Heinz G. Konsalik

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Heinz G. Konsalik, eigentlich Heinz Günther (* 28. Mai 1921 in Köln; † 2. Oktober 1999 in Salzburg), war einer der kommerziell erfolgreichsten deutschen Schriftsteller. Seine Werke veröffentlichte er unter mehreren Pseudonymen; „Konsalik“ war der Geburtsname seiner Mutter. Weitere Pseudonyme von Konsalik waren Benno von Marroth und Jens Bekker.

Leben[Bearbeiten]

Grab von Heinz G. Konsalik auf dem Melaten-Friedhof in Köln

Heinz Günther entstammte nach eigenen unbestätigten Aussagen einem alten sächsischen Adelsgeschlecht (Freiherren von Günther, Ritter zu Augustusberg), das seinen Titel in der wilhelminischen Zeit ablegte. Sein Vater war Versicherungsdirektor. Bereits mit zehn Jahren schrieb Günther einen ersten Wildwestroman.

Leben und Wirken im Dritten Reich[Bearbeiten]

Mit 16 verfasste Günther Feuilletons für die Kölner Zeitungen. 1938 veröffentlichte er sein „erstes brauchbares“ Gedicht.[1] Am 31. August 1939 stellte er als Obersekundaner die heroische Tragödie Der Geuse fertig. Danach trat er der Hitlerjugend, Gebiet 11 Mittelrhein,[1] bei. Im Dezember 1939 nahm er eine Tätigkeit bei der Gestapo[2][1] auf. Sein nächstes Drama war Gutenberg, das er im März 1940 beenden konnte. Im gleichen Jahr bemühte sich Günther um Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer, um bei der „Erzeugung von Kulturgut“[1] mitzuwirken, was zunächst abgelehnt wurde.

Nach dem Abitur am Humboldt-Gymnasium Köln studierte er zunächst Medizin, später wechselte er zu Theaterwissenschaften, Literaturgeschichte und Germanistik. Im Zweiten Weltkrieg wurde er Kriegsberichterstatter in Frankreich und kam als Soldat später an die Ostfront, wo er in der Sowjetunion schwer verwundet wurde (Armverletzung bei Smolensk).[3]

Erfolg als Schriftsteller nach dem Krieg[Bearbeiten]

Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg zog er zu seiner Mutter, die von Köln nach Attendorn im Sauerland evakuiert war, und arbeitete zunächst als Verlagslektor, dann als Redakteur und schließlich als stellvertretender Chefredakteur der Lustigen Illustrierten sowie als Dramaturg. Seinen ersten Roman Liebesspiel mit Jubilalar (1948; später in Der Gentleman umbenannt) veröffentlichte er noch als „Heinz Günther Konsalik“, bevor er seinen Familiennamen abkürzte.

Konsalik lebte zunächst weiterhin in Attendorn; seine Ehefrau Elsbeth,[4] mit der er die Töchter Almut (1951) und Dagmar (1955) hatte, war dort Lehrerin. Später zog er mit seiner Familie nach Aegidienberg, einem Stadtteil von Bad Honnef, im Volksmund auch „Konsalik-Hügel“[3] genannt. Zu seinen Besitztümern gehörten drei Bungalows mit Rosengarten, Schwimm- und Grillhalle sowie Pferdeställe, die von seinen beiden Töchtern genutzt wurden.[3] Konsalik war Musikliebhaber, hörte gerne Wagner und Tschaikowski und besuchte regelmäßig die Wagner-Festspiele in Bayreuth.[3]

Seit 1951 war Konsalik freier Schriftsteller und gehörte spätestens nach dem Erscheinen von Der Arzt von Stalingrad (1956) zu den erfolgreichsten Autoren der Unterhaltungsliteratur. Der Roman verwendet Textpassagen wie „Glauben Sie, Herr Oberarzt‘, fragte ich leise und erschrocken, ‚dass der Appendix durchgebrochen ist?“ oder „Wie gut ist die Nacht. Wie still, wie sanft, wie willig die Gedanken eines schmutzigen deutschen Kriegsgefangenen. Ich glaube, daß Gott auch über Russland blickt“, die schon früh den typischen pathetischen Schreibstil Konsaliks ausmachten.[3] Wegen des Romans Der Arzt von Stalingrad durfte Konsalik erst 1987 in die UdSSR einreisen.[5]

