Heinz Winfried Sabais

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Heinz Winfried Sabais (* 1. April 1922 in Breslau; † 11. März 1981 in Darmstadt) war Schriftsteller, Lyriker und Politiker. Von 1971 bis 1981 war er Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt.

Grab von Heinz Winfried Sabais auf dem Alten Friedhof in Darmstadt (2011)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sabais wurde am 1. April 1922 in Breslau geboren. Er entstammte einer Arbeiterfamilie, deren Vorfahren aus Frankreich eingewandert waren. Sabais legte die mittlere Reife ab und begann zunächst eine kaufmännische Ausbildung in einem Breslauer Großhandelshaus. Im Herbst 1940 legte er die Handelsgehilfenprüfung ab und im Frühjahr 1941 die Begabten-Reifeprüfung. Die Einberufung zur Wehrmacht verhinderte den Beginn eines Studiums. Während des Zweiten Weltkriegs diente er als Flugzeugführer. Sabais stürzte als Luftwaffenpilot ab und konnte aufgrund der erlittenen Frontuntauglichkeit von 1943 bis 1945 vier Semester in Wien und Prag als Gasthörer studieren. Er geriet 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft, was laut eigenen Aussagen der Auslöser seines literarischen Schaffens war.

Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft gelangte er 1947 über Rudolstadt nach Weimar. Dort arbeitete er als Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften und Lektor im Kiepenheuer-Verlag. Ab Januar 1948 war er als Chefsekretär des Deutschen Goethe-Ausschusses Weimar/Berlin an der Organisation des Goethe-Jahres 1949 beteiligt. Er begleitete Thomas Mann von Frankfurt am Main nach Weimer, wodurch eine Freundschaft zu Thomas Mann entstand. Er war Mitglied der LDPD.[1] 1950 verließ Sabais mit seiner Frau die DDR und kam über Berlin 1951 nach Darmstadt, wo er zunächst wieder als Redakteur der "Neue Literarische Welt" im Auftrag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung arbeitete. Im Januar 1954 übernahm er mit erst 32 Jahren das Amt des Kulturreferenten der Stadt. In den folgenden Jahren zeichnete er für die "Internationalen Ferienkurse", die "Darmstädter Gespräche" und die Ausstellungen auf der Mathildenhöhe verantwortlich. Am 1. Januar 1963 wurde er zum ersten hauptamtlichen Kulturdezernenten der Stadt Darmstadt gewählt. In diese Zeit fiel u.a. die Initiierung des Leonce-und Lena-Preises der Stadt Darmstadt.

1971 wurde er Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt als Nachfolger von Ludwig Engel. Seine Amtszeit war vor allem von der stark kritisierten Umgestaltung des Darmstädter Luisenplatzes geprägt. Sabais war von 1971 bis 1981 auch Präsident des Deutschen Bühnenvereins.

Sabais starb, noch als amtierender Oberbürgermeister Darmstadts, am 11. März 1981 an einem Krebsleiden. Er wurde auf dem Alter Friedhof (Darmstadt) begraben (Grabstelle: II Mauer 128). Heinz Winfried Sabais war mit seiner Jugendliebe Ingeborg Sabais (1922–2008) verheiratet. Aus der Ehe sind drei Kinder entstanden.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1981: Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen.
  • 5. Juli 1989: Auf der Mathildenhöhe in Darmstadt wurde ein Platz nach Sabais benannt.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1947: Und über allem sei Liebe, Gedichte, Rudolstadt.
  • 1965: Götter, Kaiser Diktatoren. Rütten & Loening Verlag, München 1965.
  • 1972: Darmstädter Ansichten, Darmstadt.

Sabais' „Darmstadt-These“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Sabais geht eine alternative, etymologische Ableitung des Namens Darmstadt zurück. Entgegen der von anderen favorisierten Variante, Darmstadt leite sich von dem Eigennamen Darimund ab, führte Sabais die älteste bekannte Schreibweise „Darmundestat“ auf die Einzelteile dar für Tor (abgeleitet vom indogermanischen tar), munde für Schutz (abgeleitet von Munt) und stat für Stätte zurück. So wäre der Name also eine Funktionsbezeichnung gewesen: die Stätte an einem befestigten Durchgang.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ich bin Europäer, Europa hat mich erzogen. Ich nenne ungesäumt Vaterland jedes Land, in dem die Menschenrechte regieren. Ich respektiere dich, der du mich respektierst. Europa ist die große Assoziation der Einzelnen, unsere Arbeitsgemeinschaft zur Entfaltung der Freiheit.“

„Ich glaube nicht an Darimund [2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Artikel Heinz Winfried Sabais, in: Stadtlexikon Darmstadt, 2006, Stuttgart S. 768f.
  • Heinz Winfried Sabais: Fazit. Gedicht und Prosa, Darmstadt 1982.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurzbiografie bei: Ursula Heukenkamp (Hrsg.): Unterm Notdach : Nachkriegsliteratur in Berlin 1945-1949. Schmidt, Berlin 1996, S. 553
  2. Darmstädter Ansichten, Ansprachen und Aufsätze, Justus-von-Liebig-Verlag, 1972, S. 33