Heinrich Thormann

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Heinrich Gustav Thormann (* 18. April 1816 in Wismar; † 15. Februar 1890 ebenda) war ein deutscher Architekt.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Thormann war der dritte von sechs Söhnen des Kaufmanns und Pelzers Joachim Christian Heinrich Thormann in der Dankwartstraße 31. Seine Mutter Elise war die Tochter des Kleinschmieds Christian Müller.[1]

Dobbertiner Klosterkirche, Blick zur Nonnenempore (2014)

Seine Ausbildung zum Architekten erlangte er ab 1836 an der Allgemeinen Berliner Bauschule, der späteren Bauakademie, bei Wilhelm Stier und Friedrich August Stüler. Nach Abschluss seines Studiums kehrte der 23-jährige Thormann nach Wismar zurück und gründete dort schon 1839 sein eigenes Baubüro.

Mit dem ersten Wettbewerbsentwurf Ende 1838 zum Schauspielhaus, das er in der Mecklenburger Straße von 1840 bis 1842 errichtete, begann seine erfolgreiche Tätigkeit als Architekt. Denn nach Schließung des Schauspielsaales im Rathaus 1836 entschloss sich der Rat für den Bau eines eigenständigen Theaters. Auf Empfehlung des Schweriner Hofbaumeisters Georg Adolph Demmler wurde 1838 ein Wettbewerb ausgeschrieben. Die Wettbewerbskommission empfahl dem Rat, dem Verfasser der Entwürfe Jedem das Seine für die Ausarbeitung der Baupläne. Hinter diesem Verfasser verbarg sich der damals noch junge Architekt Heinrich Thormann. Nach einem Brand 1948 wurde das Gebäude später ganz abgetragen.

Neben vielen städtischen Bauten in Wismar erwarb sich Thormann mit Herrenhäusern für den mecklenburgischen Adel und landwirtschaftlichen Gebäuden in Mecklenburg ein hohes Ansehen.

Ein weiterer Höhepunkt seines Schaffens war von 1853 bis 1857 die innere Restaurierung der Klosterkirche in Dobbertin.[2][3]

Wismarer Wasserkunst auf dem Marktplatz (2010)

Als eines der wichtigsten öffentlichen Bauwerke in Wismar ist die heute unter Denkmalschutz stehende Wasserkunst auf dem Marktplatz zu nennen. Für den 1602 nach Plänen von Philipp Brandin fertiggestellten Brunnen der Wasserkunst mit einem Wasserleitungssystem von hölzernen Röhren bestand um 1860 Einsturzgefahr. Im Frühjahr 1861 wurde Heinrich Thormann durch die Ratsherren mit der Sanierung und Vergrößerung beauftragt. Stadtbildprägend ist auch der von ihm am Alten Hafen für seinen älteren Bruder, den Großkaufmann, Schiffsreeder, Geheimen Kommerzienrat und Senator Johann Christian 1862 erbaute siebengeschossige Speicher, den Thormannspeicher. Nach 1879 erfolgte für seinen ältesten Bruder, den Kaufmann David die Restaurierung des schwedischen Kommandantenhauses Am Markt 15 im Stil der Niederländischen Renaissance. Seine reichen Kunstschätze und Bilder übereigneter David Thormann dem Schweriner Museum. Seit 1930 wird das Haus durch die Sparkasse, heute der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest genutzt.

Verheiratet war er seit 1858 mit Mathilde Reimers, der Tochter des praktischen Arztes zu Reinfeld in Holstein. Sie hatten sechs Söhne und drei Töchter und wohnten in der 1864 nach eigenen Plänen selbst erbauten Villa am Lindengarten, dem späteren Offizierskasino, in der Bauhofstraße 1 zu Wismar.

Mit dem Tod seines Vaters 1857 ließ Heinrich Thormann auf dem Friedhof Wismar direkt neben der Martens-Kapelle eine Familiengrabstelle bauen, wo auch er beigesetzt wurde.[4] An den Baumeister und Architekt Heinrich Thormann erinnert ein vier Meter hoher und mit Gusseisen bekrönter Obelisk aus Granitstein. Er steht auf einem zwei Meter hohen Sockel und die weiteren dreizehn Grabstätten der Familie sind von einem schmiedeeisernen Zaun umgrenzt.[5]

Thormann-Stiftung

In seinem am 1. Februar 1889 dem Waisengericht übergebenen Testament vermachte Thormann nach seinem Tode der Stadt Wismar 9000 Mark für eine Stiftung, die seinen Namen tragen sollte. Der Betrag sollte dem Zweck dienen, strebsamen jungen Handwerkern dieser Stadt den Besuch einer Fachschule, einer Werkmeisterschule oder eines Technikums zu erleichtern.[6] Die Stiftungsgründung wurde durch den Wismarer Stadtsekretär Paul Martens am 22. Juni 1890 im Mecklenburger Tageblatt, Wismarsche Zeitung, Nr. 143 bekannt gemacht. Dem Stadtrat Fritz als Verwalter der Thormannschen Stiftung wurde am 25. November 1946 mitgeteilt, dass von den sowjetischen Besatzungsbehörden bei der Leerung der Schließfächer in den Stahlkammern der früheren Sparkasse der Seestadt Wismar auch Wertpapiere der Stiftung entnommen und verloren sind. Abrechnungen für den Zeitraum vom 1. April 1948 bis zum 31. Juli 1951 wurden durch die Kontroll- und Revisionsabteilung der Stadt Wismar am 4. August 1951 an den Dezernenten des Sozial- und Fürsorgeamtes der Stadt als Verwalter der Thormannschen Stiftung zurückgegeben.[7]

