Heinz Krüger (Fotograf)

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Heinz Krüger (* 17. November 1919 in Falkensee; † 25. Juni 1980 bei Wesenberg am Großen Pälitzsee) war ein deutscher Fotograf und Bildreporter.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinz Krüger war verheiratet mit Gerda Krüger. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Gerda Krüger half beim Entwickeln der Bilder und arbeitete ihrem Mann bei der Erstellung eines detaillierten Fotoarchivs zu, u. a. durch Anlage eines chronologischen, maschinegeschriebenen Findbuchs.[2][3]

Ausbildung und Kriegsdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinz Krüger machte in den Jahren 1934 bis 1938 in einer Berliner Druckerei eine Ausbildung als Reproduktionsfotograf. Anschließend arbeitete er in der Druckerei Ernst Steiniger in Berlin. Noch im ersten Kriegsjahr 1939 wurde er zur Wehrmacht einberufen. Zunächst in Rostock stationiert, diente er später bei Einheiten der Flugabwehr in Dänemark und der Tschechoslowakei. Nach Kriegsende zog er von Berlin nach Falkensee, um im Fotoatelier Schirner zu arbeiten.

Freier Bildreporter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1946 wechselte er als freier Fotograf zur Berliner Agentur Puck-Studios – Jenseits des Üblichen. Dieser erste private Pressedienst in Berlin wurde schnell zum Begriff für eine Fotografie, die Geist und Nerv dieser Zeit nachdrücklich erfasste.

Ab 1949 war Heinz Krüger als freier Bildreporter tätig, seit 1952 erhielt er Aufträge von der Zeitschrift Freie Welt, die ihren Redaktionssitz in Berlin und ein ständiges Büro in Moskau hatte. Sie galt als die Auslands-Illustrierte der DDR. Im Auftrag der Freien Welt fotografierte Krüger in unzähligen Kindergärten, Schulen und Betrieben der DDR – hielt politische, gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse aller Art mit der Kamera fest. Mehr als 50 Reportagereisen führten Krüger darüber hinaus in fast alle Unionsrepubliken der ehemaligen Sowjetunion, in andere sozialistische Länder sowie nach Westafrika und Zypern.

Reportagereisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soweit dies Recherchen bisher ergaben, unternahm er viele Reportagereisen mit den Freie-Welt-Reportern Hans Frosch und Peter Schön, daneben u. a. auch mit Klaus Hurrelmann, Monika Höft, Gisela Reller und Joachim Umann. Im September 1971 reiste er mit dem freien Schriftsteller Karl-Heinz Jakobs (1929–2015) in die Sozialistische Sowjetrepublik Kirgisien, das heutige Kirgisistan, in Zentralasien. Beide kannten und schätzten sich – Jakobs lebte von 1971 bis 1981 in Falkensee. Ihr Reisebericht erschien 1972 in drei umfangreichen Teilen in den ersten Januarausgaben der Freien Welt. Als Anlass für die Reportage über Kirgisien diente das 50. Jubiläum der Gründung der UdSSR im Jahr 1922.

Die drei Beiträge erzählen vom Erreichten, zeigen Errungenschaften in kraftvollen, optimistischen Bildern von Heinz Krüger. Im letzten Teil der Reihe fasst Jakobs das Erfahrene zusammen – verdichtet es: „Zwei Wochen waren wir am Issyk-Kul. Wir waren bei der Mohnernte und beim Eintrieb von viertausend Schafen in einem Viehpram auf dem Weg zu den Schlachthöfen von Rybatschje. Die Schafhirten veranstalteten uns zuliebe ein improvisiertes Reiterspiel. Wir haben Kindergärten besichtigt und Sanatorien. Wir badeten und erholten uns am Issyk-Kul, sprachen mit den Erdölarbeitern von Orgotschor.“ Jakobs verarbeitete das Erlebte später in dem Reiseroman Tanja, Taschka und so weiter.

Auch für Buchprojekte entstanden Aufnahmen. Als Ergebnis einer Reise mit dem Freie-Welt-Chefredakteur Joachim Umann in die Republik Guinea erschien 1961 der Text-Bildband Blende auf für Guinea. Text und Bilder erzählen vom Aufbau der noch jungen Republik. Ihre Unabhängigkeit hatte die ehemalige französische Kolonie erst 1958 erlangt, die DDR bemühte sich um Handelsbeziehungen mit ihr. Die von Heinz Krüger im Bildband veröffentlichten Aufnahmen richten den Blick bewusst auf Gegensätze: Sie sollen sozialistischen Fortschritt und frühere koloniale Rückständigkeit bezeugen.

