Heinz Fähnrich

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Heinz Fähnrich (* 10. Januar 1941 in Hammer, Sudetengau) ist ein deutscher Kaukasiologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fähnrich wurde am 10. Januar 1941 in Hammer bei Brüx im damaligen Sudetengau geboren.[1] 1959 schloss er die Schulausbildung mit dem Abitur ab.

Bereits in seiner Jugend interessierte er sich für Altertumswissenschaften und wünschte sich, einmal nach Ägypten zu reisen. Nachdem er 1960 ein Studium der Archäologie in Jena aufgenommen hatte, weckten vor allem die Vorlesungen von Gertrud Pätsch sein Interesse. Angeregt durch sie studierte er zunächst Indonesisch und dann die georgische Sprache. 1965 schloss er sein Studium ab.

Ab 1965 war Fähnrich wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Jena und wurde 1969 dort promoviert. Ein Partnerschaftsvertrag zwischen der Jenaer Universität und der Staatlichen Universität Tiflis ermöglichte ihm, nach Georgien zu reisen. Dort verteidigte er 1970 seine Habilitationsschrift auf georgisch und wurde 1971 in Tiflis habilitiert. Ab 1986 hatte er an der Universität Jena den deutschlandweit einzigen Lehrstuhl für Kaukasiologie inne. Seine Forschungsgebiete sind historisch-vergleichende Sprachwissenschaft und Kaukasiologie.

Seine Arbeit wurde mit dem Akaki-Schanidse-Preis (1992), der Iwane-Dshawachischwili-Medaille, dem Marie-Brosset-Preis des Zentrums für Kartwelologische Studien und dem georgischen Ehrenorden (2002) gewürdigt. Seit 1996 ist Fähnrich Mitglied der Georgischen Akademie der Wissenschaften.

2006 wurde er emeritiert.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fähnrich hat zahlreiche Bücher zur Geschichte, Sprache und Literatur Georgiens veröffentlicht, darunter "Kurze Grammatik der georgischen Sprache" (1986, 1987, 1993), "Georgische Literatur" (1993), "Geschichte Georgiens von den Anfängen bis zur Mongolenherrschaft" (1993), "Grammatik der altgeorgischen Sprache" (1994) und gemeinsam mit Surab Sardshweladse "Altgeorgisch-deutsches Wörterbuch" (1999).

Zudem hat er sich als Übersetzer georgischer Literatur hervorgetan, u. a. von "Der Mond von Mtazminda" (Galaktion Tabidse), "Die Weisheit der Lüge" (Sulchan-Saba Orbeliani) "Lascharela" sowie "Die lange Nacht" (Grigol Abaschidse), Märchen, Sagen und Lyrik.

Seit 1978 erscheint jährlich die zuerst in Jena, dann in Konstanz und gegenwärtig in Aachen verlegte wissenschaftliche Zeitschrift "Georgica: Zeitschrift für Kultur, Sprache und Geschichte Georgiens und Kaukasiens", deren Chefredakteur er ist.

Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen in der Wissenschaftlichen Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Universität Jena (WZ-FSU-GSR) 1965–1990

  • Die Funktionen des Charaktervokals i im georgischen Verb; 14(1965)1, 153–157.
  • Zum 800. Geburtstag des georgischen Dichters Schota Rustaweli; 16(1967)1, 29–33.
  • Die Behandlung der georgischen Lexik zur Vorbereitung einer automatischen Verarbeitung von Informationen; 16(1967)5, 631–635.
  • 50 Jahre Kaukasiologie an der Staatlichen Universität in Tbilisi; 17(1968)4, 503–506.
  • Zur Polysemie des georgischen „tu“; 18(1969)6, 7–9.
  • Kritik an der deutschen Fassung von Nodar Dumbadses Roman „Ich sehe die Sonne“; 19(1970)5, 747–756.
  • Parallelen im Pronominalaufbau von Kartwelsprachen und Daghestansprachen; 19(1970)5, 757–761.
  • Kriterien zum Nachweis genetischer Sprachverwandtschaft; 20(1971)5, 99–136.
  • Aus der Lexik der Kartwelsprachen; 20(1971)5, 137–139.
  • Regelmäßige Phonementsprechungen in den abchasisch-adygischen Sprachen und einige Bemerkungen zum kartwelischen Wortschatz; 21(1972)5/6, 651–661.
  • Die Leninsche Sprachen- und Nationalitätenpolitik in der Sozialistischen Sowjetrepublik Georgien; 21(1972)5/6, 663–668.
  • Sprachliche Veränderungen und ihr Erkennen; 21(1972)5/6, 669–673.
  • Die historisch-vergleichende Sprachwissenschaft und die iberokaukasische Hypothese; 22(1973)3, 401–407.
  • Fähnrich, Heinz/Meinhold, Gottfried: Phonemstatistischer Vergleich zwischen Georgisch, Awarisch und Tabasaranisch; 22(1973)3, 409–417.
  • Wesenszüge des georgischen Sprachbaus; 24(1975)5/6, 617–626.
  • Fähnrich, Heinz/Meinhold, Gottfried: Phonemstatistischer Vergleich zwischen Achwachisch und Andisch; 24(1975)5/6, 663–669.
  • Die georgische Literatur und wir; 26(1977)1, 17–20.
  • Gedanken zu Micheil Dshawachischwilis künstlerischer Sprache; 26(1977)1, 105–108.
  • Entlehnung morphologischer Mittel im Mingrelischen; 34(1985)1, 121–124.
  • Zu den nachisch-daghestanischen Lehnwörtern im Swanischen; 37(1988)2, 117–121.
  • Kartwetische Wurzelmorpheme des Typs CVC mit liquidem Anlaut; 39(1990)6, 545–546.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Eckardt: Kaukasiologische Beiträge in der "Wissenschaftlichen Zeitschrift" der Friedrich-Schiller-Universität Jena 1965-1990; Amirani 7(2006)14/15, 141–146.
  • Michael Eckardt: Gesamtbibliographie der "Wissenschaftlichen Zeitschrift" der Friedrich-Schiller Universität Jena (GS-Reihe) 1951–1990. Jena 2006: RLS-Thüringen, 256 S., ISBN 3-935850-39-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz Fähnrich: Die Kartwelier: Grundsprache Kultur Lebensraum. Reichert, L, ISBN 978-3-95490-192-0 (amazon.de [abgerufen am 26. Januar 2017]).