Heinrich Schipperges

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Heinrich Schipperges (* 17. März 1918 in Kleinenbroich, Rheinprovinz; † 10. Mai 2003 in Dossenheim, Baden-Württemberg) war ein deutscher Hochschullehrer für Medizingeschichte und Medizintheorie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schipperges studierte nach Kriegsdienst und Gefangenschaft Philosophie und Psychologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen sowie Medizin, Arabistik und Islamwissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. In Bonn wurde er mit Dissertationen zu Hildegard von Bingen zum Dr. med. (1951) und bei Erich Rothacker zum Dr. phil. (1952) promoviert.[1][2]

Am Universitätsspital Zürich und am Klinikum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wurde er zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie ausgebildet. Er habilitierte sich 1959 in Bonn für das Fach Medizingeschichte.[3] 1961 übernahm er bis zu seiner Emeritierung 1986 den neu eingerichteten Heidelberger Lehrstuhl für Geschichte der Medizin und begann das dortige Institut auf- und auszubauen.[4]

Zu seinen Veröffentlichungen (darunter 100 Bücher) gehören Arbeiten zu Hildegard von Bingen, zur theoretischen Pathologie, zu Verbindungen zwischen Medizin und Theologie, Philosophie und Literatur. So war er auch Mitherausgeber von Zeitschriften wie Sudhoffs Archiv, Arzt und Christ oder der Heidelberger Jahrbücher.

Schipperges war Mitbegründer der Gesellschaften für Wissenschaftsgeschichte und Gesundheitsbildung.[5]

Schipperges engagierte sich zudem für die Akademisierung der Krankenpflege in Heidelberg.

Mit 85 Jahren starb er 2003 plötzlich und unerwartet. Sein Nachfolger auf dem Heidelberger Lehrstuhl ist 1992 Wolfgang U. Eckart geworden.

Heinrich Schipperges ist Mitautor des von Wolfgang U. Eckart und Christoph Gradmann herausgegebenen Ärztelexikons, das 2006 in dritter Auflage erschien.[6] Das Erscheinen der dritten Auflage erlebte Heinrich Schipperges nicht mehr.

Ehrungen und Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gesundheit und Gesellschaft: ein historisch-kritisches Panorama. Springer Verlag 2003. ISBN 978-3-540-00671-8.
  • Die Kunst zu leben. Eine Reise von Paracelsus zu Goethe. Daedalus Verlag 2001. ISBN 978-3-89126-091-3.
  • Rudolf Virchow, 2. Auflage. Rowohlt Taschenbuch 2003. ISBN 978-3-499-50501-0.
  • Heilsamer Trunk: Die Geschichte des Heiltranks. Freiburg im Breisgau 2000. ISBN 978-3-7930-9236-0.
  • Die Welt der Hildegard von Bingen. Herder 1997. ISBN 978-3-86756-073-3.
  • Hildegard von Bingen, 3. Auflage, Beck 1997. ISBN 978-3-406-42908-8.
  • Die Welt der Engel bei Hildegard von Bingen. Herder 1995 (zuerst Salzburg 1963). ISBN 978-3-7013-0324-3.
  • Paracelsus – heute: seine Bedeutung für unsere Zeit. Frankfurt am Main 1994. ISBN 978-3-7820-0688-0.
  • Paracelsus. Das Abenteuer einer sokratischen Existenz. Freiburg im Breisgau 1988. ISBN 978-3-591-08163-4.
  • Paracelsus. Der Mensch im Licht der Natur. Klett 1974. ISBN 978-3-12-907650-7.
  • Goethe – seine Kunst zu leben. Betrachtungen aus der Sicht eines Arztes. Frankfurt am Main, Knecht 1996.
  • Ärzte in Heidelberg. Eine Chronik vom „Homo Heidelbergensis“ bis zur „Medizin in Bewegung“. Heidelberg 1995.
  • Arzt im Purpur: Grundzüge einer Krankheitslehre bei Petrus Hispanus (ca. 1210 bis 1277). Springer 1994. ISBN 978-3-642-85108-7.
  • Krankheit und Gesundheit bei Maimonides (1138–1204). Sitzungsberichte Heidelberger Akad. Wiss., Suppl, 1996. ISBN 978-3-540-60837-0.
  • Eine „Summa medicinae“ bei Avicenna: zur Krankheitslehre und Heilkunde des Ibn Sīnā (980-1037). Sitzungsberichte Heidelberger Akad. Wiss. 1987. ISBN 978-3-540-18274-0.
  • Arabische Medizin im lateinischen Mittelalter.. Berlin/Heidelberg/New York 1976 (= Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften: mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse, 1976/2). ISBN 978-3-540-07765-7.
  • Gute Besserung! Ein Lesebuch über Gesundheit und Heilkunst, Beck, München 1994. ISBN 978-3-406-38515-5.
  • Die Kranken im Mittelalter, 3. Auflage. Beck 1990. ISBN 978-3-406-33603-4.
  • Der Garten der Gesundheit. Medizin im Mittelalter. Artemis Verlag 1985, dtv 1990. ISBN 978-3-7608-1911-2.
  • Konzepte gesunder Lebensführung: Leitfaden einer Vorsorgemedizin. Wien, Hollinek 1990. ISBN 978-3-85119-238-4.
  • Sein Alter leben. Wege zu erfüllten späten Jahren. Herder 1986. ISBN 978-3-451-08336-5.
  • Utopien der Medizin: Geschichte und Kritik der ärztlichen Ideologie des 19. Jahrhunderts. Salzburg 1968. ISBN 978-3-473-58024-8.
  • Entwicklung moderner Medizin – Probleme, Prognosen, Tendenzen, 3. Auflage. Stuttgart 1971. ISBN 978-3-87247-126-0.
  • Moderne Medizin im Spiegel der Geschichte. Stuttgart 1970. ISBN 978-3-13-459001-2.
  • 5000 Jahre Chirurgie. Stuttgart 1967.
  • Die Benediktiner in der Medizin des frühen Mittelalters. Erfurter theologische Schriften 7, 1965, Leipzig, St. Benno Verlag.
  • Am Leitfaden des Leibes: Zur Anthropologik und Therapeutik Friedrich Nietzsches, Stuttgart 1975. ISBN 978-3-12-907680-4.
  • mit Hugo Schad und Albrecht Zimmermann: Medizin in Historie und Kunst (Sammlung Niederländischer Meister der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg). Boehringer Mannheim, Stuttgart-Degerloch o. J.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Medizinische Dissertation: Krankheitsursache, Krankheitswesen und Heilung in der Klostermedizin, dargestellt am Welt-Bild Hildegards von Bingen.
  2. Philologische Dissertation: Das Bild des Menschen bei Hildegard von Bingen: Beiträge zur philosophischen Anthropologie des 12. Jh..
  3. Heinrich Schippergers: Die Assimilation der arabischen Medizin durch das lateinische Mittelalter. (Medizinische Habilitationsschrift Bonn 1959), veröffentlicht 1964 in Sudhoffs Archiv (Beiheft 3).
  4. Hans H. Lauer (2004), S. 556 f.
  5. Hans H. Lauer (2004), S. 557.
  6. Wolfgang U. Eckart und Christoph Gradmann: Ärzte Lexikon. Von der Antike bis zur Gegenwart, 3. Auflage Springer Berlin Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-29584-6 (Print), ISBN 978-3-540-29585-3 (Online).