Unter Kollegen und Weggefährten galt Heinz Krüger als angenehm und kollegial. Die Autorinnen und Autoren, mit denen er reiste, schätzten seinen Elan und die präzise Art zu fotografieren. Wenn die Aufnahmen schwierig waren und der nächste Termin wartete, mussten sich die Autoren oft in Geduld üben.[4]

Illustrationstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Reportagereisen prägte eine umfangreiche fotografische Tätigkeit in der Volksbildung und der Familienerziehung seine Arbeit. Vor allem für die Zeitschriften Elternhaus und Schule und Fröhlich sein und Singen illustrierte er Beiträge mit zahlreichen Fotos. Im Rahmen seiner umfangreichen Illustrationstätigkeit erschienen in den 1960er- und 1970er-Jahren Fotos in einer Buchreihe zur Erziehung in der Familie in mehreren Auflagen im Verlag Volk und Wissen Berlin: Das Kleinkind, Das Vorschulkind, Das Schulkind von sechs bis zehn, Der Schüler von zehn bis sechzehn.

1963 und 1970 entstanden zahlreiche Fotos zu den Märkischen Wanderungen Theodor Fontanes. Für das von Gotthard und Therese Erler herausgegebene Buch (1971/73) Von Rheinsberg bis zum Müggelsee steuerte er 45 Fotos „mit großem Einfühlungsvermögen“ bei. In der Rezension von Rudolf Mingau heißt es zu den Fotos weiter: „Sie konfrontieren – wo es möglich und sinnvoll ist – altes Motiv und neues Leben und bieten eine wertvolle Ergänzung zum Text.“[5]

Fotogruppe Signum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinz Krüger gehörte der Fotogruppe Signum an. Ihre Mitglieder sprachen sich Ende der 1960er-Jahre gegen die schablonenhaften, wenig lebendigen Fotos der offiziellen Auftragsfotografie in der DDR aus.[6][7]

In 35 Berufsjahren schuf er einen wichtigen Bildfundus aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur. Seine als Auftragsarbeiten entstandenen Fotos entsprechen überwiegend der politisch erwünschten Fotografie in der DDR. Aber auch das Alltagsleben lässt sich aus seinen Bildern ablesen. So finden sich zahlreiche Aufnahmen, die nicht der inszenierten sozialistischen Bilderwelt entsprachen.

Rezeption, Erschließung, Ausstellungsprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum Falkensee bewahrt seit 2005 den Nachlass von Heinz Krüger.[8] Seine Frau und Assistentin Gerda Krüger übergab dem Museum den umfangreichen Bildfundus ihres Mannes mit mehr als 27.000 Fotoabzügen und einem Vielfachen an Negativen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur und Volksbildung. Er sollte in Falkensee erhalten bleiben, der Stadt, in der Heinz Krüger lebte und der er fotografisch verbunden war.

Wie Bert Krüger in den Museumsblättern berichtet, war zunächst aus zeitlichen und technischen Gründen an eine inhaltliche Erschließung nicht zu denken. Erste Schritte bestanden darin, den Bestand in der überlassenen Ordnung zu erhalten. Die erste Sichtung ergab ca. 12 000 Fotoabzüge und ein Vielfaches an Negativen im 6 × 6 Format, sowie eine kleine Zahl an Kleinbildnegativen und Farbdias. Alle sind mit einer laufenden Nummer versehen und können mit Hilfe des Findbuchs Zeiten und Orten zugeordnet werden.

Im Jahr 2007 gab es im Museum Falkensee eine erste Ausstellung von Fotos aus dem Nachlass mit Falkenseer Stadtansichten. Seit 2010 ist in der Dauerausstellung des Museums mehr über die Biografie von Heinz Krüger zu erfahren und es werden ausgewählte Fotos präsentiert.

