Heinrich von Droste zu Hülshoff

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den preußischen Politiker. Für den Autoren gleichen Namens siehe Heinrich von Droste zu Hülshoff (Autor).

Heinrich Freiherr Droste zu Hülshoff (* 23. Februar 1827 in Burg Hülshoff; † 9. Februar 1887 ebenda) war ein königlich-preußischer Landrat, Politiker und Gutsbesitzer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rheinische Ritterakademie, Schule des Heinrich von Droste zu Hülshoff
Die Kapelle von Burg Hülshoff, erbaut durch Heinrich von Droste zu Hülshoff

Heinrich-Johann Freiherr Droste zu Hülshoff wurde als ältestes von dreizehn Kindern des Gutsbesitzers und Politikers Werner-Constantin von Droste zu Hülshoff (1798–1867) und seiner Ehefrau Caroline, geb. Freiin von Wendt (Adelsgeschlecht)-Papenhausen (1802–1881) geboren. Er war der älteste Neffe der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, die er auf Reisen begleitete. Jüngere Geschwister waren Ferdinand von Droste zu Hülshoff, Klemens Friedrich Freiherr Droste zu Hülshoff, Carl Caspar von Droste zu Hülshoff und Elisabeth von Droste zu Hülshoff. 1845 bestand er das Abitur an der Rheinischen Ritterakademie Bedburg. An den Universitäten München, Bonn und Berlin studierte er Kameralistik und Jura.[1] Den Militärdienst bei den 1. Husaren in Münster verließ er 1858 als Premierleutnant. Er verheiratete sich 1863 mit Cäcilie Freiin von Elmendorff, Erbin der Güter Füchtel und Welpe bei Vechta, mit der er einen Sohn Werner (1872–1945), den Erben der Familiengüter, und zwei Töchter hatte. Als ältester Sohn übernahm er 1867 die Familiengüter Hülshoff, Deckenbrock, Rüschhaus, Schencking (Vögeding) und Brock. Auf Burg Hülshoff ließ er die neugotische Hauskapelle erbauen. Den Kaplan von Hülshoff, J. Holsenbürger, beauftragte er mit der Ausarbeitung des Werkes Die Herren v. Deckenbrock (v. Droste-Hülshoff) und ihre Besitzungen, das sein Vater begonnen und zu dem dieser ein Vorwort verfasst hatte.

Öffentliches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Droste zu Hülshoff übernahm öffentliche Ämter als Vorsteher des Amtes Roxel und wurde 1864 unter Vorbehalt der Prüfung bzw. 1865 offiziell Landrat des Landkreises Münster. Ab 1871 war er Mitglied des westfälischen Provinziallandtags und Vorsitzender verschiedener Ausschüsse sowie stellvertretender Landtagsmarschall (Vizepräsident). Im Kulturkampf wurde er 1874 vom Dienst suspendiert, weil seine Frau die sogenannte „Damenadresse“, eine Solidaritätserklärung westfälischer Adelsdamen zugunsten des Bischofs von Münster, Johannes Bernhard Brinkmann, unterzeichnet hatte, der von der preußischen Regierung wegen angeblicher Unterschlagung kirchlichen Vermögens angeklagt worden war. Um das Vermögen der Kirche zu schützen, mietete Heinrich von Droste zu Hülshoff das bischöfliche KonviktCollegium Ludgerianum“ in Münster an. Gegen die Beschlagnahme von dessen Mobiliar setzte er sich erfolgreich gerichtlich zur Wehr.[2] Er war ein enger Vertrauensmann des Bischofs während der Zeit von dessen Exil. Gemeinsam mit Ludwig Windthorst und Hermann von Mallinckrodt gehörte er zu den Gründern der Deutschen Zentrumspartei und war Vorsitzender des Zentralkomitees der westfälischen Zentrums-Partei. Er war auch Aufsichtsratsvorsitzender der Zeitung Westfälischer Merkur und Direktor des Landwirtschaftlichen Kreisvereins. Heinrich Droste zu Hülshoff war Ehrenritter des Souveränen Malteser-Ritterordens.