Archiv der Hansestadt Wismar

Im Archiv der Hansastadt Wismar befinden sich in den Sammlungen Entwürfe, Zeichnungen und Ansichten von Thormanns Projekten, darunter

  • Schauspielhaus, perspektivische Ansicht, Grundriss des Erdgeschosses, Längsschnitt, Querschnitt durch das Vestibül und das Auditorium, Straßen- und Hauptfassade, Giebelansicht mit Hauptzugang, Lageplan und Grundriss des Bühnenkellers, Querschnitt durch die Bühne mit Beschreibung der Bühnentechnik (alle undatiert).
  • Große Stadtschule, nördlicher Flügel. Beschreibung der Bauausführung und Kostenanschlag für die Erweiterung von 1860, Durchbau und Aufstockung der Gewerbeschule (undatiert).
  • Wasserkunst am Marktplatz. Zwei Projekte zur Erneuerung der Wasserkunst von 1860, Beschreibung des Projektes für den Neubau von 1862.

Werk (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grete Grewolls: Wer war wer in Mecklenburg und Vorpommern. Das Personenlexikon. Hinstorff Verlag, Rostock 2011, ISBN 978-3-356-01301-6.
  • Ulrich Hermanns: Mittelalterliche Stadtkirchen Mecklenburgs. Schwerin 1996, ISBN 3-931185-15-X, S. 133–137.
  • Gustav Willgeroth: Thormann In: Beiträge zur Wismarschen Familienkunde. Wismar 1932, S. 167–173.
  • Hansestadt Wismar: Der denkmalgeschützte Friedhof der Hansestadt Wismar Wismar 2002, S. 41.
  • Felix Lüdemann: Heinrich Gustav Thormann: Wismarer Privatarchitekt (1816–1890); der rohe Ziegel-Bau ist mir der liebste. Hamburg 2007.
  • Sabine Tunn: Heinrich Gustav Thormann. Herrenhaus-Architekt im 19. Jahrhundert. In: Wismarer Beiträge. Schriftenreihe des Archivs der Hansestadt Wismar, Heft 23, Wismar 2017 S. 70–79.
  • Horst Alsleben: Der Wismarer Heinrich Gustav Thormann und die Dobbertiner Klosterkirche. In: Wismarer Beiträge. Schriftenreihe des Archivs der Hansestadt Wismar, Heft 23, Wismar 2017 S. 80–95.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landeshauptarchiv Schwerin (LHAS)

  • LHAS 3.2 – 3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin Nr. 3235 Kirche, Verhandlungen und Gutachten über die Umgestaltung der Kirche zu Dobbertin 1854–1857.
  • LHAS 5.11 – 2 Landtagsprotokolle 1823, 1852, 1853, 1855, 1857.
  • LHAS 10.9-L/6 Personennachlass Lisch, Friedrich. Nr. 193 Restaurierung der Kirche in Dobbertin, 1854–1858.

Archiv der Hansestadt Wismar

  • AWH Abt. III. Rep. 1. Aa (Ratsakten 14. Jh. – 1945) 5924, Bestätigung und Kontrolle der Heinrich-Thormann-Stiftung.
  • AWH Abt. VIII. Rep. 1. B1 Crull-Sammlung, Nr. 1187 Handzeichnung von Conow 1854.
  • AWH Abt. VIII. Rep. 1. Dg Städtisches Waisengericht, Testament- und Nachlaßsachen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Heinrich Thormann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gustav Willgeroth: Beiträge zur Wismarschen Familienkunde. 1932, S. 168.
  2. Horst Alsleben: Dobbertins doppeltürmige Kirche. Umbau des Gotteshauses wurde vor 160 Jahren verändert und ist in Mecklenburg einzigartig geblieben. SVZ Schwerin, Mecklenburg-Magazin. 6. Oktober 2017, S. 25.
  3. Horst Alsleben: Zwei Türme, zwei Baumeister. Vor 160 Jahren wurde die Klosterkirche Dobbertin wieder eingeweiht, eine Zeitreise. Mecklenburgische & Pommersche Kirchenzeitung, Nr. 40, 8. Oktober 2017.
  4. Mecklenburger Tageblatt, Wismarsche Zeitung, Nr. 44 vom 21. Februar 1890.
  5. Hansastadt Wismar: Der denkmalgeschützte Friedhof der Hansestadt Wismar. 2002, S. 41.
  6. Stadtarchiv Wismar: Heinrich-Thormann-Stiftung, Abt. III., Nr. 537.
  7. Stadtarchiv Wismar: Heinrich-Thormann-Stiftung, Abt. III, Nr. 537.
  8. vgl. Schlie, S. 38.
  9. Stadttheater Wismar auf carthalia (www.andreas-praefcke.de), zuletzt abgerufen am 3. Januar 2012
  10. Siegfried Berndt: Von Wismars Wasserkünsten. In: Wismarer Beiträge. 1992, Heft 8, S. 4–11.
  11. Oertzen - Blätter, Novdmber 1977, Nr. 15, S. 71.