Heinz Strunk

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Heinz Strunk auf der Leipziger Buchmesse 2016

Heinz „Heinzer“ Strunk (* 17. Mai 1962 in Hamburg; eigentlich Mathias Halfpape, auch bekannt als Jürgen Dose) ist ein deutscher Entertainer, Autor und Mitglied der PARTEI. Zusammen mit Jacques Palminger und Rocko Schamoni bildet er das humoristische Trio Studio Braun.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Heinz Strunk“, Pseudonym und Alter Ego von Mathias Halfpape, wuchs in dem im Bezirk Harburg liegenden Stadtteil Langenbek auf und litt in seiner Jugend an ungewöhnlich starker Acne conglobata. Da er dem Alkohol und Glücksspiel laut eigener Aussage nicht abgeneigt war, drohte er in einem „Sumpf aus Saufen und Depression“ zu versinken. Von Haus aus Musiker mit „klassischer“ Ausbildung (Saxophon, Querflöte), produzierte er nach dem Abitur (1983) im heimischen Studio einige Aufnahmen, aus denen jedoch nichts wurde. Noch unter seinem bürgerlichen Namen Mathias Halfpape („halb Mensch, halb Pape“) gehörte er Michy Reinckes Band an, die mit Liedern wie Valerie Valerie und einer A-cappella-Version von Taxi nach Paris Erfolge feierte. Später trat er der Tanzband Tiffanys bei, mit der er zwölf Jahre durch den norddeutschen Raum tourte. Da es mit dem Produzieren nicht klappte, brachte er 1993 in Eigenregie das Gag-Album Spaß mit Heinz heraus, das durch Zufall an Bela B., den Schlagzeuger der Band Die Ärzte, gelangte. Durch ihn wurde das Album an Rocko Schamoni weitergeleitet, mit dem Halfpape später, gemeinsam mit Jacques Palminger, das Studio Braun gründen sollte. Auf dem im selben Jahr erschienenen Album Die Bestie in Menschengestalt von den Ärzten ist am Anfang des Liedes Gehirn-Stürm folgender Satz zu hören: „Ja Hallöchen, hier spricht Heinz Strunk und die Geräusche hinter mir, das sind Die Ärzte. Ich drück’ beide Stunken ganz fest zusammen und sag: eins, zwo, drei – Bühne frei.“

Von 2003 bis 2004 moderierte er die VIVA-Sendung Fleischmann TV sowie die Jürgen-Dose-Show auf Radio Fritz. Nach einigen im Eigenvertrieb erschienenen CDs veröffentlichte er 2003 sein erstes „offizielles“ Album mit dem Titel Einz, dem im Juni 2005 das zweite Album mit dem Titel Trittschall im Kriechkeller folgte.

2004 erschien sein stark autobiographisch gefärbtes Buch Fleisch ist mein Gemüse, in dem er über seine Erlebnisse mit Tiffanys reflektiert und das Schicksal eines ambitionierten Musikers in einer drittklassigen Tanzkapelle mit skurrilen Milieu-Beschreibungen der norddeutschen Provinz schildert. Als Erstauflage wurden 4000 Exemplare gedruckt.[1] Das Buch verkaufte sich bis Februar 2012 über 400.000 Mal.[2] Gelobt wurden – beispielsweise von der F.A.Z. – Beobachtungsgabe und Sprachwitz des Autors und seine bisweilen nachdenklich-traurigen Zwischentöne. Kritisiert wird von ehemaligen musikalischen Begleitern jedoch unter anderem, dass Halfpape mit seinem musikalischen Können sich durchaus gegen die „Tanzmucke“ und für „seine“ Musik hätte entscheiden können, statt über das Dorfpublikum herzuziehen, von dessen Eintrittsgeldern er schließlich gelebt habe.[Anm. 1]

2008 erschien im Rowohlt Verlag der Roman Die Zunge Europas, in dem der Protagonist Markus Erdmann, ein Comedy-Autor, sieben Tage seines skurrilen und bisweilen trostlosen Lebens beschreibt.

Am 5. Mai 2005 wurde im Deutschen Schauspielhaus die Operette Phoenix – Wem gehört das Licht uraufgeführt, die auf dem Bestseller Fleisch ist mein Gemüse basiert und bei der auch die anderen beiden Mitglieder von Studio Braun mitwirkten. Das Buch wurde 2005 von Annette Berger als Hörspiel bearbeitet und ist auch als Autorenlesung (Hörbuch) erhältlich.

Neben seinen Lesungen aus Fleisch ist mein Gemüse ging Halfpape mit Charlotte Roche auf Tour, mit der er eine Doktorarbeit aus dem Jahre 1978 mit dem Titel Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern las.

Bei der Bundestagswahl 2005 kandidierte Halfpape nach Rocko Schamoni auf Platz zwei der Hamburger Wahlliste der PARTEI. Bei der Hamburger Bürgerschaftswahl am 24. Februar 2008 kandidierte er als Spitzenkandidat auf Platz 1 der Landesliste. Bei der Bürgerschaftswahl 2011 war er erneut Spitzenkandidat und ging darüber hinaus ausdrücklich als Kandidat für das Amt des Ersten Bürgermeisters ins Rennen. Er erzielte mit 0,75 Prozent der Wählerstimmen das beste Ergebnis in der Geschichte der PARTEI.