An dem Geschäft mit Konsalik-Romanen waren mehrere Verlage beteiligt: sein eigener Hestia-Verlag in Bayreuth, der Bertelsmann-Verlag in München, der Heyne Verlag bei Taschenbuchausgaben, des Weiteren der Goldmann Verlag, Lichtenberg, Lübbe und Schneekluth.[3] In Südafrika wurde Konsalik der populärste deutsche Autor.[3] Die Zielgruppe seiner publikumsfreundlichen Romane umfasste alle soziale Schichten, von der Putzfrau bis zum Akademiker.[3] Vorabdrucke erschienen regelmäßig in Zeitschriften wie Quick, der Bunten und der Neuen.[3]

1984 veröffentlichte Konsalik mit Die strahlenden Hände seinen hundertsten Roman. Sein eigener Verlag Hestia dokumentierte den Erfolg wie folgt: „Jede 10. Sekunde – ob am Tag oder in der Nacht – erwirbt irgendwo auf der Welt jemand ein Konsalik-Buch. Jährlich werden rund um den Erdball mindestens 3,2 Millionen Konsalik-Romane verkauft.“[6]

Einige Romane Konsaliks wurden auch verfilmt, darunter Der Arzt von Stalingrad (1958, mit Mario Adorf und Michael Ande), Strafbataillon 999 (1959) oder Liebesnächte in der Taiga (1967). Die Auflage von Der Arzt von Stalingrad erhöhte sich nach der Verfilmung von 8000 auf 80.000 Exemplare. Strafbataillon 999 wurde noch 1985 im westdeutschen Fernsehen gezeigt;[7] das zugrunde liegende Buch, das die Erlebnisse von Todeskandidaten zeigt und 29 Auflagen erreichte, wurde vom Verlag als „hart“ und „realistisch“ angepriesen. Die Textpassage „Diese Menschen haben keine Vergangenheit mehr. Sie sind Schützen in einem Strafbataillon. Schützen ohne Gewehre. Die Ehre, Waffen zu tragen, haben sie sich verscherzt. Es bleibt ihnen nur noch die Ehre, sterben zu dürfen“ zeigt dies auf.[7] 1985 wurde Liebe läßt alle Blumen blühen verfilmt. Der Film wurde wegen seiner dilettantischen Machart nach der Ausstrahlung mit heftiger Kritik belegt. So berichtet das Magazin Der Spiegel, das Drehteam sei dabei von der Devise „Wer Konsalik liest, glaubt alles“ ausgegangen.[8]

Im Alter von 75 Jahren wurde Konsalik von seinem Anlageberater betrogen und verlor ein Vermögen von 9 Millionen DM in bar inklusive sämtlicher Rechte an seinen Büchern. Der Autor erholte sich davon jedoch wieder durch die Einnahmen seiner neuen Werke.[9]

Die letzten sieben Jahre lebte Konsalik von seiner Ehefrau Elsbeth getrennt in Salzburg mit der 44 Jahre jüngeren Chinesin Ke Gao zusammen. Es wird vermutet, dass er in den letzten Jahren nicht mehr selbst schrieb, sondern Ghostwriter einen Teil der Recherche erledigten oder die Projekte in Anbetracht der zeitlich eng gesetzten Abgabetermine der Verlage selbst übernahmen. Dies wurde von Konsaliks Tochter Dagmar Stecher-Konsalik dementiert und als „Bearbeitung, Zuarbeitung und Ausarbeitung“ relativiert.[10]