Bereits erfasste Bestände aus dem Fotoarchiv Heinz Krüger. Zu sehen: Kirgisische Schafhirten am Issyk-Kul, September 1971. Foto: Bert Krüger, Museum und Galerie Falkensee

Bereits ein Jahr später erfasste Sebastian Schuth von der Fachhochschule Potsdam im Rahmen eines Praktikums alle Fotoabzüge formal in einer Excel-Tabelle. Seine Arbeit bildete die Grundlage für einen Import der Daten in die Museumsdatenbank FirstRumos. In Zahlen waren das 2.310 Grunddatensätze, hinter denen sich mehr als 27.000 Fotoabzüge verbergen. Langfristiges Ziel des Museums ist die digitale Erfassung des gesamten nachgelassenen Fotoarchivs.

Im Rahmen des museumspädagogischen Angebots „Spurensuche DDR. Aktives Lernen im Museum Falkensee“, gefördert vom Landkreis Havelland, wurde 2014 eine Handreichung erarbeitet und mit der Digitalisierung ausgewählter Fotografien begonnen, die vom Alltag und Leben während der DDR-Zeit in der Region erzählen.

Ausstellungsprojekt Brandenburger Notizen: Fontane – Krüger – Kienzle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Ausstellungsprojekt Brandenburger Notizen: Fontane – Krüger – Kienzle, anlässlich des 200. Geburtstages des Schriftstellers Theodor Fontane, gelang es 2019 im Rahmen von Fontane.200, einer von Kulturland Brandenburg geförderten Programmreihe, im Museum Falkensee weitere Bilder von Heinz Krüger zu digitalisieren.[9]

Die Ausstellung setzt Schwarzweiß-Aufnahmen von Heinz Krüger und dem Berliner Fotografen Lorenz Kienzle korrespondierend mit Fontanes Texten und Skizzen in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg in Szene.[10] Als Besonderheit ist hier anzusehen, dass Kienzle, der auch die Bildauswahl aus dem Krüger-Archiv traf, zur Vorbereitung der Ausstellung mit bis dahin unveröffentlichten Stellen aus den Notizbüchern Fontanes arbeitete.[11][12]

Begleitend zur Ausstellung erschien im Verlag für Berlin-Brandenburg 2019 das gleichnamige Buch Brandenburger Notizen: Fontane – Krüger – Kienzle in Zusammenarbeit mit und mit einem Nachwort versehen von Gabriele Radecke.[13]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bildberichter Heinz Krüger – dokumentarische Momentaufnahmen der Jahre 1949–1979. Heimatmuseum Falkensee, 2006–2007
  • Archivfenster. Allein, allein, – die Stille singt. Eva und Erwin Strittmatter. Akademie der Künste Berlin, 2014[14][15]
  • Brandenburger Notizen: Fontane – Krüger – Kienzle. Ausstellung Museum und Galerie Falkensee, 2019

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Zeitschriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wenn die Osterzeit naht, wachsen viele Tiere heran. Titelbild von Elternhaus und Schule, Heft 4, 1957.
  • Alltag im Tal – Issyk-Kul, das kirgisische Meer. Ein Kind wird geboren; zus. m. Karl-Heinz Jakobs, in: Freie Welt, 1. Januarheft 1972.
  • Alltag im Tal – Issyk-Kul, das kirgisische Meer. Ein Haus wird gebaut; zus. m. Karl-Heinz Jakobs, in: Freie Welt, 3. Januarheft 1972.
  • Alltag im Tal – Issyk-Kul, das kirgisische Meer. Ein Baum wird gepflanzt; zus. m. Karl-Heinz Jakobs, in: Freie Welt, 5. Januarheft 1972.
  • mit Gisela Reller in Freie Welt, Nr. 21. Berliner Verlag, Berlin 1980. ISSN 0427-5217.