Nachkommen und Nachfolge auf Gut Hülshoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gut Füchtel (Vechta), Erbe von Heinrichs Ehefrau Cäcilie Freiin von Elmendorff

Heinrich und Cäcilie hatte zwei Töchter und einen Sohn. Die ältere Tochter, Carla, 1865–1940, heiratete den Besitzer von Gut Schwegerhoff in Ostercappeln, Walter von Bothmer-Schwegerhoff – ihr Sohn Heinrich von Bothmer wurde Eigentümer des Fürstenhäusle der Dichterin, das durch seine Frau Helene von Bothmer betreut wurde. Die jüngere Tochter Maria-Anna, 1866–1947, verheiratet mit Ferdinand Graf Merveldt, erbte von ihrer Mutter deren Güter Füchtel und Welpe in Vechta.

Heinrichs einziger Sohn Werner (1872–1945) wurde Regierungsreferendar und war letzter Stammherr auf Hülshoff und den Nebengütern. Traditionsgemäß heiratete er, ein Patensohn seiner Verwandten Franziska Gräfin von Bocholtz-Asseburg, 1904 die aus einem anderen, sehr begüterten, Zweig dieser Familie stammende 18-jährige Karolina Gräfin von Bocholtz-Meschede (1886–1916). Sie war mütterlicherseits eine Enkelin des Gisbert von Romberg II., der Hauptfigur des Romans Toller Bomberg von Josef Winckler und hatte offenbar ein ähnliches Temperament: 1909, inzwischen 23-jährig, brannte sie mit dem aus Lothringen stammenden Hauskaplan, der ihr Französischunterricht erteilte, durch und brachte in Paris ein uneheliches Kind zur Welt, was zur Scheidung von Werner führte. Von dem Vater ihres Kindes, der in Paris als Lehrer arbeitete, schon 1913 geschieden, warf sie sich, von ihrer Familie auch durch den Ersten Weltkrieg getrennt, 1916 am Gare d’Orsay vor den Zug.[3]

Werner, durch diese tragischen Skandale gesellschaftlich isoliert, heiratete 1919 seine deutsch-russische Haushälterin Magda Mobitz (1892–1975). Eine katholische Trauung war wegen der Scheidung und fehlender kirchlicher Papiere über seine erste Ehe nicht möglich; er nahm, was in seinem Fall verständlich ist, aber der jahrhundertelangen Familientradition widersprach - die evangelische Konfession seiner zweiten Frau an. Werner und Magda hatten zusammen eine Tochter[4], Jutta von Droste zu Hülshoff (1926–2015), die, 1944, erst 18-jährig, den durch Kopfschuss verwundeten Landwirt Helfried Stromberg heiratete, aber ihren Geburtsnamen behielt. Sie erbte beim Tod ihres Vaters 1945 mit 19 Jahren den fast 600 Jahre alten Familienbesitz. Wie schon der Wechsel der Konfession, widersprach auch diese Erbfolge der jahrhundertelangen Tradition, Stammgüter an Töchter nur dann zu vererben, wenn sie adelig heirateten, sonst aber an das am nächsten verwandte männliche Familienmitglied. Einziger männlicher Namensträger der gleichen Generation war damals der Sohn von Werners Vetter Heinrich von Droste zu Hülshoff (Autor), der spätere Oberlandforstmeister Mariano Freiherr Droste zu Hülshoff. Werners Kontakt mit ihm, dem Vater von Bernd von Droste zu Hülshoff und Wilderich von Droste zu Hülshoff, war aber durch seine jahrelange Kriegsabwesenheit in Russland abgerissen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Bd. III, 1975.
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Freiherrliche Häuser, Bd. XVI.
  • Wilderich von Droste zu Hülshoff: Annette von Droste-Hülshoff im Spannungsfeld ihrer Familie. Limburg 1997.
  • Ludwig Ficker, Otto Hellinghaus: Der Kulturkampf in Münster. Münster 1928.
  • V. Capron: Les derniers von Bocholtz-Meschede. Selbstverlag, Brüssel 2005.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilderich von Droste zu Hülshoff: Annette von Droste-Hülshoff im Spannungsfeld ihrer Familie. Limburg 1997.
  2. Ludwig Ficker, Otto Hellinghaus: Der Kulturkampf in Münster. Münster 1928.
  3. V. Capron: Les derniers von Bocholtz-Meschede. Selbstverlag, Brüssel 2005.
  4. Die biologische Abstammung von ihrem Vater wurde lt. ihrem Vetter Mariano Freiherr Droste zu Hülshoff in der Familie bezweifelt, Tonbandinterview mit ihm 1987, Archiv Wilderich Freiherr Droste zu Hülshoff