Heinrichsthaler Milchwerke

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Heinrichsthaler Milchwerke GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 1. Juli 1880
Sitz Radeberg, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Uwe Lammeck (Geschäftsführer)[1]
Mitarbeiterzahl 242[2]
Umsatz 215,4 Mio. Euro[2]
Branche Molkerei
Website www.heinrichsthaler.com
Stand: 30. September 2014

Die Heinrichsthaler Milchwerke sind eine Molkerei in Radeberg, Sachsen. Die 1880 gegründete Meierei im Heinrichsthal stellte 1884 den ersten deutschen Camembert her.[3] Heute ist die Molkerei ein mittelständisches Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz und über 200 Mitarbeitern.

Die an der Großröhrsdorfer Straße 15 liegenden historischen Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz.[4]

Standort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einziger Standort der Molkerei ist seit ihrer Gründung das ehemalige Vorwerk Heinrichsthal. Es liegt in der gleichnamigen Ortslage der Großen Kreisstadt Radeberg im Landkreis Bautzen, etwa zwölf Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums der Landeshauptstadt Dresden. Das Gutsgelände an der Großröhrsdorfer Straße ist durch die Produktionsanlagen nahezu vollständig überbaut. Nur vier Kilometer weiter nordöstlich steht das noch größere Werk der Sachsenmilch AG in Leppersdorf. Bis 1998 unterhielten die Heinrichsthaler Milchwerke eine weitere Produktionsstätte in Burkau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agathe Zeis (links) mit Schülerinnen ihrer Lehrmeierei Heinrichsthal Radeberg um 1885
Altes Produktionsgebäude an der Großröhrsdorfer Straße
Verwaltungsgebäude der Heinrichsthaler Milchwerke

Agathe Zeis, die Frau des Heinrichsthaler Gutsbesitzers Hermann Alexander Zeis,[5] gründete am 1. Juli 1880 die Haushaltungsschule und Lehrmeierei Heinrichsthal. Vier Jahre nach der Gründung erwarb das Unternehmen das Patent für Camembert und Brie und wurde zum ersten Hersteller dieser französischen Weichkäsespezialitäten in Deutschland.[6] Am 26. November 1883 erhielt die Meierei den Titel eines Königlich Sächsischen Hoflieferanten, ein Jahr später belieferte sie auch den Großherzog von Hessen. Im Jahr 1886 verlieh ihr der Deutsche Milchwirtschaftliche Verein seine Goldmedaille.

Nach dem Tod von Agathe Zeis 1887 und dem Konkurs ihres Mannes ein Jahr später übernahmen Heinrich und Louis Prinz die Lehrmeierei und französische Käserei Heinrichsthal und behielten sie bis März 1904 in ihrem Besitz. Als Prokuristen setzten sie Albert Lincke ein. Ab dem 16. Juni 1888 firmierte die Molkerei als „Meierei Heinrichsthal H. E. L. Prinz“, ab Juni 1893 als „Meierei Heinrichsthal Prinz & Lincke“. In jenem Jahr wurde das Unternehmen auch unter seinen neuen Besitzern wieder zum Königlich Sächsischen Hoflieferanten.[7] Deshalb wirbt es heute mit dem Slogan „Königliche Käsespezialitäten“.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts exportiert das Unternehmen seine Erzeugnisse weltweit. Bereits 1904 entwickelte es ein Sterilisationsverfahren, das den Versand von Camembert in tropensicherer Beschaffenheit nach Übersee ermöglichte. Seit dem Ersten Weltkrieg stellte der Betrieb zur Versorgung der deutschen Truppen lang haltbaren Camembert in Weißblechdosen her. Dieses Verfahren setzte sich später in ganz Deutschland durch. In New York richtete die Heinrichsthaler Meierei nach 1910 ein Verkaufsbüro ein.[8] Sie besaß Patente zur Molkeverwertung, zur Produktion von Penizillin auf der Basis von Milchzucker sowie von Diätkäse und zur Herstellung von Heilmitteln aus Molke. Im Jahr 1930, 50 Jahre nach seiner Gründung, hatte das Unternehmen 68 Mitarbeiter und verarbeitete 4,5 Millionen Liter Milch zu Weichkäse.[9] Bis zur Zwangsenteignung am Ende des Zweiten Weltkriegs blieb es in Privatbesitz.

Im Jahr 1945 begann der Wiederaufbau der Molkerei. Zwei Jahre später erfolgte ihre Überführung in die Molkereigenossenschaft Radeberg der VdgB. Der aus einer ostpreußischen Molkereifamilie stammende[10] Milchwirtschaftsingenieur und langjährige Leiter der Großenhainer Molkereigenossenschaft Winrich Lammeck übernahm 1962 die Leitung des Heinrichsthaler Molkereibetriebes. Von 1970 bis 1972 erfolgten auf dem Gelände umfangreiche Um- und Neubauten.[11] Die Radeberger Molkereigenossenschaft war in der DDR der größte Produzent von Weich-, Schnitt- und Hartkäse. Noch bis 1996 hatten die Heinrichsthaler Milchwerke nach eigenen Angaben im Osten Deutschlands einen Marktanteil von rund 40 Prozent.[12]

Nach der Wende geriet der Betrieb zunächst in eine Krise. Im Jahr 1991 stieg die Gebr. März AG aus Rosenheim ein und wandelte die Molkerei 1992 zur Heinrichsthaler Milchwerke GmbH um. Kurz bevor die Gebr. März AG 1995 in finanzielle Schwierigkeiten geriet und schließlich in Konkurs ging, hatte die Radeberger Molkereigenossenschaft ihre Anteile am Unternehmen jedoch zurückgekauft.[13] Die Genossenschaft besteht aus 40 Anteilseignern und ist bis heute alleinige Gesellschafterin des Betriebs. Während der beiden Jahrzehnte nach der Wende investierte die Heinrichsthaler Milchwerke GmbH über 35 Millionen Euro in den Ausbau ihrer Produktionsanlagen. Allein rund zehn Millionen Euro kostete der Neubau eines Logistikzentrums mit neuem Salzbad und Platz für 4000 Käsepaletten[14], das der sächsische Umweltminister Frank Kupfer am 19. Juni 2010 eröffnete.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Käseblöcke in der Produktionsanlage

