Heinz Dieterich

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Heinz Dieterich

Heinz Dieterich oder Heinz Dieterich Steffan (* 1943 in Rotenburg (Wümme)) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler und Autor mit den Arbeitsschwerpunkten Nationalökonomie, Kritik der politischen Ökonomie und politische Soziologie. Er verfasste das Standardwerk „Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ (1996), welches weltweit bereits in mehreren Auflagen erschienen ist, sowie zwei Bücher mit bzw. über Noam Chomsky. Nach Verlagsangaben ist Dieterich der meistveröffentlichte Autor zeitgenössischer politischer Werke auf Kuba.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Lehre als Großhandelskaufmann im Holz- und Baustoffhandel erlangte er über den zweiten Bildungsweg die Hochschulreife, studierte Soziologie bei Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in Frankfurt am Main und promovierte schließlich in Bremen.[1] Damals wurde er auch mit Joschka Fischer bekannt. Anschließend arbeitete er als Postdoktorand über Programme zum akademischen Austausch an lateinamerikanischen Universitäten. Seit 1977 ist Heinz Dieterich Professor mit einem Lehrstuhl für Soziologie und Methodologie an der Universidad Autónoma Metropolitana (UAM) in Mexiko-Stadt.

Neben Arno Peters gilt Heinz Dieterich als Protagonist der neuen „Bremer Schule“ der Sozialwissenschaftler, die sich für eine Ihrer Ansicht nach "gerecht(er)e" und vor allem ökonomisch begründete, Weltwirtschaftsordnung nach dem sogenannten Äquivalenzgrundsatz engagieren. Heinz Dieterichs Ansatz nimmt darüber hinaus kybernetische Ansätze zur Steuerung gesamtwirtschaftlicher Planungsprozesse zur Begründung eines „Computer-Sozialismus“ (Konrad Zuse) des 21. Jahrhunderts auf.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinz Dieterich hat seit seiner Leitstudie „Produktionsverhältnisse in Lateinamerika“ (Gießen 1977) mehrere Bücher, Forschungsberichte und Essays über lateinamerikanische Entwicklungsprozesse veröffentlicht. Einige seiner Bücher sind auch auf Deutsch erschienen.

In Deutschland wurde zuletzt Heinz Dieterichs Buch „Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie nach dem globalen Kapitalismus“ publiziert. Hier findet sich die Grundthese der nachhaltigen und weltweiten Erschöpfung aller wesentlichen bürgerlichen Institutionen und der Notwendigkeit eines postkapitalistischen Entwicklungswegs.

Seine Thesen um den Sozialismus des 21. Jahrhunderts werden in Venezuela innerhalb der Anhängerschaft des im März 2013 verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez im Zusammenhang mit der bolivarianischen Revolution diskutiert. Dieterich galt zumindest zeitweise als (informeller) Berater des vom venezolanischen Staatspräsidenten Chávez vertretenen „bolivarischen“ Entwicklungsprozesses, wobei Chávez sich insbesondere von Dieterichs Arbeit über Simón Bolívar begeistert gezeigt haben soll. Nachdem Heinz Dieterichs Freund, der ehemalige Verteidigungsminister Raúl Baduel, beim venezolanischen Präsidenten in Ungnade gefallen war, weil er die geplante Verfassungsreform ablehnte, kühlte sich auch das Verhältnis Dieterichs zu Hugo Chávez ab.[1]

Nach der Publikation von 20 Werken in 15 Ländern veröffentlicht Heinz Dieterich mittlerweile auch im Internet, hauptsächlich auf der Website Rebelion.org.

Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Sozialismus des 21. Jahrhunderts

Dieterichs programmatisches Werk zur politischen Situation nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa gilt in Lateinamerika als wegweisendes Standardwerk und wurde von dem verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez begeistert zur Lektüre empfohlen. In Deutschland erschien 2006 die zweite, erweiterte Auflage. Dieterichs Arbeit geht von der Grundthese aus, dass es weder Kapitalismus noch Sozialismus bisher gelungen ist, die drängenden Probleme der Menschheit wie Armut, Hunger, Ausbeutung, Unterdrückung, Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und reale Teilhabe an Demokratie zu lösen. Sein Gegenentwurf als „Neues historisches Projekt“ bzw. als Weiterentwicklung bisheriger repräsentativer Demokratie beschreibt er als „Partizipative Demokratie“ und gibt folgende Merkmale an:

  1. Äquivalenzökonomie
  2. Direkte Demokratie
  3. Rational-ästhetisches Subjekt
  4. Partizipative Institutionalität

Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Neues historisches Projekt“, in: Mit dem Sozialismus rechnen. Berlin: Verlag 8. Mai, 2006, pp. 9-11

Interviews[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Aufbruch in Venezuela“, Interview von Carsten Schiefer mit Heinz Dieterich (Essen: Neue Impulse Verlag, 2006, 27 p. [= Flugschriften 21]).
  • Wir Sozialisten In: DIE ZEIT, Nr. 51/2011, 15. Dezember 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Peter Burghardt: Die Utopie des Carlitos. In: Süddeutsche Zeitung, 10. August 2012, S. 22.