Heischebrauch

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Sternsinger, russische Postkarte von 1916

Ein Heischebrauch ist ein Brauch, bei dem es um das Fordern oder Erbitten von Gaben geht. Eine Sonderform ist der Einkehrbrauch, bei der man sich in der Stube des Gastgebers bewirten lässt.

Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meistens sind es Kinder, die durch die Straßen oder von Haus zu Haus ziehen und um Gaben bitten. Dabei sagen sie Heischeverse auf oder singen Heischelieder. Auch Jungmänner ziehen zum Beispiel beim Pfingstsingen von Haus zu Haus, singen das Pfingstlied und bitten um Eier. Schließlich ist auch bekannt, dass berufsständisch ausgerichtete Personen heischend durch die Ortschaften ziehen. Regional unterschiedlich wünschen teilweise die Müllmänner und die Schornsteinfeger ein gutes neues Jahr, um ein Trinkgeld zu erbitten. Solch ein Neujahrstrinkgeld kann ebenso für die Freiwillige Feuerwehr oder Zeitungszusteller üblich sein.

Anlässe für Heischebräuche sind Kirchenfeste, jahreszeitliche Ereignisse (Neujahr, Erntedank) und Familienfeste wie Hochzeiten.

Regionale Heischebräuche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Winter, im Kontext des Erntedanks:

  • Äppelken poop Äppelken (‚Äpfelchen, kleine Äpfelchen‘): Bei diesem alten Heischebrauch, der jedes Jahr am Tag des Erzengels Michael (29. September) stattfindet, ziehen die Kinder in den Nachbarschaften der Stadt Gescher von Haus zu Haus und singen ein altes plattdeutsches Lied, worauf hin sie von den Bewohnern des Hauses Süßigkeiten bekommen. Bei diesem alten Brauch, der so wohl nur in Gescher erhalten geblieben ist, wurden den Kindern Äpfel geschenkt, z. B. das Fallobst oder zu kleine, für die Eigenverwertung nicht brauchbare Äpfel.
  • Rübengeistern, auch „Flenntippln“, „Rubebötz“, oder ähnlich: Bei diesem traditionellen Brauch werden Futter- oder Zuckerrüben nach der Erntezeit ausgehöhlt und an einer Seite Fratzen hineingeschnitten. Mit einer Kerze von innen beleuchtet, werden die Rübengeister ans Fenster oder vor Häuser gestellt oder die Kinder erheischen damit kleine Gaben.
  • Halloween (31. Oktober), ursprünglich irisch, über die Vereinigten Staaten wieder nach Europa verbreitet, heute weltweit zu finden. Es ist zu beobachten, dass Halloween Lokaltraditionen wie das keine 10 Tage später stattfindende Martinssingen verdrängt.
  • Martinssingen: bezogen auf den heiligen Martin (auch: „Gripschen“, „Dotzen“, „Schnörzen“, „Mätensingen“' oder „Mattenherrn“ genannt; in katholischen Gebieten)
  • Martinisingen: bezogen auf Martin Luther (in evangelischen Gebieten, vor allem im norddeutschen Raum)

Adventszeit:

Rauhnächte: (Thomasnacht) oder am Dreikönigstag:

  • Julklapp in Skandinavien zur Weihnachtszeit
  • Perchtenläufe, regional mit Einkehrbrauchtum: „Glöckler“ im Salzkammergut und Nachbarregionen
  • Christbaumloben, regional mit Einkehrbrauchtum: Oberschwaben. Bevorzugt finden Besuche bei Nachbarn und Freunden statt, vereinzelt aber auch bei völlig Fremden. Für den Fall eines Besuchs wird vom Christbaumbesitzer vorab Schnaps bereitgestellt.[1]

An Silvester:

An Neujahr:

  • Wensken (Wünschen) auf Helgoland: „Die Kinder besuchen vormittags Verwandte und enge Freunde, wünschen alles Gute für das neue Jahr und erhalten als Dank ein Geldstück. Nachmittags ziehen die Männer los, während die verheirateten Frauen zu Hause die Neujahrswünsche entgegen nehmen und die Besucher mit Sherry oder Portwein bewirten.“[2]

Am Dreikönigstag:

Karneval, Fastnacht und Fasching:

Im Frühjahr und zu Ostern:

Zu Pfingsten:

  • Das Wasservogelsingen ist ein alter Heischebrauch im bayerischen Schwaben bis hin zum östlichen Altbayern, der alljährlich am Pfingstsonntag bzw. am Pfingstmontag stattfindet. Dabei ziehen mehrere Gruppen von Haus zu Haus, um Gaben zu erheischen, wofür im Gegenzug der von der Gruppe ernannte Wasservogel von den Hausbewohnern mit Wasser übergossen werden darf.[6]
  • Der Latzmann am Pfingstmontag in Volkersheim und einigen anderen Oberschwäbischen Dörfern.

Jahreszeitenunabhängig:

  • Rummeln in Norddeutschland nach dem Spruch „Rummel, rummel, roken, giv mi nen Appelkooken“.

Im Rahmen von Kirchweihen:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heischen. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Band 10. Hirzel, Leipzig 1877, Sp. 897–902 (woerterbuchnetz.de, Universität Trier).
  • Konrad Köstlin, Martin Scharfe: Heischebräuche. In: Hermann Bausinger (Hrsg.): Dörfliche Fasnacht zwischen Neckar und Bodensee. (= Volksleben; 12). Tübinger Vereinigung für Volkskunde, Tübingen 1966, S. 156–195.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heischebräuche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.brauchwiki.de/Christbaumloben
  2. Britta Schwanenberg/Annette Holtmeyer: Nordsee - Kultur - Planet Wissen. 28. August 2012; abgerufen am 20. September 2016.
  3. Norbert Humburg: Städtisches Fastnachtsbrauchtum in West- und Ostfalen. Die Entwicklung vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Volkskundliche Kommission für Westfalen 1976. Seite 140
  4. Bürgerblatt Salzgitter-Ringelheim: Bürgerblatt 3/2002 der Bürgerschaft Ringelheim und Freundeskreis e.V.
  5. http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau2006/0445?sid=f805f1c9a8f978ce9cf277f6f720e960
  6. http://www.brauchwiki.de/Wasservogel