Ein befreundeter Autor, Peter Heim,[11] der auf Mallorca lebte, soll einen Teil dieser Aufgaben übernommen haben. Heim und Konsalik hatten in den 1960er Jahren für die Illustrierte Quick zusammen Serien geschrieben. Das Werk Im Auftrag des Tigers (1996), das als 150. Konsalik-Buch vermarktet wurde und das für Konsalik sehr typische Textstellen wie „Ihr anfänglicher Widerstand wandelte sich in Ergebung und Demut, als er durch die enge Jade-Pforte eindrang in ihre Rosengrotte. Da war kein Schrei mehr. Da war nur noch ein unhörbares Schluchzen ...“ enthält, war tatsächlich von Peter Heim verfasst.[10]

Als Konsalik im Alter von 78 Jahren an einem Schlaganfall verstarb, hatte er mit seinem Lebenswerk von 155 Romanen, die in 43 Schaffensjahren entstanden und von „Kriegsalltag, Gewalt, Sex und anderen Trivialitäten“ handeln, eine Weltauflage von 83 Millionen erreicht.[12] Einen Monat nach seinem Tod meldete die Hamburger Morgenpost, dass Konsalik bereits 45 neue Titel in Bearbeitung gehabt habe, die in seinem Nachlass entdeckt worden seien. Sein Agent Reinhold Stecher relativierte den Fund, indem er angab, dass es sich nur um zwei unvollendete Manuskripte und diverse stichwortartige Ideensammlungen handele.[13]

Belletristisches Schaffen[Bearbeiten]

Konsaliks Werk besteht fast ausschließlich aus Romanen im Umkreis der Genres des Liebesromans und Arztromans.

In vielen seiner Romane befasst er sich mit den von deutschen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs in der Sowjetunion begangenen Kriegsverbrechen sowie den Verbrechen alliierter Soldaten in Deutschland. Hauptthema vieler seiner Bücher war die Sinnlosigkeit des Krieges. Seine Zugehörigkeit zur Gestapo während des Dritten Reiches und die immer wieder gestellte Frage, ob Konsalik seine Romane wirklich selbst verfasste oder ob er einen oder mehrere Ghostwriter heimlich für sich arbeiten ließ, beschäftigte die Öffentlichkeit erst nach seinem Tod; seine Fans und Leser interessieren solche Fragen kaum.

Über seine zur Trivialliteratur zählenden Werke, die von einigen Kritikern als „Herz-Schmerz-Schmalz mit teutonischer Landser-Rhetorik“ bezeichnet wurden,[14] sagte er selbst: „Ich schreibe nur für meine Leser, ich bin Volksschriftsteller“. In Spanien wurde sein Roman Gefährliches Paradies mit dem Slogan „Während Ihre Waschmaschine wäscht, lassen Sie sich von Konsalik ins Paradies entführen“ beworben.

Arbeitsweise und Schreibstil[Bearbeiten]

In einem Interview aus dem Jahr 1982 behauptete Konsalik, dass er außer seiner Schreibarbeit keine weiteren Hobbys habe und sich in der Zurückgezogenheit seines Hauses in Attendorn ausschließlich seinem Werk widme, so dass er jährlich auf zwei bis vier fertige Romane komme.[15] Um das Alltagsleben, das Schreiben von Autogrammen und die Leserpost kümmerte sich seine Ehefrau Elsbeth, die als Teil des „Schreibunternehmens Konsalik“ fungierte.

Konsalik schrieb seine Werke auf seiner Schreibmaschine, die er „Monika“ nannte.[16] Er arbeitete überwiegend in seinem Arbeitszimmer, abgeschirmt vom Telefon oder anderen Störungen. Das Exposé umfasste häufig nur eine Seite mit einem rohen Inhaltsaufriss; der Rest entstand während des Schreibens. Konsalik schrieb die Szenen so auf, wie sie vor seinem geistigen Auge entstanden; die Phase des „Schreibflusses“ beschrieb er als eine Art „Trance“. So ergaben sich seiner Meinung nach aus dem Dialog der Figuren heraus neue Handlungsstränge, die so vorher noch nicht eingeplant waren. Seine Figuren würden sich nach einiger Zeit „verselbstständigen“ und ein Eigenleben entwickeln. Am Schluss des Buches liefen dann wieder alle Handlungsstränge zusammen.[5] Der Autor gab an, keinerlei Änderungen, Streichungen etc. an seinen Manuskripten vorzunehmen; seine Frau liefere stets die Rohfassungen an den Verleger ab.

