musste er auf Druck des NS-Staates sein Amt als Landesbischof niederlegen. Sein Nachfolger wurde der frisch gekürte „Landeskirchenführer“ Walther Schultz (im Alter von noch nicht einmal 33 Jahren!).

D. Heinrich Rendtorff wechselte 1934 von Mecklenburg nach Pommern, wo er in der Kirche der Altpreußischen Union eine Pfarrstelle der Wartburg-Gemeinde in Stettin übernahm. Gleichzeitig engagierte sich Rendtorff in der Bekennenden Kirche (BK) und wurde Mitglied des pommerschen Bruderrates der BK.

1937 gehörte Rendtorff zu denen, die Die Erklärung der 96 evangelischen Kirchenführer gegen Alfred Rosenberg wegen dessen Schrift „Protestantische Rompilger unterzeichneten.[4]

Nach der Flucht am Kriegsende 1945 in den Westen wurde Rendtorff zunächst als Mitglied der Vorläufigen Kirchenleitung in Schleswig-Holstein[5] und im Herbst 1945 erneut als Professor für Praktische Theologie nach Kiel berufen. Er war Dekan der Theologischen Fakultät und Rektor der CAU.[6] 1956 wurde er emeritiert.[3] Parallel dazu leitete Rendtorff ab 1946 als Vorsitzender die Arbeitsgemeinschaft der Volksmission (heute: Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste).[7]

Rendtroff war mit Emma Caroline Hedwig Besser verheiratet. Aus der Ehe gingen neun Kinder hervor. Auch seine Söhne Rolf Rendtorff und Trutz Rendtorff wurden Theologieprofessoren.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zitat bei Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 491
  2. Heute vor 80 Jahren: Evangelischer Theologe entlassen. In: Berliner Morgenpost, 13. August 2013.
  3. a b Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Fischer Taschenbuch 2005, S. 491.
  4. Friedrich Siegmund-Schultze (Hg.): Ökumenisches Jahrbuch; Zürich: Max Niehans, 1939
  5. Das im Namen der Vorläufigen Kirchenleitung am 21. November 1945 vorgelegte Wort zum Bußtag (online auf pkgodzik.de) ist im Wesentlichen von Professor D. Rendtorff abgefasst worden, und zwar kurz vor Bekanntwerden des Stuttgarter Schuldbekenntnisses, also unabhängig von ihr. Das Wort ist zu Unrecht in der Sammlung der Predigten, Reden, Aufsätze und Briefe von Wilhelm Halfmann veröffentlicht worden, da er nicht Verfasser ist; aber Präses Halfmann stimmte dem Wort zum Bußtag in Form und Inhalt uneingeschränkt zu. (Kurt Jürgensen: Die Schulderklärung der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihre Aufnahme in Schleswig-Holstein, in: Klauspeter Reumann (Hrsg.): Kirche und Nationalsozialismus. Beiträge zur Geschichte des Kirchenkampfes in Schleswig-Holstein, Neumünster 1988, S. 381–406, hier S. 396)
  6. Rektoratsreden (HKM)
  7. Personenlexikon zum deutschen Protestantismus 1919-1949, Göttingen 2006, S. 205

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Heubach, Heinrich-Hermann Ulrich (Hrsg.): Sammlung und Sendung. Vom Auftrag der Kirche in der Welt. Eine Festgabe für Heinrich Rendtorff zu seinem 70. Geburtstag am 9. April 1958, Berlin: Christlicher Zeitschriftenverlag, 1958.
  • Wilhelm Niesel: Kirche unter dem Wort. Der Kampf der Bekennenden Kirche der altpreußischen Union 1933-1945; Arbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfes. Ergänzungsreihe, Band 11; Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1978.
  • Paul Toaspern (Hrsg.): Arbeiter in Gottes Ernte. Heinrich Rendtorff. Leben und Werk, Berlin: Christlicher Zeitschriftenverlag, 1963.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]