Heinrich von Droste zu Hülshoff (Autor)

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Heinrich „Heiny“ Freiherr von Droste zu Hülshoff (* 23. November 1875 in Münster; † 25. Februar 1934 ebenda) war ein deutscher Autor und Jurist.

Heinrich Freiherr Droste zu Hülshoff (1875–1934) in der Uniform eines Husaren

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Hamborn, Elternhaus und Erbe von Heiny Droste zu Hülshoff
Schloss Eringerfeld um 1860, Sammlung Alexander Duncker, letzter Wohnort von Heiny Droste zu Hülshoff

Heinrich (Heiny) Karl Werner Peter Klemens Hubert Maria Freiherr von Droste zu Hülshoff, der nicht mit seinem Onkel Heinrich von Droste zu Hülshoff verwechselt werden darf, wuchs als einziger Sohn des Gutsbesitzers und Unternehmers Carl Caspar von Droste zu Hülshoff (1843–1922) und seiner ersten Frau Pierrine, geb. Fischer (1852–1903), in Münster (Westfalen) und ab 1879 auf dem väterlichen Schloss Hamborn bei Paderborn auf. Er besuchte das Jesuiteninternat Stella Matutina in Feldkirch, machte seinen Wehrdienst beim Husaren-Regiment „Kaiser Nikolaus II. von Russland“ (1. Westfälisches) Nr. 8 studierte Rechtswissenschaft und wurde preußischer Gerichtsreferendar. 1903 heiratete er in Schloss Schwarzenraben Paula Freiin von Ketteler (* Schloss Schwarzenraben 4. Februar 1872, † Schloss Eringerfeld 19. Februar 1936). Sie war eine Tochter des Politikers Friedrich Clemens von Ketteler, eine Tante des von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers Wilhelm Freiherr von Ketteler (Diplomat), Enkelin des Politikers Wilderich Freiherr von Ketteler, Großnichte des Bischofs Wilhelm Emmanuel von Ketteler und Urenkelin des Dichters Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg. Heinrich bewirtschaftete von 1904 bis 1912 den ererbten, aber verschuldeten, Gutsbesitz. Nach dessen Verkauf lebte das Ehepaar in Münster mit seinen Kindern Maria Annunziata (1904–1977) und Mariano (1907–1997). Im Ersten Weltkrieg (1914–1918) diente Heinrich als Rittmeister, wo er aufgrund seines Gesundheitszustandes und seiner ausgezeichneten französischen Sprachkenntnisse bei der Postüberwachung in Belgien und Frankreich eingesetzt wurde. Aus dem Krieg kam er mit einer chronischen Erkrankung zurück. Durch Kriegsanleihen und die Deutsche Inflation 1914 bis 1923 verlor er großenteils sein Vermögen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte das Ehepaar auf Schloss Eringerfeld, das zum Besitz der Familie von Ketteler gehörte. Auf deren Familienfriedhof in Störmede fanden sie ihre letzte Ruhestätte.

Öffentliches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Kriegsrückkehr arbeitete Heinrich in Münster beim Finanzamt, aufgrund der von seinem Vater ererbten Staatsangehörigkeit als Vize-Konsul der Schweiz und, wie auch seine Tochter, als Schriftsteller. Heinrich Droste zu Hülshoff war nach Mitteilung seines Sohnes Mariano besonders an der Geschichtsforschung interessiert[1]. Als schreibgewandter Großneffe der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, über die er viel publiziert hat, fand er Interesse in der Öffentlichkeit. Er führte auch Nachforschungen zur Genealogie verschiedener Adelsgeschlechter durch. Aus seiner Feder stammen zahlreiche, exakt recherchierte Erzählungen zur Geschichte Westfalens, des dortigen Adels und der Familie Droste zu Hülshoff, die als Zeitungsbeiträge, teils auch unter Pseudonymen, publiziert wurden.

Nachfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mariano Freiherr Droste zu Hülshoff (links) mit Hortense von Gelmini (Mitte) und Friedrich Wilhelm Fürst zu Wied (rechts) 1970 in Neuwied

Mariano Freiherr von Droste zu Hülshoff (*Schloss Hamborn 10. Januar 1907, † Vallendar 5. September 1997), der einzige Sohn von Heinrich und Paula, wuchs in Schloss Hamborn und in Münster auf. Er studierte Rechtswissenschaften an der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster und - in der Erwartung, das Stammgut Burg Hülshoff zu übernehmen[2] - , Forstwissenschaften an der Königlich Preußischen Forstakademie Hannoversch Münden, wo er der Forstakademischen Verbindung Rheno-Guestfalia im CV beitrat. Er wurde 1937 Forstmeister und Kreisjägermeister im preussischen Kreisforstamt Altenkirchen bei Betzdorf und nahm als Mess- und Erkundungsoffizier, dann Kommandant eines Panzerzuges und 1944 als Oberleutnant und stellvertretender Regimentskommandeur am Deutsch-Sowjetischen Krieg teil. Er war in seiner Generation das einzige männliche Mitglied der Droste zu Hülshoff, überlebte unverletzt den Zweiten Weltkrieg, verlor jedoch durch Kriegsabwesenheit den Kontakt zu seinem Onkel zweiten Grades, Werner, dem letzten Stammherrn auf Burg Hülshoff, der am 19. April 1945[3] starb und den Gutsbesitz an seine erst 19-jährige Tochter Jutta Freifrau von Droste zu Hülshoff vererbte. In Betzdorf ausgebombt fand Marianos junge Familie Asyl in Haus Junkernthal bei der Familie Hövel (Adelsgeschlecht). Sein früheres Forstamt wurde der Französischen Besatzungszone zugeschlagen und kam unter die Verwaltung des neuen Bundeslandes Rheinland-Pfalz. 1947 wurde Droste zu Hülshoff Forstmeister des staatlichen Forstamts Adenau, das dem französischen Gouverneur und Großwildjäger Hettier de Boislambert damals als persönliches "Jagdreservat" diente. Auf Druck des Gouverneurs war der bisherige Amtsinhaber auf diesem heiklen Posten abgelöst worden, der auch für die Durchführung der Franzosenhiebe, die Bekämpfung der hungersbedingten Wilderei der Bevölkerung und die Wiederbesiedelung und -aufforstung eines großen Übungsgeländes der Luftwaffe zuständig war. Droste zu Hülshoff gelang die Vermittlung zwischen Bevölkerung und Besatzungsmacht; durch den gemeinsamen Jagdfreund François Sommer wurde er sogar Ehrenmitglied des Musée de la Chasse et de la Nature in Paris[4]. Er betreute schon in Adenau prominente Jagdgäste der Bundesregierung (Deutschland) wie z.B. Franz Joseph Strauß, Sigismund von Braun, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach und Berthold Beitz. 1962 wechselte er zur Forstdirektion im Regierungsbezirk Koblenz. Dort war er u.a. zuständig für die Organisation der "Diplomatenjagden" der Bundesregierung und wurde dann als Oberlandforstmeister deren Leiter bis zu seinem Ruhestand 1972[5].[6] Ehrenamtlich war er im Jagdwesen engagiert und Präsident der "Vereinigung des Adels am Mittelrhein". Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zeichnete ihn mit ihrer Ehrennadel aus, der Deutsche Jagdschutzverband verlieh ihm die Verdienstnadel in Silber. Er schrieb unveröffentlichte "Memoiren" über sein 90 Jahre dauerndes, durch die Folgen von zwei Weltkriegen bewegtes, Leben[7]. Mit seiner Ehefrau, Sybille Iltgen, bekam er fünf Kinder, von denen drei - zwei Söhne und eine Tochter - das Erwachsenenalter erreichten. Seine Söhne, Enkel von Heinrich und Paula, sind - ebenfalls als einzige männliche Familienmitglieder ihrer Generation - Bernd von Droste zu Hülshoff und Wilderich von Droste zu Hülshoff[8].