Da Konsalik häufig mangelnde Recherche vorgeworfen wurde, achtete er später in einigen seiner Werke verstärkt auf den Wirklichkeitsgehalt und die Stimmigkeit der sachlichen Hintergründe seiner Erzählungen. Die Stationen aus dem Buch Transsibirien Express wurden beispielsweise vom Reiseschriftsteller Hans-Otto Meissner nachbereist und auf Realitätstreue geprüft.[5]

Als Grundlage für den Erfolg als Schriftsteller nannte Konsalik seine Selbstdisziplin, die ihm sein Vater beigebracht habe. Zu seinen Lebensmottos gehörte der Ausspruch: „Nichts ist so hart, dass man es nicht ertragen könnte.“ Abgabetermine, die ihm von den Verlagen verbindlich vorgegeben wurden, hielt Konsalik mit großer Termintreue ein.

Die Themen, die in seinen Erzählungen behandelt werden, stammten überwiegend aus dem selbst erlebten Kriegsalltag an der Ostfront: Essen, Alkohol und Sex.[15] Konsalik beschrieb Männer von „saumäßigem Charme“, die auf gut Deutsch „den Arsch zusammenkneifen“ und sich schnüffelnd erinnern, wenn es „gegen den Wind stinkt wie eine Kompanie voller Schweißfüße“.[3] Bereits als Kriegsberichterstatter war er mit seinem Artikel Hinter den Fronten stehen die Herzen, anstatt vom Vormarsch der Wehrmacht zu berichten, auf die psychologische Seite der Kriegführung eingegangen.[15]

Ein bevorzugtes Motiv Konsaliks war auch die Weite Russlands, die er in den Romanen Himmel über Kasakstan, Ninotschka, Natascha, Die Verdammten der Taiga, Liebesnächten in der Taiga, Liebe in St. Petersburg, Liebe am Don, Kosakenliebe und Die Tochter des Teufels behandelte, wobei letzterer von der Tochter Rasputins erzählt.[3]

Ja, aber ich liebe die Russen. Sie werden es nicht glauben, jedes dieser Bücher ist eine Liebeserklärung an Rußland. Der russische Mensch ist seinem Wesen nach grausam. Ein Boris Godunow oder ein Iwan der Schreckliche wären im westlichen Kulturkreis gar nicht möglich gewesen. Der Russe ist geprägt durch die Landschaft, das weite asiatische Land. Die asiatische Grausamkeit ist ein Begriff. Der Asiate ist im Erfinden von Grausamkeiten unschlagbar. Wer wäre denn bei uns auf die Idee gekommen, einem Gefangenen Bambusstäbchen in die Finger zu treiben und anzuzünden als Foltermaßnahme? Gut, in den deutschen Konzentrationslagern gab es auch wunderbare Foltermethoden. Aber das war noch harmlos. Als der Russe in Ostpreußen einmarschierte, hat er die Pastoren an den Türen ihrer Kirchen lebendig festgenagelt. Der russische Mensch ist von der Mentalität her ein gespaltenes Wesen, einerseits der Weiche, Sentimentale, andererseits der Unbeherrschte, Brutale. Das macht auch seine Vitalität aus. Der Westen ist in höchstem Maße degeneriert und verfault. Der Russe ist eine so unbändige Kraft, der rechnet über Generationen. Der braucht nur zu warten, bis sich der Westen von selbst zerstört.“

Heinz G. Konsalik über seine Beziehung zu Russland[15]

