Heinrich Senfft

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Heinrich Senfft (* 26. April 1928[1] in Stuttgart; † 14. Januar 2017 in Berlin[2]) war ein bekannter deutscher Medienanwalt und Publizist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Senffts zweiter Stiefvater war Friedrich Sieburg. Wegen einer Gelbsucht leistete er keinen Kriegsdienst. Nach dem Abitur 1946 in Freudenstadt studierte er Geschichte und Philosophie an der Eberhard Karls Universität Tübingen (u.a. bei Theodor Eschenburg) und Rechtswissenschaften an den Universitäten in Mainz, Hamburg und Tübingen. 1956 wurde er bei Hans Dölle an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen mit der Dissertation Die Haus- und Berufsarbeit der Ehefrau bei Gleichberechtigung der Geschlechter zum Dr. iur. promoviert. 1957 legte er das zweite juristische Staatsexamen ab.

Von 1957 bis 1959 war er als Anwaltsassessor für Die Zeit und den Stern und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg tätig. 1959/60 studierte er anglo-amerikanisches Recht an der University of California, Berkeley. Seit 1961 war er als Rechtsanwalt in Hamburg (bzw. London) tätig. Er beriet u.a. die Zeit und den Stern; zu seinen Mandanten gehörten Persönlichkeiten wie Romy Schneider, Christo und Jeanne-Claude, Markus Wolf, Gregor Gysi[3], Peter-Michael Diestel, Hermann Kant und Egon Krenz. Mit dem Publizisten Günter Gaus war Senfft befreundet.[4]

Er war verheiratet mit einer Tochter von Hanns Ludin, Repräsentant des Deutschen Reichs im Slowakischen Staat. Seine Tochter, Alexandra Senfft[5][6](* 1961), ehemalige Nahostreferentin der Grünen, ist als Journalistin und Publizistin tätig.

Audio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richter und andere Bürger. 150 Jahre politische Justiz und neudeutsche Herrschaftspublizistik (= Schriften der Hamburger Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts. Bd. 8). Greno, Nördlingen 1988, ISBN 3-89190-957-8.
  • Glück ist machbar. Der bayerische Spielbankenprozess, die CSU und der unaufhaltsame Aufstieg des Dr. Friedrich Zimmermann. Ein politisches Lehrstück. Kiepenheuer u. Witsch, Köln 1988, ISBN 3-462-01940-6.
  • Kein Abschied von Hitler. Ein Blick hinter die Fassaden des "Historikerstreits" (= Kleine historische Bibliothek. Bd. 2). Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts, Hamburg 1989, ISBN 3-927106-01-1.
  • Schmäher vor Gericht. Persönlichkeitsschutz und öffentliche Meinung in Deutschland (= Göttinger Sudelblätter). Wallstein-Verlag, Göttingen 1993, ISBN 3-89244-063-8.
  • Die sogenannte Wiedervereinigung. Rowohlt, Berlin 1999, ISBN 3-87134-388-9.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeitspiegel: Heinrich Senfft 80. In: Die Zeit. Nr. 18, 24. April 2008, S. 2. Abgerufen am 18. Januar 2017.
  2. Christian Schertz: Nachruf auf Heinrich Senfft: Meister seiner Klasse. In: Der Tagesspiegel. 17. Januar 2017, abgerufen am 18. Januar 2017.
  3. Politisch, aber kein Politiker. Nachruf. Gregor Gysi über Heinrich Senfft, der beides war: Anwalt und ein guter Freund. In: der Freitag vom 26. Januar 2017, S. 4.
  4. Bettina Gaus: Nachruf auf Heinrich Senfft: Einer, der keine Hexenjagden mochte. In: taz.de. 16. Januar 2017, abgerufen am 18. Januar 2017.
  5. Alexandra Senfft beim Perlentaucher
  6. Doja Hacker: Biografien: Die tödliche Schuld. In: Der Spiegel. Nr. 11, 2007, S. 180–182 (online). Zitat: „Alexandra Senfft, Enkelin des Hitler-Gesandten in der Slowakei, Hanns Ludin, hat das Leben ihrer Mutter aufgeschrieben, die an der verdrängten Familiengeschichte zugrunde ging.“