Eigene Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schloss Hülshoff - zum Geburtstag Annettes am 12. Januar. Literarische Beilage des Westfälischen Merkurs, 1929
  • Kloster Bödecken und seine Umgebung in: Westfälischer Merkur 17. Dezember 1925
  • Haus Welbergen in: Westfälischer Merkur, 9. Juli 1925
  • Schloss Thienhausen in: Westfälisches Volksblatt, 20./21. Februar 1926
  • Die Bruchhauser Steine in: Westfälisches Volksblatt, 12. Februar 1926
  • Ferdinand von Lüninck in: Westfälisches Volksblatt, 17. März 1926
  • Brunsberg in: Westfälische Landeszeitung, 6. Dezember 1926
  • Burg Schnellenberg in: Westfälische Landeszeitung, 6. Dezember 1926
  • Aus der Geschichte Kurlands - Goddert von Ketteler, erster Herzog von Kurland in: Westfälische Landeszeitung, 5. Februar 1926
  • Die Externsteine in: Westfälische Landeszeitung, 3. Dezember 1926
  • Die Sage von der Schlacht am Birkenbaum bei Werl in: Wochenbeilage des Westfälischen Merkur, 14. Juli 1926
  • Annette von Droste zu Hülshoff als Weib und das Verhältnis zu ihrer Mutter in: Westfälische Landeszeitung, 18. Januar 1926
  • War Annette Droste zu Hülshoff eine Spökenkiekerin? in: Westfälischer Merkur, 12. Januar 1926
  • Schloss Iburg bei Osnabrück in: Niedersächsischer Feierabend, Wochenbeilage des Hannoverschen Anzeigers, 1. Februar 1927
  • Die Sternburg auf den Externsteinen in: Westfälische Landeszeitung, 20. September 1927
  • Die Ramsbecker Gruben in:Westfälische Landeszeitung, 22. Februar 1927
  • Die Hinnenburg in: Westfälische Landeszeitung, August 1926
  • Die dichterische Veranlagung der Annette Droste in: Deutsche Bodensee-Zeitung, 16. August 1927
  • Annette Drostes erste Wohnung in Münster in: Deutsche Zeitung, 10. November 1927
  • Haus Wilkinghege in:Westfälische Landeszeitung, Beilage Münster und das Münsterland, 17. Februar 1927
  • Die Kapelle "Zur Heiligen Seele" bei Paderborn in: Wochenbeilage des Westfälischen Merkur, 8. Juni 1927
  • Weihnachtsmette in: Westfälischer Merkur, 25. Dezember 1927
  • Visdai in: Westfälische Landeszeitung, Beilage am 28. September 1927
  • Annette Droste in: Deutsche Zeitung, Sonntagsbeilage, 6. Juli 1927
  • Die Spökenkiekerin in: Deutsche Zeitung, 31. August 1927
  • Die Iburg bei Driburg in: Unsere Heimat - Beiträge zur Geschichte des Münsterlandes und der Nachbargebiete, Münsterscher Anzeiger, 5. September 1927
  • Die Münsteraner unter Prinz Eugen bei Belgrad in: Westfälische Landeszeitung, 22. April 1927
  • Die schwarze Dame in: Die Werag, Rundfunkzeitung, 14. Januar 1927
  • Ayesa in: Westfälischer Merkur, 3. April 1927
  • Matthias Sprickmann, der Freund und Berater von Annette Droste in: Kunst, Wissen und Leben, Rheinisch-Westfälische Zeitung, 22. April 1928
  • Tragische Lebensfahrt einer Dichterin. Zu Annette Drostes 80. Todestag am 24. Mai 1928 in: Deutsche Zeitung, 20. Mai 1928
  • Der Vetter aus der Lausitz in: Unterhaltungsbeilage der Deutschen Zeitung, 19. Januar 1928
  • Annettes zweites Gesicht - Annette Droste und ihre Ballade "second sight" in Deutsche Allgemeine Zeitung, 30. August 1928
  • Das Münzrecht des Stiftes Geseke in: Unsere Heimat- Beiträge zur Geschichte des Münsterlandes und der Nachbargebiete, Münsterscher Anzeiger, 21. Februar 1928
  • Novelle und Wirklichkeit, in: Deutsche Allgemeine Zeitung, 15. Juli 1928
  • Das Regiment Bochholz in: Heimatblätter des Kreises Lippstadt, 20. April 1929
  • Der münsterische Adel und die Stadt Chicago in: Münsterscher Anzeiger, 30. Januar 1929
  • Ferdinande Marie Louise Felicite von Asbeck - zur Geschichte des Hauses Lyren in Wattenscheid in: Allgemeine Wattenscheider Zeitung, 22. Februar 1930
  • Der Ketteler'sche Hof auf der Königstraße in: Münsterscher Anzeiger, 23. März 1930
  • Ein Münsterländischer Edelmann als Deputierter in Paris in: Osnabrücker Zeitung, 13. August 1931
  • St. Mary in Pennsylvanien - ein Denkmal niederländischer Tatkraft in: Münsterscher Anzeiger, 2. Juni 1931
  • Etappe Glandorf und Landsturmbataillon Füchtorf. Eine Erinnerung aus den Befreiungskriegen in: Osnabrücker Zeitung, 23. Juli 1931
  • Der schwarze Adler und anderes in: Münsterscher Anzeiger, 5. Juli 1931
  • Haus Rüschhaus. Auf den Spuren der Annette von Droste-Hülshoff in: Rheinisch-Westfälische Zeitung, 8. Oktober 1931
  • Die Gräberfelder bei Beleke und Rüthen in: Heimatliche Beilage zu "Der Patriot", Lippstädter Tageblatt, 3. Mai 1932
  • Die Herzogin von Longueville, in: Beilage zu Der Mittag, 2. Juni 1932