Es gab eine Situation, als ich verwundet wurde, in der ich vollkommen allein war und nicht wußte, bleibt dieses Nichts oder kommt noch jemand. Ich hatte noch Glück gehabt. Der Schuß hatte nur meinen Arm zertrümmert. Hätte ich eine andere Bewegung gemacht, wäre er direkt ins Herz gegangen. Ich bin dann auf einem Schlitten von der Front zum Gefechtsstand geschoben worden. Da lag ich nun, blutverschmiert, auf diesem Schlitten, eingewickelt in Decken. Man hatte mich einfach da abgestellt, aber der Krieg ging weiter. Ich lag da, konnte mich nicht bewegen und wußte nicht, bleibt das so? Krepierst du jetzt? Dann kam eine gewisse Gleichgültigkeit. Man wird irgendwie wurstig. Ich habe die Augen zugemacht und gedacht, was soll's, schreien hilft nichts, wegkriechen kannst du nicht. Wohin mitten in Rußland? Was willst du machen? Entweder sie holen dich, dann bist du gerettet, oder du stirbst hier. Sie haben mich dann geholt und zum Verbandsplatz gebracht. Von da an war alles wieder wie vorher. Ich lebte.“

Heinz G. Konsalik über seine Verwundung an der Ostfront[15]

Die Tatsache, nicht Arzt geworden zu sein, wurde für Konsalik ein Trauma, das sich ebenfalls durch sein literarisches Werk zieht, wie z. B. an Titeln wie Privatklinik, Diagnose Krebs, Das geschenkte Gesicht oder Engel der Vergessenen zu erkenenn ist.[3]

Konsalik bevorzugte eine volksnahe und allgemeinverständliche Sprache und schuf Figuren, in die sich der Leser schnell hineindenken kann. In Leserbriefen las er häufig den Satz: „Ich hätte genauso gehandelt und genauso gesprochen.“ In seinem Roman Frauenbataillon finden sich derbe Formulierungen wie etwa, dass „russische Scharfschützinnen deutsche Soldaten abknipsen“, „todbringende Jägerinnen“ und zugleich „geile Amazonen“ mit „Mandelaugen“ und „kleinen harten Brüsten“.[5]

Zur Intention seines Schreibens gab Konsalik an, sein Ziel sei es, den Leser zu unterhalten und ihn mit Liebesromanen wie Wer stirbt schon gern unter Palmen? in eine exotische Wunschwelt zu entführen oder ihn mit Kriegsromanen Abenteuer erleben zu lassen.[15] Sein schriftstellerisches Werk sei eine Möglichkeit für den Leser, dem Alltag zu entfliehen. Die Menschen seien an dem Schicksal von Personen interessiert, die eine höhere soziale Stellung einnähmen als sie selbst. „Ich will nicht wissen, wie die Putzfrau, sondern wie der Chefredakteur lebt.“[5] Die weltgewandten und liebeserfahrenen Protagonisten seiner Erzählungen entsprechen häufig dem idealisierten Typus eines Menschen.[5]

Rezeption[Bearbeiten]

In einer Umfrage über den bekanntesten deutschen Schriftsteller der 1990er Jahre gelangte Konsalik, von 70 % der Befragten gewählt, nach Günter Grass und Johannes Mario Simmel auf Platz 3.[17]

Der Berliner Literaturwissenschaftler Matthias Harder wies in Konsaliks Schaffen und Gedankenwelt zahlreiche nationalsozialistische Tendenzen nach. So habe er gegen das „semitisch-marxistische Theater“ der Weimarer Republik protestiert, das „Weltbild des germanischen Blutes“ vom bösen „jüdischen Willen“ bedroht gesehen und 1940 ein pathetisches Theaterstück über die Hitlerjugend verfasst.[18] Der in Köln ansässige Autor Wolfgang Bittner warf Konsalik „faschistoide Tendenzen“ vor.[14] Kritiker wie Lew Kopelew hielten Konsalik für ein Symbol des Revanchismus in Westdeutschland, der Germanist Karl Otto Conrady hielt ihn für einen „neofaschistischen Propagandisten des Kalten Krieges“.[1] Die Fachgruppe Buchhandel der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) verlieh Konsalik auf der Frankfurter Buchmesse 1981 den „Kriegspreis“, da er in seinen Romanen Frauenbataillon und Sie waren zehn den Krieg verherrlicht habe.[19]

