Heinz Dieterich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Heinz Dieterich
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Heinz Dieterich oder Heinz Dieterich Steffan (* 1943 in Rotenburg (Wümme)) ist ein deutscher Soziologe und Autor mit den Arbeitsschwerpunkten Nationalökonomie, Kritik der politischen Ökonomie und politische Soziologie. Er verfasste „Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ (1996) sowie zwei Bücher mit bzw. über Noam Chomsky.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Lehre als Großhandelskaufmann im Holz- und Baustoffhandel erlangte er über den zweiten Bildungsweg die Hochschulreife, studierte Soziologie bei Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in Frankfurt am Main und promovierte schließlich in Bremen.[1] Damals wurde er auch mit Joschka Fischer bekannt. Anschließend arbeitete er als Postdoktorand über Programme zum akademischen Austausch an lateinamerikanischen Universitäten. Seit 1977 ist Heinz Dieterich Professor mit einem Lehrstuhl für Soziologie und Methodologie an der Universidad Autónoma Metropolitana (UAM) in Mexiko-Stadt.

Neben Arno Peters gilt Heinz Dieterich als Protagonist der neuen „Bremer Schule“ der Sozialwissenschaftler, die sich für eine Ihrer Ansicht nach „gerecht(er)e“ und vor allem ökonomisch begründete, Weltwirtschaftsordnung nach dem sogenannten Äquivalenzgrundsatz engagieren. Heinz Dieterichs Ansatz nimmt darüber hinaus kybernetische Ansätze zur Steuerung gesamtwirtschaftlicher Planungsprozesse zur Begründung eines „Computer-Sozialismus“ (Konrad Zuse) des 21. Jahrhunderts auf.

Heinz Dieterich hat seit seiner Leitstudie „Produktionsverhältnisse in Lateinamerika“ (Gießen 1977) mehrere Bücher, Forschungsberichte und Essays über lateinamerikanische Entwicklungsprozesse veröffentlicht. Einige seiner Bücher sind auch auf Deutsch erschienen.

Sozialismus des 21. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Dieterichs Buch „Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie nach dem globalen Kapitalismus“ findet sich die Grundthese der nachhaltigen und weltweiten Erschöpfung aller wesentlichen bürgerlichen Institutionen und der Notwendigkeit eines postkapitalistischen Entwicklungswegs.

Seine Thesen um den Sozialismus des 21. Jahrhunderts werden in Venezuela innerhalb der Anhängerschaft des im März 2013 verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez im Zusammenhang mit der bolivarianischen Revolution diskutiert. Dieterich galt zumindest zeitweise als (informeller) Berater des vom venezolanischen Staatspräsidenten Chávez vertretenen „bolivarischen“ Entwicklungsprozesses. Nachdem Heinz Dieterichs Freund, der ehemalige Verteidigungsminister Raúl Baduel, beim venezolanischen Präsidenten in Ungnade gefallen war, weil er die geplante Verfassungsreform ablehnte, kühlte sich auch das Verhältnis Dieterichs zu Hugo Chávez ab.[1]

Nach der Publikation von 20 Büchern in 15 Ländern veröffentlicht Heinz Dieterich auch im Internet, hauptsächlich auf der Website rebelion.org. Nach Verlagsangaben ist Dieterich der meistveröffentlichte Autor zeitgenössischer politischer Werke auf Kuba.

Dieterichs programmatisches Werk zur politischen Situation nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa gilt in Lateinamerika als wegweisendes Standardwerk und wurde von dem verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez begeistert zur Lektüre empfohlen. In Deutschland erschien 2006 die zweite, erweiterte Auflage. Dieterichs Arbeit geht von der Grundthese aus, dass es weder Kapitalismus noch Sozialismus bisher gelungen ist, die drängenden Probleme der Menschheit wie Armut, Hunger, Ausbeutung, Unterdrückung, Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und reale Teilhabe an Demokratie zu lösen. Sein Gegenentwurf als „Neues historisches Projekt“ bzw. als Weiterentwicklung bisheriger repräsentativer Demokratie beschreibt er als „Partizipative Demokratie“ und gibt folgende Merkmale an:

  1. Äquivalenzökonomie
  2. Direkte Demokratie
  3. Rational-ästhetisches Subjekt
  4. Partizipative Institutionalität

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie nach dem globalen Kapitalismus.“ Kai Homilius Verlag, 2006. ISBN 3-89706-652-1 (Einleitung)
  • „Kuba - nach Fidel. Kann die Revolution überleben?“ Kai Homilius Verlag, 2006
  • „Neues historisches Projekt“, in: Mit dem Sozialismus rechnen. Berlin: Verlag 8. Mai, 2006, pp. 9-11

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Peter Burghardt: Die Utopie des Carlitos. In: Süddeutsche Zeitung, 10. August 2012, S. 22.