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon“, Bd. III., 1975
  • „Genealogisches Handbuch des Adels, Freiherrliche Häuser“, Bd. XVI.
  • Fischer, Dr. Albert: Geschichte der Familie Fischer zu Warburg, Selbstverlag, Warburg 1935
  • Klocke, Friedrich: Die Ahnen der Annette - Forschungen bis zur achten Ahnengeneration in: Rheinisch-Westfälische Zeitung, 11. Juli 1942
  • Möllmann, Christoph: Aus der Geschichte von Schloss Hamborn, Verlag Ch. Möllmann, Borchen, 2009, ISBN 978-3-89979-120-4

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mariano Freiherr Droste zu Hülshoff: "Memoiren", 1987, Archiv Wilderich Freiherr Droste zu Hülshoff
  2. Mariano Freiherr Droste zu Hülshoff, Memoiren, Vallendar 1994, S. 9, Archiv Wilderich Freiherr Droste zu Hülshoff
  3. Genealogisches Handbuch des Adels, Band XVII, Seite 93
  4. Mariano Freiherr Droste zu Hülshoff: "Memoiren", Archiv Wilderich Freiherr Droste zu Hülshoff
  5. Waldtraud Holtz-Honig: "Der erste Weltmann der Familie"- Bernd Freiherr von Droste zu Hülshoff - Ein Leben für die Ökologie und das Welterbe, Hildesheim, Zürich, New York, 2016, S. 7 ff.
  6. Forst und Holz, Heft 1, 1997
  7. Mariano Freiherr Droste zu Hülshoff: "Memoiren", Archiv Wilderich Freiherr Droste zu Hülshoff
  8. Genealogisches Handbuch des Adels, Band XVII, Seite 94