Heinz Dürr

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Heinz Dürr, 2013
Heinz Dürr, 2012

Heinz Otto Dürr (* 16. Juli 1933 in Stuttgart) ist ein deutscher Unternehmer und Manager. Er ist Großaktionär der Stuttgarter Dürr AG.[1] Von 1980 bis 1990 war er Vorstandsvorsitzender des AEG-Konzerns. Ab 1991 war er Erster Präsident der Deutschen Bundesbahn, ab 1. September 1991 auch Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn.[2] Mit der Zusammenführung und Privatisierung der beiden Bahnen zur Deutschen Bahn AG im Rahmen der Bahnreform wurde er Vorstandsvorsitzender des neuen Unternehmens. Diese Position hatte er bis 1997 inne.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch einer Nationalpolitischen Erziehungsanstalt machte er sein Abitur am Leibniz-Gymnasium in Stuttgart und absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Stahlbauschlosser bei der DUEWAG in Krefeld.[3] Bis 1957 studierte er an der Universität Stuttgart Maschinenbauingenieurwesen. Es folgte die Führung des Familienbetriebs Otto Dürr als allein zeichnungsbevollmächtigter Geschäftsführer bis 1980.[2]

Unternehmerische Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dieser Eigenschaft baute er die Otto Dürr Industrie Anlagen GmbH zur international tätigen Dürr-Gruppe um. Als Verhandlungsführer der Metallarbeitgeber im Tarifbezirk Nordwürttemberg-Nordbaden erlangte er nationale Bekanntheit.

Sanierung von AEG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1979 verzeichnete das Unternehmen AEG-Telefunken AG einen Rekordverlust in Höhe von 968 Millionen DM. Im Januar 1980 berief der Aufsichtsrat den Mittelständler zum Vorstandsvorsitzenden. Am 9. August 1982 meldete Dürr Vergleich an. Er steuerte das Unternehmen dann von 1982 bis 1984 mit Unterstützung von Rechtsanwalt Wilhelm-Andreas Schaaf als Vergleichsverwalter und dem Vorstandsberater Klaus Kuhn durch den Vergleich. Neben zahlreichen (Not-)Firmenverkäufen (ANT, Telefunken, T&N, Signalbau Huber u. a.) und Umstrukturierungen waren die Umsetzung einer neuen Führungsstruktur und die Revitalisierung der Traditionsmarke AEG das Fundament einer wirtschaftlichen Entwicklung. 1985 steuerte er das Unternehmen unter das kapitalstarke Dach der Daimler-Benz AG, die sich vom Automobilbauer zum integrierten Technologiekonzern entwickeln sollte.

Wandlung der Bundesbahn zur Deutschen Bahn AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1991 bis Mitte 1997 war er Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bundesbahn beziehungsweise der Deutschen Bahn AG.[4] Zum 1. September 1991 wurde er zusätzlich Vorstandsvorsitzender der Deutschen Reichsbahn.[5] Im Rahmen der ersten Stufe der Bahnreform wurden zum 1. Januar 1994 in Dürrs Amtszeit Bundes- und Reichsbahn in die Deutsche Bahn AG überführt.

In seiner Amtszeit wurde, 1991, mit Inbetriebnahme des ICE und der Neubaustrecken zwischen Hannover und Würzburg sowie Mannheim und Stuttgart der Hochgeschwindigkeitsverkehr auf der Schiene in Deutschland aufgenommen. Die Einführung der BahnCard 1992 diente sowohl der Kundenbindung wie der Harmonisierung der Tarifsystemen von Bundesbahn und Reichsbahn. Die richtungsweisende Kampagne Unternehmen Zukunft zielte auf die Privatisierung der Behördenbahn, für die mit der Verabschiedung der Bahnreform 1994 der rechtliche Rahmen geschaffen wurde. Dürr initiierte unter anderem die Bahnhof-21-Projekte, zu denen unter anderem Stuttgart 21, Frankfurt 21 und München 21 zählen. Während seiner Amtszeit wurde auch das Schönes-Wochenende-Ticket eingeführt.

Von Juli 1997 bis Februar 1999 war er Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bahn AG. Als Grund für die sofortige Niederlegung dieser Tätigkeit am 24. Februar 1999 wurden unterschiedliche Auffassungen zwischen ihm und der Bundesrepublik Deutschland als Eigentümer der Deutschen Bahn angegeben. Dieter H. Vogel folgte ihm in der Position des Aufsichtsratsvorsitzenden nach.[4]

Ab dem 1. Januar 1996 war er Präsident der Gemeinschaft der Europäischen Bahnen[6].

Rückzug aus dem Aufsichtsrat der Dürr AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie Dürr hält knapp 30 Prozent der Anteile an der Dürr AG. Am 26. April 2013 schied Heinz Dürr nach 24 Jahren als Aufsichtsratsvorsitzender bei dem Unternehmen aus.[1]

Heinz und Heide Dürr Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam mit seiner Frau Heide Dürr rief Heinz Dürr 1998 eine Stiftung ins Leben, zunächst als eine Stiftung GmbH, deren Rechtsnachfolgerin die „Heinz und Heide Dürr Stiftung“ wurde. Die Stiftung verfügt über ein Vermögen von 1,2 Mio. Dürr AG Aktien, aus deren Dividendenerträgen sie ihre Projekte finanziert. Sie fördert Wissenschaft und Forschung, Bildung und Soziales sowie Kunst und Kultur mit dem Schwerpunkt auf das deutschsprachige Theater.[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heinz Dürr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Michael Heller: Interview mit Heinz Dürr: „Die Familie Dürr bleibt Ankeraktionär“. Stuttgarter Zeitung 97/2013 vom 26. April 2013, S. 12.
  2. a b Meldung Heinz Dürr 60 Jahre. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 42, Nr. 7/8, 1993, S. 547
  3. Ingo Zander: Heinz Dürr – früherer Bahnmanager: Aus den Schienen gesprungen. WDR 5-Sendung „Erlebte Geschichten“, 15. Juli 2007 (Dort Link zur Audiodatei).
  4. a b Meldung Personalien, Deutsche Bahn AG: Herr Dr.-Ing. e.h. Heinz Dürr. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 48, Nr. 3, 1999, S. 164.
  5. 10 Jahre Bahnreform. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 3/2004, ISSN 1421-2811, S. 114–116.
  6. Meldung Heinz Dürr für Europas Eisenbahnen. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 11, 1995, ISSN 0174-4917, S. 10.
  7. www.heinzundheideduerrstiftung.de – Website der Heinz-und-Heide-Dürr-Stiftung
  8. Meldung Hohe Auszeichnung für Dr. Heinz Dürr. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 53, Nr. 1/2, 2004, S. 76.