Heisterbacher Talbahn

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Oberdollendorfer Viadukt der Talbahn auf einer Postkarte der Jahrhundertwende

Die Heisterbacher Talbahngesellschaft (HTB) war eine AG, die eine Schmalspurbahn (750 mm) vom Rheintal in das Siebengebirge betrieb. Diese führte von Niederdollendorf über Oberdollendorf, Kloster Heisterbach, Heisterbacherrott und Thomasberg bis zur Grengelsbitze.

Im Jahre 1889 wurde der Bau begonnen. Am 22. Oktober 1891 konnte die (ohne Stichbahnen) 7,2 Kilometer lange Strecke eröffnet werden; eine Erweiterung folgte 1894. Im Jahre 1895 pachtete die Brölthaler Eisenbahn AG, die spätere Rhein-Sieg-Eisenbahn AG, die im Vulkangebiet des Westerwalds mehrere Basaltsteinbrüche erschlossen hatte und die HTB als Konkurrenz ansah, deren Betrieb an. Im Jahre 1901 – nach anderen Quellen am 8. Oktober 1903 – wurde die HTB von der RSE erworben und die Talbahngesellschaft liquidiert.

Die Bahn diente hauptsächlich dem Abtransport von Erzeugnissen aus den diversen Steinbrüchen, der Braunkohle aus Thomasberg und den Abstichen von Tonerde zur Hauptbahnstrecke nach Niederdollendorf (wo nach 1888 ein Güterbahnhof gebaut wurde), vor allem aber zur Verladestelle am Rhein. Bis 1930 wurde auch öffentlicher Personenverkehr angeboten, dann aber eingestellt (Fahrpläne geben eine Fahrtdauer von etwa 35 Minuten für die Strecke von Grengelsbitze bis Niederdollendorf an), weil seit 1926 die Strecke Dollendorf-Oberpleis von Omnibussen der Rhein-Sieg-Eisenbahn übernommen worden war.

Die Reisezugwagen der Heisterbacher Talbahn wechselten später zur Rhein-Sieg Eisenbahn AG. Eine historische Aufnahme aus Quirrenbach mit RSE Dampflokomotive 52 zeugt davon.

Eine Verbindung zwischen der Heisterbacher Talbahn (750mm) und der Rhein-Sieg Eisenbahn (785mm) war geplant. Eine Querverbindung von Heisterbacherroth (HTB) aus quer durch das Siebengebirge nach Herresbach/Oberpleis (RSE) hätte dazu verwirklicht und die komplette Heisterbacher Talbahn auf die Spurweite der RSE umgespurt werden müssen. Damit hätte ein gegenseitiger Tausch der Wagenumläufe stattfinden können. Aufgrund der aufwändigen und schwierigen Umsetzung wurde dieser Plan im Laufe der Jahre zunichte gemacht.

Der Güterverkehr, der stets die wichtigste Einnahmequelle darstellte, wurde auf der Hauptstrecke 1942 eingestellt und die abgebauten Gleise gingen in die östlichen Frontgebiete. Die letzte Bahn auf den Stichstrecken nach Römlinghoven (Tontransport) und zu den Fabriken fuhr 1950.

Stichbahnen von der Hauptstrecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stichbahn von der Grengelsbitze zur Verladestelle des Steinbruchs Scharfenberg, Länge etwa 1,5 km.
  • Stichbahn von der Grengelsbitze zum Braunkohlebergwerk in Thomasberg im Limperichsberg.
  • Stichbahn zur Verladestelle am Steinbruch Weilberg, diese Strecke hatte als einzige einen kurzen Tunnel.
  • Stichbahn zur Talstation der Seilbahn der Tonförderung Brocksiefen.
  • Stichbahn zur Talstation der Luftbahn des Steinbruchs am Petersberg.
  • Stichbahn zu den zwei Tonladestellen an den Talstationen der zwei Flachseilbahnen am Karschberg in Römlinghoven.
  • Stichbahn zu den Verladestellen am Rhein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean Assenmacher: Erinnerungen an die Heisterbacher Talbahn. Kreis der Heimatfreunde Niederdollendorf, Königswinter 1983.
  • Carsten Gussmann, Wolfgang Clössner: Die Heisterbacher Talbahn und Industriebahnen im Siebengebirge. Geschichte, Fahrzeuge, Gleispläne und Karten. EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 2006, ISBN 3-88255-456-8 (Regionale Verkehrsgeschichte 39).
  • Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 4: Nordrhein-Westfalen, Südlicher Teil. EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 1997, ISBN 3-88255-660-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]