Die Hauptmarke der Molkerei ist der Heinrichsthaler, ein in zahlreichen Sorten erhältlicher Käse. Etwa 70 Prozent der Gesamtproduktion an Reibe- und Scheibenkäse sind für Großverbraucher wie Cateringfirmen bestimmt, etwa 30 Prozent gehen in den Lebensmittel-Einzelhandel. Dabei beliefern die Heinrichsthaler Milchwerke auch bundesweit Ketten wie Aldi, Rewe, Edeka, Kaufland und Netto mit Käse für deren Handelsmarken. Im Jahr 2004 erhielt der Betrieb das IFS-Gütesiegel für seine Produkte.[15]

Spezialisiert ist die Molkerei auf die Herstellung und Verarbeitung von Hart- und Schnittkäse. Neben Käsescheiben und -portionen bietet sie auch Reibkäse in verschiedenen Abpackgrößen an. Neben den geläufigen Sorten Edamer, Gouda, Tilsiter, Butterkäse, Emmentaler und Maasdamer haben die Heinrichsthaler Milchwerke auch diverse Spezialitäten im Angebot, darunter Bärlauchkäse, Bockshornkleekäse und Elbländer. Außerdem stellt das Unternehmen Radeberger Bierkäse und die „Käsefüße“, Schnittkäse in Fußform für Kinder, her. Seit 2006 produziert es laktosefreien Käse, der für Menschen mit Milchzuckerunverträglichkeit geeignet ist.[16]

Den Weichkäse, für den die Meierei im späten 19. Jahrhundert sowie in der DDR-Zeit bekannt war, produziert die Firma Ebert in Falkenhain bei Leipzig im Lohnauftrag nach Originalrezept.[17] In Heinrichsthal selbst wird er derzeit nicht hergestellt. Um 2012 soll im historischen Firmengebäude eine Schaukäserei entstehen, in der der Camembert wieder produziert wird.[18]

Fakten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über die Dächer des Betriebs
  • Pro Jahr liefern 70 landwirtschaftliche Betriebe aus den Landkreisen Bautzen und Meißen etwa 125 Millionen Kilogramm Milch an die Heinrichsthaler Milchwerke.
  • Für eine Heinrichsthaler-Tagesproduktion müssen etwa 25.000 Kühe gemolken werden.
  • Jährlich produzieren die Heinrichsthaler Milchwerke rund 25.000 Tonnen Käse.[19]
  • Die Anzahl der Mitarbeiter beträgt 200.[19] Im Jahr 1997 waren es 92 Mitarbeiter.[20]
  • Von 2004 bis 2008 verdoppelte sich der Umsatz nahezu von 73 Millionen Euro auf 140 Millionen Euro.[21]
  • Der Exportanteil an der Produktion des Betriebs lag 2010 bei etwa 70 Prozent.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Impressum
  2. a b Bundesanzeiger: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.10.2013 bis zum 30.09.2014
  3. landwirtschaft.sachsen.de (Memento des Originals vom 3. August 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.landwirtschaft.sachsen.de
  4. Bauliche Kulturdenkmale der Kernstadt Radeberg. (PDF; 113 kB) Stadtverwaltung Radeberg, 14. Juni 2007, S. 12, abgerufen am 14. November 2013.
  5. verein-milch-und-kultur.de (Memento des Originals vom 8. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.verein-milch-und-kultur.de
  6. Werner Peters: Heinrichsthaler Käse auch für den König, in : Dresdner Neueste Nachrichten, 25. Mai 2004.
  7. heinrichsthaler.com@1@2Vorlage:Toter Link/www.heinrichsthaler.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. Sven Eichstädt: „Königlicher Camembert“ für ganz Europa, in: Oschatzer Allgemeine Zeitung, 23. März 2000.
  9. Ernst W. Raymund: Wiege des deutschen Camembert und Brie, in: Dresdner Neueste Nachrichten, 23. Juni 2000.
  10. Ernst W. Raymund: Heinrichsthaler erwirtschaften mit Weichkäse harte Euro, in: Dresdner Neueste Nachrichten, 27. September 2004.
  11. Dresdner Heide, Pillnitz, Radeberger Land (= Werte unserer Heimat. Band 27). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1976.
  12. sz-online.de@1@2Vorlage:Toter Link/www.sz-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  13. Friedrich W. Bartel: Wieder Camembert aus Heinrichsthaler Milchwerken, in: Dresdner Neueste Nachrichten, 15. Oktober 1997.
  14. topagrar.com
  15. rbb-beteiligungen.de (Memento des Originals vom 9. Mai 2005 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rbb-beteiligungen.de (PDF; 51 kB)
  16. heinrichsthaler.com@1@2Vorlage:Toter Link/www.heinrichsthaler.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  17. Ernst W. Raymund: Radeberger Käse mundet auch im Ausland, in Dresdner Neueste Nachrichten, 11. August 2005.
  18. sz-online.de
  19. a b Sächsische Zeitung vom 28./29. September 2013.
  20. Hannelore Schuster: Käse aus Radeberg achtfach ausgezeichnet, in: Dresdner Neueste Nachrichten, 14. August 1997.
  21. freiepresse.de (Memento vom 21. Dezember 2010 im Internet Archive)