Konsalik äußerte sich wiederholt negativ gegen die deutsche Presselandschaft: „Einen Brückenkopf in Russland zu halten, ist einfacher, als der Infamie eines deutschen Magazins zu widerstehen.“[6]

Werke[Bearbeiten]

Romane (Auswahl)[Bearbeiten]

Die ersten 15 Romane
  • Liebesspiel mit Jubilalar. Roman einer frühlingsbunten Liebe. Renaissance Verlag, Düsseldorf 1948.
    • neu herausgegeben als: Der Gentleman. München 1981.
  • Der Träumer. 1949.
  • Ein Mann ohne Namen. Ein abenteuerlicher Kriminalroman. Lehning, Hannover 1951.
  • Molly fährt nach USA. (= Zweigroschen-Roman. 16). Rhenania, Koblenz 1952.
  • Inge und der Doppelgänger. (unter dem Pseudonym „Benno von Marroth“ veröffentlicht). (= Zweigroschen-Roman. 19). Rhenania, Koblenz 1952.
  • Warum hast du das getan, Manon? Sittenroman. Drewes, Tauberbischofsheim 1952.
  • Der Mann, der sein Leben vergaß. Roman eines seltsamen Abenteuers. Drewes, Tauberbischofsheim 1952.
  • Tänzerinnen für Algier. 1952.
    • neu herausgegeben als: Die Straße ohne Ende. Roman eines algerischen Abenteuers. Zimmermann, Balve 1956.
  • Wir sind nur Menschen. Drewes, Regensburg 1953.
  • Morgen ist auch noch ein Tag. Roman eines großen Schicksals. Royal, Regensburg 1953.
  • Die Sterne sollen weiterleuchten. Ein Roman eines Schicksals zwischen uns. Royal, Regensburg 1954.
  • Schwarzfahrt aus Liebe. Frauen-Roman. Hönne, Balve 1954.
  • Ich suche Dr. Klaring. Frauen-Roman. Hönne, Balve 1954.
  • Die verliebten Abenteuer des Mr. Flip. Frauen-Roman. Hönne, Balve 1954.
  • Viele Mütter heißen Anita. Roman eines wundersamen Lebens. Zimmermann, Balve 1956.
Später verfilmte Romane
  • Der Arzt von Stalingrad. Kindler, München 1956.
  • Strafbataillon 999. Kindler, München 1959.
  • Dr. med. Erika Werner. Lingen, Köln 1962.
  • Entmündigt. Lichtenberg, München 1963 – verfilmt 1974 unter dem Titel: …und die Nacht kennt kein Erbarmen
  • Liebesnächte in der Taiga. Lichtenberg, München 1966.
  • Das Schloß der blauen Vögel. Lichtenberg, München 1968.
  • Ein toter Taucher nimmt kein Gold. Heyne (Heyne-Bücher 5053), München 1973.
  • Der schwarze Mandarin. Hestia, Rastatt 1994.
  • Eine Sünde zuviel (unter dem Pseudonym „Jens Bekker“ veröffentlicht). Lingen, Köln 1970.
  • Mayday... Mayday... Eastern Wings 610. Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1995, ISBN 3-404-12330-1; Edition Nova, Rudersberg 2011, ISBN 978-3-86190-050-4.

Dramen, Drehbücher[Bearbeiten]

  • Duell um einen Mann. Komödie in drei Akten, 1943.
  • Das Florentiner Ei. 1946.
  • Der Alchemist. 1948.
  • Der Geheimnisträger. Film-Drehbuch 1975.