In Büchern (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Krüger und Joachim Umann: Blende auf für Guinea, VEB F.A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1961.
  • Lothar Klunter und Just Wagner (Hrsg.): Prominente. Fotos. Gedanken, VEB Fotokinoverlag, Leipzig 1969, S. 24, 38, 60–61, 66, 68, 69.
  • Gotthard u. Therese Erler (Hrsg.): Theodor Fontane – Von Rheinsberg bis zum Müggelsee. Märkische Wanderungen Theodor Fontanes. Mit Fotos von Heinz Krüger. Aufbau Verlag, Berlin und Weimar 1971.
  • Gisela Reller: Diesseits und Jenseits des Polarkreises. Bei den Südosseten, Karakalpaken, Tschuktschen und Eskimos. Verlag Neues Leben, Berlin 1985.
  • Heinz Hoffmann und Rainer Knapp (Hrsg.): Fotografie in der DDR – Ein Beitrag zur Bildgeschichte. Fotokinoverlag, Leipzig 1987, ISBN 978-3-73-110036-2, S. 53, 174.
  • Peter Walther: Kindheitsbilder. Alltagsfotografie in Brandenburg seit 1848. Herausgegeben im Auftrag des Brandenburgischen Literaturbüros und des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte von Peter Walther, Lukas Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86-732149-5, S. 274–279.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Findbuch, Fotoarchiv Heinz Krüger, Archiv Museum Falkensee.
  • Sebastian Schuth, Handreichung zur Digitalisierung der Fotosammlung Heinz Krüger, 2014.
  • Bert Krüger: Einen Anfang finden. Die digitale Erschließung des Fotoarchivs von Heinz Krüger. In: Museumsverband des Landes Brandenburg e. V. (Hg.): Museumsblätter. Mitteilungen des Museumsverbandes Brandenburg, Nr. 26, Juni 2015, S. 42–45. ISSN 1611-0684.
  • Lorenz Kienzle: Brandenburger Notizen. Fontane – Krüger – Kienzle, Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2019. ISBN 978-3-947-21542-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bert Krüger: Die Kamera war immer dabei – Die digitale Erschließung des Fotoarchivs von Heinz Krüger. In: Freunde und Förderer von Museum und Galerie Falkensee e.V. (Hrsg.): Heimatjahrbuch für Falkensee und Umgebung (2016). Falkensee 2016, S. 94–104.
  2. Das Findbuch ist Bestandteil des Fotonachlasses Heinz Krüger, Museum und Galerie Falkensee.
  3. Bolko Bouché: Ein Leben in Bildern. In: moz.de. 19. März 2014, abgerufen am 9. Mai 2019.
  4. Zahlreiche Begegnungen mit Heinz Krüger schildert die ehemalige Journalistin Gisela Reller in ihrem Blog. Beispielhaft in einem Artikel über Adygeja, der mit zahlreichen Krüger-Fotos illustriert ist. Gisela Reller: Adygen. In: reller-rezensionen.de. Abgerufen am 29. März 2019.
  5. Rudolf Mingau: Theodor Fontane: Von Rheinsberg bis zum Müggelsee. Märkische Wanderungen Theodor Fontanes. Rezension. In: Theodor-Fontane-Archiv (Hrsg.): Fontane Blätter. Band 6, Nr. 14. Potsdam 1972, S. 452.
  6. Mathias Bertram: Das pure Leben. Fotografien aus der DDR. Die späten Jahre 1975–1990. Hrsg.: Mathias Bertram. 1. Auflage. Lehmstedt Verlag, Leipzig 2014, ISBN 978-3-942473-91-0, S. 9.
  7. Vgl. hierzu auch die Erwähnung Heinz Krügers in Fußnote 71 in: Wiki zur Presse in der DDR
  8. Naima Wolfsperger: Der digitale Blick zurück. In: Potsdamer Neueste Nachrichten. 14. März 2019, abgerufen am 9. Mai 2019.
  9. Fontane und Krüger: Fotograf eröffnet Ausstellung. In: Märkische Allgemeine Zeitung. 14. März 2019, abgerufen am 16. März 2019.
  10. Maurice Wojach: Brandenburg-Streifzüge mit einer alten Plattenkamera. In: maz-online.de. 27. Juni 2019, abgerufen am 27. Juni 2019.
  11. Kurzreportage von Bernd Dreiocker: Kultur in Brandenburg – aktuell. Märkische Wandlungen. In: RBB Kulturradio. 19. März 2019, abgerufen am 29. März 2019.
  12. Judith Meisner: Ausstellung: Fontanes Notizen als Wegweiser. In: Märkische Allgemeine Zeitung / maz-online.de. 18. März 2019, abgerufen am 9. Mai 2019.
  13. Marlies Schnaibel: Bücherflut im Zeichen Fontanes. In: maz-online.de. 25. Juni 2019, abgerufen am 27. Juni 2019.
  14. Für die Ausstellung wurden Fotos von Heinz Krüger genutzt, die 1963 entstanden und Erwin Strittmatter in seinem Wohnort Schulzenhof zeigen.
  15. Archivfenster. Allein, allein, – die Stille singt. Eva und Erwin Strittmatter. In: adk.de. Akademie der Künste Berlin, abgerufen am 8. Mai 2019.