In dem 2007 erschienenen Film Immer nie am Meer des österreichischen Regisseurs Antonin Svoboda spielte er an der Seite des Satiriker-Duos Stermann & Grissemann die Figur des Berni Schwanenmeister, die eindeutig autobiographische Züge trägt.

Im Frühjahr 2007 wurde Fleisch ist mein Gemüse unter der Regie von Christian Görlitz verfilmt. Halfpape selbst ist als Kommentator in den Film eingebunden.

Die Uraufführung der Theaterfassung von Fleisch ist mein Gemüse – Eine Landjugend mit Musik fand am 19. Januar 2010 im Kleinen Schauspielhaus der Wuppertaler Bühnen unter der Leitung von Iwona Jera statt.

Seit März 2012 veröffentlicht Heinz Strunk Kolumnen im Satiremagazin Titanic. Diese hießen zunächst Das Strunk-Prinzip, seit 2015 laufen sie unter dem Namen "Heinz Strunks Intimschatulle".

Am 25. Juni 2011 hatte Heinz Strunk einen Gastauftritt bei Scooters Stadium Techno Inferno in der Imtech-Arena, wo er ein Solo auf der Querflöte zu How much is the Fish spielte.[3] Zudem ist er in Scooters Video "Can’t stop the Hardcore" zu sehen.

Seit 2013 tritt Heinz Strunk bei Extra 3 auf.

2016 erschien sein Roman Der goldene Handschuh, dessen Protagonist der Hamburger Serienmörder Fritz Honka ist. Honka wie Strunk verkehrten in der titelgebenden Kneipe in Hamburg-St. Pauli. Der Roman wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Zudem konnte sich das Werk den Platz 2 in der hr-Hörbuchbestenliste für den April 2016 sichern.[4]

Heinz Strunk ist nicht verheiratet und hat keine Kinder.[5]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Studio Braun / Fraktus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gespräche 1 (CD), 1999
  • Gespräche 2 (CD), 2000
  • Jeans Gags (CD), 2001
  • Fear Of A Gag Planet (CD), 2002
  • Ein Kessel Braunes (CD), 2004
  • Braunes Gold (CD), 2012
  • Millenium Edition (CD), 2012
  • Welcome to the Internet (CD), 2015

Solo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Spaß mit Heinz (CD), 1993
  • Der Mettwurstpapst (CD), 1994
  • Der Schlagoberst kommt (CD), 1999
  • Einz (CD), 2003
  • Trittschall im Kriechkeller (CD), 2005
  • Mit Hass gekocht (CD), Mai 2006
  • Der Schorfopa (CD), 2007
  • Mutter ist ein Sexmaschien (CD), 2010
  • Sie nannten ihn Dreirad (CD), 2015

Kollaborationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bücher sind jeweils auch als Hörbuchfassung gelesen von Heinz Strunk bei Roof Music erschienen.

Filmographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(als Schauspieler)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Brinkmann: Souvlaki und Spiegelei. Anti-Kulinarik in Heinz Strunks „Fleisch ist mein Gemüse“ (2004) oder: Der Genuss des Selbsthasses. In: Hans Wolf Jäger, Holger Böning, Gert Sauermeister (Hrsg.): Genußmittel und Literatur. edition lumière, Bremen 2011, ISBN 3-934686-12-5, S. 235–239.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heinz Strunk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Heinz Strunk – Zitate

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Ärzte-Album Planet Punk aus dem Jahr 1995 spielt Heinz Strunk Querflöte bei den Songs Rod loves You und Meine Ex(plodierte Freundin) – bei letzterem Song spricht er auch die Textzeile „… im Raum verteilt“.

  1. So beschreibt beispielsweise der Jazz-Gitarrist Roland T. Prakken die „Harburger Szene“ differenzierter und verschmitzter, kommt allerdings – was die Mühsal des Tourens über die Lande angeht – zu ähnlichen, aber weniger publikumsverachtenden Schlüssen – siehe Roland T. Prakken: Treulose Tomate ist nicht mein Gemüse. Nachttischbuch-Verlag, Berlin 2008.
  1. Heinz Strunk im Kino: Saxofonist ohne Sex, spiegel.de
  2. Fleisch ist mein Gemüse: Tragödie zum Totlachen, abendblatt.de
  3. http://www.focus.de/panorama/boulevard/musik-scooter-geben-konzert-der-superlative_aid_640300.html
  4. Heinz Strunk: knapp verloren gegen Gunnar Ekelöf Abgerufen am 13. Mai 2016
  5. Hamburger Abendblatt: Heinz Strunk wollte nie heiraten oder Vater werden Abgerufen am 26. Februar 2016
  6. Martin Brinkmann: Souvlaki und Spiegelei. Anti-Kulinarik in Heinz Strunks „Fleisch ist mein Gemüse“ (2004) oder: Der Genuss des Selbsthasses (PDF; 24 kB)