Siehe auch Liste der Werke Heinz G. Konsaliks

Roman-Verfilmungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Puknus, Reinhold G. Steener (Redaktion): Heinz G. Konsalik. Leben und Werk eines Bestseller-Autors. (= Allgemeine Reihe 5848). 5. aktualisierte Auflage. Heyne, München 1991, ISBN 3-453-01353-0.
  • Alexander U. Martens: Heinz G. Konsalik. Portrait eines Bestseller-Autors. (= Allgemeine Reihe 8218). Heyne, München 1991, ISBN 3-453-04829-6.
  • Matthias Harder: Erfahrung Krieg. Zur Darstellung des Zweiten Weltkrieges in den Romanen von Heinz G. Konsalik. Mit einer Bibliographie der deutschsprachigen Veröffentlichungen des Autors (1953–1996). (= Epistemata, Reihe Literaturwissenschaft 232). Königshausen & Neumann, Würzburg 1999, ISBN 3-8260-1565-7.
  • Wlodzimierz Bialik: Die gewöhnliche Trivialität. Zu Sekundär-Botschaften und zur Ideologie der En-passant-Aussagen in Heinz Günther Konsaliks später Romanproduktion. (= Posener Beiträge zur Germanistik 5). Lang, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-631-53649-6.

Weiteres[Bearbeiten]

Die Figur des schriftstellernden ehemaligen SS-Offiziers „Heinz“ in dem Erfolgsroman Populärmusik aus Vittula (2000, deutsch 2002) des schwedischen Autors Mikael Niemi greift in vielen Details auf Konsalik als reales Vorbild zurück.[20]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Gestapomann Konsalik, von Otto Koehler, ZEIT-Online, Kultur, 2. August 1996
  2. Matthias Harder: Erfahrung Krieg: Zur Darstellung des Zweiten Weltkrieges in den Romanen von Heinz G. Konsalik. Königshausen & Neumann, S. 41.
  3. a b c d e f g h i j k l Urwaldgöttin darf nicht weinen, SPIEGEL-Redakteur Gunar Ortlepp über den Erfolgsautor Heinz G. Konsalik, DER SPIEGEL 50/1976
  4. Elsbeth Günther-Konsalik verstarb am 2. Februar 2007 und wurde in Aegidienberg beigesetzt
  5. a b c d e f Heinz G. Konsalik, DER SPIEGEL 1/1991
  6. a b Bücher: Ins Ordinäre. Heinz G. Konsalik, Weltauflage 65 Millionen Bücher in 22 Sprachen, hat seinen hundertsten Roman veröffentlicht. DER SPIEGEL 50/1984
  7. a b Zweiter Weltkrieg: Bedingt würdig. DER SPIEGEL, 20/1988
  8. TV-Film: Schotten dicht, DER SPIEGEL 3/1985
  9. Poeten arm und reich, Wolfram Bickerich über das Aus- und Einkommen von Autoren, SPIEGEL Special
  10. a b Bestseller: Konsaliks Geist lebt, FOCUS Magazin Nr. 19, 2000
  11. Heim ist der Verfasser von Romanen zu den TV-Serien „Die Schwarzwaldklinik“ oder „Trauminsel“.
  12. Gestorben: Heinz G. Konsalik, DER SPIEGEL, 41/1999
  13. Autoren: Einsatz an der Schreibfront, DER SPIEGEL, 46/1999
  14. a b Autoren: Gegen den Bolschewismus. Der Schriftsteller Heinz Günther Konsalik, 75, antwortet dem Kölner Autor Wolfgang Bittner, der die finanzielle Förderung der Verfilmung von sechs Konsalik-Romanen in Höhe von vier Millionen Mark durch die NRW-Filmstiftung kritisiert. In: Der Spiegel. 31/1996.
  15. a b c d e f Interview mit Heinz Günther Konsalik 1982
  16. 2. Oktober 2009 – Vor 10 Jahren: Bestseller-Autor Heinz G. Konsalik stirbt, Die Ein-Mann-Schreibfabrik, WDR
  17. Wer ist der Beste im ganzen Land? Die Dichter der Nation. In: Spiegel Magazin.
  18. Autoren: Konsequent germanisch, DER SPIEGEL, 9/1999
  19. Matthias Harder: Erfahrung Krieg. Zur Darstellung des Zweiten Weltkrieges in den Romanen von Heinz G. Konsalik. Mit einer Bibliographie der deutschsprachigen Veröffentlichungen des Autors 1943–1996. Königshausen & Neumann, 1999, ISBN 3-8260-1565-7, S. 196.
  20. Mikael Niemi: Populärmusik aus Vittula